dinge, die wie spiegel sind

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den anker geworfen in dinge, die
wie spiegel sind, [ 5] gedächtnislos, du hälst
den zeiger deiner uhren an, der hund
des herbstes schluckt die zunge und erstickt an ihr.
du sagst:

die zukunft ist ein weg der keinen anfang hat und
schatten wirft in alle ecken der erinnerung. tastest
an den rändern deines traums entlang, kratzt
die letzen reste ich in deine gegenwart.

... weist nicht dass es morgen regnen soll.
 

Ciconia

Mitglied
Hallo Patrick,

der Inhalt erschließt sich mir nicht, aber das sagt nichts über die Qualität dieser Zeilen. Ich sehe nur, dass auch dieses Gedicht wieder einige Schreibfehler enthält, die Du bei sorgfältigem Arbeiten hättest vermeiden können.
den anker geworfen in dinge, die
wie spiegel sind [blue]-[/blue] gedächtnislos, du [red]hälst[/red] [blue]hältst[/blue]
den zeiger deiner uhren an, der hund
des herbstes schluckt die zunge und erstickt an ihr.
du sagst:

die zukunft ist ein weg, der keinen anfang hat und
schatten wirft in alle ecken der erinnerung. tastest
an den rändern deines traums entlang, [red]kratzt[/red] [blue]kratzst[/blue]
die [red]letzen[/red] [blue]letzten [/blue]reste ich in deine gegenwart.

... [red]weist[/red] [blue]weißt[/blue] nicht[blue],[/blue] dass es morgen regnen soll.
Gruß Ciconia
 
den anker geworfen in dinge, die
wie spiegel sind, [ 5] gedächtnislos, du hältst
den zeiger deiner uhren an, der hund
des herbstes schluckt die zunge und erstickt an ihr.
du sagst:

die zukunft ist ein weg der keinen anfang hat und
schatten wirft in alle ecken der erinnerung. tastest
an den rändern deines traums entlang, kratzst
die letzten reste ich in deine gegenwart.

... weißt nicht dass es morgen regnen soll.
 

Ralf Langer

Mitglied
Was wäre die sprache ohne ein wort wie
'Dinge'
Entscheide selbst aufgrund deines Vermögens
Ob es ein treffenderes gäbe...

Später vielleicht mehr
( was ganz privates, sozusagen unter uns beiden:
Mir will scheinen du veröffentlichst zu schnell?)

Der text ist gut , hat aber etwas unfertiges

Muss ich drüber nachdenken
Ralf
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,
mal ein paar vertiefende, wenn auch lose Gedanken zu deinem Stück:

Dinge, die wie Spiegel sind

Du arbeitest im und mit Paradoxem. Das weiss mir zu gefallen
“ Zukunft die Schatten wirft in die Erinnerung“
“ Zukunft ein Weg der keinen Anfang hat“

Allesamt streitbare Gedanken.
Da sucht lyrdu Halt im Unhaltbaren. Ein Anker wird geworfen
in Dinge,die wie Spiegel sind.

Paradox das Ganze. Die Tragik ist offensichtlich, weil das Unterfangen im Unmöglichen fusst.

Das Ich lässt sich nicht festmachen. Ein Spiegel hält nichts, ist Reflex, ist Abbild von Gegenwart.
Was also kommt heisst: scheitern.

Das mag ich!
Grosse Niederlagen sind “mächtiger“ als grosse Siege.
Zwei Dinge sind gewiss:
das kaskadische zerfasernde Ich und die Auflösung, der Verfall in den Herbst hinein.
Die Tragik:
Die Reflexionen von lyrdu sind gehirnlich sinnvoll , aber sie geben, spenden keinen Sinn.
Ein sinnvoller Gedanke, trifft auf eine Wirklichkeit die Sinn verneint, die sagt: Sinn ist etwas gemachtes, ein Entwurf, er hat keine physische Natur, ist letztlich bedeutungslos.

Alles dreht sich um Zukunft.
Aber was ist das überhaupt. Zukunft gibt es ja nicht. Auch sie ist eine gedankliche Leistung, eine Projektion.
Ist das dein Spiegel?
Möglich, aber was sind die nicht genannten Dinge?

Ich würde sagen: Zukunft ist kein Weg. Da ist mein Widerspruch.
Zukunft ist ein Projekt des Gehirns, des Geistes.

