Die Kiste an der ScheinBAR

Hagen

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Die Kiste an der ScheinBAR

Vor einiger Zeit, die von mir über alle Maßen geliebte, Wunderbare Ulrike und ich waren endlich soweit, dass wir das Haus mal renoviert hatten, mit der ScheinBar und einen Raum für den Billardtisch, bekamen wir Post aus Berlin. Man teilte uns mit, dass uns der Annegret Kramp-Karrenbauer-Preis verliehen worden war, weil wir noch nie einen Liefertermin bei dem Verteidigungsministerium überschritten hatten.

Wir überschritten zwar ganz gerne mal was, die normalen moralischen Grenzen zum Beispiel; - aber das ist eine andere Geschichte. Die Verleihung des Annegret Kramp-Karrenbauer-Preises versetzte uns trotzdem ein wenig in Erstaunen.

Na, gut, da weder die Wunderbare Ulrike, die Direktorin der Centaury Raumschiff Manufactur, noch ich je etwas von dem Annegret Kramp-Karrenbauer-Preis gehört hatten, und auch noch nie was geliefert haben, wobei wir einen Termin hätten überschreiten können, baten wir einen befreundeten Anwalt, doch mal ganz vorsichtig zu recherchieren. Es kam heraus, dass die gesamte NATO von unserer übergroßen Bescheidenheit ganz angetan war, weil wir überhaupt nicht reagiert hatten.

„Ob das was mit diesen Modellen zu tun hat, die dir dieser durchgeknallte Nachbar immer schenkt?", fragte ich die Wunderbare Ulrike, denn seit geraumer Zeit pflegte ihr der Herr Oberstleutnant Guntram Greulich, ein in der Nachbarschaft wohnhafter, latent schizophrener und aus diesem Grund vorzeitig berenteter Fliegerleitoffizier, der an der ScheinBAR ständig Pflaumenschnaps trank und dabei mit mir zu diskutieren versuchte, ob es sich in der heutigen Zeit und bei der Regierung überhaupt noch lohnen würde, einen Krieg anzufangen, extrem wilde, waffenstarrende, selbstgebaute Raumschiffmodelle zu schenken, und ihr das Versprechen abnahm, die Dinger in Ehren zu halten. Die Wunderbare Ulrike war ein wenig ratlos, aber der Ansicht, dass Modellbau eine ausgezeichnete Therapie darstellt und er sollte man lieber Raumschiffmodelle bauen, als einen Krieg anzufangen.

Oberstleutnant Guntram Greulich baute wirklich prächtige Raumschiffsmodelle, und bald standen überall Raumschiffmodelle rum, die beim Abstauben mächtig Arbeit machten. Dumm war nur, dass Oberstleutnant Greulich hin und wieder kontrollieren kam, mir permanent Gespräche über den Eurofighter aufzudrängen versuchte und dabei ausschließlich Pflaumenschnaps trank, dabei haben wir doch fabelhafte von mir kreierte Cocktails.

Egal.

Die Wunderbare Ulrike schüttelte den Kopf und äußerte die Vermutung, dass es vielleicht wäre, weil ich die Fähigkeit besitze, trotz meiner Leibesfülle leichten Fußes über ein Flugfeld zu eilen, was ja schon einen halben Verteidigungsminister ausmacht. Aber da war ich etwas skeptisch, und dann fiel uns gleichzeitig der Abend ein, als wir unsere gemeinsame Freundin Katalina wieder mal trösten mussten, weil sich ihre letzte große Liebe, die mit einem Sanitäter, nicht erfüllt hatte, obwohl sie sich extra für ihn ein neues Nachthemd gekauft hatte, Modell furioso appassionato.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls, es war wie gesagt, ein Weilchen her, wir saßen Abends wieder an der ScheinBAR bei einem ‘Der Wunderbaren Ulrike‘s Nightcap‘ für Ulrike, einer ‘Fledermaus im Wacholderhain‘ für Katalina und einem ‘Waist Gunner‘ für mich, trösteten so vor uns hin, und ich machte dabei den Vorschlag, es doch mal mit einer Heiratsanzeige oder einer Dating-Line zu versuchen.

Katalina war zunächst etwas skeptisch und ich setzte noch einen drauf: Sie sollte neben dem obligaten Bild auch gleich einen Einkommensnachweis, eine Fotokopie des KFZ-Briefes und des Bausparvertrages sowie einen Corona-, und AIDS-Test jüngsten Datums anfordern.

Ich bereitete schnell noch eine ‘Fledermaus im Wacholderhain‘ für Katalina, eine kleine, weil wir monetär nicht so gut drauf waren, alldieweil der Verlag, für den ich bisher geschrieben habe, mir gekündigt hatte und die Preise für Druckerkartuschen, mit denen wir unseres Computers Drucker zu füttern genötigt sind, wieder mal mächtig angezogen haben. Nur mit einer ‘Fledermaus im Wacholderhain‘ konnte ich verhindern, dass Katalina ihre Handtasche hätte ungebremst auf meinen Dichterschädel niedersausen lassen.

