Drei Wünsche

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Mondnein

Mitglied
Drei Wünsche - sprach die Musenfee zum Dichter
Drei Wünsche deiner Wahl stell ich dir frei
Doch einen nur - wähl gut! - sei\'s was es sei
Von diesen drein erfüll ich dir! - Der Dichter

Sprach ohne lang zu überlegen gleich:
Heiraten will ich dich, bist du gewillt?
Doch scheinst gebunden du - nein unerfüllt
Bleibt dieser Wunsch. Der zweite folgt sogleich:

Ich möchte deinen ganzen Körper küssen
Das Haar, die Augen, Brüste, Hals und Mund
Doch scheinst gebunden du: Sind rot und wund
Nicht deine Lippen von des Freundes Küssen?

Der dritte Wunsch: Nimm hin, dass ich dich liebe
Nimm meine Freundschaft an, nimm mein Vertrauen
In Freundschaft an. Ich will dein Antlitz schauen
In mir, wenn fern du weilst, weil ich dich liebe!

Die Fee barg still in Händen ihr Gesicht
Doch blinzelt sie leicht schelmisch durch die Finger:
Heiraten willst du mich? Und kaum geringer:
Mit deinem Mund durchküssen mein Gesicht?

Mit Fleischesmund in meinen Geistmund dringen
Ins widerstandlos Offne? - Unerfüllbar
Sind jene beiden Wünsche und unstillbar -
Unendlich weit durch weichen Duft zu dringen

Doch küss ich dich tief in dein Ohr - Empfindung
Die in dir sich zur Knospe konzentriert
Die langsam-sanft zu Sonnen explodiert
Erkenntnislust verdichtet in Empfindung

Den dritten Wunsch muss ich dir nicht erfüllen
Du wünschst mein Freund zu sein - in mich verliebt
Trägst du mich tief in dir: Dass es mich gibt
Erfüllt dich schon: Was bleibt noch zu erfüllen?
 

Mondnein

Mitglied
Drei Wünsche - sprach die Musenfee zum Dichter
Drei Wünsche deiner Wahl stell ich dir frei
Doch einen nur - wähl gut! - sei's was es sei
Von diesen drein erfüll ich dir! - Der Dichter

Sprach ohne lang zu überlegen gleich:
Heiraten will ich dich, bist du gewillt?
Doch scheinst gebunden du - nein unerfüllt
Bleibt dieser Wunsch. Der zweite folgt sogleich:

Ich möchte deinen ganzen Körper küssen
Das Haar, die Augen, Brüste, Hals und Mund
Doch scheinst gebunden du: Sind rot und wund
Nicht deine Lippen von des Freundes Küssen?

Der dritte Wunsch: Nimm hin, daß ich dich liebe
Nimm meine Freundschaft an, nimm mein Vertrauen
In Freundschaft an. Ich will dein Antlitz schauen
In mir, wenn fern du weilst, weil ich dich liebe!

Die Fee barg still in Händen ihr Gesicht
Doch blinzelt sie leicht schelmisch durch die Finger:
Heiraten willst du mich? Und kaum geringer:
Mit deinem Mund durchküssen mein Gesicht?

Mit Fleischesmund in meinen Geistmund dringen
Ins widerstandlos Offne? - Unerfüllbar
Sind jene beiden Wünsche und unstillbar -
Unendlich weit durch weichen Duft zu dringen

Doch küss ich dich tief in dein Ohr - Empfindung
Die in dir sich zur Knospe konzentriert
Die langsam-sanft zu Sonnen explodiert
Erkenntnislust verdichtet in Empfindung

Den dritten Wunsch muß ich dir nicht erfüllen
Du wünschst mein Freund zu sein - in mich verliebt
Trägst du mich tief in dir. Daß es mich gibt
Erfüllt dich schon. Was bleibt noch zu erfüllen?
 

Mondnein

Mitglied
Ein kopfschüttelndes Schmunzeln

Dieses Lied mit seinem alten Märchenmotiv und seiner glatten Naivität ist das elfte im Achtstern-Zyklus. Keiner liests außer mir und JoteS, keiner singts mit, und so erfreue ich mich an der bloßen Existenz seines ästhetische Inspirations-Reizes (personalisiert in der "Musenfee"): "Daß es mich gibt, erfüllt dich schon". Was bleibt mir auch anderes übrig?
 

poetix

Mitglied
Hallo Mondnein,
rundherum schön, dein Gedichtmärchen, und so romantisch. Ich mag so etwas, man kann es gut nachfühlen. Man darf bei so etwas nicht pingelig sein, aber: Passt die Zeile
Heiraten will ich dich, bist du gewillt?
in den Jambus der anderen? "Heiraten" müsste doch auf der ersten Silbe betont werden. Vielleicht irre ich mich ja schon wieder einmal. Hat mir sehr gefallen.
Viele Grüße
poetix
 

Mondnein

Mitglied
stimmt. Du hast recht. Da hat der Dichter vor lauter Freude sich gleich verhaspelt und einen Fehler "gesprungen". Ich bin es von antiken Gedichten - sapphische Strophen und Hendekasyllabi - und frühbarocken Versen her wohl zu sehr gewohnt, daß man da gerade bei den ersten beiden Silben sich metrische Freiheiten erlaubt. Die zweite unbetonte Silbe von "Heiraten" ist immerhin lang, und da ballen sich am Ende der ersten keine Konsonantenhäufungen. Aber ein verschlenkerter Hüpfer ists doch.
 

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