Die Wanderung

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anbas

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Die Wanderung
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Christine rief an. Wir hatten uns lange nicht mehr gesprochen, und ich freute mich über ihren Anruf. Gleichzeitig stieg aber auch der Hauch eines schlechten Gewissens in mir auf, schließlich hätte ich mich schon längst mal wieder bei ihr melden sollen.

"Hi, ich wollte dich fragen, ob du Lust hast, zusammen mit Frank und mir an einer geführten Wanderung teilzunehmen."
"Wanderung" – das war nun ein Wort, das meine Freude über Christines Anruf sofort wieder deutlich trübte. Für Spaziergänge war ich durchaus zu haben. Aber Wanderungen? Den ganzen Tag über laufen, von ein paar Pausen mal abgesehen? Und dabei möglicherweise auch noch die Tagesverpflegung mitschleppen? Nein, das war dann eher nicht so mein Fall.

Christine und Frank waren recht aktive Freunde von mir. Menschen, die in ihrer Freizeit regelmäßig joggten, Radtouren unternahmen und Gartenarbeit liebten. Außerdem waren sie gut in ihrem Stadtteil vernetzt und nahmen dort an den unterschiedlichsten Veranstaltungen teil.
Ich dagegen war zwar Nicht-Autofahrer und somit viel zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, doch das war's dann auch schon mit meinen körperlichen Aktivitäten – von gelegentlichen Spaziergängen mal abgesehen, die dann aber auch gerne mal etwas länger sein durften. Ansonsten gehörte ich eher zu der Gattung der Couchpotatos.

"Wie lang ist denn die Tour?", fragte ich daher vorsichtig, auch um Zeit für die Formulierung einer diplomatischen Absage zu gewinnen.
"Etwa eineinhalb Stunden", antwortete Christine.
Diese Aussage ließ die Eintrübung meiner Freude sofort verschwinden. Eineinhalb Stunden – das war nichts, das war ein etwas ausgedehnterer Spaziergang. Solch eine Wanderung war machbar, auch für mich.

An einem Samstag war es dann so weit. Wir hatten uns bei Christine und Frank getroffen, um gemeinsam zum Ausgangspunkt der Wanderung zu fahren. Diese fand nämlich gut 90 Autominuten von Hamburg entfernt statt. Zu der reinen Fahrzeit kam noch ein kurzes Picknick – die beiden zelebrierten gerne ihre Ausflüge, und da durfte eine kleine Stärkungspause mit etwas Rohkost, Brot, hartgekochten Eiern und Tee natürlich nicht fehlen.
Pünktlich auf die letzte Minute erreichten wir dann den Treffpunkt. Der Rest der Gruppe war schon da. Auch, wenn es sich eher um einen Spaziergang als um eine Wanderung handelte, hatte ich mich in wandergerechtes Outfit geworfen: Wanderhose, Wanderschuhe, kleiner Rucksack, ein bisschen Proviant, Wasserflasche, Pullover und Regenzeug. Natürlich hatte ich auch meine Spiegelreflexkamera eingepackt. So ausstaffiert gehörte ich eher zur Minderheit unter den Teilnehmern. Die meisten anderen hatten normale Alltagsklamotten und Straßenschuhe an.

Frau Bender, die Leiterin der Wanderung, hielt eine kurze Ansprache. So erzählte sie, dass sie unter anderem auch Pädagogin und eine engagierte Walking-Trainerin wäre. Außerdem teilte sie uns mit, dass die Tour vermutlich doch eher zwei Stunden dauern würde, weil sie uns unterwegs einiges zu erzählen hätte.
"Engagierte Walking-Trainerin" – bei diesem Stichwort verabschiedete ich mich von der "Wanderung auf Spaziergangniveau". Das hörte sich auf jeden Fall nach deutlich mehr Anstrengung an, als ich gedacht hatte. Als sie uns dann auch noch ihren Mann vorstellte und mitteilte, dass dieser am Ende der Gruppe gehen würde, um die Nachzügler einzusammeln, schwante mir endgültig Böses.