Katalina wurde aber ganz schnell wieder vergnügt als die ‘Fledermaus im Wacholderhain‘ vor ihr stand und revanchierte sich mit dem Ratschlag, das Zeugs doch im Großhandel zu kaufen. Jetzt spielte ich den Beleidigten weil ja jeder weiß, dass man da nicht so einfach hingehen kann, man muss schon irgendwas angemeldet haben, eine Ehevermittlung oder so, und da bekam die Wunderbare Ulrike, die klügste aller Frauen, gleich ein recht nachdenkliches Gesicht und orderte sich noch einen ‘Der Wunderbaren Ulrike‘s Nightcap‘, was stets ein Indiz dafür ist, dass sie wieder mal eine brillante Idee herauszuhieven beabsichtigte.

„Wenn wir", sprach sie, „irgendetwas anmelden, haben wir einen Laden und sind berechtigt, im Großhandel Büromaterial einzukaufen, ganz einfach!"

„Was wollt ihr denn dann verkaufen?", fragte Katalina.

„Nichts", antwortete ich.

„Wollt ihr denn was herstellen, oder eine professionelle Bar aufmachen?", bohrte Katalina weiter, „sowas fehlt hier nämlich in Haselünne.“

„Nö, aber Kneipen gibt's doch genug! Außerdem ist das viel zu stressig, den ganzen Abend nur Cocktails mixen und dann nebenbei noch einen Weltbestseller schreiben? Na, hör mal!“

„Aber warum wollt ihr denn dann noch nebenbei ein Gewerbe anmelden?"

„Von wegen Gewerbe, wer sind wir denn? Wir melden einen Konzern an, wenn schon, denn schon! Ab sofort stellen wir Raumschiffe her!"

„Phantastisch, wie schnell du manchmal begreifst", lächelte die Wunderbare Ulrike und nippte an ihrem ‘Der Wunderbaren Ulrike‘s Nightcap‘.

„Ach, ihr sprecht von den Raumschiffen, die der Bekloppte immer baut", sagte Katalina und machte sich wieder über ihre ‘Fledermaus im Wacholderhain‘ her.

Wir ließen Katalina in dem Glauben und am nächsten Tag vom Gewerbeamt, die ‘Centaury Raumschiff Manufactur‘ eintragen. Das ging glatt durch, und von dort aus fuhren wir direkt zum Großhandel, die Berechtigungskarte zum Einkauf ausschreiben lassen. Der Chef guckte zwar ein wenig argwöhnisch, weil der gesamte Konzernvorstand der Centaury Raumschiff Manufactur persönlich erschienen war und für siebenunddreißigachtzig Papier, eine Druckerkartusche und fünf Kugelschreiberminen kaufte, aber das machte uns nichts.

Ich klebte mit Tesafilm kleine Zettelchen mit der Aufschrift ‘Centaury Raumschiff Manufactur‘ an Briefkasten und Klingel und dachte das war’s, was sich jedoch als typischer Fall von ‘Denkste‘ herausstellte.

Sodann arbeitete ich an meinem zukünftigen Weltbestseller und die Wunderbare Ulrike war eine gute Muse und noch bessere Geliebte, aber das ist eine andere Geschichte.

Bald darauf wurde es ein ganz klein wenig turbulent, denn Oberstleutnant Guntram Greulich brachte uns das Modell eines waffenstarrenden, schweren Raumkreuzers, stellte es uns auf die ScheinBAR und erwartete Begeisterung, sowie einen Pflaumenschnaps.

Katalina kam auch mal wieder vorbei, erzählte, dass sie durch eine Anzeige einen echten Grafen kennengelernt hatte und wollte eine ‘Fledermaus im Wacholderhain‘.

Falk, ich hatte ihn mal auf einer Lyrischen Lesung kennengelernt, kam uns besuchen, wollte einen ‘Hochlöffelseilbagger‘ und sich mal in Ruhe 'einen bauen', weil ihn seine Freundin dazu verdonnert hatte, seine Bude endlich mal aufzuräumen, und er sollte sich auch mal eine Tischdecke zulegen.

Ich sah keinen rechten Zusammenhang, die Wunderbare Ulrike kochte für alle Kaffee und erzählte von unserem Konzern bis wir zu den Cocktails übergingen.

Oberstleutnant Guntram Greulich war ganz begeistert und wir ernannten ihn zum Direktor für Design, worauf Falk über ‘Design oder nicht sein‘ zu philosophieren begann.

Oberstleutnant Guntram Greulich versprach, gleich das nächste Modell in Angriff zu nehmen. Es sollte ‘Tiger Wasp‘ heißen, weil die Centaury Raumschiff Manufactur ihren Produkten eine gelb-schwarze Camouflage verabreichte. Als Direktor für Design müsse er das schließlich wissen.

Das ging in Ordnung und ich bereitete Mir einen, ‘Waist Gunner‘ zu weil Katalina auch gleich noch einen ‘Fledermaus im Wacholderhain‘ und einen Direktionsposten haben wollte, alldiweil sie uns schließlich auf den Bolzen gebracht hatte, und das nun in epischer Breite auszudiskutieren suchte, wobei sie immer wieder ihren Grafen erwähnte. Sie wollte natürlich auch was für ihren Posten im Management tun, eine Aufgabe, die sie als Frau so richtig ausfüllen würde.

„Naja", sagte ich, „das kriegen wir hin! Aber heute wollten wir nochmal gemütlich an der ScheinBAR sitzen, einen Cocktail trinken und auf die ‘Centaury Raumschiff Manufactur‘ anstoßen!“

Das taten wir auch. Wir wollten uns das alles nochmal überlegen, von wegen Stress und so und ich wollte endlich meinen Weltbestseller schreiben und das war's dann mit der Centaury Raumschiff Manufactur; - dachten wir!


