Die Lichttherapie

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Frabel

Mitglied
Die Lichttherapie (Ein Emmerich-Gedicht)

Emmerich liegt wach im Bette,
er denkt mit „wäre“ und mit „hätte“,
mit „würde“ und mit „könnte sein“.

Er ist müde, es ist dunkel,
doch da ist dieses Kopfgemunkel,
so sehr er will, er schläft nicht ein.

Er ringt um Frieden und um Wissen,
dreht sich um, beklopft das Kissen,
entzieht dem rechten Bein die Decke.

Dann wird ihm kalt und außerdem
ist seine Lage unbequem,
und zäh kriecht die Gedankenschnecke.

Draußen wird es immer heller,
Bilder folgen immer schneller,
rot und heiß ist sein Gesicht.

Dann knallt der erste Sonnenstrahl,
es pfeift und zwitschert überall
und Emmerich liegt voll im Licht.

Er schließt die Augen, lauscht dem Leben,
denn oftmals sind Probleme eben
STERNENRIESIG, sonnenklein.

Emmerich genießt die Wärme,
und das Außenweltgelärme,
dreht sich um und schläft dann ein.
 

Tula

Mitglied
Hallo Frabel
Sehr schön, erinnert irgendwo an Morgensterns Palmström und Korf.
Den Trochäus könntest du konsequent durchziehen, das wäre sprachlich noch wirksamer.

LG
Tula
 

Frabel

Mitglied
Hallo Tula,
danke für Deine nette Antwort und Deine Einschätzung. Aber ich oute mich hier jetzt mal als totale Schreibtechnikniete! Zu allererst einmal musste ich nachschlagen, was ein Trochäus überhaupt ist. Ich freue mich natürlich, dass Du in meinem Gedicht überhaupt irgendwo eine gleichmäßige Abfolge betonter und unbetonter Silben entdeckt hast … eine Absicht steckte da jedenfalls nicht dahinter :). Ich schreibe diese kleinen Emmerich-Geschichten zu meiner Entspannung und falls sie anderen gefallen, finde ich das schön. Einen irgendwie gearteten literarischen oder gar tiefgründigen Anspruch haben die Gedichte nicht. Sie sind eher „vulgärer“ Art. Einfach, weil ich sie so schreibe und etwaige Vorgaben oder Techniken dabei völlig außer Acht lasse … weil ich sie schlicht gar nicht kenne.
Gerade deswegen finde ich es natürlich sehr interessant, was Leute mit einem weiteren literarischen Horizont zu sagen haben. Ich habe heute schon gelernt, was Trochäus bedeutet und was enjambierte Prosa ist. Und wer weiß: Vielleicht werde ich dieses Wissen bei einem künftigen Gedicht mal anwenden. Vor allem die Angelegenheit, die Silbenbetonung zu harmonisieren … wieso nicht? Aber die bislang über 40 Emmerich-Texte werde ich dahingehend nicht überprüfen ;). Die einzigen „formalen“ Gedichte, zu denen ich mich jemals habe hinreißen lassen, waren zwei „Emmericks“ … Emmerich-Limericks … nach einem Irland-Urlaub:cool:.
Liebe Grüße
Frank
 

James Blond

Mitglied
Lieber Frabel,

darin ich stimme Tula zu: Deine humorvollen lyrischen Betrachtungen haben Morgenstern-Potenzial!
Und das ließe sich noch erheblich durch eine metrische Überarbeitung steigern, denn gerade die lustigen Texte verlangen nach einfacher Struktur. "Vulgär" sind sie keineswegs, sondern wunderbar hintersinnig. Tiefgründiger brauchen sie nicht zu sein. An deiner bisherigen "unprofessionellen" Arbeitsweise würde ich auch gar nichts ändern, das Reimschema passt auch gut. Zusätzlich würde ich die vorhandenen Werke noch metrisch überarbeiten, was sicherlich nicht schwer ist.

Hier wäre z. B. der 4-hebige Jambus das Maß aller Verse, nur als Beispiel zur Veranschaulichung:


Der Emmerich liegt wach im Bette,
er denkt mit „wäre“ und mit „hätte“,
mit „würde“ und mit „könnte sein“.

Zwar ist er müde, es ist dunkel,
doch da ist dieses Kopfgemunkel,
so sehr er will, er schläft nicht ein.

Er ringt um Frieden und um Wissen,
er dreht sich um, beklopft das Kissen,
entzieht dem rechten Bein die Decke.

Dann wird ihm kalt und außerdem
ist seine Lage unbequem,
und zäh kriecht die Gedankenschnecke.

Da draußen wird es immer heller,
die Bilder folgen immer schneller,
ganz rot und heiß ist sein Gesicht.

Dann knallt der erste Sonnenstrahl,
es pfeift und zwitschert überall
und Emmerich liegt voll im Licht.

Er schließt die Augen, lauscht dem Leben,
denn oftmals sind Probleme eben
so STERNENRIESIG, sonnenklein.

Emmerich genießt die Wärme,
sowie das Außenweltgelärme,
er dreht sich um und schläft dann ein.


Liebe Grüße
JB
 

Frabel

Mitglied
Hier wäre z. B. der 4-hebige Jambus das Maß aller Verse, nur als Beispiel zur Veranschaulichung
Hallo JB,

Whow … das war mal ein Augenöffner! „Nur als Beispiel“ schreibt er … und nimmt mal eben mein Gedicht komplett auseinander :D. Dein „Beispiel“ ist so viel besser, als meine Version. Ich bin total begeistert!

Lieber JB, lieber Tula, Ihr habt mich bei diesem Gedicht wirklich ein großes Stück weitergebracht. Es ist offensichtlich eine gute Sache, sich auch mal „maßvoll“ zu verhalten. Aber man muss ein solches Maß natürlich auch erkennen können und für mich ist das nicht ganz so einfach. Selbstverständlich werde ich jetzt doch mal schauen, ob und wie ich das Thema der Sprachmelodie besser auf meine bisherigen Texte anwenden kann. Bisher dachte ich eigentlich immer, das hätte ganz gut geklappt … so kann man daneben liegen :D.

Ich bin jetzt schon gespannt, was bei meinen nächsten Gedichten so raus kommt.

Viele Grüße

Frank
 

James Blond

Mitglied
Na, das hatte doch schon ganz gut geklappt - und nur ein wenig noch geklappert ... ;)
Und 'auseinander genommen' wurde hier nichts, sondern nur ein wenig 'ergänzt'.

Schön, dass die Veranschaulichung dich überzeugen konnte - das erleben wir hier nicht so oft. In diesen Sinne:

Frohes Schaffen!
JB
 


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