Dann gingen wir auch schon los. Und wie es los ging… Frau Bender legte ein Tempo vor, das ihren Mann und mich schon nach wenigen Metern zusammenführte. Und recht bald begannen wir beide, ausführlich über das Fotografieren zu fachsimpeln – was uns nicht unbedingt schneller machte, sondern vielmehr den Abstand zum Rest der Gruppe weiter vergrößerte.
Einige Marschminuten später erreichten wir die erste angekündigte Steigung. Diese hatte es in sich – zumindest für eine leicht übergewichtige, asthmatische Couchpotato. Aufgrund des Schnaufens einiger anderer Teilnehmer, die sich von Herrn Bender und mir hatten einholen lassen, fühlte ich mich aber nicht mehr ganz so alleine. Mit aller Kraft gelang es uns allen, diesen Berg zu bezwingen – ein Berg, der für jeden Süddeutschen gerade mal das Ausmaß einer etwas verlängerten Kellertreppe hatte.
Nach etwa zwei Drittel der Strecke wünschte ich mir das Ende der Tour oder eine längere Pause herbei. Kurze Zeit später fragte ich dann Frau Bender, wie viele Kilometer diese Tour umfassen würde.
"Etwa sechs Kilometer", sagte sie und fügte hinzu, "ohne mein Gerede kann man die locker in etwa einer Stunde schaffen."
"Wenn man die richtigen Abkürzungen kennt", schwieg ich in mich hinein. "Somit ist das eine Tagestour, für die man ordentliche Pausen einplanen und genügend Verpflegung mitnehmen muss", dachte ich weiter.

Erst später, als ich mich in einem Gasthaus von den Strapazen dieser Unternehmung erholte, fiel mir ein, dass ich früher Touren von fünf bis sechs Kilometern als "etwas ausgedehnte Spaziergänge" bezeichnet habe. Damals war ich aber eine deutlich jüngere und schlankere Couchpotato als heute.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Ciconia

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Hallo Andreas,

ich habe mich sehr amüsiert, zumal ich eine völlig andere Einstellung zum Wandern habe, oder heute muss ich wohl sagen: früher hatte.

Vielleicht hilft ja (gerade zu Beginn des neuen Jahres mit guten Vorsätzen) ein wenig Konditionstraining im Fitnesstudio.:cool:

Als anerkannte Oberlehrerin möchte ich noch bemerken: Die potato wird im Plural zu potatoes. Ansonsten keine Einwände. ;)

Gruß, Ciconia
 

Hagen

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Hallo Andreas,
ich habe Deine 'Wandergeschichte' mit Vergnügen gelesen. Das, was Du allerdings gemacht hast grenzt schon an Landstreicherei!
Zuerst hatte ich einen Gewaltmarsch im Sinn; - dann aber mein Ansinnen, nach der 'verlängerten Kellertreppe' auf 'Couchpotatos Megaaction' reduziert.

Wir lesen uns!
Herzlichst
yours Hagen

_________________
Wenn Du ein 'Licht am Ende des Tunnels' siehst und diesem zustrebst, wirst Du - nachdem eine Rückkehr unmöglich ist - feststellen, dass es sich um den Scheinwerfer eines nahenden D-Zuges handelt.

Merke: In Eisenbahntunnels sind selten Notfallbuchten vorgesehen!
 

anbas

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Hallo,

ich freue mich, dass der Text so gut ankommt und bedanke mich für die guten Wertungen!

Die "Fehlermeldungen" sind zur Kenntnis genommen und werden bei der nächsten Veröffentlichung berücksichtigt. Aufgrund der neuen Umständlichkeiten hier in diesem Forum werde ich den Text deswegen nicht noch mal posten. Das mache ich eventuell, wenn es zu weiteren und vor allem gravierenderen Änderungen kommen sollte.

Mit den guten Vorsätzen habe ich es nicht so - die Halbwertszeit liegt hier bei mir im Minutenbereich ;).

Liebe Grüße

Andreas
 

ThomasQu

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Servus Andreas,

hab´s jetzt doch gleich geschafft. Kannst mal mit deiner Version vergleichen und schauen, ob dir eine von den Veränderungen passt. Mit Ausnahme von dem dritten Absatz gab´s nicht sehr viel zu kürzen.

Die Wanderung

Wir hatten uns lange nicht mehr gesprochen, (ohne Komma) und ich freute mich über (Christines) ihren Anruf. Gleichzeitig stieg aber auch der Hauch eines schlechten Gewissens in mir auf, schließlich hätte ich mich schon längst mal wieder bei ihr melden sollen.

"Hi, ich wollte dich fragen, ob du Lust hast, zusammen mit Frank und mir an einer geführten Wanderung teilzunehmen."
"Wanderung" – das war ein Wort, das meine Freude über Christines Anruf sofort wieder deutlich trübte. Für Spaziergänge war ich durchaus zu haben. Aber Wanderungen? Den ganzen Tag über (L) laufen, von ein paar Pausen mal abgesehen? Und dabei möglicherweise auch noch die Tagesverpflegung mitschleppen? Nein, das war dann eher nicht so mein Fall.