So nach fünf, sechs Wochen, klingelte es, ich unterbrach die Arbeit an meinem potentiellen Weltbestseller und ich ging arglos öffnen. An der Tür standen zwei grimmig dreinblickende, schwerbewaffnete Kerle und noch zwei ähnliche Typen, die eine Kiste mit hatten.

„Sicherheitsdienst", murmelte einer der Kerle, „ist hier das Hauptbüro der ‘Centaury Raumschiff Manufactur‘?"

„Ja", sagte ich arglos, „was kann ich für sie tun?"

„Dürfen wir hereinkommen?", fragte der eine Herr Sicherheitsdienst, „ich glaube, hier sind wir nicht abhörsicher."

„Ja, sicher, kommen sie ruhig rein. – Möchten sie einen ‘Waist Gunner‘ oder einen ‘Hochlöffelseilbagger‘ an unser Bar?“

„Was?“

„Naja, Cocktails zu kreieren ist eins meiner Hobbies, seit wir die ScheinBAR haben. Mit den Namen für die Cocktails tue ich mich allerdings etwas schwer. – Die Kiste können sie ja neben die Bar stellen, aber bitte so, dass niemand drüber fällt."

Ich ergriff die Flucht an die ScheinBAR vor den waffenstarrenden Männern und die Träger asteten die Kiste an die Bar, lümmelten sich auf die Barhocker und verlangten nach einem ‘Waist Gunner‘.

Ich bedauerte die Herren weil sie so schwer zu tragen hatten und mixte ‘Waist Gunners‘. Die Herren ‘Sicherheitsdienst‘ nippten daran und murmelten „Perfekt!“

Ich war etwas irritiert, als die beiden bewaffneten Kerle kurze Blicke in jedes Zimmer warfen. Schließlich setzten sie sich auch und einer murmelte: „Perfekt"

„Wieso?", fragte ich, „sie haben doch noch fast gar nichts getrunken."

„Ich meine nicht die Cocktails, die sind super! – Ich meine ihre Tarnung! Es sieht hier aus wie in einem Künstlerhaushalt! Niemand wird vermuten, dass hier Raumschiffe konstruiert werden!"

Sein Blick blieb an dem Raumschiffmodell auf der Theke der ScheinBAR hängen.

„Mein Gott", sagte er, "bauen sie wirklich son Ding?"

„Es steht zur Diskussion", sagte ich vorsichtig, und dann kam die Wunderbare Ulrike, die sanfteste aller Frauen ins Zimmer gestürmt, schwenkte ihr Einkaufsnetz mit Kohlrabi, und wollte augenblicklich wissen, welcher dumme, ganz dumme, hirnverbrannte Vollidiot die saublöde Kiste so an die ScheinBAR gestellt hätte, dass jeder normale Mensch sofort darüber fällt, und was die da überhaupt zu suchen hätte, und was da eigentlich drin wäre, und sie schmiss den Herren Sicherheitsdienst den Kohlrabi auf den Schoß, gab mir einen Kuss und die Herren Sicherheitsdienst murmelten: „Perfekt."

Schließlich räusperte sich jemand, wir lösten uns voneinander, und einer der Kerle wollte den Empfang der Kiste quittiert haben.

„Die Waschmaschine müsste gleich fertig sein", sagte Ulrike, „hilfst du mir, die Wäsche aufhängen?"

„Aber gerne, Wunderbare Ulrike."

„Perfekt", murmelte Herr Sicherheitsdienst, „aber bitte unterschreiben sie mir doch schnell den Erhalt des Behälters."

„Ich weiß doch gar nicht, was da drin ist."

„Die geheimen Ausschreibungsunterlagen für das neue Raumschiff, wussten sie das etwa nicht?"

„Die Sache ist doch geheim, nicht wahr?", fragte die Wunderbare Ulrike.

„Sogar streng geheim", sagte Herr Sicherheitsdienst.

„Dann dürfen wir das ja gar nicht wissen", folgerte die Wunderbare Ulrike.

Die Kerle gaben ihr Recht und murmelten: „Perfekt"

„Tja", fuhr die Wunderbare Ulrike fort und blickte auf meinen, mit Manuskripten überladenen Schreibtisch, „vom Timing her kommt uns die Ausschreibung etwas ungelegen, wir haben momentan keine Fertigungskapazitäten für Raumschiffe frei."

„Was?", die Herren Sicherheitsdienst machten große Augen, „sind Sie so gut ausgelastet?"

„Wenn wir auch nur eine einzige Kleinserie Raumschiffe zusätzlich zu unseren momentanen Aktivitäten auflegen würden, müssten wir eine komplett neue Fertigungsanlage errichten", sagte die Wunderbare Ulrike mit wichtigem Gesicht, „aber dazu haben wir im Moment kein Kapital frei."

„Lassen sie sich das doch von Berlin oder Brüssel finanzieren, die subventionieren doch jeden Mist. Hauptsache, es werden Arbeitsplätze erhalten."

„Seit Bestehen der ‘Centaury Raumschiff Manufactur‘ haben wir noch nicht eine Entlassung vorgenommen", fuhr die Wunderbare Ulrike fort, „das genügt doch wohl, oder? Außerdem haben wir noch nie Geld aus Berlin angefordert, und dabei soll es auch bleiben! – Möchten die Herren noch einen Cocktail?"

