Die Täuschung

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Walther

Mitglied
Die Täuschung


Ich werde nicht an deiner Türe kratzen.
Die Tränen, die ich weine, siehst du nicht.
Du würdest nur vor lauter Größe platzen.
Ich zeige dir mein Sieg- und Kampfgesicht.

Tief in mir krümmen sich die schlimmen Schmerzen.
Ich kann nicht essen, trinken: Mir ist schlecht.
Der scharfe Stich dort drin in meinem Herzen
Ist unfair, hinterlistig, ungerecht.

Ich gehe mit Grandezza stolz zugrunde.
Den Anschein will ich zu wahren, Achtung, Mut
In dieser elenden und schweren Stunde:
Nur das hält mich noch aufrecht - und tut gut.

Du wirst es laut verkünden, dazu lachen,
Wie gnadenlos du warst. Du hast gespielt
Mit mir: Ich fiel in deinen offnen Rachen,
Durch die Verführung, kunstvoll kalt, gezielt,

Hast du mich tumben, blinden, willenlosen,
Verliebten dummen Affen ausgeschmiert.
Ich fühlte rosarot die Sinne tosen
Und habe alles viel zu spät kapiert.

Die Liebeslüge brach in tausend Scherben.
Das Kitten bringt nichts mehr, es ist vorbei.
Du glaubst, du schickst mich ins Verderben
Und übersiehst, dass ich uns dir verzeih.
 

anbas

Mitglied
Lieber Walther,

wie heißt es so schön kurz und bündig: Gern gelesen!

Vielleicht ein bisschen zu lang, aber eben nur vielleicht (ich werde es noch ein paar mal lesen - möglicherweise sehe ich dann klarer...).

Hier hat sich, wie ich meine, ein Metrikfehler eingeschlichen:
Den Anschein will ich zu wahren, Achtung, Mut
Bei der letzten Zeile komme ich mit dem "uns" nicht ganz klar. Es wirkt auf mich zumindest fehlerhaft.

Alls in allem aber ein Gedicht, dass ich gerne gelesen habe - aber das schrieb ich ja schon ;).

Liebe Grüße

Andreas
 

Zeder

Administrator
Teammitglied
Hallo Walther,

Tief in mir krümmen sich die schlimmen Schmerzen.
Ich weiß, was du ausdrücken möchtest - aber Schmerzen als solche krümmen sich nicht, sondern nur die betroffenen Stellen (hier kann ich nur ahnen, was sich krümmen könnte).

Grüße von Zeder
 

Walther

Mitglied
Die Täuschung


Ich werde nicht an deiner Türe kratzen.
Die Tränen, die ich weine, siehst du nicht.
Du würdest nur vor lauter Größe platzen.
Ich zeige dir mein Sieg- und Kampfgesicht.

Mein Magen ist ein Stein vor Seelenschmerzen.
Ich kann nicht essen, trinken: Mir ist schlecht.
Der scharfe Stich dort drin in meinem Herzen
Ist unfair, hinterlistig, ungerecht.

Ich gehe mit Grandezza stolz zugrunde.
Den Anschein will ich wahren, Achtung, Mut
In dieser elenden und schweren Stunde:
Nur das hält mich noch aufrecht - und tut gut.

Du wirst es laut verkünden, dazu lachen,
Wie gnadenlos du warst. Du hast gespielt
Mit mir: Ich fiel in deinen offnen Rachen,
Durch die Verführung, kunstvoll kalt, gezielt,

Hast du mich tumben, blinden, willenlosen,
Verliebten dummen Affen ausgeschmiert.
Ich fühlte rosarot die Sinne tosen
Und habe alles viel zu spät kapiert.

Die Liebeslüge brach in tausend Scherben.
Das Kitten bringt nichts mehr, es ist vorbei.
Du glaubst, du schickst mich ins Verderben
Und übersiehst, dass ich uns dir verzeih.
 

Walther

Mitglied
Die Täuschung


Ich werde nicht an deiner Türe kratzen.
Die Tränen, die ich weine, siehst du nicht.
Du würdest nur vor lauter Größe platzen.
Ich zeige dir mein Sieg- und Kampfgesicht.

Mein Magen ist ein Stein vor Seelenschmerzen.
Ich kann nicht essen, trinken: Mir ist schlecht.
Der scharfe Stich dort drin in meinem Herzen
Ist unfair, hinterlistig, ungerecht.

Ich gehe mit Grandezza stolz zugrunde.
Den Anschein will ich wahren, Achtung, Mut
In dieser elenden und schweren Stunde:
Nur das hält mich noch aufrecht - und tut gut.

Du wirst es laut verkünden, dazu lachen,
Wie gnadenlos du warst. Du hast gespielt
Mit mir: Ich fiel in deinen offnen Rachen,
Durch die Verführung, kunstvoll kalt, gezielt,

Hast du mich tumben, blinden, willenlosen,
Verliebten dummen Affen ausgeschmiert.
Ich fühlte rosarot die Sinne tosen
Und habe alles viel zu spät kapiert.

