Dichter Erdling
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Für die Parade komme ich zu spät.
Aber überall in der Innenstadt ist es reichlich bunt an diesem Nachmittag. Immer wieder trifft man auf meist junge Leute, die sich in Regenbogenflaggen gehüllt oder sich Regenbogen ins Gesicht gemalt haben. Mit Regenbogenfächern und Regenbogenschirmen kämpft man gegen die Sommerhitze, die sich über die Stadt gestülpt hat. In der Straßenbahn sitzt mir ein Freddie Mercury in Netzstrümpfen gegenüber. Ich sehe Dragqueens, denen trotz schweißtreibender Temperaturen das Make-up nicht verläuft, Respekt. Jene, die sich heute in ein Ganzkörper-Fellkostüm gezwängt haben, müssen masochistisch veranlagt sein, aber meist sieht man heute ohnehin viel nackte Haut.
Im Volksgarten ist das Zentrum der heutigen Veranstaltung. Grüppchenweise sitzen die Leute auf Picknickdecken im Gras, es gibt Musik und einen Getränkewagen.
Ich setze mich mit einem Eiskaffee aus dem Supermarkt dazu. Rechts von mir sitzen ein paar Burschen, die sich mit Aquaspray aus der Dose abkühlen und Späße machen. Die große Platane spendet heute ihren Schatten für Männer im Stringtanga und wow, einen Sambatänzer im Glitzerlook samt Federkopfschmuck, aber eben auch unauffällige T-Shirt-Hosen-Kombis und Sommerkleider.
Kurz bin ich irritiert, als drei, vier junge Männer an uns vorbeiziehen. Sie sehen nicht so aus, als gehörten sie hierher. Sie sehen viel eher so aus wie die Typen, die meine Schwester früher angeschleppt hat. Typ Neo-Nazi. Irritiert bin ich, weil einer der Typen eine kleine Regenbogenfahne in der Hand hält, das passt nur schlecht zu seinem martialisch schwarzen Schlägeroutfit. Direkt vor uns bleibt der stehen, schaut uns herausfordernd an und holt was aus seiner Tasche. Ein Feuerzeug. Grinsend lässt er die Flamme tanzen, immer näher an die Fahne heran, die er in der Hand hält.
Das Dumme ist nur, dass das Papier foliert ist und nicht brennen mag. Weil ihm nicht gelingt, was er vorhatte, schmeißt er die Fahne schließlich vor uns auf den Boden und trampelt mit seinen Stiefeln darauf herum, kickt sie weg. Dann zieht er ab, folgt seinen Kumpels nach, die weiter vorn auf ihn warten.
Die Burschen neben mir sind erschrocken und schockiert.
„Der wollte echt die Flagge anzünden!“, sage ich zu ihnen, um ins Gespräch zu kommen. „Ist ja fast schon witzig, dass er es nicht geschafft hat…“ versuche ich, die Sache als lustige Peinlichkeit darzustellen. Wir lachen halbherzig, weil wirklich witzig war es natürlich nicht.
Aber die Burschen sind wirklich nett. Sie fragen mich, ob ich auch was vom kühlenden Aqua-Spray abhaben will. Ich bin gerührt und fühle mich ihnen sehr zugeneigt. Später verabschieden wir uns kameradschaftlich und ich habe mal wieder was gelernt.
(1) Auch wenn ich nicht wirklich dazugehöre: Im Zweifelsfall bin ich auf der Seite des Regenbogens – und die meisten aus meiner Familie stehen woanders.
(2) Auch wenn wir andere, tiefersitzende Probleme haben, die sich nicht durch eine schillernde Party wegfeiern lassen, ist diese Zusammenkunft eine schöne, feine Sache.
(3) Auch wenn das Thema manchmal schon nervt und übergroß aufgeblasen wird, ist es dennoch grundsätzlich geboten und vermutlich ist es noch ein weiter Weg, bis dieses vielfältig Bunte und jedwede Liebe selbstverständlich frei sein werden.