Die Herren hatten aber keine Zeit mehr, weil sie noch einen Satz Ausschreibungsunterlagen zu ERNO Raumfahrttechnik GmbH in Bremen bringen mussten, bevor die Feierabend machen würden, aber wir sollten doch so nett sein, den Transportbehälter stehen zu lassen, sie würden ihn dann gelegentlich abholen; - wenn wir uns schon nicht an der Ausschreibung beteiligen wollten. Der Herr Sicherheitsdienst betonte den letzten Satz und stieß mich dabei augenzwinkernd an, die Wunderbare Ulrike musste wohl ein geheimes Stichwort getroffen haben, jedenfalls murmelten die Kerle ständig „Perfekt", zogen ihre Waffen, öffneten vorsichtig die Haustür, warfen prüfende Blicke auf die Straße, ließen uns alleine und mich an den Computer um an meinem potentialen Weltbestseller weiterzuarbeiten.


Kurze Zeit später kam Katalina erneut zu Besuch und wunderte sich über die Kiste an der ScheinBAR. Noch etwas später, wir waren gerade beim Abendbrot, das Katalina stets gerne und voller Begeisterung bei uns absolvierte, rappelte das Telefon.

„Geh' doch mal ran", sagte die Wunderbare Ulrike zu mir, aber Katalina kam dieser Aufforderung nach, sagte „Hallo", und: „ja natürlich", und legte wieder auf.

„Komisch", meinte Katalina, als sie sich wieder an den Tisch setzte, „da war einer dran, der behauptete, vom Sicherheitsdienst zu sein. Er hat aber nur gefragt, ob die Kiste noch da sei."

Katalina biss von ihrem Käsebrot ab, „und dann hat er noch 'perfekt' gemurmelt, und wieder aufgelegt. Versteht ihr das?"

Die Wunderbare Ulrike nickte: „Also, du weißt ja: Wir haben diesen Konzern angemeldet, damit wir im Großhandel billiger einkaufen können, aber das ist auch schon alles! Wir dürfen in keiner und keinster Weise mit irgendwelchen Gesetzen in Konflikt geraten! Hast du das verstanden?"

Katalina nickte mit wichtigem Gesicht und die Wunderbare Ulrike ernannte sie daraufhin zum Direktor für Öffentlichkeitsarbeit, weil sie soeben ein positives Gespräch mit dem Sicherheitsdienst geführt hatte. Nach dem Abendessen kam Oberstleutnant Guntram Greulich entlang, brachte ein neues Raumschiffmodell mit und trank an der ScheinBAR Pflaumenschnaps.

Als die Wunderbare Ulrike mir nahelegte, doch gelegentlich mal zu ihr ins Bett zu kommen, hatte Oberstleutnant Guntram Greulich etliche Pflaumenschnäpse getrunken, Katalina einige ‘Fledermäuse im Wacholderhain‘ und beide gingen auf ein Direktionsgespräch noch irgendwo hin, nachdem wir Oberstleutnant Guntram Greulich auch zum Direktor für Feindabwehr befördert hatten.


Am nächsten Tag gingen vier dicke Briefe ein, die Kerle vom Sicherheitsdienst schickten uns unabhängig voneinander ihre Bewerbungen, verwiesen auf ihre Erfahrungen, sowie auf ihre Loyalität zum Arbeitgeber und waren bereit und guten Willens in unsere Dienste zu treten, schon alleine wegen des angenehmen Betriebsklimas und der fantastischen Cocktails.

Ich bedauerte außerordentlich als ich die Bewerbungen zu unserer Entlastung zurückschickte und versprach, auf sie zurückzukommen, sollte die Centaury Raumschiff Manufactur Sicherheitspersonal benötigen.


Dann passierte mal wieder eine Weile nichts, die Kiste mit der Aufschrift STRENG GEHEIM stand neben der ScheinBAR rum, die Wunderbare Ulrike legte schließlich ein geschmackvoll behäkeltes Kissen, Erbstück einer seligen Tante dritten Grades drauf, wir benutzten die Kiste als Telefonbänkchen, gewöhnten uns dran und ich arbeitete weiterhin an meinem potentiellen Weltbestseller, Oberstleutnant Guntram Greulich stellte uns wieder ein Raumschiffmodell auf die ScheinBAR und trank Pflaumenschnaps. Das Leben lief wieder in ganz normalen Bahnen, nur hin und wieder rief mal jemand an und fragte, ob die Kiste noch da sei. Wir antworteten jedes Mal, dass sie noch da sei und wir sie auch nicht geöffnet hatten.

Die Antwort bestand immer aus einem Lacher und dem Wort: 'Perfekt'.


Als dann wieder lange genug nichts passiert war, rief uns ein belgischer Laserkanonenhersteller an und fragte, ob wir uns schon für eine bestimmte Laserkanone entschieden hätten.

Ich antwortete, dass wir uns überhaupt noch nicht entschieden hätten.

Der Laserkanonenmensch freute sich unheimlich und fragte, wie viele Führungskräfte denn so in der Centaury Raumschiff Manufactur tätig wären.

Ich erwähnte die Wunderbare Ulrike, Oberstleutnant Guntram Greulich, Katalina und Falk, der gerade bei uns rumsaß, um endlich mal in Ruhe einen zu bauen und gegen Abend bei einer Runde Billard mit mir das eine oder andere Bier oder einen ‘Hochlöffelseilbagger‘ zu verkosten, sowie, in aller Bescheidenheit, mich. Der Laserkanonenmensch war etwas erstaunt über den hohen Prozentsatz an Frauen bei uns, und wir plauderten eine Weile ganz locker über die Quotenregelung.

