Als er erwachte war der Wald noch immer in diese unnatürliche Dunkelheit gehüllt. Er hörte das Rascheln der Blätter an den Baumkronen hoch oben. Vor wenigen Tagen sah er dort jemanden. Oder etwas? Er war sich nicht sicher. Ein Schatten, der über den Baumkronen schnell von der einen Seite auf die andere Seite huschte. In dem Moment als es geschah, starrte er dort hoch, stand einige Zeit wie angewurzelt da und wartete. Aber worauf? Was hinderte ihn am weitergehen? Sehnte er sich danach, es wiederzusehen? Hoffte er auf Rettung? Oder wünschte er sich lediglich, dass seine Angst endlich verschwand? Ja. Dieser Schatten, den er dort sah ließ ihn erzittern. Er war schon lange hier. Er konnte selbst nicht genau sagen seit wann er in diesem Wald war. Anfangs konnte er noch etwas Licht zwischen den Baumkronen durchdringen sehen. Doch je länger er hier war, umso dunkler wurde es. Jetzt konnte er nichts mehr sehen außer vielleicht ein paar Meter weit. Eben das was seine Taschenlampe erleuchtete. Auch wenn das Licht der Lampe seltsam verzerrt und viel davon von der Dunkelheit geschluckt wurde. Aber es half. Zumindest konnte er den Weg vor sich sehen. Schritt für Schritt tastete er sich vorwärts und fürchtete den Moment an dem die Batterien der Taschenlampe versagen würden. Bisher sah er noch nichts anderes Lebendes. Nun. Bis auf diesen Schatten. Wobei. Gleich als er im Wald erwachte, ganz am Anfang, vernahm er Gesang. Wie der einer Nachtigall. Und jetzt fiel ihm auf, dass es seit dem absolut still war. Nur das Rascheln der Blätter und seine eigenen Schritte konnte er hören. Und noch etwas. Was war das? Ein Klopfen? Oder Pochen? Oh nein. Es war sein eigener Herzschlag. Warst du schon einmal in so einer stillen Gegend, dass du den Rhythmus deines Herzens hörtest? So isoliert, dass du nicht einmal in der Ferne Hundegebell oder Autos auf der Hauptstraße hören konntest? Er konnte es nicht mehr abstreiten. Dieser Wald war verwunschen. Doch weshalb war er hier? Was war sein Fehler, dass er es verdienen würde so zu leiden? Er überlegte. Ihm fiel nichts ein. Nie hatte er bewusst jemandem Schaden zugefügt. Und wenn er doch jemanden verletzte, dann machte er es immer wieder gut. Nie tat er Dinge, die man böse nennen könnte. Und doch. Jemand hatte ihm diese Strafe auferlegt. Aber wer? Er kannte niemanden der ihm das hätte wünschen wollen. Keine Seele hätte ihn leiden sehen wollen. So dachte er. Er entschied sich vorerst einfach weiterzugehen. Wie es schon seinen gesamten Aufenthalt war. Stunden später, es hätte aber auch ein Tag sein können. Er konnte sich einfach nicht sicher sein. Gerade formte er sich aus dem Laub am Boden ein Bett, wie jedesmal, wenn er erschöpft war. Er legte sich hin und schwung seine Taschenlampe. Und da sah er es. Nicht weit von ihm entfernt stand ein Schatten. Es war eine menschenähnliche Gestalt, doch stand er nicht aufrecht. Eher gebeugt. Doch es starrte ihn an. Das konnte er zweifelsfrei erkennen. Erstarrt vor Furcht, blickte er in die Richtung der Silhouette. Und diese starrte zurück. Nur das. Die Figur stand bewegungslos da und richtete ihre blau glühenden Punkte auf ihn. Das waren die Augen der Kreatur. Er war sich sicher. Die Stille war nun noch stechender. Die Blätter hatten aufgehört zu rascheln. Nur noch sein Herz hörte er. Oder? Das