Duett am Morgen

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sufnus

Mitglied
Hey Nova!
Ich vermute mal, dass Du hier, was das Metrum angeht, absichtsvoll ganz "irregulär" geschrieben hast.
Ich finde auch, dass nicht jedes Reimgedicht streng durch-akzentuiert werden muss, als schrieben wir noch das Jahr 1624. Was mir aber in diesem Fall besser gefallen würde, wäre eine "versteckte", für das Jambus-geschulte Gehör nicht direkt heraushörbare Regel einzubauen, damit der Text nicht völlig "freidreht". Mit ein paar Anpassungen könnte man die Verse hier z. B. in strenge Knitteldichtung verwandeln (paargereimte 8- bzw. 9-Silbler mit abwechselnd männlichen und weiblichen Kadenzen ohne Beachtung einer Hebungs-Regularität im Opitz'schen Sinn). Aber es ginge natürlich auch irgendwas anderes Närrisches. :)
LG!
S.
 

N. Valen

Mitglied
Hey Sufnus,

danke dir! Ja, du hast recht – das Metrum war nicht zufällig so offen. Ich hatte eher eine Art musikalisches Pulsieren im Kopf: der Bass legt das Fundament, darüber darf der Bogen frei erzählen. Manchmal zieht sich das Ganze in den freien Vers hinein, aber es bleibt doch ein innerer Rhythmus.

Deine Idee, eine „versteckte Regel“ einzubauen, finde ich richtig spannend. Ich hab mich mal an eine zweite Variante gesetzt, die etwas gebundener ist – nicht als vollständiger Ersatz, sondern wie ein zweiter Satz im selben Morgenstück. Ich spiel das einfach mal zurück:
Ein Bass, der wie ein Herzschlag ruht,
und über ihm ein Streichen, hell und gut.
Die Tasse dampft, ein Gong aus Porzellan,
der Tag erhebt sich, tastend, irgendwann.
Zwei Stimmen flirren durch das leere Licht,
ein Dialog – fast Lied, doch ohne Pflicht.
So klingt der Morgen: sanft und ungefragt,
von Moll umrahmt, von Sonnenlicht vertagt.
Mal schauen, wie die beiden Versionen jetzt miteinander klingen – vielleicht ergibt sich ein größeres Ganzes draus.

Liebe Grüße!
Nova
 

sufnus

Mitglied
Ah - solcherlei Textspiele liebe ich ja!
Mir persönlich scheint, dass in der zweiten Version durch die sehr betonte (und damit gut heraushörbare) "Jambigkeit" eher eine recht griffige als eine versteckte Methode der Hyperstrukturierung zur Anwendung kommt.
Ich hab mich mal beispielhalber an einer silbenzählenden "Bauanleitung" versucht, die m. E. (jedenfalls für deutschsprachig-hörende Ohren) nicht so leicht als Regel heraushörbar ist:

Dem Bass, der still die Tiefe hält,
hell überwölbend beigesellt
sind Akkorde: Trau dich zu träumen!
Den Tag überm Morgen versäumen,

die Tasse - Klingklang - lädt dich ein;
ein Kreis aus Wärme, schlicht und rein.
Zwei Stimmen, hell und tief, sie bringen
das Licht in warmem Moll zum Singen.

Abwechselnd 8- und 9-silbige Zeilen ohne einheitliche Metrik. :)
LG! :)

S.
 

mondnein

Mitglied
wie die beiden Versionen jetzt miteinander klingen
um Gottes willen, weg mit dem Paßgang der gleichleiernden Knittel!

es genügt doch die etwas elitär anmutende Hausmusik dieses Rentnerpaars, das nicht in der Frühe zur Arbeit eilen muß und Sonntags nicht im Bett hängen bleibt, sondern mit Duett-Etüden den schlaflosen Nachbarn quält

dann schon lieber die munteren Wechsel daktylischer mit iambischen Melodien

grusz, hansz
 



 
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