Die schmerzensfrau

4,00 Stern(e) 1 Stimme

Walther

Mitglied
Die schmerzensfrau


Sie fragt sich wie das leben geht
sie sucht und sucht und findet nichts
man fühlt wie sie um freundschaft fleht -
verhärmt die linien des gesichts

Die augen können nicht fixieren -
sie ist in eile stets in hast
so voller angst sich zu verlieren
ihr besserwissen ist ihr last

Die welt ist schuld denkt sie bei sich
ein kalter undankbarer ort
sie muss sich ändern und nicht ich

Sie weiß es bloß nicht anders und
wer hasst verarmt – das zeigen mund
wie ihre sprache wort um wort
 

anbas

Mitglied
Hallo Walther,

diese Zeilen gefallen mir. Es gibt nicht nur einen Menschen, den ich da vor meinem inneren Auge habe.

Hier noch ein Änderungsvorschlag meinerseits:
sie sucht und sucht [blue]doch[/blue] findet nichts
Liebe Grüße

Andreas
 
F

Fettauge

Gast
Lieber Walther,

ja, ich vermute mal, Anlass dieses 9999. Sonetts ist beleidigte Eitelkeit deinerseits, so was kann anfeuern, und manchmal, wenn die Musen dem Dichter gütig sind, entsteht dann eine gereimte Philippika, brauchbar gegen Nachbars Köter oder wie hier gegen die verruchte Alte, die du schlicht literarisch niedermachen willst. Bekanntlich sind Wut und Rachegelüste aber nie gute Ratgeber. Und so ist der Text dann auch geschrieben. Du lässt keinen guten Faden an der guten Frau, schiebst ihr erfundene Vermutungen als Wahrheiten unter, ganz so, wie es jeder Verleumder macht. Macht keinen guten Eindruck auf den verständigen Leser. Zumal du den Balken im eigenen Auge großzügig übersiehst. Was hat sie dir denn getan, die böse Frau, frage ich mich nach dem Genuss dieses Wutausbruches.
Hat sie dir mal einen ehrlichen Kommentar unter eines deiner bezaubernden Werke geschrieben?

Technisch bist du wieder mal sehr kreativ, aus den beiden Quartetten machst du den schlichten Kreuzreim. Na ja, was Petrarca dazu sagen würde, weiß ich nicht, ich könnte mir aber vorstellen, dass er sich sagt: Jedem Tierchen sein Pläsierchen, wolln wa mal nich so sein.

Abzulesen an diesem Sonett die Erkenntnis, zu der du gekommen bist: "Wer hasst, verarmt". Ganz vergessen die andere, viel wahrhaftigere, produktivere, menschlichere Erkenntnis: Wer liebt, muss auch hassen können (ich verweise in diesem Zusammenhang auf Marcuse). Aber dann wäre es nicht dein Sonett geworden, lieber Walther. Wie sagt man so schön: Sonett ist Omen. Dieses zumindest.

Schönen Gruß, Fettauge
 

Walther

Mitglied
Die schmerzensfrau


Sie fragt sich wie das leben geht
sie sucht und sucht doch findet nichts
man fühlt wie sie um freundschaft fleht -
verhärmt die linien des gesichts

Die augen können nicht fixieren -
sie ist in eile stets in hast
so voller angst sich zu verlieren
ihr besserwissen ist ihr last

Die welt ist schuld denkt sie bei sich
ein kalter undankbarer ort
sie muss sich ändern und nicht ich

Sie weiß es bloß nicht anders und
wer hasst verarmt – das zeigen mund
wie ihre sprache wort um wort
 

Walther

Mitglied
hi anbas,

danke für deinen verbesserungsvorschlag, den ich umgesetzt habe. in der tat kann man sich verschiedene, auch männliche, wesen vorstellen, die damit karikiert wurden.

besonders freut mich, daß mir ein treffendes bild gelungen zu sein scheint.

lg w.
 

Oben Unten