Drum eile nicht

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Walther

Mitglied
Drum eile nicht


Wie schnell sind die, die gestern noch gelästert haben,
Am nächsten Morgen mausetot und rasch begraben!
Es glaube keiner, er sei dauernd sakrosankt:
Wer solches denkt, der ist pfeilschnell am Krebs erkrankt,

Den trifft der Schlag inmitten einer großen Sause
Und setzt der Herzinfarkt aus dem Galopp auf Pause.
Es hält nicht einer ewig, nicht mal tausend Jahre,
Und mancher schafft’s sogar vom Mutterleib zur Bahre.

Es könnte dies Dein letztes Innehalten sein:
Drum eile nicht. Der Tod macht Große feig und klein.
Und schau um Dich, erkenne die, die Dich nur lieben.
Sie wären es, die Dir am End’ gewogen blieben.

Der Ruhm ist eitler noch als Hast und Geld und Streben
Und viel vergänglicher als Freundschaft und Vergeben.
 

Carina M.

Mitglied
Hallo Walther,

einfach mal innehalten und nachdenken, sich nicht vom Strom der Zeit mitreißen lassen und sich nicht selbst verlieren.

Das hast du sehr gut verdichtet.

Liebe Grüße,
Carina
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Walther,

Ja, Freundschaft und Vergebenkönnen und um Vergebung bitten können alle denen man oft unwissentlich, manchmal auch absichtlich etwas zu Leide getan hat, das sind die großen Dinge, die zum Schluss zählen, ganz egal auf welchem Hintergrund man sie sich erworben hat, ob da die Religion eine Rolle spielt, die Lebenserfahrung oder einfach nur ein großes Herz, das der Himmel jemandem in die Wiege gelegt hat.

Aber in den Schoß fällt einem das auch nicht gerade. Es will ein Leben lang geübt sein und deshalb sollte man von Zeit zu Zeit ein wenig nachdenken, wie man sich verhalten hat.

Hektik ist das Problem unsrer Zeit. Immer mehr Firmen gehen dazu über, ihre Mitarbeiter maschinell überprüfbar zu machen, ob sie während der Arbeitszeit nur ja kein privates Wort an einen Mitarbeiter gerichtet haben. Aber ein gutes Betriebsklima wünschen sich die Vorgesetzten trotzdem. Wie soll das gelingen?

Und wenn der Arbeitnehmer dann mal wirklich Zeit hat,liegt ihm die Hetze dermaßen in den Knochen, dass er auch jetzt irendetwas Sinnvolles unbedingt tun muss und schon ist auch der Sonntag so verlaufen wie alle Wochentage.

Innehalten, gut, dass Du an diese Möglichkeit, die schließlich jeder auch irgendwann hat, aufmerksam machst!
Ansonsten flott gereimt, wie immer. :)

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

HarryHaller

Mitglied
Lieber Walther,

ich bin Neuling hier und kann mangels erlerntem Lyrikwissen nur emotional kommentieren:

Mir gefällt Dein Gedicht sehr gut, es hat eine angenehme Intensität der Bilder.

Einen kleinen Vorschlag hätte ich vorlauterweise dennoch:

Wie schnell sind die, die gestern noch gelästert haben,
Am nächsten Morgen mausetot und rasch begraben!
Es glaube keiner, er sei dauernd sakrosankt:
Wer solches denkt, der ist pfeilschnell am Krebs erkrankt,
die letzte Zeile ändern in :

Wer solches denkt, ist pfeileschnell zum Tod erkrankt,
Das klingt wirklich pfeilschnell (bei dir mach ich beim Lesen nach "der" eine kleine Pause und das bremst mich in der Zeile) und schreckt auch etwas mehr, da Krebs ja z.T. heilbar ist.


Soll nur ne kleine Anregung sein, ich bin weit davon ab zu glauben, ich könnte es besser...