pochende Geräusch ging nicht von ihm aus. Er verstand nun. Es kam von der Kreatur. Etwa schon die ganze Zeit? War dieses Wesen von Anfang an hinter ihm? So musste es sein. Sonst hätte er doch zwei Herzschläge hören müssen. Immer noch bewegte sich keiner der beiden. Er nahm all seinen Mut zusammen und flüsterte:"Was willst du?" Selbst seine leise Stimme schien durch den Wald zu hallen. Das Echo kehrte zurück. Doch der Schatten verharrte. Kein Ton. Er holte noch einmal Luft. Dieses mal kam nur ein "Was" bevor von dem Wesen ein Brummen ausging. Er unterbrach. Dann vibrierte der Boden. Das Brummen wurde lauter bis es zu einem "Angst" wurde. Das Echo war noch lange zu hören, bevor es ausklang. Dann wieder Stille. Er wartete. Und dachte nach. Angst? Natürlich. Noch nie hatte er in seinem Leben so eine massive Furcht verspürt. Doch was brachte es jetzt wegzurennen? Er stand auf. Der Schatten rührte sich nicht. "Was meinst du?" Seine Knie zitterten. Er wollte nicht zu laut reden. Behielt das Flüstern bei. Doch er stellte sich dem Wesen entgegen. Wieder das Brummen. Er hoffte nicht zu fallen durch die Vibration. "Angst" hallte es erneut durch den Wald. "Hast du Angst?" Was wenn es keine Bestrafung war? Sollte er hier helfen? Gab es etwas was dieses Wesen fürchtete? Brummen. Langsam gewöhnte er sich daran. Der Schrecken in seinen Knochen ließ nach. "Naab" Diesmal dröhnte es. Er spürte das Wort in seinem tiefsten Inneren. Zögern. Beide warteten darauf, dass der andere etwas sagt. Was sollte das sein? Naab. Zwar hatte er es noch nie gehört. Doch es wirkte vertraut. "Das ist ein Name oder?" Er wusste nun, dass dieses Wesen ihm nichts anhaben würde. Vorsichtig ging er darauf zu. Es begann wieder zu brummen. Diesmal noch stärker. Noch eindringlicher. "Naab. Naab kommt." An dieses erschütternde Dröhnen musste er sich wohl erst gewöhnen. Er wollte, dass diese ganze Situation endete. Doch er war sich auch im klaren, dass es gerade erst anfing. Er sah sich um. Um ihn herum war immer noch nichts zu erkennen. Aber er spürte etwas. Eine Anwesenheit. Nicht den Schatten. Es war etwas anderes. Vorerst beließ er es dabei. Das Wesen wartete seine Reaktion ab. Er merkte, dass es ihn musterte. "Wer ist Naab? Ist er wie du?" Die Kreatur blieb regungslos. Doch er glaubte Grauen von dem Wesen zu spüren. Er ging näher heran. Nun standen sich die beiden direkt gegenüber. Es war kein Schatten mehr. Er konnte eindeutige Konturen erkennen. Es hatte lange Beine. Länger als die eines Menschen der selben Größe. Die Arme gingen fast bis auf den Boden. Der Oberkörper war kurz und nach vorn gebeugt. Jetzt bemerkte er, dass dieses Wesen weinte. Zumindest waren die Wangen feucht. So als hätte es gerade einen schweren Verlust erlitten. Er musterte es noch eine Weile. Ein fauliger Geruch begann sich langsam auszubreiten. Schlagartig drehte die Kreatur seinen Kopf zur Seite. Dann wieder zu ihm zurück. Es bewegte langsam seinen Arm. Die Hand war dünn wie die eines Skeletts. Narben übersäten die Finger und schienen über die Arme zu führen. Er erkannte, dass das Wesen schwere Kämpfe hinter sich hatte. In der Hand hielt es etwas. Erkennen konnte er es jedoch nicht gleich. Nach genauerem Hinsehen, fiel es ihm auf. Es war eine Art Lampe. Jedoch sehr klein. Die Kreatur sah ihn an, dann auf den