Die unerkannte Froschkönigin

Naciye

Mitglied
Es war einer dieser schwülen Sommertage und der Prinz ging, wie er es immer an einem solchen Tag tat, zu seinem Lieblingsbrunnen um sein tolles Spiegelbild anzustarren. Er war schrecklich verliebt in sich und da es in der Zeit in der er lebte noch keine Spiegel gab, nutzte er die Sonnentage um sein Spiegelbild zu sehen. Er glotzte manchmal Stunden ins Wasser, zog er Grimassen um sich an ihnen zu erfreuen. Er redete mit dem Bild, er versuchte sogar es zu küssen, so schön fand er sich. Eines Tages sprang ein schleimiger, verwarzter Frosch aus dem Brunnen. "Ihh" schrie der verwöhnte Prinz als er die Kröte sah. "Hau ab hier! Das ist mein Brunnen!" Der Frosch verdrehte seine Augen nach innen, dann flutschten die Lider wieder in den Augapfel. "Quak, das hier ist schon seit 100 Jahren mein Brunnen. Ich beobachte Dich schon die ganzen Jahre. Jedes das Du älter wurdest, kamst Du öfter um mir meinen Platz streitig zumachen. Jetzt habe ich die keine Lust mehr, mich zu verstecken."

Von diesem Tag an, saß die Kröte auf dem moosigen Brunnenrand und sah dem Prinzen bei seinen peinlichen Spielen zu.

Alsbald war der Prinz volljährig und durfte Kutsche fahren, aber all das interessierte ihn überhaupt nicht. Er wollte lieber immerfort am Brunnen hocken und sein Lächeln begutachten. Er verlor all seine Freunde, weil er nur noch mit seinem Spiegelbild flirtete. Er wollte keine der Prinzessinnen. Keine ward gut genug für ihn.

Eines Tage schenkte der König ihm eine wunderschöne, goldene Kugel. Der Prinz drehte durch, er fand sie einfach zu cool. Er glotze nur noch auf die Kugel, weil die ihn widerspiegelte. Er marschierte Stunde um Stunde mit der Kugel im Park umher. Immer hielt er sie ein Stückchen entfernt am Arm ausgestreckt, um möglichst sein ganzes Gesicht zu sehen. Manchmal hielt er sie sogar so tief, das er seine Füße und Waden sehen konnte. Der Prinz war einfach nur in sich verliebt. Selbst als die bezaubernde Prinzessin Hilde aus dem Nachbar Bourgeoisie zu Besuch kam, kümmerte der Prinz sich weder um sie noch um Ihre Schönheit.

Eines Tages begab es sich dann, daß der Prinz zum Brunnen ging. Er hatte die famose Idee sich gleich doppelt anzuschauen. Im Spiegel des Brunnenwassers und in der goldenen Kugel. Er legte die Kugel auf den moosigen Brunnenrand und kämmte sich das fettige Haar. Er wusch sich das Gesicht mit dem Brunnenwasser und gerade als er fertig war, sah er wie die goldene Kugel langsam in den Brunnen kullerte.

Nein!!! Rief der Prinz so laut aus, daß selbst die Bäume erschrocken zur Seite wichen. Der Prinz stürmte zum Rand des Brunnens und blickte hinein. Er konnte die Kugel ganz tief am Boden schimmern sehen und versuchte mit dem Arm hin zu gelangen. Das war natürlich unmöglich, ward doch der Brunnen viel zu tief.

Da sprang die schleimige Kröte aus dem Gebüsch und fragte scheinheilig, was denn passiert wäre. Der Prinz berichtete von seinem Mißgeschick und von der in den Brunnen gefallenen Kugel.
So ein Pech - sagte die Kröte nur trocken – aber vielleicht konnte sie Deinen Anblick nicht ertragen.
Der Prinz blickte erstaunt drein. – Ich bin doch so wunderschön, die Kugel konnte froh sein, mich so oft spiegeln zu dürfen.
Der Frosch sprang auf einen höher gelegenen Ast und sagte im abfälligen Ton: - Ich finde Dich überhaupt nicht schön, deine innere Häßlichkeit spiegelt sich nach außen.

Der Prinz dachte über die harten Worte des Frosches nach, dann sprach er: Würdest Du mir helfen und die Kugel aus den Brunnen zu holen? Ich verspreche Dir auch, ich wird ein besserer Mensch.

