Die Operation

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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Der Maskenbildner kam
und schnitt aus meinem Gesicht
Haut und Stücke zuckenden Fleisches,
formte sie
und nähte sie an einen neuen
Platz,
wo ich zunächst nichts fühlte,
als das Kribbeln eingeschlafener Füße.

Sorgsam verband der Maskenbildner
die Nervenenden.
Ich spürte nichts
im endlosen Traum
der milchschwarzen Nacht.

Doch dann zuckte es
und als ich erwachte,
war ich nicht mehr der,
der ich war,
ehe die Operation begann.

Ich war nicht die traurige Maske.

Nein. Ich war ein Hampelmann geworden,
ein hölzernes Bengele,
ein Pinocchio,
der Grillen an der Wand zerdrückte
und sein Holzbein ins Feuer legte,
dem die Nase wuchs,
weiter und weiter.
 

Mondnein

Foren-Redakteur
Teammitglied
kribbelnde Füße im Feuer

Toll!
Es entwickelt sich spannend, aus einer knapp, aber genau gezeichneten Operations-Szene - z.B. "das Kribbeln eingeschlafener Füße": schlicht und exakt in der Empfindung, wobei das "Wo" des Kribbelns zugleich verwirrend falsch- oder un-lokalisiert bleibt, wie bei kleinen Kindern, die den Ort ihrer Schmerzen oft nicht genau angeben können.
Dann kommt das Ergebnis überraschend (jedenfalls beim ersten Lesen), gut pointiert.
Aber hat das Lyri denn gelogen, daß ihm die Nase wächst? Eigentlich nicht. Ist wohl ein Kreter.
 

kad sgard

Mitglied
hallo bernd,
ein interessantes werk, es lässt raum für verschiedene interpretationen.

nur, einen stärkeren titel würde ich dem gedicht wünschen.
zb. gesichtslos, verschoben, rollentausch.

ein gedanke in der nacht.


gern gelesen + lg
kad
 


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