Liebe Grüße
Eric
 
Lieber Walther. Eine schöne Geschichte!!! Du weißt ja, ich liebe derartige Gedanken.
Nur hab ich immer so ein Holpern beim laut lesen. Ich weiß auch nicht genau woran das liegt und kann es wirklich gar nicht in Worte fassen. Ich glaube nicht, dass ich schriftlich erklären könnte wo denn der Stolperstein nun liegen könnte. Du kannst das ja immer so gut. Daher hab ich einfach die für mich einfachere Variante gewählt und Dein Gedicht ein wenig umgebastelt. Es betrifft die erste und die dritte Strophe.
Vielleicht ist der Gesamtrhythmus nun im Eimer, aber was solls. Vielleicht hilft ja diese, meine, kleine Idee irgendwie weiter.

Wie schnell sind die, die gestern noch gelästert haben,
[blue]Wer solches denkt, ist pfeilschnell fix an Krebs erkrankt,[/blue]
Es glaube keiner, er sei dauernd sakrosankt:
Am nächsten Morgen mausetot und rasch begraben!

Den trifft der Schlag inmitten einer großen Sause
Und setzt der Herzinfarkt aus dem Galopp auf Pause.
Es hält nicht einer ewig, nicht mal tausend Jahre,
Und mancher schafft’s sogar vom Mutterleib zur Bahre.

Es könnte dies Dein letztes Innehalten sein:
Drum eile nicht. Der Tod macht Große feig und klein.
Und schau um Dich, erkenne die, die Dich nur lieben.
[blue]Sie wären es am End, die Dir gewogen blieben.[/blue]

Der Ruhm ist eitler noch als Hast und Geld und Streben
Und viel vergänglicher als Freundschaft und Vergeben.


Lieben Gruß
Tom
 

Carina M.

Mitglied
Ein Wort noch zu diesem Text.
Ich kann beim Lesen - mit den passenden Pausen - keine Solpersteine finden.
Alles kling rund.
Bitte nicht verschlimmbessern.

Liebe Grüße,
Carina
 

Walther

Mitglied
Drum eile nicht


Wie schnell sind die, die gestern noch gelästert haben,
Am nächsten Morgen mausetot und rasch begraben!
Es glaube keiner, er sei dauernd sakrosankt:
Wer solches denkt, der ist pfeilschnell an Krebs erkrankt,

Den trifft der Schlag inmitten einer großen Sause
Und setzt der Herzinfarkt aus dem Galopp auf Pause.
Es hält nicht einer ewig, nicht mal tausend Jahre,
Und mancher schafft’s sogar vom Mutterleib zur Bahre.

Es könnte dies Dein letztes Innehalten sein:
Drum eile nicht. Der Tod macht Große feig und klein.
Und schau um Dich, erkenne die, die Dich nur lieben.
Sie wären es am End, die Dir gewogen blieben.

Der Ruhm ist eitler noch als Hast und Geld und Streben
Und viel vergänglicher als Freundschaft und Vergeben.
 

Walther

Mitglied
Liebe Vera-Lena,

danke für Deine lobenden Worte. Es handelt sich um einen sechshebigen Jambus, der natürlich etwas getragen daherkommt. Aber damit entspricht der Rhythmus ja auch dem Thema.

In der Tat sollte man sich der Tatsache erinnern, daß das letzte Hemd keine Tasche hat. Allerdings denkt man daran wohl eher selten heutzutage.

Lieber Gruß W.

Hallo Harry,

danke für Deinen Vorschlag. Ich habe einen Mittelweg zwischen dem Deinen und den von Tom gewählt.

Vorlaut würde ich Deinen Eintrag nicht nennen. :) Es gibt nichts, was man nicht verbessern könnte, und jeder Vorschlag enthält überlegenswerte Anregungen.

Bester Gruß W.

Hi Tom,

wie Du siehst, habe ich Deinen 2. Hinweis oben umgesetzt.

Den ersten habe ich teilweise übernommen. "fix" und "pfeilschnell" wären jetzt einer Verdreifachung des Adverbs "schnell". Daher habe ich davon abgesehen, obwohl ich verstehe, warum Harry und Du gerne eine Änderung hätten. Es geht um das Relativpronomen, das man eigentlich benötigt.

Lieber Gruß W.

Hallo Carina,

so habe ich, hoffentlich, allen Anliegen Rechnung tragen können. Danke für Deine Ermutigung, bei Ursprungstext zu bleiben.

Bester Gruß W.
 
