Eduard Friedrich Mörike an der ScheinBAR (mächtig überarbeitet)

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Hagen

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Eduard Friedrich Mörike an der ScheinBAR (mächtig überarbeitet)

Es begab sich vor langer Zeit, dass die Wunderbare Ulrike und ich des Abends an der ScheinBAR saßen und einen von mir kreierten ‘Orange Blossom Special‘ genossen.
„Du“, eröffnete die Wunderbare Ulrike das Gespräch, „die Chefin meiner Tanzgruppe will eine Soirée geben und wir sind auch eingeladen. – Der ‘Orange Blossom Special‘ schmeckt mir wieder mal ausgezeichnet.“
„Danke, Wunderbare Ulrike“, sagte ich daraufhin. „Eine Soirée ist meines Wissens eine abendlich stattfindende Zusammenkunft von gesellschaftlich höher stehenden Personen, die sich zu gemeinsamem Essen, Trinken, literarischen Darbietungen oder sowas, und mehr oder weniger niveauvollen Gesprächen treffen.“
„Ganz genau!“, die Wunderbare Ulrike nahm noch einen Schluck vom ‘Orange Blossom Special‘. „Du weißt ja, dass ich meine Klappe nicht halten kann, und da habe ich erwähnt, dass du Schriftsteller bist. – Die Damen und Herren meiner Tanzgruppe waren hoch erfreut und bitten dich zur Abrundung der Soirée eine selbstverfasste ‘Hommage an Eduard Friedrich Mörike‘ vorzulesen, da die Soirée unter dem Motto ‘Frühling‘ steht. – Ist wirklich ausgezeichnet, dein ‘Orange Blossom Special‘!“
„Nun ja, das mit dem Lesen mache ich dir zuliebe.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Ich hätte zwar gerne eigene Texte gelesen, denn ich habe alles, was ich in der Schule zum Thema Eduard Friedrich Mörike gelernt habe, ebenso erfolgreich wie gewissenhaft verdrängt, weil meine Lehrerin mich mit Mörike und seines Konsortens schnulzigen Gedichten gründlich abgenervt hat.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Ich weiß noch, dass Eduard Friedrich Mörike aussah wie einer der Typen, die bei Autoskootern immer hinten aufspringen“, fuhr ich fort, „1875 gestorben ist und ein deutscher Lyriker sowie Erzähler und Übersetzer war. Er war zudem lausiger evangelischer Pfarrer, haderte jedoch bis zu seiner frühen Pensionierung stets mit diesem ‘Brotberuf‘. – Aber dank der Heiligen Schrift, die da heißt ‘Wikipedia‘, kann ich nun endlich nach Herzenslust selbst recherchieren. Das kriege ich hin! – Prost Wunderbare Ulrike!“
„Prost, mein Lieber! – Aber lies mir dein Werk bitte vorher sicherheitshalber vor. Nicht dass deine Darbietung wieder in einem Desaster endet, wie damals, als du mir eine römische Wasserleitung zum sprengen meiner Blumen von der Hase in den Garten legen wolltest.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Geht klar“, meinte ich.

Als die Wunderbare Ulrike und ich an einem der nächsten Tage, die Soirée war in greifbare Nähe gerückt, erneut mit einem ‘Orange Blossom Special‘ an der ScheinBAR saßen, bat ich die Wunderbare Ulrike ihr mal das von mir verfasste Werk vortragen zu dürfen.
