Die strenge Zeit steigt aus den Armbanduhren

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"Trink Magermilch! steht groß an einer Wand"

"Erich Kästner"



Die strenge Zeit steigt aus den Armbanduhren
und trägt den Hut verkehrt herum.
Im Augenblick verstarren Flüchtigkeitsfiguren
und in den Gassen kommen Hunde um.

An allen Strichen warten Zahnradhuren
und glotze glaue glöd und glum.
Ein Umlaut flieht dem Wörtchen spuren
und macht es herzzerreißend dumm.

Ein schlaffer Gehstock hinkt an einer Hand
und tritt den blöden Boden taub.
Die Wahrheit steht an einer Häuserwand.
Mein Dämon flüstert leis im Laub.
 

Tula

Mitglied
Moin Patrick

SO geht Lyrik! - will ich jetzt auch mal rufen dürfen. Sehr schön und originell, auch der Stimmung im Original entsprechend, auch wenn man es mit einer Dali-Brille lesen muss.

Zwei Vorschläge: S1 Z3 hat eine Hebung zu viel. Um der Idee gerecht zu werden, ginge vielleicht "Huschfiguren" was dann auch klangluch gut pusst. Wobei man sogar Stuben aus den Gassen machen könnte.

Zweitens würde ich glotzen nehmen, ich weiß nicht, ob das fehlende 'n' ein Husch-Fehler war oder eine dialektische Delikatesse.

Grüße aus dem Sommerloch

Tula
 

blackout

Mitglied
Das sieht mir aber sehr nach leicht verändertem Kästner aus.
Nett zusammengestellt. Ich mag Kästner auch sehr, und er hat mich oftmals zu Themen inspiriert, aber Originale als meine eigenen Schöpfungen auszugeben, das untersage ich mir, auch wenn es nur mal eine Wendung oder gar ein einzelnes Wort war. "Die Zeit steigt aus den Armbanduhren" - das ist typisch Kästner. Man freut sich ja, wenn man solche Formulierungen findet, aber es müssen eben die selbstgefundenen sein, und das nicht bei Kästner. Oder soll ich Schuler jetzt als bisher verkanntem zweiten Kästner lesen?

blackout
 
ähm...

Das sind selbstgefundene Formulierungen, blackout.

Wenn du schwätzen willst, tu es, oder leg Gründe vor, bevor du andere Autoren des Plagiat bezichtigst. Das ist gelinde gesagt, unter aller Sau.

Oder willst du mir sagen, der Stil erinnert dich an Kästner?
Wenn ja, dann lies das Teil nochmal, erinnere dich daran, was der Sinn Dadaistischer Formübernahme ist und denk das nächste mal nach, bevor du Kommentare schreibst. Das tust du häufig, häufig nicht.

Gruß
Patrick

Hi Tula

Ja, so kann Lyrik auch gehen.
Oder eben anders.

Dir sechshebige Zeile verändere ich mal. :)

L.G
Patricl
 
"Trink Magermilch! steht groß an einer Wand"

"Erich Kästner"



Die strenge Zeit steigt aus den Armbanduhren
und trägt den Hut verkehrt herum.
Im Augenblick verstarren Fluchtfiguren
und in den Gassen kommen Hunde um.

An allen Strichen warten Zahnradhuren
und glotze glaue glöd und glum.
Ein Umlaut flieht dem Wörtchen spuren
und macht es herzzerreißend dumm.

Ein schlaffer Gehstock hinkt an einer Hand
und tritt den blöden Boden taub.
Die Wahrheit steht an einer Häuserwand.
Mein Dämon flüstert leis im Laub.
 

blackout

Mitglied
Patrick Schuler, mir liegt es sehr fern, dich kränken zu wollen. Ich habe ja nun einiges von dir gelesen, und das ist meilenweit von diesem Gedicht entfernt.

Jeder, der Gedichte schreibt und schon mal welche gelesen hat, speichert bewusst oder unbewusst bestimmte Formulierungen im Hinterkopf, die ihm dann in die eigenen Verse fließen können. Wir alle bauen auf unseren Vorgängern auf. Auch daraufhin muss man sein Gedicht überprüfen. Das nur am Rande.

Ich finde das Gedicht unheimlich gut, jede Zeile, jede Formulierung. Im ersten Moment nahm ich an, du hättest ein Gedicht von Kästner eingestellt, das ich noch nicht kenne. In der Unterüberschrift erwähnst du Kästner ja auch. Du musst dich also nicht wundern, wenn ich zwar nicht an ein Plagiat, wie du annimmst, aber an epigonales Schreiben denke.

Dass das nun den Wert deines Gedichtes mindert, würde ich gar nicht behaupten wollen. Aber ich stehe dem Gedicht doch ziemlich skeptisch gegenüber.

blackout
 
Hi Walther und Ciconia.

Ich dachte auch, der Dativ sei richtig.

Aber ich glaube, du hast recht, Ciconia.

Hast du einen Vorschlag, wie ich die Zeile metrisch stimmig verändern kann? Meine Kreativität verlässt mich gerade.
 
"Trink Magermilch! steht groß an einer Wand"

"Erich Kästner"



Die strenge Zeit steigt aus den Armbanduhren
und trägt den Hut verkehrt herum.
Im Augenblick verstarren Fluchtfiguren
und in den Gassen kommen Hunde um.

An allen Strichen warten Zahnradhuren
und glotze Glaue Glöd und Glum.
Ein Umlaut flieht dem Wörtchen spuren
und macht es herzzerreißend dumm.

Ein schlaffer Gehstock hinkt an einer Hand
und tritt den blöden Boden taub.
Die Wahrheit steht an einer Häuserwand.
Mein Dämon flüstert leis im Laub.
 

Ciconia

Mitglied
Ganz einfach, Patrick:

Ein Umlaut flieht das Wörtchen spuren

Hört sich im ersten Moment vielleicht schräg an, ist aber definitiv richtig.

Gruß Ciconia
 
"Trink Magermilch! steht groß an einer Wand"

"Erich Kästner"



Die strenge Zeit steigt aus den Armbanduhren
und trägt den Hut verkehrt herum.
Im Augenblick verstarren Fluchtfiguren
und in den Gassen kommen Hunde um.

An allen Strichen warten Zahnradhuren
und glotze Glaue Glöd und Glum.
Ein Umlaut flieht das Wörtchen spuren
und macht es herzzerreißend dumm.

Ein schlaffer Gehstock hinkt an einer Hand
und tritt den blöden Boden taub.
Die Wahrheit steht an einer Häuserwand.
Mein Dämon flüstert leis im Laub.
 
Hi blackout.

Dein Kommentar war schwer einzuordnen.

Aber ja, der Stil ist an Kästner angelehnt.
Das soll er ja auch, ich wollte Kästner in's DaDa übersetzen.
Das ich mich allerdings mehr als nur an seinen Stil angelehnt habe, bestreite ich mit gutem Gewissen.

L.G
Patrick
 

molly

Mitglied
Mal etwas ganz anderes von Dir und es gefällt mir sehr gut, nicht nur, weil es mich an Kästner erinnert

Liebe Grüße

molly
 

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