Ich sage es gibt zukünftige Gegenwarten,es gibt zukünftige Vergangenheiten, vergangene Zukünfte.

Aber das sind Spielereien der Gedankenwelt.

Was also sind die Dinge,die wie Spiegel sind?

Denn was ist ein Ding, ein Wort für das noch wortlose:
Alles, Nichts?

Hier zerfasern auch meine Gedanken.

Ich glaube eine Benennung, ein Hinweis täte not.

Und eins zum Schluss:

Das Ende gefällt mir nicht. Ich halte es für schwach. Drei Punkte und Regen.hm, vielleicht sagen andere noch etwas dazu.

Aber!
Wie so oft : ich bin gerne durch die anspruchsvolle Welt deiner Wort gegangen.

Dir einen lieben Gruss
Ralf
 
Hallo Ralf
Vorab möchte ich eine Kleinigkeit loswerden, die mich
seit geraumer Zeit beschäftigt und dir (als lyriker) sicher nicht
unbekannt ist.

An manchen Tagen geht man sein Zimmer auf und ab, fühlt
eine Idee, einen Gedanken aufkeimen, der aber in einem
Dämmerzustand bleibt. Schwer zu greifen.
Kaum meint man: ich habe ihn! drängt eine andere Seite ans Licht
und er fällt wieder in das halbbewusste zurück. Schattenhaft, seltsam.

Ich selber (und ich kann nur für mich sprechen) suche gerade diese
Ideen und manchmal drängt es mich, was ich nicht klar aussprechen
kann zumindest mit einer Metapher zu streifen.

Das alles gilt für diesen Text.
Ich möchte trotzdem versuchen so gut als möglich auf deine wunderbaren Gedanken einzugehen.

Das Lyri. wirft seinen Anker, d.h er hatte immer schon
die Möglichkeit einen Halt zu finden, plötzlich in die Dinge, die
alleine von der Gegenwart sprechen.

Ein Spiegel kennt weder die Vergangenheit, noch weiß er
um die Zukunft, er zeigt die Dinge wie sie sind.
D.h Lyri. sucht nicht nur einen Halt im Jetzt,
sondern auch in Dingen die (zumindest außen) ein Abbild
der Realität sind.
Genauer: er verlässt das Gebiet der Abstraktion. Für alles was
klarer vom Sein spricht.

Du hast sehr recht: das ist notwendig zum scheitern verurteilt!

Lyri. argumentiert aber, dass die Zukunft ( das leben, das
nicht im Jetzt verankert ist) ein Weg ohne Anfang sei.

Mein Gedanke dabei war reichlich trivial.
Wir leben in der Gegenwart, die Zukunft an sich
existiert für uns nicht, sie ist
ein Hirngespinst, das bis in die Erinnerung schmerzen kann.

So kann man sich z.b vornehmen erwas besser zu machen, tut man es
nicht schmerzt es in der Gegenwart und in der Erinnerung.

Das lyri. vergisst darüber aber ( deswegen der Regen, weil er vorhersehbar ist)
das ein Blick in die Zukunft dass Hier und Jetzt
enorm beeinflussen kann.

Eine Traurige Geschichte...

Ich belasse es erstmal dabei.

PS: die lustige Biene steht ganz zu recht unter deinem Kommentar!
Ich habe mich richtig gefreut!
Danke.

Bis dahin erstmal
L.G
Patrick
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,
ja ich verstehe was du sagst sehr gut

Und doch denke ich du wirst eines Tages da treffendere Wort
finden. Vielleicht nicht in diesem aber in einem anderen Stück.
Meiner Meinung nach hast du das Talent dafür.

Ach ja und die Biene, das ist so ne Art Orden,
die bekam ich als Auszeichnung von einem LL
Redakteur.