„Na, dann leg‘ mal los! Ich bin gespannt.“
Sie nahm einen Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Ich möchte zunächst ein Gedicht von dem deutschen Lyriker Eduard Friedrich Mörike zitieren,“ begann ich, „das wohl beliebteste und bekannteste Frühlingsgedicht überhaupt, mit dem Titel:
„Er ist's.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Wunderbare Ulrike, meine Damen und Herren, ich muss es zunächst in aller Deutlichkeit sagen, Mörike betitelt sein Gedicht mit einer Feststellung! Einer ebenso kurzen, wie knappen, jedoch äußerst präzisen Feststellung! Kann man den Titel noch mehr straffen? – Man kann es nicht!“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Der Leser wird also eingestimmt auf ein Gedicht, welches auf ein Minimum reduziert wurde. Auf das absolute Minimum! Bevor ich es vergesse, meine Damen und Herren, das folgende Gedicht ist sehr kurz, was auf ein altes Brauchtum zurückzuführen ist: Bei dem Einwickeln eines Kindes zum Taufen wird ein beschriebenes Stück Papier mit eingewickelt. Was darauf geschrieben steht, ist gleichgültig, aber fehlen darf es nicht, weil sonst leicht bei der Taufe eine Hexerei vorgehen könnte.“
„Sag‘ bloß!“, meinte die Wunderbare Ulrike und nahm einen Schluck ‘Orange Blossom Special‘. „Hast du das wirklich so recherchiert?“
„In der Tat! Das war zu Zeiten Mörikes Brauch! – Mörike wurde, da er, wie nicht Jeder zu der Zeit, des Schreibens kundig war, um ein beschriebenes Stück Papier gebeten. Dieser frommen Bitte kam der Dichter ebenso gerne wie umgehend nach und schrieb, in seiner Stammkneipe von der später noch die Rede sein wird, sitzend, ein kurzes Gedicht auf ein Stück Papier. Nur der weisen Voraussicht der Eltern des Kindes ist es zu verdanken, dass der Nachwelt dieses wunderbare Gedicht erhalten geblieben ist. Doch bevor ich vorgreife, möchte ich fortfahren, ihnen dieses wunderbare Werk der hohen Dichtkunst vorzutragen.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Noch wissen wir nicht wer es ist, noch lässt Mörike den geneigten Leser im Dunkeln tappen. Sie werden sicherlich fragen: „Ja, wer ist es denn nun? Bon Jovi? Lucas Cranach der Jüngere? Oder gar Albert Einstein?“
„Ich würde auf Diogenes oder Archimedes tippen“, meinte die Wunderbare Ulrike, „denn Bon Jovi und Albert Einstein waren zu Lebzeiten Mörikes noch nicht geboren. Lediglich Lucas Cranach der Jüngere sah das Licht der Welt am 25. Januar 1586 in der Lutherstadt Wittenberg. – Prost mein Lieber!“
Wir stießen an und tranken einen Schluck ‘Orange Blossom Special‘. Ich lächelte etwas gequält und fuhr fort: „Aber Mörike lässt sein Gedicht gleich mit der Antwort beginnen: „Frühling!“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Dabei fällt mir ganz spontan ein: Bei seinem Osterspaziergang, der stets im Frühling stattfindet und auch bei uns einer gewissen Tradition nicht entbehrt, legt Goethe, der angebliche Champion der deutschen Dichtkunst, seinem Faust folgende Worte in den Mund:
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick.‘
Doch Mörike geht einen Schritt weiter, indem er schreibt:
„Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte.“
Sie werden fragen, meine Damen und Herren: Ein blaues Band?
Was soll denn das schon wieder?
Was ist das überhaupt, ein ‘Blaues Band‘?“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Nun,“ fuhr ich fort, „das ‘Blaue Band‘ war anfangs eine symbolische Bezeichnung für die schnellste Überquerung des Atlantischen Ozeans zwischen Bishop's Rock auf den britischen Scilly-Inseln und dem Ambrose-Leuchtfeuer von New York. Später hisste man einen blauen Wimpel, zu dem auch noch ein Pokal gestiftet wurde. Erster Inhaber des Blauen Bands war übrigens 1838 das britische Schiff ‘Great Western‘. Gehisst wurde aber ein blauer Wimpel, der durch die Lüfte flattern konnte. Da haben wir also die Erklärung: ‘Frühling lässt seinen blauen Wimpel wieder flattern durch die Lüfte.‘ – Meine Damen und Herren, nun mal ganz ehrlich, wie hört sich das denn an?“
