Die Rubajjat des Omar Chajjam

Omar Chajjam

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Bei den Rubajjat handelt es sich um das bekannteste Werk der östlichen Dichtung, das der Dichter Omar Chajjam im 12. Jahrhundert verfasst hat

Rubajjat Omars des Zeltmachers (von mir übersetzt)

Mach das Beste aus dem, was wir im Jetzt erleben,
Bevor auch wir uns in dem Lebensstaub verweben.
Staub in dem Staub und unterm Staub dann liegen wir,
Ganz ohne Wein, ganz ohne Lieder, ohne End dem Tod ergeben.

Das neue Jahr läßt alte Wünsche reifen,
Wenn Einsamkeiten nach Gedanken greifen.
Wo Moses weise Hand auf allem ruht,
Wird Jesus Atem dein verletztes Leben streifen.

Trink mit mir Wein und laß sie reden, all die Weisen.
Es ist sicher nur der Tod auf allen Lebensreisen.
Nur eins ist sicher und der Rest ist Lüge.
Es welkt doch jede Blume in der Schwestern Kreise.

Mir träumt, die Dämmrung stand schon auf den Himmelsstufen.
Ich hörte eine Stimme aus der Kneipe rufen.
He, Freunde auf, und laßt uns fülln die Gläser,
Bevor das Lebenselixir verdunstet in den Kufen.

Es sagte einer – “Freunde laßt uns die vollen Gläser heben,
Die uns doch wie Rauch des Höllenfeuers ganz umgeben.
Sie sprechen zu uns von schwerer Prüfung – Prost!
Sie sind ja doch der beste Freund für uns im Leben.

Füll das Glas. – Was hilfts zu wiederholen
Wie Zeit vergeht unter unseren Stiefelsohlen,
Das Morgen ungeboren und das Gestern tot.
So lang das Heut schmeckt süß, bleibt uns die Zeit gestohlen.

Ein Augenblick in der Unendlichkeit der Zeit,
Ein Augenblick des Lebens voll mit Heiterkeit,
Die Sterne strahlen und die Karawane rüstet sich
Zum Zug in die Morgendämmerung des Nichts. – Drum sei bereit.

Wie lang, wie lang in den Gesprächen und Diskursen ohne Ende
Das Dies und Das erwägen und so tun, als ob man die Lösung fände.
Seid besser fröhlich drum mit des Weinstocks reicher Frucht
Und nehmt damit das bittre Nichts in eure eignen Hände.

Und wenn des Weins Geschmack, der Lippen Kuß
Doch enden in dem Nichts, wo aller Dinge Schluß.
Drum sei doch froh mit deiner Kunst, der Lebenskunst, zu wissen
Was du bist , ein Nichts, doch das dann auch mit Hochgenuß.

Hier mal ein Beispiel von zwei Versionen eines Orginaltextes:

Ach, Liebe könnt der Mensch dich an sein Schicksal binden
Und so dich in den Grund des Musters aller seiner Werke winden.
Säh er nicht auf ewig alles zu Trümmern ganz zerschlagen,
Er könnt seines Herzens großen Hauptschluß finden.

Könnte man die Liebe mit Geschick verbinden
Und allen Kummers Schatten aus den Dingen winden.
Wenn die Liebe in Trümmer würde nie gebrochen,
Könnt sie im Herz des Menschen ihre Gründe finden.
 

Omar Chajjam

Mitglied
Ausnahmsweise, auch weil sie nicht von mir, sondern nur von mir übersetzt sind und weils mir wichtig ist, setze ich diese Gedichte wieder nach vorne.

Gruß
Omar
 

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