Den folgenden Absatz ganz raus. Der dehnt den Text unnötig aus.
Christine und Frank waren recht aktive Freunde von mir. Menschen, die in ihrer Freizeit regelmäßig joggten, Radtouren unternahmen und Gartenarbeit liebten. Außerdem waren sie gut in ihrem Stadtteil vernetzt und nahmen dort an den unterschiedlichsten Veranstaltungen teil.
Ich dagegen war zwar Nicht-Autofahrer und somit viel zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, doch das war's dann auch schon mit meinen körperlichen Aktivitäten – von gelegentlichen Spaziergängen mal abgesehen, die dann aber auch gerne mal etwas länger sein durften. Ansonsten gehörte ich eher zu der Gattung der Couchpotatos.

"Wie lang ist denn die Tour?", fragte ich daher vorsichtig, auch um Zeit für die Formulierung einer diplomatischen Absage zu gewinnen.
"Etwa eineinhalb Stunden", antwortete Christine.
Diese Aussage ließ die Eintrübung meiner Freude sofort verschwinden. Eineinhalb Stunden – das war nichts, das war ein etwas ausgedehnterer (unschönes Wort) Spaziergang. Solch eine Wanderung war machbar, auch für mich.

An einem Samstag war es dann so weit. Wir hatten uns bei Christine und Frank getroffen, um gemeinsam zum Ausgangspunkt der Wanderung zu fahren. Diese fand nämlich (Füllwort) gut 90 Autominuten von Hamburg entfernt statt. Zu der reinen Fahrzeit kam noch ein kurzes Picknick – die beiden zelebrierten gerne ihre Ausflüge, und da durfte eine kleine Stärkungspause mit etwas Rohkost, Brot, hartgekochten Eiern und Tee natürlich nicht fehlen.
Pünktlich auf die letzte Minute erreichten wir dann (Füllwort) den Treffpunkt. Der Rest der Gruppe war schon da. Auch, wenn es sich eher um einen Spaziergang als um eine Wanderung handelte, hatte ich mich in wandergerechtes Outfit geworfen: Wanderhose, Wanderschuhe, kleiner Rucksack, ein bisschen Proviant, Wasserflasche, Pullover und Regenzeug. Natürlich hatte ich auch meine Spiegelreflexkamera eingepackt. So ausstaffiert gehörte ich eher zur Minderheit unter den Teilnehmern. Die meisten anderen hatten normale Alltagsklamotten und Straßenschuhe an.

Frau Bender, die Leiterin der Wanderung, hielt eine kurze Ansprache. So erzählte sie, dass sie unter anderem auch Pädagogin und eine (Füllwort) engagierte Walking-Trainerin wäre. Außerdem teilte sie uns mit, dass die Tour vermutlich doch eher zwei Stunden dauern würde, weil sie uns unterwegs einiges zu erzählen hätte.
"Engagierte Walking-Trainerin" – bei diesem Stichwort verabschiedete ich mich von der "Wanderung auf Spaziergangniveau". Das hörte sich auf jeden Fall nach deutlich mehr Anstrengung an, als ich gedacht (erhofft) hatte. Als sie uns dann (Füllwort) auch noch ihren Mann vorstellte und mitteilte, dass dieser am Ende der Gruppe gehen würde, um die Nachzügler einzusammeln, schwante mir endgültig Böses.

Dann gingen wir auch schon los. Und wie es los ging (Leerzeichen) … Frau Bender legte ein Tempo vor, das ihren Mann und mich schon nach wenigen Metern zusammenführte. Und recht bald begannen wir beide, ausführlich über das Fotografieren zu fachsimpeln – was uns nicht unbedingt schneller machte, sondern vielmehr den Abstand zum Rest der Gruppe weiter vergrößerte.
Einige Marschminuten später erreichten wir die erste angekündigte Steigung. Diese hatte es in sich – zumindest für eine leicht übergewichtige, asthmatische Couchpotato.
(In der Annahme, dass der Ich-Erzähler ein Mann ist, würde mir DER Couchpotato besser gefallen).
Aufgrund des Schnaufens einiger anderer Teilnehmer, die sich von Herrn Bender und mir hatten einholen lassen, fühlte ich mich aber nicht mehr ganz so alleine. Mit aller Kraft gelang es uns allen, diesen Berg zu bezwingen – ein Berg, der für jeden Süddeutschen gerade mal das Ausmaß einer etwas verlängerten Kellertreppe hatte.
Nach etwa zwei Drittel der Strecke wünschte ich mir das Ende der Tour oder eine längere Pause herbei. Kurze Zeit später fragte ich dann Frau Bender, wie viele Kilometer diese Tour umfassen würde.
"Etwa sechs Kilometer", sagte sie und fügte hinzu, "ohne mein Gerede kann man die locker in etwa einer Stunde schaffen."
"Wenn man die richtigen Abkürzungen kennt", schwieg (grummelte) ich in mich hinein. "Somit ist das eine Tagestour, für die man ordentliche Pausen einplanen und genügend Verpflegung mitnehmen muss", dachte ich weiter.