Der Frosch pfropfte sich einen Finger an die Schläfe und überlegte. – Was habe ich denn davon?- fragte er dann

Ich könnte Dir einige tolle Spielsachen holen, oder den Naßrasierer meines Vaters dem König oder eine echte Perlonstrumpfhose meiner Mutter der Königin.

Nö, nö... so was braucht ein Frosch wie ich nicht! Aber Du könntest mir einen Zungenkuß geben, dann würde ich es mir überlegen.

Du spinnst wohl! Ich der Prinz von Märchenland, pah.. niemals! - Der Prinz stand vor dem Frosch, hatte seine beiden kleinen Händchen in die Hüfte gestemmt, und schüttelte nur den Kopf.

Dann eben nicht! sprach der Frosch und sprang in den Brunnen. Es dauerte 1 Woche, 2 Wochen, 3 Wochen und auch die 5, 6, 7, 8 und 9 verstrich, dann stand der Prinz wieder vor dem Brunnen.

Ich machs! Aber nur mit Zungenkondom! sagte der Prinz und schaute angeekelt den Frosch an.

Nö jetzt will ich nicht mehr, - sagte der Frosch – wir Frauen haben auch unsern Stolz!

Der Prinz schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. - Auch noch eine Fröschin- rief er aus. Jetzt stell dich mal nicht so an. Das mit dem Zungenkondom muß ja nicht unbedingt sein. Jetzt wo ich weiß das Du n´ Mädchen bist.

Die Fröschin überlegte einige Minuten, sprang in den Brunnen und holte die goldene Kugel vom Brunnenboden. Stolz hielt sie dem Prinz die Kugel entgegen. Dann streckte sie dem Prinzen ihre lange, gerollte Zunge entgegen.

Mach die Augen zu- sagte der Prinz, Du sollst diesen Kuß niemals vergessen.

Die Fröschin schloß also ihre Glubschaugen und wartete sehnsüchtig auf ihren Kuß.
Aber nichts passierte. Sie wartete und wartete, dann öffnete sie die Augen. Der Prinz war verschwunden. Die Kugel auch.
Die Fröschin war wahnsinnig wütend auf den Prinzen und hüpfte zum Schloß um sich den Kuß abzuholen, den er ihr schuldig war. Sie kam ungehindert in sein Zimmer und legte sich auf die Lauer. Nach einigen Stunden kam der Prinz mit der Kugel in der Hand ins Zimmer. Die Krötendame hatte sich mitten auf sein Bett gesetzt und schaute sauer drein.

Was willst Du denn hier?
Was wohl, meinen Kuß!

Der Prinz griff mit einer schnellen Handbewegung zur feuchten Kröte, holte aus und schmiß sie gegen die frisch tapezierte Wand.

Die Fröschen landete als Matschhaufen auf dem davor liegenden Flokatiteppich und rührte sich nicht mehr.

Der Prinz rief einen Diener, ließ die Kröte entfernen und bestellte zum Abendbrot Froschschenkel. Das köstliche Mahl, ließ er sich, während er in seine goldene Kugel schaute, sehr schmecken.

Und wenn der Prinz keine Lebensmittelvergiftung bekommen hat, dann lebt er auch noch heute!
 

Frank Zimmermann

Junior Mitglied
Na also...

Na also, so schlecht ist die Schreibaufgabe dann ja doch nicht, sonst wäre bestimmt nicht so eine nette Geschichte dabei rausgekommen - auch wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie nicht ein wenig männerfeindlich ist...

Übrigens, dieser Prinz hat 'nen griechischen Kollegen gehabt, der hieß Narziß, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Danke für Deinen Premieren-Beitrag!
 

Elli K.

Mitglied
jo, warum nicht?!

Die Idee ist doch gar nicht mal so schlecht! Wobei: Eine etwas ausgefeilterer Kenntnis der Rechtschreibung (und der Märchenschreibe) würde dem Lesegenuß durchaus zuträglich sein. Und außerdem hast du einige nicht unwesentliche Bestandteile der Geschichte unterschlagen (der Herr König - respektive Königin - hatte schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden). Aber , wie gesagt, im Ansatz ist das Ganze durchaus gelungen!
Beste Grüße von
Elli
 

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