Sachen gibts
Ralf
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,

Ich werde deinen Gedanken
" die Zukunft die bis hinein in die Vergangenheit schmerzt"
- dein Einverständnis vorrausgesetzt-
Für weitere Gedichte von mir vormerken?!

bin gerade in grüblerischer Raserei ob dieses Satzes
( muss aber jetzt Schluss machen, da ich im Urlaub und meine Frau
direkt neben mir, nicht nur die physische Anwesenheit ihres Mannes einfordert
 
O

orlando

Gast
Hallo Patrick,
du hast in der Tat einen vollkommen zu Recht umflügelten Kommentar bekommen. Es war mir eine Freude, den zu lesen, und eine Freude für dich.
Für mich gestaltet es sich nun etwas schwieriger, zusätzlich Erhellendes zum Text zu schreiben. Andererseits habe ich ja einen anderen (gedanklichen) Hintergrund als Ralf und gehe in meinen Deutungsversuchen zudem anders so.
Also: Hoffenwa'sbeste. Und Vorsicht: Die folgenden Hervorhebungen dienen ausschließlich der Erläuterung und sind nicht etwas als markierte Fehler anzusehen!

den anker geworfen in [blue]dinge, die
wie spiegel sind,[/blue] gedächtnislos, du hältst
den zeiger deiner uhren an
, [red]der hund
des herbstes schluckt die zunge und erstickt an ihr.[/red]
du sagst:

die zukunft ist ein weg der keinen anfang hat und
[blue]schatten wirft [/blue]in alle ecken der erinnerung. tastest
[blue]an den rändern deines traums[/blue] entlang, kratzst
die letzten reste ich in deine gegenwart.

... weißt nicht dass es morgen regnen soll.
Ich habe ein paar Begriffe kursiv, bzw. farbig gesetzt, um dir und den anderen meine "Methode" klarzumachen, die ja auch auf andere Texte anwendbar ist.
Es gibt einen Anker, der in der Gegenwart fußt, die Vergangenheit unberücksichtigt lässt (lassen muss) und die Zukunft nicht hinreichend prägen kann.

Die Dinge sind wie [blue]Spiegel[/blue], werfen hier (!) jedoch lediglich [blue]Schatten einer Traumwelt[/blue]. [red]Der Hund des Herbstes schluckt die Zunge und erstickt an ihr.[/red]

Mein erster Abschnitt muss nicht weiter gedeutet werden. Er schildert das, was Ralf schon wunderbar bearbeitet hat.

Nähere ich mich den [blue]Spiegeln[/blue], wird es für mich interessant.Denn Spiegel haben ja bekanntlich die Eigenschaft, Dinge seitenverkehrt zu zeigen. Die Sicht dreht sich gleichsam, trotzdem bleibt alles wie es ist. Immer wieder spannend ist das, wenn du bereits Geschriebenes vor einen Spiegel hältst.

Und schon kommen wir zu dem, was ich als Kern des Gedichtes empfinde: [red]Der Hund des Herbstes schluckt seine Zunge.
[/red] Die Sprache versiegt.
Alle Erinnerung, jeder Anker erweist sich als wertlos.
Da zeigt auch die lapidare Auskunft, dass du nicht einmal weißt, ob es morgen regnet, wenig Tröstliches, deutet eher eine negative Tendenz an. Wenngleich sich ja schon morgen etwas Neues einstellen könnte ...
Ich hoffe, wieder ein Gedicht wie dieses. :)

Herzliche Grüße
orlando
 
O

orlando

Gast
Ein Nachkläpple an alle Leser:

Keine Angst, ich habe keineswegs vor, die vorgestellte Methode noch anderweitig zu demonstrieren: Das alles spielt sich ja in meinem Kopf ab - bewährt sich jedoch in der Deutung schwieriger Texte. Am Anfang (Erstlesung) steht natürlich ein (wichtiger!), mehr gefühlter Eindruck; erst dann folgt der Versuch einer Deutung: Inhalt und Form.
Formale Aspekte habe ich in obigem Kommentar diesmal außer Acht gelassen, wollte lediglich einmal demonstrieren, wie man sich einem Gedicht annähern kann, auch wenn es einem zunächst unverständlich erscheint.
Selbstveständlich gibt es noch andere Möglichkeiten.
 
den anker geworfen in dinge, die
wie spiegel sind, [ 5] gedächtnislos, du hältst
den zeiger deiner uhren an, der hund
des herbstes schluckt die zunge und erstickt an ihr.
du sagst:

die zukunft ist ein weg der keinen anfang hat und
schatten wirft in alle ecken der erinnerung.
und meinst:

die sehnsucht ist ein meer, das keine ebbe kennt.
ungewisses droht dich zu ertränken, deine
flucht heißt schon vergessen und
ein traum beginnt zu gilben - irgendwo
am ende der erinnerung.
 