Erst später, als ich mich in einem Gasthaus von den Strapazen dieser Unternehmung erholte, fiel mir ein, dass ich früher Touren von fünf bis sechs Kilometern als "etwas ausgedehnte Spaziergänge" bezeichnet habe. Damals war ich aber eine deutlich jüngere und schlankere Couchpotato als heute.

Grüße, Th.
 

anbas

Mitglied
Hallo Thomas,

vielen Dank für die konstruktiven Anmerkungen und die Wertung! Über Textarbeit dieser Art freue ich mich besonders. Nun brauche ich nur noch die Zeit, mich damit intensiv auseinandersetzen zu können :rolleyes:. Ich hoffe, dass dies bald der Fall ist.

Liebe Grüße

Andreas
 

anbas

Mitglied
Hallo Thomas,

ich habe die meisten Deiner Vorschläge übernommen. Vielen Dank! Den Anfang möchte ich so lassen - gefällt mir irgendwie besser (Bauchgefühl). Auch habe ich nicht alle Füllwörter gestrichen, aber die meisten.

Liebe Grüße

Andreas
 

anbas

Mitglied
Die Wanderung

Christine rief an. Wir hatten uns lange nicht mehr gesprochen und daher freute ich mich über ihren Anruf. Gleichzeitig stieg aber auch der Hauch eines schlechten Gewissens in mir auf, schließlich hätte ich mich schon längst mal wieder bei ihr melden sollen.

"Hi, ich wollte dich fragen, ob du Lust hast, zusammen mit Frank und mir an einer geführten Wanderung teilzunehmen."
"Wanderung" – dies war nun ein Wort, das meine Freude über Christines Anruf sofort wieder deutlich trübte. Für Spaziergänge war ich durchaus zu haben. Aber Wanderungen? Den ganzen Tag über Laufen, von ein paar Pausen mal abgesehen? Und dabei möglicherweise auch noch die Tagesverpflegung mitschleppen? Nein, das war dann eher nicht so mein Fall.

"Wie lang ist denn die Tour?", fragte ich daher vorsichtig, auch um Zeit für die Formulierung einer diplomatischen Absage zu gewinnen.
"Etwa eineinhalb Stunden", antwortete Christine.
Diese Aussage ließ die Eintrübung meiner Freude sofort verschwinden. Eineinhalb Stunden – das war nichts, das war ein etwas ausgedehnter Spaziergang. Solch eine Wanderung war machbar, auch für mich.

An einem Samstag war es dann so weit. Wir hatten uns bei Christine und Frank getroffen, um gemeinsam zum Ausgangspunkt der Wanderung zu fahren. Diese fand gut 90 Autominuten von Hamburg entfernt statt. Zu der reinen Fahrzeit kam noch ein kurzes Picknick – die beiden zelebrierten gerne ihre Ausflüge, und da durfte eine kleine Stärkungspause mit etwas Rohkost, Brot, hartgekochten Eiern und Tee natürlich nicht fehlen.
Pünktlich auf die letzte Minute erreichten wir dann den Treffpunkt. Der Rest der Gruppe war schon da. Auch, wenn es sich eher um einen Spaziergang als um eine Wanderung handelte, hatte ich mich in wandergerechtes Outfit geworfen: Wanderhose, Wanderschuhe, kleiner Rucksack, ein bisschen Proviant, Wasserflasche, Pullover und Regenzeug. Natürlich hatte ich auch meine Spiegelreflexkamera eingepackt. So ausstaffiert gehörte ich eher zur Minderheit unter den Teilnehmern. Die meisten anderen hatten normale Alltagsklamotten und Straßenschuhe an.

Frau Bender, die Leiterin der Wanderung, hielt eine kurze Ansprache. So erzählte sie, dass sie unter anderem auch Pädagogin und engagierte Walking-Trainerin wäre. Außerdem teilte sie uns mit, dass die Tour vermutlich doch eher zwei Stunden dauern würde, weil sie uns unterwegs einiges zu erzählen hätte.
"Engagierte Walking-Trainerin" – bei diesem Stichwort verabschiedete ich mich von der "Wanderung auf Spaziergangniveau". Das hörte sich auf jeden Fall nach deutlich mehr Anstrengung an, als ich erwartet hatte. Als sie uns dann auch noch ihren Mann vorstellte und mitteilte, dass dieser am Ende der Gruppe gehen würde, um die Nachzügler einzusammeln, schwante mir endgültig Böses.