Zwei Tage später erhielten wir wieder Post, ein Brief mit fünf Flugtickets nach Brüssel, first class natürlich, und der freundlichen Einladung, doch mal völlig unverbindlich eine Laserkanonenfabrik zu besichtigen, für Unterbringung und so sei gesorgt, und sie würden sich freuen uns als Gäste, - naja, das Übliche.

Da wir noch nie in Brüssel gewesen waren, flogen wir natürlich alle hin. Katalina und Oberstleutnant Guntram Greulich sahen sich die Stadt an und nach den günstigsten Bezugsquellen für Brüsseler Spitzen um. Falk blieb im Hotel um endlich mal in Ruhe einen zu bauen. Ulrike, die friedfertigste aller Frauen und ich besichtigten die Laserkanonenfabrik, wobei die Wunderbare Ulrike den nötigen Ernst vermissen ließ, weil sie ihren Organzahut aufbehielt.

Wir schritten an diversen Laserkanonen vorbei und die Wunderbare Ulrike zeigte offensichtliches Desinteresse als ständig kleine Vorträge über Reichweite und Bedienfreundlichkeit der Laserkanonen auf sie einprasselten.

Abends nahmen wir noch einen kleinen Umtrunk. Falk, den wir kurzfristig und ein wenig überstürzt, zum Direktor für innere Sicherheit ernannt hatten, prüfte mit Oberstleutnant Greulich und mir diverse belgische Biersorten, baute sich dann in Ruhe einen Joint und versprach den Laserkanonenmenschen, ihnen gelegentlich mal ein Schächtelchen Haselünner Schnaps vorbeizuschicken, und überhaupt sollten die Herren, wenn sie gelegentlich mal in der Gegend Haslünnes weilen sollten, mal kurz in der ScheinBAR reinschauen. Bei der Wunderbaren Ulrike an der ScheinBAR kommen einem immer die besten Ideen; - ein wahrhaft seltsamer Effekt.

Es war nicht so einfach, nichts zu unterschreiben, und die Herren Laserkanonenhersteller bedauerten außerordentlich, dass der Rest des Konzernvorstands leider verhindert war.


Der nächste Tag wurde etwas anstrengender, denn einige Herren von der Firma Britisch Spacecraft aus England erschienen und begannen sofort zu fachsimpeln, zum Beispiel über Hitzestaus in der vorderen Bugsektion.

„Wir haben damit überhaupt keine Probleme, noch nie gehabt", meinte die Wunderbare Ulrike mit zauberhaftem Lächeln. Und dann traten bei ihrem neuen Modell noch Vibrationen in den Halterungen der Laserkanonen bei Dauerfeuer auf.

„Wir haben einen derartigen Mist noch nie konstruiert!", sagte die Wunderbare Ulrike.

Tja, und dann waren da noch die Gierbewegungen beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, die zum Verziehen der gesamten Rumpfstruktur führen konnte.

„Wir haben überhaupt keine Last mit derartigem Kinderkram", lächelte die Wunderbare Ulrike und lehnte sich malerisch an einen Flächenlaser mit ungeheurer Zerstörungskraft, „wir haben es nicht mal nötig, deswegen Windkanalversuche zu machen."

Ich begann Heimweh zu kriegen, nach Haselünne, unserem Stubentiger ‘Klytaimnestra‘ und nach einem wundervollen Cocktail in der ScheinBAR, bei dem mir immer so gute Gedanken für meinen potentiellen Weltbestseller kommen.

„Allerdings", räumte ich anstandshalber ein, „ist es uns noch nicht gelungen, mit unseren Modellen die Lichtgeschwindigkeit problemlos zu überschreiten, wegen des Thomas de Maizière-Effektes. Sie wissen ja! – Macht Ihnen der Thomas de Maizière-Effekt auch zu schaffen?"

Die Britisch Spacecraft-Leute machten alle ernste Gesichter und gaben zu, dass sie mit dem Thomas de Maizière-Effekt arg zu kämpfen hätten, und dann lenkten sie schnell ab und kamen erneut auf die Laserkanonen zurück und auf die Probleme mit den Halterungen. Daraufhin bekamen die Britisch Spacecraft-Leute belgisches Bier und die Wunderbare Ulrike und ich je ein Modell einer Laserkanone mit hektisch blinkendem Lämpchen und einer kleinen Spieluhr, die 'üb' immer Treu' und Redlichkeit' spielte, wenn man die Kanone aufklappte.

Wir wurden etwas frostig verabschiedet, Oberstleutnant Guntram Greulich und Katalina zeigten uns das Atomium, Katalina kaufte noch ein paar Brüsseler Spitzen, für wenn die Raumschiffe doch mal gebaut werden würden, und sie wollte die Gardinen für die Cockpitfenster nähen.

Noch wochenlang später bekamen wir Prospektmaterial von belgischen Laserkanonen, und ich beeindruckte die Nachbaren, die mal auf einen Cocktail an der ScheinBAR reinschauten, damit.