Hallo Orlando
Ich werde heute Abend näher auf deinen schönen Kommentar eingehen!
Vorab schonmal: Danke, danke, danke. Ihr macht mich richtig glücklich :)

Den Text habe ich nocheinmal überarbeitet.
Ich hoffe damit das schwache Ende durch ein wenigstens etwas besseres ersetzt zu haben.

Bis später
Patrick
 
den anker geworfen in dinge, die
wie spiegel sind, [ 5] gedächtnislos, du hältst
den zeiger deiner uhren an, der hund
des herbstes schluckt die zunge und erstickt an ihr.
du sagst:

die zukunft ist ein weg der keinen anfang hat und
schatten wirft in alle ecken der erinnerung.
und meinst:

ungewisses droht dich zu ertränken, deine
flucht heißt schon vergessen und
ein traum beginnt zu gilben - irgendwo
am ende der erinnerung.
 
Hallo Orlando

Du hast einiges erhellendes beigetragen
das ich mit der überarbeitung des Textes
wieder zunichte gemacht habe. Entschuldigung.

So z.b deine Bemerkung, dass die Schatten der
Zukunft in einen Traumwelt, ohne Tiefe fallen.

Bei der überarbeitung habe ich den Traum nun
als Verlust dargestellt, ich denke, es ist schwer
ohne Zukunfts und Erinnerungsgedanken zu träumen.

Sehr schön finde ich das du so sorgfältig
auf die Zeile " der hund des herbstes schluckt
die zunge und erstickt an ihr
eingehst.

Hier wird nicht nur ein versagen der Sprache deutlich,
sondern auch die Illusion in der das lyrdu. steckt.

Ich meine die Metapher greift einerseits das (geglaubte)
Ende der Vergänglichkeit auf (Herbsthund, sterben).
Andererseits auch den Tod eines Freundes (nur Hund)

Vielleicht hat niemand diese Metapher in die doppelten
Richtungen verfolgt weil sie zu schwammig, unklar ist.

Andererseits: deine Deutung ist eh schöner.

Bis hierhin erstmal
L.G und vielen Dank
Patrick
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Patrick,
“ Gedichte ändern sich,wenn die Worte sich ändern“ :

ungewisses droht dich zu ertränken, deine
flucht heißt schon vergessen und
ein traum beginnt zu gilben - irgendwo
am ende der erinnerung.

und so ist hier ein neues Gedicht.

Ich mag das nicht bewerten wollen, wie ich überhaupt Bewertungen
Nach Kategorien gut und schlecht mindestens für irreführend halte.Diese Benotungsysteme sind nicht Teil der Kunst, sie sind eine Schublade der Kultur:
Gelungen oder gescheitert, immer nach Maßgabe des Kreativen selbst, sein Anspruch, sein Vermögen, das sind sinnvolle Kriterien denke ich.

“ ein traum beginnt zu gilben“

das berührt mich, und damit schlösse ich das Gedicht ab.
Die Verortung “ irgendwo“ ließe ich weg.( eigentlich den ganzen Einschub)

Wobei : die Ortung des Vergessens,das ist ein spannendes Feld, wäre nach meiner lesart aber wieder ein neues Gedicht.
Hier öffnen sich mir einige Gedanken.

Wo beginnt Vergessen?
Kann ich tatsächlich Vergessen,wenn ich mich nicht erinnere.
Denn die Erinnerung daran etwas vergessen zu haben, ist ja eine vergessene Erinnerung. Sehr paradox.
“ ich kann mich nicht erinnern wo das das vergessen begann,
...“

Andererseits der Mensch kann ja die Zukunft nicht ändern, aber die Wahrnehmung seiner Vergangenheit ändert er täglich.
Obschon also die wissenschaftliche Geschichtslehre die Vergangenheit verortet, sie quasi an die Leine von Daten legt, ist doch die persönliche Geschichte nur Wachs im Bewustsein eines sich ändernden Ichs.

Sehr spannend...
Lg
Ralf
 
O

orlando

Gast
Lieber Patrick,
ich fand die erste Fassung weitaus eindrucksvoller und würde statt des finalen Regenverses
und ein traum beginnt zu gilben
nehmen, wie von Ralf vorgeschlagen.
Dann brauchtest du nur noch den vorherigen "Traum" durch ein Synonym zu ersetzen. - Oder einen neuen letzten Vers erdenken.
Vielleicht reicht es sogar den "Regen" durch etwas anderes zu ersetzen ...
Grüßle
 

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