Gegenstand in ihrer Hand. Dann wieder ihn. Er glaubte kurz ein Lächeln auf dem zerfledderten Gesicht zu sehen. Er streckte seine Hand der anderen entgegen. Nahm den Gegenstand an sich. Es begann zu leuchten. Heller als es seine alte Taschenlampe je gekonnt hätte. Er konnte sehen. Immer noch nicht sehr weit. Aber immerhin konnte er nun genug erkennen. Er erkannte, dass die Kreatur tatsächlich viel menschliches an sich hatte. Die Proportionen stimmen nicht ganz. Es brummte. Er bereitete sich darauf vor. "Nur Menschen helfen. Du hilfst?" Die Stimme dröhnte. Und er konnte ein zittern in den Worten vernehmen. Er war wohl dort um etwas zu besiegen. Vielleicht war es sein Schicksal zu helfen. Sollte er es versuchen? Er dachte nach. In ihm wuchs Hoffnung diesen Ort wieder verlassen zu können. Er müsse nur helfen. Aber wie? "Was muss ich machen?" wollte er wissen. Den Blick richtete er wieder in die Richtung in der das Wesen stand. Nichts. Dort waren nur noch die Bäume. Auf dem Boden entdeckte er eine Schuppe. Hob sie auf. Die absolute Ruhe kehrte wieder ein. Er war wieder allein. Was diese Kreatur wohl war? Wollte sie ihn wirklich auf etwas hinweisen? Oder war es ein Trick? Und die wichtigste Frage: Würdest du die Lampe nutzen? Wie würdest du handeln? Die bedrückende Stille war ihm nun nicht mehr fremd. Er hatte sich damit angefreundet. Denn solange er nichts hörte, war da auch nichts anderes. Oder? Nachdem er sich etwas ausgeruht hatte, beschloss er weiterzugehen. Nicht wissend wohin, brach er einfach in eine Richtung auf. Vielleicht sollte er sich nach dem Wesen umschauen. Aber es könnte ihn auch in den Tod führen. Die Schuppe fiel ihm ein. Er untersuchte sie. Oval. Glänzend. Wie die eines Fischs, der gerade an Land gezogen wurde. Doch sie war nicht nass. Eher sehr trocken. Er bemerkte, dass sich die Farbe änderte. Je nachdem aus welcher Richtung das Licht der Lampe kam. Das musste etwas bedeuten. Stunden waren vergangen. Er hielt immer noch die Schuppe und die Lampe in der Hand. Er sehnte sich nach einem Hinweis. Oder gar gleich der Lösung. Bis zu einem seltsamen Baum war nichts. Dann wurde das Licht der Lampe stärker. Zumindest ein wenig. Doch verteilte es sich nicht überall gleich. Es schien in Richtung des Baumes. Ohne, dass er die Lampe darauf richtete. Direkt vor dem Baum warf die Lampe nun ein Licht, stark genug um zu glauben es wäre Tag. Nur an dem Baum. Der Rest des Waldes war weiterhin in die Finsternis getaucht. Es schien, als hätte nur dieser eine Baum Farbe. Nichts anderes. Ein Scharren. Er horchte genauer. Woher kam dieses Geräusch? Aus dem Baum, bemerkte er. Aus dem inneren der Großen Eiche. Zumindest sah es für ihn wie eine aus. Sie musste hohl sein. Wieder das Scharren. Es ertönte ganz sicher direkt aus dem Baum. Er kratzte an der Rinde. Es scharrte. Kratzen. Kurz Ruhe. Dann wieder scharren. Einige mal wiederholte er dies. Das brachte ihn nicht voran. Also versuchte er es mit klopfen. Auch darauf gab es nur scharren als Antwort. Unsicher sah er sich den ganzen Baum an. Sie reagierte auf ihn. Nein. Auf die Lampe. Von dem Wesen. Vielleicht sollte er die Schuppe probieren? Er hob seine Hand. Hielt die Schuppe fest und klopfte damit an den Stamm. Diesmal wartete er vergebens. Kein Geräusch. Ob kratzen was bringt? Er nahm sie seitlich