Und dann, so etliche Wochen später, ich war mit meinem potentiellen Weltbestseller recht gut weiter gekommen, stürmte zweierlei unabhängig voneinander auf uns ein: Zuerst kam son' Kerl in feinem Anzug an und stellte sich mit 'Finanzamt' vor. Ich bat ihn herein und bot ihm einen ‘Waist Gunner‘ an. Er hatte gerade angefangen, argwöhnisch zu gucken, da fing das Telefon an zu tun, und ich hob arglos ab, leider ohne den Lautsprecher abzuschalten.

Einer der Typen von Britisch Spacecraft, die wir Brüssel kennengelernt hatten, war dran und plauderte auch gleich ganz locker über den augenblicklichen Streik in England. Er hatte zweifellos Recht, als er dabei antippte, dass der Streik momentan vom unternehmerischen Standpunkt her gesehen, etwas ungelegen kam und ließ dabei oft und intensiv anklingen, dass er von unserem sagenhaften Ruf in der Branche überaus angetan war. Ich zeigte mich solange unbeeindruckt und mixte nebenbei den ‘Waist Gunner‘, bis der Engländer mit seinem Anliegen herauskam: Sie suchten dringend jemanden, der in Lizenz einige Nachbrenner fertigen könnte, wegen des Streiks, und ob wir denn damit keine Probleme hätten?

„Wir hatten noch nie einen Streik in der ‘Centaury Raumschiff Manufactur‘", sagte ich, "außerdem gibt es keine Probleme! Es gibt nur Herausforderungen!"

„Selbstverständlich", gab mir der Britisch Spacecraft-Mann Recht. „Würden sie es eventuell als Herausforderung betrachten, für uns eine Serie Nachbrenner aufzulegen?"

Ich machte eine Kunstpause, stellte Herrn Finanzamt den ‘Waist Gunner‘ hin und mir in Gedanken vor, wie wir in dem der Wunderbaren Ulrikes für diese Zwecke zu kleinem Haus, Nachbrenner für Raumschifftriebwerke herstellen würden. Es war trotz gutem Willen doch zu eng. Ich bedauerte außerordentlich.

„Schade", sagte der Britisch Spacecraft-Mann, „wir wären so gerne mit ihnen ins Geschäft gekommen! – Was machen sie denn so zur Zeit?"

Ich sah auf das Modell auf der ScheinBar, und sagte: „Wir machen zur Zeit eigentlich nur Kleinraumschiffe, je kleiner desto besser. Im Moment haben wir“, ich dachte mir ruckartig eine möglichst professionelle Bezeichnung für das waffenstarrende Raumschiffmodell aus, „die XF-48 'Tiger Wasp' in Arbeit! Ein sehr interessantes Modell."

„Ach, die", stöhnte der Britisch Spacecraft-Mann, „den Auftrag hätten wir beinahe an Land gezogen. Wie haben sie das hingekriegt?"

‚Die Brüder lügen doch alle', dachte ich und fuhr fort: „Da sollten sie mal Oberstleutnant Guntram Greulich, unseren Direktor für Design kontaktieren. Die behaupten zwar alle, er wäre ein Irrer, aber das vermag ich nicht zu beurteilen. Seine Modelle sind jedenfalls von nie dagewesener Genialität! – Er hat einfach drauflosgebaut, nehme ich an."

„Und das klappt? Einfach so, ohne Auftrag? Das haben wir ja noch nie probiert."

„Aber geben sie bitte nicht mir die Schuld, wenn sie einfach drauflos basteln, und die Sache geht in die Hose."

„Ich werde das mal in unserem Management zur Sprache bringen. – Können sie uns denn jemanden empfehlen, der die Nachbrenner fertigen könnte? Wir sind momentan in einer argen Bedrängnis."

„Versuchen sie es doch mal bei MBB, dem Airbus-Werk in Bremen, ERNO oder Aérospatiale, die sind sicher für jeden Auftrag dankbar."

Der Britisch Spacecraft-Mann bedankte sich überschwänglich und legte auf; - dass wir einige Tage später einen Scheck für Beratertätigkeit erhielten, den wir anonym der streikenden Gewerkschaft in England zukommen ließen, braucht ja wohl nicht sonderlich erwähnt zu werden. Aber zunächst war der Mann vom Finanzamt abzuwimmeln. Dieser war inzwischen bei seinem ‘Waist Gunner‘ und murmelte: „Phantastisch, der Drink!“

„Was kann ich nun für sie tun?", fragte ich und machte ein ernstes Gesicht, „stimmt was nicht mit meinem Lohnsteuerjahresausgleich?"

Herr Finanzamt schnappte nach Luft: "Na, hören sie mal! Sie haben eine Raumschiffmanufaktur und keinen Gewinn gemacht, das kann doch nicht sein!"

„Wieso denn nicht?"

„Sowas macht doch kein normaler Mensch!"

„Stimmt", sagte ich und dachte an Oberstleutnant Guntram Greulich, "wir expandieren allerdings noch."

„So, so", sagte Herr Finanzamt, "darf ich mal telefonieren? Bei meinem Handy ist der Akku leider alle."

„Bitte", ich deutete auf das Telefon.

Wie ich erkennen konnte, wählte Herr Finanzamt die Berliner Vorwahl und ich überlegte mir, ob das Einzige, was in unserem noch jungen Unternehmen expandieren würde, die Telefonrechnung sein könnte.