L

label

Gast
Hallo Walther


ein nachdenklicher Text, um den ich nun einige Zeit herumgeschlichen bin, denn mir sagt Gedanke und Thema sehr zu.
Dieses Mal vermisse ich ein wenig deine sprachliche Eloquenz. Darum habe ich ein wenig an deinem Werk herumgebastelt. vielleicht sagt dir die eine oder andere Umformulierung zu, oder beflügelt dich eine eigene bessere Formulierung zu finden.

Wie schnell sind die, die gestern noch gelästert haben,
Am nächsten Morgen mausetot und rasch begraben!
Es glaube keiner, er sei dauernd sakrosankt:
Wer solches denkt, [blue]ist plötzlich auch zu Tod erkrankt[/blue],
die Festlegung auf Krebs empfand ich als zu einseitig, besonders, da du anschließend von anderen Todesursachen sprichst
Den trifft der Schlag inmitten einer großen Sause[blue],
Ihn[/blue] setzt der Herzinfarkt aus dem Galopp auf Pause.
[blue]Nicht einer hält sich[/blue] ewig, nicht mal tausend Jahre,
Und mancher [blue]schafft es nur[/blue] vom Mutterleib zur Bahre.
ihn - ausgetauscht, damit zweimal und vermieden wird, unnötige grammatische Verkomplizierung,
Es könnte dies Dein letztes Innehalten sein:
Drum eile nicht. Der Tod macht [blue]auch die Großen[/blue] klein.
[blue]Jetzt[/blue] schau um Dich, erkenne die, die Dich nur lieben.
[blue]Am Ende sinds nur sie[/blue], die Dir gewogen blieben.
2 Adjektive wirken m.E. weniger intensiv als eines
der erste Teil von V4 muss nicht auch im Konjunktiv stehen und ist so eindringlicher
Der Ruhm ist eitler noch als Hast und Geld und Streben
Und viel vergänglicher als Freundschaft und Vergeben.
Wie schon gesagt ist das ein Thema das mir sehr zusagt und auf dem ich schon oft herum gedacht habe.

Liebe Grüße
label
 

Walther

Mitglied
Drum eile nicht


Wie schnell sind die, die gestern noch gelästert haben,
Am nächsten Morgen mausetot und rasch begraben!
Es glaube keiner, er sei dauernd sakrosankt:
Wer solches denkt, der ist pfeilschnell an Krebs erkrankt,

Den trifft der Schlag inmitten einer großen Sause
Und setzt der Herzinfarkt aus dem Galopp auf Pause.
Es hält nicht einer ewig, nicht mal tausend Jahre,
Und mancher schafft’s sogar vom Mutterleib zur Bahre.

Es könnte dies Dein letztes Innehalten sein:
Drum eile nicht. Der Tod macht auch die Großen klein.
Und schau um Dich, erkenne die, die Dich nur lieben.
Sie wären es am End, die Dir gewogen blieben.

Der Ruhm ist eitler noch als Hast und Geld und Streben
Und viel vergänglicher als Freundschaft und Vergeben.
 

Walther

Mitglied
Hallo label,

vielen Dank für Deine Vorschläge, von denen ich einen umgesetzt habe. Bei den anderen habe ich mich dagegen entschieden, weil der Sinn des Texts sich dadurch verändert hätte.

Auf das Thema "grammatische Zeit" in S3Z4. Ich habe bewußt den Konjunktiv 2 genommen, weil das LyrIch ja noch einiges tun muß, um diesen Zustand erst zu erreichen. Es war in der Tat in einer Vorversion eine Formulierung vorhanden, die der Deinen sehr ähnlich war. Ich habe sie aus dem genannten Grund für die jetzige Version verworfen.

Vielen Dank für Deine nachdenklichen Worte.

LG W.
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walther,

ein starkes Stück Lyrik, Respekt!

Am besten gefallen mir das auch als Titel hervorgehobene Drum eile nicht. und die letzten beiden Zeilen.

Liebe Grüße

Herbert
 

Walther

Mitglied
Hallo Herbert,

die Hast ist der größte Feind der Erkenntnis. Unser auf das Materielle verengte Denken führt m.E. in die Irre. Selbst wenn der Gottglaube fehlt, ist das Anhäufeln von Reichtümern kein Lebenszweck.

Gruß W.
 

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