Aber überall in der Innenstadt ist es reichlich bunt an diesem Nachmittag. Immer wieder trifft man auf meist junge Leute, die sich in Regenbogenflaggen gehüllt oder sich Regenbogen ins Gesicht gemalt haben. Mit Regenbogenfächern und Regenbogenschirmen kämpft man gegen die Sommerhitze, die sich über die Stadt gestülpt hat. In der Straßenbahn sitzt mir ein Freddie Mercury in Netzstrümpfen gegenüber. Ich sehe Dragqueens, denen trotz schweißtreibender Temperaturen das Make-up nicht verläuft, Respekt. Jene, die sich heute in ein Ganzkörper-Fellkostüm gezwängt haben, müssen masochistisch veranlagt sein, aber meist sieht man heute ohnehin viel nackte Haut.
Im Volksgarten ist das Zentrum der heutigen Veranstaltung. Grüppchenweise sitzen die Leute auf Picknickdecken im Gras, es gibt Musik und einen Getränkewagen.
Ich setze mich mit einem Eiskaffee aus dem Supermarkt dazu. Rechts von mir sitzen ein paar Burschen, die sich mit Aquaspray aus der Dose abkühlen und Späße machen. Die große Platane spendet heute ihren Schatten für Männer im Stringtanga und wow, einen Sambatänzer im Glitzerlook samt Federkopfschmuck, aber eben auch unauffällige T-Shirt-Hosen-Kombis und Sommerkleider.
Kurz bin ich irritiert, als drei, vier junge Männer an uns vorbeiziehen. Sie sehen nicht so aus, als gehörten sie hierher. Sie sehen viel eher so aus wie die Typen, die meine Schwester früher angeschleppt hat. Typ Neo-Nazi. Irritiert bin ich, weil einer der Typen eine kleine Regenbogenfahne in der Hand hält, das passt nur schlecht zu seinem martialisch schwarzen Schlägeroutfit. Direkt vor uns bleibt der stehen, schaut uns herausfordernd an und holt was aus seiner Tasche. Ein Feuerzeug. Grinsend lässt er die Flamme tanzen, immer näher an die Fahne heran, die er in der Hand hält.
Das Dumme ist nur, dass das Papier foliert ist und nicht brennen mag. Weil ihm nicht gelingt, was er vorhatte, schmeißt er die Fahne schließlich vor uns auf den Boden und trampelt mit seinen Stiefeln darauf herum, kickt sie weg. Dann zieht er ab, folgt seinen Kumpels nach, die weiter vorn auf ihn warten.
Die Burschen neben mir sind erschrocken und schockiert.
„Der wollte echt die Flagge anzünden!“, sage ich zu ihnen, um ins Gespräch zu kommen. „Ist ja fast schon witzig, dass er es nicht geschafft hat…“ versuche ich, die Sache als lustige Peinlichkeit darzustellen. Wir lachen halbherzig, weil wirklich witzig war es natürlich nicht.
Aber die Burschen sind wirklich nett. Sie fragen mich, ob ich auch was vom kühlenden Aqua-Spray abhaben will. Ich bin gerührt und fühle mich ihnen sehr zugeneigt. Später verabschieden wir uns kameradschaftlich und ich habe mal wieder was gelernt.
(1) Auch wenn ich nicht wirklich dazugehöre: Im Zweifelsfall bin ich auf der Seite des Regenbogens – und die meisten aus meiner Familie stehen woanders.
(2) Auch wenn wir andere, tiefersitzende Probleme haben, die sich nicht durch eine schillernde Party wegfeiern lassen, ist diese Zusammenkunft eine schöne, feine Sache.
(3) Auch wenn das Thema manchmal schon nervt und übergroß aufgeblasen wird, ist es dennoch grundsätzlich geboten und vermutlich ist es noch ein weiter Weg, bis dieses vielfältig Bunte und jedwede Liebe selbstverständlich frei sein werden.
Linz, 27. 06. 2026