Während Herr Finanzamt ein Weilchen gar munter mit einer Annegret vom Verteidigungsministerium plauderte, kam ich zu der Erkenntnis, dass der Centaury Raumschiff Manufactur die unternehmerische Härte und Risikobereitschaft fehlte, und dass unser Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Ich sah mich schon im Zuchthaus bei Wasser und Brot, und was das Schlimmste war, getrennt von der Wunderbaren Ulrike, der klügsten und geschäftstüchtigsten aller Frauen.

Wenn sie die Sache alleine in die Hand genommen hätte, wäre diese Schlappe sicherlich nicht passiert. Jetzt, da ich ihre unternehmerischen Fähigkeiten dringend brauchte, war sie auf dem Wochenmarkt um Porree und Kleietabletten für bessere Verdauung des Managements zu beschaffen.

„Tja", sagte Herr Finanzamt schließlich, „da muss ich mich wohl bei Ihnen entschuldigen."

„Hä", fragte ich, „ich fürchte, ich verstehe nicht."

„Na, sie fischen aber ganz schön nach Komplimenten! So ein Konzern wie ihrer ist mir ja noch nie untergekommen, alle Achtung! Ein Unternehmen, das Raumschiffe baut und noch niemals einen Liefertermin überschritten hat, noch nie versucht hat, an irgendwelchen Verträgen rumzumachen, noch nie wegen einer fälligen Rechnung angemahnt werden musste und noch nie versucht hat, irgendwelche Gelder ins Ausland zu transferieren, soll mir mal jemand zeigen! Und was das Schönste ist: Sie haben noch nie Entlassungen vorgenommen, noch nie Geld aus Berlin verlangt und haben auch keine Schmiergelder angenommen! Kein Wunder, dass sie noch keinen Gewinn gemacht haben. Sowas ist mir ehrlich gesagt noch nie passiert. – Wie weit sind Sie eigentlich bei der Erforschung des Thomas de Maizière-Effektes?"

„Tja", sagte ich, „mit dem Thomas de Maizière-Effekt stoßen wir in bisher unbekannte Dimensionen vor."

„War ja auch nur eine rein private Frage. – Wussten sie eigentlich, dass sie beim Verteidigungsministerium und in der Branche den allerbesten Ruf genießen und das alles ohne Existenzgründungsdarlehen! Die Firma Britisch Spacecraft stellt übrigens ernsthafte Überlegungen an, ihnen die gesamte Triebwerksproduktion zu überlassen, weil ihr know how auf diesem Gebiet unübertroffen sein soll."

Der brave Beamte hätte sicherlich noch eine Weile weiter gefragt, aber das Telefon fing wieder an zu tun.

„Gehen sie ruhig ran“, sagte Herr Finanzamt, „ich werde inzwischen weiter ihren Cocktail genießen. ‘hatte selten so einen tollen!“

Ein Fabrikant rief höchstpersönlich an und erkundigte sich, ob wir unsere Fertigungsanlagen nicht automatisieren lassen wollten.

„Wir haben aber keine Fertigungsanlage, die automatisiert werden könnte."

„Es gibt aber nichts, was wir nicht automatisieren könnten! – Sie könnten, dank unser automatisierten Fertigungsanlage, jede Menge Mitarbeiter freisetzen, damit produktiver arbeiten und höhere Gewinne erzielen!"

„Davon bin ich überzeugt", sagte ich.

„Wir könnten natürlich", fuhr der Fabrikant fort, „selbstverständlich völlig unverbindlich, und nur zur Demonstration unserer Leistungsfähigkeit, die heimischen Küchen ihres Top-Managements automatisieren."

Das Gespräch endete damit, dass wir uns auf keinen Termin einigen konnten. Nur Herr Finanzamt zeigte Interesse. Er vereinbarte kurzfristig einen Termin zur Automatisierung seiner privaten, heimischen Küche. Danach verabschiedete er sich etwas überstürzt.


Es passierte wieder eine Weile nichts, aber dann erhielten wir eine Einladung vom 'Ausschuss für Kleinraumschiffe'; - ich sollte einen Vortrag über den Thomas de Maizière-Effekt halten. Ich erklärte mich aber für inkompetent und verwies auf die Firma Britisch Spacecraft.

Statt einer Antwort bekamen wir einen Scheck von den Britisch Spacecraft-Leuten, die sich glücklich schätzten, über den Thomas de Maizière-Effekt sprechen zu dürfen, und eine Einladung für die Tagung des Ausschusses für Kleinraumschiffe, wobei sich die Firma Britisch Spacecraft freuen würde, uns als Gäste zu betrachten.

Den Scheck leiteten wir an ein Waisenhaus weiter, kurze Zeit darauf erhielten wir von dem Manager des Waisenhauses die Einladung zur Einweihungsfeier seines neuen Swimming Pools.

Doch zunächst fuhren die Wunderbare Ulrike und ich zur Tagung des Ausschusses für kleine Raumschiffe, wir wollten endlich mal etwas wissenschaftlich-fundiertes über den Thomas de Maizière-Effekt erfahren.

Falk kam auch mit und maulte herum. Er hatte für seine Freundin eine Tischdecke besorgt, aber die Decke war zu kurz. Und nun wollte seine Freundin neue Bettwäsche haben, weil er in eine Bettdecke einen Brandfleck gekokelt hatte, und er sollte die Handtücher alle vierzehn Tage wechseln und nicht jeden Monat … ach, er wollte endlich mal wieder in Ruhe einen Joint bauen ...