und schob sie über die Rinde. Doch auch hier wieder. Nichts. Wie konnte er mit der Schuppe ein Scharren erzeugen. Er legte die Raue Seit an die Rinde. Rieb sie daran. Jetzt knarzte der Baum. Plötzlich durchbrach das laute Geräusch die Ruhe. In der Ferne war noch etwas zu hören. Ein Schrei. Jedoch ein schmerzerfüllter. Schrecklich. In ihm breitete sich die Furcht wieder aus. Erneut dieses ohrenbetäubende Knarzen und kurz darauf wieder der Schrei. Diesmal war es lauter. Nein. Moment. Er erkannte, dass es näher war. Was sollte er nun machen? Der Erzeuger des Schreiens wird sicher bald hier sein. Ist es eine Kreatur wie der Schatten? Aber nein. Dieses Wesen brummte. Kein Schrei. Es musste Naab sein. Naab kommt, sagte die Kreatur. Doch was wollte dieser? Völlig unter Schock wägte er seine Möglichkeiten ab. Wegrennen und verstecken? Stehen bleiben und warten? Nun. Mehr war da nicht. Jedenfalls fiel ihm in seiner Panik nichts weiter ein. Er blieb stehen. Der Schrei kam mit jedem mal näher. Er hatte nur noch wenige Sekunden bis es da war. Jetzt hörte er noch schnelle Schritte. Laute Schritte von Großen Füßen. Er spürte wie er von der Seite am Arm gepackt und weggezogen wurde. Kurz darauf flüsterte jemand "Komm" Sein Arm wurde losgelassen. Er blieb kurz stehen. Rannte dann aber so schnell er konnte dem anderen hinterher. Lange. Es dauerte einige Zeit bis die beiden anhielten. Die Lampe hatte er im Schreckmoment fallen lassen. Der Baum war nicht mehr in Sicht. Der andere führte ihn in eine Höhle. Er konnte sich nicht erinnern schon woanders eine gesehen zu haben. Seltsam. Dachte er sich. Doch er fühlte sich hier sicher. Der andere ging an die Seite des Eingangs, zeigte auf einen großen Felsen. Sie schoben den massiven Brocken vor den Eingang. Jetzt war es wieder ruhig. Beide verschnauften. Der andere ging tiefer in die Höhle. In der Mitte war ein Lagerfeuer. Das Licht erhellte nur geringe Teile der Höhle. "Licht funktioniert hier anders." ertönte eine liebliche Frauenstimme. "Das hast du sicher schon gemerkt." Er konnte ein Lächeln erkennen. Immer noch unter Schock, brachte er kein Wort heraus. "Wir können ihnen nicht helfen, weißt du? Sie sterben sonst." Sie sah zu ihm. Ihr Lächeln wandelte sich in eine ruhige Miene. Sie strahlte Verständnis und Besorgnis aus. "Beruhige dich erst. Komm ans Feuer. Das hilft. Aber schlaf nicht ein. Sonst sehen wir uns nie wieder." Ihre Aussagen warfen nur weitere Fragen auf. Sie sterben sonst. Bestimmt meinte sie das Wesen. Also gab es mehrere davon. Nach einigen Momenten der Stille ging er aufs Feuer zu. Er bemerkte erst jetzt, dass er Hunger hatte. Sie hielt ihm ihre Hand entgegen. Darin war eine Frucht. Eindeutig konnte er es nicht sagen. Es sah aus wie ein Apfel. "Nimm. Du brauchst es." sie lächelte wieder. Er biss einmal zögerlich ab. In seinem Mund entfaltete sich eine Süße. Im Abgang etwas rauchig und seltsam bitter. Es schmeckte ihm. Und außerdem gab es hier mit Sicherheit nicht viel anderes. "Du hast Fragen. Das verstehe ich. Aber höre mir nur zu. Wir haben nicht viel Zeit. Jede Sekunde hier wirst du schwächer. Bis du einfach einschläfst. Wenn du aufwachst, werde ich fort sein. So ist das hier. Wir sind viele. Aber wir können nicht lange miteinander sein." ein kurzer Blick zum Eingang. "Der Felsen hält ihn