Direktor Flink

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Es war einmal ein kleiner Mann, der hieß Flitze Flink. Dieser kleine Mann wollte immer etwas ganz Besonderes sein. Doch für die anderen war er immer nur ein ganz normaler Mensch.
Darüber war er sehr unglücklich.
Irgendwann beschloss er, das zu ändern. Er nahm sich vor, etwas ganz Besonderes zu werden.
Ein König zum Beispiel, so überlegte er, wäre so besonders, dass alle ihn achten, gehorchen und verehren müssten. Aber, König zu werden war gar nicht so einfach.
Eines Tages traf er einen Mann, der wie ein König lebte. Alle nannten ihn Direktor. Er wurde geachtet und jeder Wunsch wurde ihm von den Augen abgelesen.
Tag und Nacht überlegte nun Herr Flink, wie er ganz schnell auch so ein Direktor werden könnte.
Und je länger er darüber nachdachte desto bewusster wurde ihm, dass der Weg dorthin schwierig sein musste, denn es gab schließlich nicht so viele Direktoren.
Auf der Suche nach einem einfacheren Weg geachteter und angesehener zu werden, beschloss Herr Flink, erst einmal Beamter zu werden.
Er hatte gehört, dass man als Beamter auch Direktor werden könnte.
Gesagt, getan.
Die Zeit verging, viele Winter wechselten viele Sommer ab. Herr Flink erlernte fremde Sprachen, sogar das ganz schwierige Beamtendeutsch. Er musste viele Schulen, sogar eine Schauspielschule besuchen.
Irgendwann hatte er es geschafft und Herr Flink war Beamter.
Und weil er so fleißig gelernt hatte und die Schauspielschule sogar besonders gut bestanden hatte, wurde er auch bald Direktor. Die Firma in der Herr Flink Direktor geworden war, nannte sich Amt.
Ohne besonders viel arbeiten zu müssen verdiente er nun plötzlich viel Geld.
Aber, so richtig zufrieden war Herr Flink immer noch nicht.
Seine Untergebenen verhielten sich ihrem Direktor gegenüber respektlos. Sie missachteten seine Anweisungen und machten sich über ihn lustig.
Und das ärgerte Herrn Flink.
So beschloss er, Achtung und Respekt ihm gegenüber einfach zu befehlen.
Darüber waren seine Mitarbeiter sehr böse. Sie berieten sich und kamen zu dem Ergebnis, dass es besser wäre, ihn einfach zu ignorieren. Und so tat jeder einfach nur das, wozu er gerade Lust hatte. Ihre eigentlichen Aufgaben erfüllten sie nicht mehr.
Herr Flink musste nun alles selber machen und fühlte sich in seinem Amt sehr einsam.
Darüber wurde er sehr krank.
Plötzlich wurde ihm bewusst, dass er lieber kein Direktor mehr sein möchte, und er wünschte sich sein altes Leben zurück.
Das war jedoch gar nicht so einfach. Er überlegte und grübelte und vernachlässigte dabei immer mehr seine Arbeit. Schließlich wurde er dafür bestraft und man schickte ihn nach Hause.
Und seitdem ist Herr Flink kein Direktor mehr, aber sehr zufrieden. Er und seine Frau lebten seither wie Könige und freuten sich ihres Lebens.
 
Das Ende

Es baut sich über viele Etappen eine durchaus humorvolle Dramatik auf, das Ende hingegen verpufft, letztendlich wäre die Ignoranz seines Amtes gegenüber und deren Toleranz, Ende genug. Es lebt sich dann königlich, freilich, aber das Ende im Text erklärt diesen Umstand, dadurch wirkt es etwas allgemein pädagogisch, fast politisch.


Gut zu lesen auf jeden fall, wahrhaftig sowieso.

LG TM
 

hein

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Hallo KB,

es sieht so aus als wenn Du auch kein Freund des Beamtentums bist.

Ich denke, die Einordnung dieser Geschichte in der Rubrik "Humor und Satire" ist nicht ganz getroffen. Witzig ist das Thema nicht. Und wenn schon Satire, dann sollte man es wenigstens als "Realsatire" bezeichnen.

LG

hein
 

KB

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Lieber hein,
ich bin selber einer. Leider gibt es die Rubrik " Realsatire" nicht im Forum. Gibt es überhaupt eine Realsatire? Hebt die Realität die Satire nicht auf?
Grüße KB
 

hein

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Hallo KB,

unter "Realsatire" verstehe ich eine reale Situation, über die man - je nachdem - nur weinen oder lachen kann.

Ich kenne einige Beispiele aus dem öffentlichen Dienst, daher bin ich hier ein wenig allergisch.

LG

hein
 

hein

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Hallo KB,

wenn ich es richtig sehe beschreibt eine Satire - evtl. überspitzt - eine reale Situation oder ein reales Geschehen.
Deshalb kann gibt es hier in der LL eine entsprechende Rubrik.

Laut Duden ist eine Realsatire ein
"reales Geschehen, realer Vorgang, der satirische Züge trägt".
Das ist dann also bittere Wahrheit und keine schriftstellerische Leistung.

Du hast also recht und ich habe mal wieder etwas gelernt.

LG

hein
 

Ilona B

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Hallo Hermann,

die Moral von der Geschichte ist gelungen und nachvollziehbar. :)

Es war einmal ein kleiner Mann, der darüber unglücklich war von seinen Mitmenschen für normal gehalten zu werden. So beschließt er König zu werden, was mir den Eindruck vermittelt, dass der kleine Mann geistig auf dem Niveau eines Kindes stehengeblieben ist. Kann allerdings nicht sein, da er ja immerhin nach jahrelangem Schulbesuch Direktor eines Amtes wurde, was fast so besonders ist, wie ein König zu sein.
Ist mir persönlich ein wenig zu widersprüchlich.

Soll der Name Flitze Flink satirisch sein oder ist es ein Schreibfehler? ;)

Es war einmal ein kleiner Mann, der hieß Flitze Flink. Dieser kleine Mann wollte immer etwas ganz Besonderes sein. Doch für die anderen war er [red]immer nur [/red]ein ganz normaler Mensch.
Darüber war er sehr unglücklich.
Irgendwann beschloss er, das zu ändern. [red]Er nahm sich vor, etwas ganz Besonderes zu werden.
[/red]
Ich würde im ersten Absatz die Wiederholungen weglassen.

Das mit der Schauspielschule ist eine gute Idee. :D
 

KB

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Liebe Ilona,
herzlichen Dank für Deine konstruktive Kritik.

Werde es ändern.
Alles nur Satire. Allerdings, einen solchen Direktor gibt es wirklich.
Gruß
 

 
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