Der Vortragende war leider erkrankt, und so sprang jemand anders ein, mit einem Vortrag über Strömungsprobleme beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Uns fiel auf, dass sich der Saal während des Vortrages zunehmend leerte. Da wir bei unseren Modellen keine Probleme beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre, eigentlich überhaupt keine Probleme hatten, gingen wir auch und fanden die Teilnehmer des Ausschusses für Kleinraumschiffe in dem Nachbarsaal wieder, in dem der Kongress der Spielwarenhersteller die elektrischen Eisenbahnen aufgebaut hatte. Genau wie die anderen, ließen wir zunächst verlegen lächelnd aber dann doch ernsten Gesichtes, Züge über Viadukte und durch Tunnel donnern.

Die Pflichtübung der Tagung erledigten wir am Abend, das heißt, wir juxten mit den anwesenden Offizieren herum und soffen mit den Jungs von MBB, ERNO, Dornier, Britisch Spacecraft, Aérospatiale und was sich sonst noch alles mit kleinen Raumschiffen abgab. Falk war mitten drin und zog mit den Jungs vom Sicherheitspersonal einen Joint nach dem anderen durch, was dazu führte, dass sich diese Herren gegenseitig Handschellen anlegten.

Als es am nächsten Tag ernst zu werden drohte, rief Katalina ganz aufgeregt während eines Sonderseminars über Motivationsprobleme des Managements bei Kongressen an, und erzählte, dass ‘Klytaimnestra‘, unsere Katze, irgendwie krank sei. Die Wunderbare Ulrike bewies hohe Diplomatie, indem sie dem Ausschuss für Kleinraumschiffe klar machte, dass ein Krankheitsfall in der unmittelbaren Peripherie unserer obersten Führungsebene unsere sofortige Rückreise erfordern würde.

Die halbe NATO bedauerte außerordentlich, wir fuhren nach Hause und mit ‘Klytaimnestra‘ zum Tierarzt. Aber ‘Klytaimnestra‘, hatte nur mal wieder zu viel gegessen und in den Flur gekotzt. Als wir mit ihr heimkamen, lag ein Haufen Telegramme mit den besten Genesungswünschen bei uns zu Hause herum, eins kam sogar aus Moskau, und die Britisch Spacecraft schickte einen Scheck.

Den Scheck leiteten wir nach Canastarica weiter, einem der ärmsten Entwicklungsländer, die uns bekannt waren. Wenig später erhielten wir von dort die Einladung, den neu erworbenen Hubschrauber zur Bekämpfung eventueller Guerillas zu besichtigen. Ich wäre zwar gerne nach Canastarica gefahren, aber die Wunderbare Ulrike, die weitsichtigste aller Frauen, war der Ansicht, dass die ganze Geschichte schon Eigendynamik genug entwickelt hatte, und wir es nicht übertreiben sollten. Um ganz sicher zu gehen, verdonnerte sie mich dazu, ihr beim Frühjahrsputz zu helfen. Ich hatte absolut keine Zeit mehr, neue Cocktails zu kreieren und mich um irgendwelche Korrespondenzen mit anderen Herstellern oder Zulieferern von kleinen Raumschiffen zu kümmern. Sogar die Schecks von Britisch Spacecraft blieben aus, weil wir keine Gelegenheit mehr fanden, den Namen Britisch Spacecraft irgendwo zu erwähnen.

Weil wir den Platz an der ScheinBAR dringend für die Raumschiffmodelle des Herrn Oberstleutnant Guntram Greulich benötigten, brachten wir die Kiste zur Post, bezeichneten sie als 'Irrläufer' und schickten sie zurück. Kurz darauf erhielten wir den eingangs erwähnten Annegret Kramp-Karrenbauer-Preis, weil wir noch nie einen Liefertermin überschritten hatten. Wir grübelten eine Weile ob da ein Zusammenhang besteht, kamen aber zu keinem logischen Ergebnis.


Seit dem ist weiter nichts weiter passiert, nur Katalina hat sich mit Oberstleutnant Guntram Greulich verlobt. Glücklicherweise verschont der uns seit dem mit seinen Modellen und stellt sie bei Katalina ins Vertiko, aber das ist eine andere Geschichte.


Und was die Sache mit dem Thomas de Maizière-Effekt betrifft; - also, da arbeiten wir noch dran, denn ich möchte endlich wissen, was das überhaupt ist, der ‘Thomas de Maizière-Effekt‘.


Für den geneigten Leser, den die Cocktails interessieren, die in dieser wahren Geschichte vorkommen:

Der Wunderbaren Ulrike‘s Nightcap
3 Teelöffel Kakaopulver
6 cl heißes Waser
2 cl Alte Liebe
2 cl Bénédictine
Eis
1EL Sahne

Waist Gunner
4 cl Bénédictine
2 cl Gin
1 cl Cherry Brandy
2 cl Zitronensaft
1 cl Angostura
Auffüllen mit Soda
Eis
Deco Cocktailkirsche

Fledermaus im Wacholderhain
1 Tropfen Granatapfelsirup (damit ein schöner, roter Punkt im Glas entsteht)
6 cl Dry Gin
8 Tropfen Angostura
Eis
Auffüllen mit Sekt
Deco Cocktailkirsche

Hochlöffelseilbagger
1/2 Flasche Sanbitter
4 cl Gin
Auffüllen mit Orangensaft
etwas Zitronensaft
Eis
Deco Zitronenscheibe
 

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