auf. Er kann nicht hinein. Wir sind sicher." sie sah wieder ihn an. Diesmal war ihre Miene sehr ernst. "Den Namen Naab hast du wohl schon gehört. Das ist er. Ein erzürnter Gott, der in diese Wälder gebannt wurde. Du hast eine Schuppe. Sie sind magisch. Befinden sich genügend in der Nähe dieses einen Baumes, wird er verschwinden. Aber wir können uns gegenseitig nicht finden. Er verhindert es. Er hat den Wald zu dem gemacht was er nun ist." Er wollte nachhaken, aber er sollte ja zuhören. "Ja. Früher war das hier ein bezaubernder Ort. Die Schatten waren reine Lichtwesen, die friedlich im Wald hausten. Schau nicht so. Du bist nicht der erste den ich treffe. Sie fragen alle das selbe." Er verspürte nun wie ihm die Kraft ausging. Bald würde er wohl einschlafen. "Die Zeit ist knapp. Versuche einfach zu überleben. Wenn du Glück hast findest du den Waldrand. Nur so kannst du entkommen. Wenn du Pech hast, lebst du bis zum Tod hier. Versuche nicht zu dem Baum zu gelangen. Eine Schuppe bereitet Naab schmerzen. Er kann den Baum nicht zerstören. Die Schuppen auch nicht. Aber er kann den Besitzer töten. Versuche nicht den Wesen hier zu helfen. Suche nur nach dem Waldrand." Nach und nach wurden seine Augenlieder schwerer. Es zog sie ihm schon regelrecht zu."Eines Tages wirst du entkommen. Viel Glück. Leb wohl." Die letzten Worte vernahm er nur noch unter größter Anstrengung. Schon fast hatte ihn der Schlaf geholt. Die Augen fielen ihm zu. Das letzte was er wahrnahm war ein "Es tut mir leid, dass du hier gelandet bist." Dann wurde es schwarz um ihn. Als er erwachte war der Wald noch immer in diese unnatürliche Dunkelheit gehüllt. Er hörte das Rascheln der Blätter an den Baumkronen hoch oben. Vor wenigen Tagen sah er dort jemanden. Oder etwas? Er war sich nicht sicher. Ein Schatten, der über den Baumkronen schnell von der einen Seite auf die andere Seite huschte. In dem Moment als es geschah, starrte er dort hoch, stand einige Zeit wie angewurzelt da und wartete. Aber worauf? Was hinderte ihn am weitergehen? Sehnte er sich danach, es wiederzusehen? Hoffte er auf Rettung? Oder wünschte er sich lediglich, dass seine Angst endlich verschwand? Ja... Warte. Das kam ihm bekannt vor. Er hatte das schon einmal erlebt. Wiederholte sich das bisherige? Dann wusste er nun aber wohin er musste. Oder musste er an gewissen Stellen anders entscheiden? Er ging weiter. Bis dorthin wo er letztes mal das Wesen gesehen hatte. Und auch diesmal stand es wieder regungslos dort. Er fragte sich ob die Kreatur es auch spürte. Die Erinnerung war zwar nicht sehr klar. Aber grob wusste er was geschehen würde. Das Brummen, die Lampe, das plötzliche Verschwinden, ja auch die Schuppe lag wieder genau dort, wo die Kreatur stand. Nun war er sich sicher. Er überlegte ob er den Baum meiden sollte. Doch warum sollte er dann die Lampe und die Schuppe erhalten. Es war doch eindeutig, dass beides mit dem Baum in Verbindung steht. Er entschloss sich zum Baum zu gehen. Auch dort wiederholte sich alles genauso wie es das letzte mal war. Bis auf einen winzigen Unterschied. Als sie ihn am Arm packte und wegzog, sah er ein glitzern auf dem Boden. Wie das der Schuppe die er in der Hand hielt. Doch in der Höhle war alles anders. Sie lächelte nicht. Ihr Gesicht zeugte von großem Entsetzen. "Ich sagte dir du