Dann gingen wir auch schon los. Und wie es los ging … Frau Bender legte ein Tempo vor, das ihren Mann und mich schon nach wenigen Metern zusammenführte. Und recht bald begannen wir beide, ausführlich über das Fotografieren zu fachsimpeln – was uns nicht unbedingt schneller machte, sondern vielmehr den Abstand zum Rest der Gruppe weiter vergrößerte.
Einige Marschminuten später erreichten wir die erste angekündigte Steigung. Diese hatte es in sich – zumindest für einen leicht übergewichtigen, asthmatischen Couchpotato wie mich. Aufgrund des Schnaufens einiger anderer Teilnehmer, die sich von Herrn Bender und mir hatten einholen lassen, fühlte ich mich aber nicht mehr ganz so alleine. Mit aller Kraft gelang es uns allen, diesen Berg zu bezwingen – ein Berg, der für jeden Süddeutschen gerade mal das Ausmaß einer etwas verlängerten Kellertreppe hatte.
Nach etwa zwei Drittel der Strecke wünschte ich mir das Ende der Tour oder eine längere Pause herbei. Kurze Zeit später fragte ich dann Frau Bender, wie viele Kilometer diese Tour umfassen würde.
"Etwa sechs Kilometer", sagte sie und fügte hinzu, "ohne mein Gerede kann man die locker in etwa einer Stunde schaffen."
"Wenn man die richtigen Abkürzungen kennt", nörgelte ich in mich hinein. "Somit ist das eine Tagestour, für die man ordentliche Pausen einplanen und genügend Verpflegung mitnehmen muss", dachte ich weiter.

Erst später, als ich mich in einem Gasthaus von den Strapazen dieser Unternehmung erholte, fiel mir ein, dass ich früher Touren von fünf bis sechs Kilometern als "etwas ausgedehnte Spaziergänge" bezeichnet habe. Damals war ich aber eine deutlich jüngere und schlankere Couchpotato als heute.
 

Ji Rina

Mitglied
Hallo anbas,
Habe jetzt nur die erste Version gelesen und musste schmunzeln. Die zweite Version hatte ich nicht rechtzeitig gesehen. Wandern ist hier wo ich lebe (Balearen) sehr angesagt. Ohne mich. Finds eine Tortur. Habe aber diese Erfahrung gemacht: Wenn du am ende bist und kaum noch weiterlaufen kannst und alle vorwegmarschieren, kannst auch du plötzlich weitermachen. Hat wohl viel mit dem Kopf zu tun. ;)
Liebe Grüße, Ji
 

anbas

Mitglied
Hallo Ji,

ja, der Kopf spielt eine große Rolle. Ich habe einmal (und nie wieder) eine Wanderung auf einen echten Berg gemacht - also nicht irgendeinen Hügel, wie es sie hier in Norddeutschland gibt. Da habe ich mich zum Schluss nur noch damit vorwärts getrieben, dass ich mir Kleinst-Etappen setzte (Noch bis zur nächsten Kurve / Noch bis zu dem nächsten großen Felsen usw.). Es hat geklappt. Als ich dann oben saß und mich verschnaufte, hörte ich eine Frau schimpfen - fast ununterbrochen. Dann tauchte aus der Richtung der zweiten Aufstiegsmöglichkeit, die als anspruchsvoller galt als der Weg, den ich genommen hatte, ein Rentnertrupp auf. Vorweg eine Frau, die darüber lamentierte, dass sie sich von den Kerlen hat überreden lassen, zwei solcher Hügel an einem Tag zu besteigen ... - Hey, daraus lässt sich vielleicht noch eine zweite Wandergeschichte machen ... Mal sehen ;)

Danke für Deine Rückmeldung und Deine Wertung.

Liebe Grüße

Andreas
 

Ji Rina

Mitglied
Ja anbas... Wanderungen...da passieren die irrsten Dinge...Leute bekommen einen Nervenzusammenbruch... Ehepaare lassen sich scheiden...andere fallen vom Berg..Das gibt Stoff! ;)
Lieben Gruß! Ji
 

anbas

Mitglied
... mein Bruder hat in den Pyrenäen seine aus Italien stammende Frau kennengelernt ... Ja, Wanderungen bergen Stoff aus dem die (Alb-) Träume sind :D. Ich hab da noch ein Wandererlebnis in Petto, weiß aber noch nicht, ob der Stoff für eine Geschichte oder ein Gedicht ausreicht ...

Liebe Grüße

Andreas
 

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