Dieses Paar

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Willibald

Mitglied
Salute, bitte Rückmeldungen zur Anlage des Textes?


DIESES PAAR

Heute stand ich im Badezimmer
vor dem Spiegel und sah sie wieder:
diese Burg, den kristallinen Bau,
aus meinem Nachttraum.

Die Burg brach messerscharf herunter,
als ich meinen Kopf bewegte:
Ein ferner Teufel hob den Finger,
als stimme etwas nicht.

Und es knirschte, als sie sich
wieder zusammensetzte:
Dass sie wieder splittern würde,
wusste ich nur allzu gut.

Ich mochte deine Augen,
dein braunes Haar, den
Schimmer deiner Haut.
Ich wollte, dass Du mich begehrst,
ich wollte groß sein.

Ich konnte spotten über mein Bedürfnis,
groß zu sein, und wollte,
der Spott sei größer
als die Angst
sehr klein zu sein.

Darüber konnte ich nicht sprechen,
und wenn wir sprachen,
einigten wir uns darauf,
andren Paaren gehe es
nicht besser, eher schlechter.

Einmal war es wirklich gut:
Ich war so müde,
dass die Angst wegsank,
mein Kopf war taub.

Karge Worte: Ich liebte dich
in dieser Nacht wie niemals.
Dein Ich, mein Ich,
es war in uns.

Manchmal - sehr erschöpft -
sehe ich in den Gesichtern
unsrer Kinder dieses Paar.

Die Bilder brennen,
auf Papier.
 

Schakim

Mitglied
Salute, Willibald!

Mir gefällt Dein Text. Nur, mit dem "Gefallen" allein wirst Du nicht zufrieden sein. Die Bilder sind es, die eine Stimmung, einen Zustand in Sprache auszudrücken vermögen. Die Selbstanalyse, der Zweifel, die Hoffnung, die Bestätigung ... und alles brennt mir entgegen.

Ich wünsche Dir einen schönen Sonntag!
Schakim
 
S

Sandra

Gast
Hallo w.

Klasse Text. Aber warum nicht das Gedicht erst hier anfangen lassen:

Ich mochte deine Augen,
dein braunes Haar, den
Schimmer deiner Haut.
Ich wollte, dass Du mich begehrst,
ich wollte groß sein.

Ich konnte spotten über mein Bedürfnis,
groß zu sein, und wollte,
der Spott sei größer
als die Angst
sehr klein zu sein.

Darüber konnte ich nicht sprechen,
und wenn wir sprachen,
einigten wir uns darauf,
andren Paaren gehe es
nicht besser, eher schlechter.

Einmal war es wirklich gut:
Ich war so müde,
dass die Angst wegsank,
mein Kopf war taub.

Karge Worte: Ich liebte dich
in dieser Nacht wie niemals.
Dein Ich, mein Ich,
es war in uns.

Manchmal - sehr erschöpft -
sehe ich in den Gesichtern
unsrer Kinder dieses Paar.

Die Bilder brennen,
auf Papier.

Ich empfinde es so, zusammenhängender und mehr als Einheit.
Trotzdem, wahnsinnig schöne Bilder.

Ich konnte spotten über mein Bedürfnis,
groß zu sein, und wollte,
der Spott sei größer
als die Angst
sehr klein zu sein.
Ganz salopp gesagt: Absolut irre!! :)

Sandra
 

Willibald

Mitglied
Salute, Sandra,

gedacht war, dass in einer Spiegelsituation ein Alptraum vom Scheitern einer Beziehung aufkommt und der Alptraum sich dann zu einer Reflexion der Vergangenheit wie eine Art von innerem Monolog erweitert.

Da gibt es dann gewisse Brüche, die sind nicht zu übersehen. Dein Vorschlag, gut.

Die Bilder brennen, auf Papier.
Uns bleibt das Denken an zehn Jahre.
Das Staunen, wie lebendig
sie in der Erinnrung sind:
Die Bilder brennen.

aes/willi
 

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