sollst dich vom Baum fernhalten. Du hast es beendet. Sie werden sterben. Und wir auch. Du hast eine zweite Chance bekommen. Aber wird keine dritte geben. Versuche den Waldrand zu finden, bevor er dich findet. Das werden wir alle. Du hast ihn befreit. Er wird nett zu dir sein und dir einen schnellen Tod bescheren. Hoffentlich findest du den Ausgang." Er wartete ab ob er müde wurde. Doch spürte davon nichts. Er wandte sich an die Frau. "Wieso sammelt niemand die Schuppen? Du sagst du triffst oft andere. Lass dir doch ihre Schuppen geben." "Wer keine Schuppe hat, den kann er nicht aufspüren. Nur eine einzige reicht, damit er dich finden kann. Je mehr du hast umso schneller findet er dich." sie seufzte und fuhr fort "Du wirst nicht müde werden. Der Bann wurde gebrochen." sie drehte sich um und verließ die Höhle. Verwirrt und nicht viel schlauer ließ sie ihn zurück. Er stand auf und rannte ihr hinterher. Doch außerhalb der Höhle war niemand zu sehen. Auch nichts zu hören. Selbst der Wind stand still. Es fühlte sich für ihn so an als wäre die Zeit stehen geblieben. Als er in die Höhle sah, war dort kein Feuer mehr. Alles war tot. Nur noch er. Er versuchte irgendetwas zu hören. Kennst du dieses hohe schrille Geräusch, dass du in absoluter Stille vernimmst? Das was dein Gehirn erzeugt, weil es nicht versteht nichts zu hören? Er hörte nicht einmal das. Sehen konnte er nun auch nichts mehr. Vorsichtig griff er nach der Taschenlampe. Ein kurzer Schock durchfuhr ihn, dann doch Erleichterung als er sie in seiner Hand spürte. Er hielt sie hoch, schaltete sie ein. Doch nichts. Kein bisschen Erleuchtung. Obwohl die Lampe an war und leuchtete. Das konnte er erkennen, als er vorne überprüfte. Die Birne strahlte Licht aus. Aber es wurde einfach von der Dunkelheit verschluckt. Mitten in der stillen Finsternis stand er nun. Kein Ton. Keinerlei Eindrücke. Er fragte sich ob der Wald überhaupt noch da war. Also tastete er sich vor. Die Hände nach vorn gestreckt und gegen keinen Baum zu laufen. Ja. Der Wald war noch dort. Was sollte er nun machen? Stehen bleiben und warten würde wohl nichts bringen. Er musste versuchen seinen Weg durch den Wald zu finden. Kurz machte er eine Pause. Zum nachdenken. Vielleicht würde er einfach weiter gehen. Irgendwie musste er nur immer in eine Richtung finden. Dann hätte er doch zum Waldrand kommen müssen. Er ging los. Nicht weit von seinem Startpunkt konnte er plötzlich wieder etwas hören. In der Ferne. Es klang wie ein bellen. Ein ganz normales Hundegebell. Er war zuversichtlich entkommen zu können. Also folgte er dem Geräusch. Langsam und vorsichtig. Bloß keine Aufmerksamkeit erregen, dachte er sich. Naab war irgendwo. Er wollte nicht auf ihn treffen. Das Bellen wurde mit jeder Minute, die er lief, lauter. Kurz bevor er sich sicher war es fast erreicht zu haben. Es hörte plötzlich auf. Stattdessen wurde es durch ein röcheln ersetzt. Ruhig und grimmig. Sehr nahe. Hinter ihm? Da stand etwas hinter ihm und röchelte ihm direkt in den Nacken. Das spürte er. Ein tiefes Kichern. Voller Furcht drehte er sich um. Das war es dann wohl. Naab stand ihm nun gegenüber und grinste ihn teuflisch an. Es war vorbei. Der unsichtbare Feind sprang ihn an, brüllte und fraß ihn bei lebendigem Leibe auf.
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