Die Liebeslüge brach in tausend Scherben.
Das Kitten bringt nichts mehr, es ist vorbei.
Du glaubst vielleicht, du schickst mich ins Verderben.
Die Wahrheit ist, dass ich dir uns verzeih.
 

Walther

Mitglied
Hi anbas, hi Zeder,

danke fürs reinlesen und berechtigterweise bemängeln. das war wohl doch noch nicht so ganz rund, asche auf mein haupt.

nach euren (und weiteren) hinweisen habe ich den text nochmals bearbeitet und in s2, s3 und s6 zum teil durchgreifend umformuliert. ich hoffe sehr, daß das ergebnis nun besser geworden ist.

vielen dank nochmals!

lg w.
 

Walther

Mitglied
Die Täuschung


Ich werde nicht an deiner Türe kratzen.
Die Tränen, die ich weine, siehst du nicht.
Du würdest nur vor lauter Größe platzen.
Ich zeige dir mein Sieg- und Kampfgesicht.

Mein Magen ist ein Stein vor Seelenschmerzen.
Ich kann nicht essen, trinken: Mir ist schlecht.
Der scharfe Stich dort drin in meinem Herzen
Ist unfair, hinterlistig, ungerecht.

Ich gehe mit Grandezza stolz zugrunde.
Den Anschein will ich wahren, Achtung, Mut
In dieser elenden und schweren Stunde:
Nur das hält mich noch aufrecht - und tut gut.

Du wirst es laut verkünden, dazu lachen,
Wie gnadenlos du warst. Du hast gespielt
Mit mir: Ich fiel in deinen offnen Rachen,
Durch die Verführung, kunstvoll kalt, gezielt,

Hast du mich tumben, blinden, willenlosen,
Verliebten dummen Affen ausgeschmiert.
Ich fühlte rosarot die Sinne tosen
Und habe alles viel zu spät kapiert.

Die Liebeslüge brach in tausend Scherben.
Ein Kitten bringt nichts mehr, es ist vorbei.
Du glaubst vielleicht, du schickst mich ins Verderben.
Die Wahrheit ist, dass ich dir uns verzeih.
 
Lieber Walther,
nachdem das, was Zeder und anbas bemängelt hatten (es hatte mir auch nicht gefallen) von dir geändert wurde, gefällt mir dein Gedicht sehr gut.
Fast jeder hat schon einmal Ähnliches erlebt.

Viele Grüße,
Marie-Luise.

Ps. „anschmieren“ hätte mir besser als „ausschmieren“ gefallen. „Ausschmieren“ ist wohl eher nur im süddeutschen Raum bekannt.

Und noch etwas, was ich nicht ganz verstehe:

dass ich dir [red]uns[/red] verzeih.

Sollte es vielleicht [blue]nun[/blue] heißen?
 

Mondnein

Mitglied
"dass ich dir uns verzeih"

"dass ich dir uns verzeih" ist immerhin bedenkenswert, zumal es der pointierte Schlußvers ist. Natürlich ist "uns" das sachliche Akkusativobjekt, es wird mit dem Dativ-"uns" nicht verwechselt, da dieses schon mit "dir" besetzt ist; "uns" steht offensichtlich verkürzt für "all das, was wir miteinander verbrochen haben".

Durch die Verführung, kunstvoll kalt, gezielt,
Da wird das Lyri ein wenig vorwurfsvoll und lieblos, nicht eben "verzeihend", insofern ein Verliebter die Wurzel seines Verliebtseins eigentlich nicht in kalter Verführung seitens der Geliebten, sondern in seinem eigenen Herzen sieht: in seinen offenen Augen, die etwas entdecken, etwas sehen und erkennen, was kein anderer sonst so je entdeckt haben kann. Der Verliebte schiebt es nicht auf die technisch-kalte Verführungskunst der Geliebten, daß sich ihm die Schönheit der Geliebten eröffnet. Nicht das Licht ist schuld, daß sich dem Schauenden die Augen öffnen.
D.h. das verliebte Lyri ist ein bißchen beleidigte Leberwurst, durchaus konsequent in einer selbstmitleidigen Klage - oder sollte nicht eher das schmerzensweise "Verzeihen" in der Schlußwendung die "Botschaft" des Gesangs sein?
 

Walther

Mitglied
liebe Marie-Luise,

schön, daß dir das gedicht zusagt. der letzte vers muß so sein. die erläuterung folgt in meiner antwort auf den einwurf von mondnein. danke für die freundliche wertung!

lg w.


lb. mondnein,

zum glück bedarf es in diesem fall keiner japanischkenntnisse. :D

nein, im ernst: in der tat ist der schlußvers wesentlich für das gedicht. er ist zugleich ziel, endpunkt und quintessenz. wenn man den text, der genau deshalb so lang sein muß, genau liest, dann erkannt man die vorbereitung der volte am schluß.

auch eine überraschung will gut vorbereitet sein!

lg w.
 

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