„Nicht dass es zu Verwirrungen kommt“, unterbrach die Wunderbare Ulrike, „dieses ‘Blaue Band‘ hat Mörike mit Sicherheit nicht in seinem Gedicht gemeint! Zudem, und diese Frage muss ich an dieser Stelle aufwerfen: Hatte der Dichter Eduard Friedrich Mörike, der am 8. September 1804 in Ludwigsburg, Herzogtum Württemberg geboren wurde und am 4. Juni 1875 in Stuttgart, Königreich Württemberg gestorben ist, überhaupt Kenntnis von dem Blauen Band? Ich möchte mal vermuten, dass dies nicht der Fall war! Ein feinsinniger Dichter wie Eduard Friedrich Mörike hat sich nicht mit derart profanen Dingen wie einem blauen Band für Schiffe, die den Ozean schnell überqueren, abgegeben. – Was hat es also mit dem ‘Blauen Band‘ auf sich, das Mörike durch die Lüfte flattern lässt?“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Selbstredend“, meinte ich mit leichtem Lächeln, „da ist die folgende Erklärung, die ich mühsam recherchiert habe, wesentlich einleuchtender! Was kaum jemand weiß ist, dass der Wirt von Eduard Friedrich Mörikes Stammgaststätte ‘Gotthold Friedwald Frühling‘ hieß!“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Der Gastwirt Gotthold Friedwald Frühling entfachte zur Belustigung seiner Gäste jedes Jahr ein Osterfeuer in seinem Garten, um den Einzug des Frühlings gebührend zu feiern. Zum Zeichen dass das Osterfeuer des Abends entzündet werden würde und um die Richtung des Windes festzustellen, ließ er ein ‘Blaues Band durch die Lüfte flattern‘, denn der Qualm des Osterfeuers sollte nicht in die Gaststube ziehen. Gleichzeitig war es das Signal für das Anschüren des Osterfeuers und dem damit verbundenen Anstich eines Fasses Maibock, welches dabei, da von Frühling selbst gebraut, eine starke Geruchentwicklung erzeugte. Der leicht süßliche Geruch dieses Bieres ließ nicht nur Mörike, der stets bei dem Osterfeuer in Frühlings Gasthaus weilte, aufmerken. ‘Süße, wohlbekannte Düfte streifen ahnungsvoll das Land‘, dichtete er daraufhin und er hat recht!“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Vielleicht“, meinte die Wunderbare Ulrike und nahm auch einen Schluck ‘Orange Blossom Special‘, „solltest du an dieser Stelle einflechten, dass Mörike sich gerne der Schriftstellerei gewidmet hätte. Er wagte es aber derzeit, anders als seinerzeit sein Kollege Hölderlin, nicht, sich als freier Schriftsteller durchzuschlagen. So beschränkte sich Mörikes literarisches Wirken zu diesem Zeitpunkt auf Übersetzungen und so ...“
„… und das Beschriften von Bierdeckeln und kleiner Zettel, welche nur Platz für kurze, knappe Gedichte boten“, sagte ich. „Aber bevor wir uns verzetteln solltest du sehen wie es mit dieser Dichtung weiter geht! – ‘Veilchen träumen schon, wollen balde kommen.‘ – Doch wer nun glaubt, dass es sich bei diesen ‘Veilchen‘ lateinisch Viola, um eine Pflanzengattung aus der Familie der Veilchengewächse, lateinisch Violaceae, handelt, der irrt!“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Denn bei einem Frühlingsgedicht“, fuhr ich fort, „hätte eine sensible Natur wie Mörike definitiv die Schneeglöckchen erwähnt, wie ehedem Theodor Storm, ein nicht minder begnadeter, bekannter wie ebenso sensibler Lyriker, welcher dereinst die Schneeglöckchen mit einem kurzen Frühlingsgedicht bedachte:
Und aus der Erde schauet nur
Alleine noch Schneeglöckchen;
So kalt ist noch die Flur,
Es friert im weißen Röckchen.​
Nein, mit Veilchen dieser Art liegen wir, meine Damen und Herren, falsch! Lasst es mich in aller Deutlichkeit erklären: Wir sind auf dem Holzweg, um nicht zu sagen auf dem Knüppelpfad! – Es gab nämlich derzeit eine Volkstanzgruppe, ‘Die Blauen Veilchen‘, in Mörikes derzeitigen Heimatort Möhringen, die stets zum Osterfeuer erschien um die extra zu diesem Fest eingeübten Tänze darzubieten.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Um seinem Kollegen Heinrich Heine nicht zu nahe zu treten, denn der reimte derzeit:
Die blauen Veilchen der Äugelein,
Die roten Rosen der Wängelein,
Die weißen Lilien der Händchen klein,
Die blühen und blühen noch immerfort,
Und nur das Herzchen ist verdorrt.​
Um sein Gedicht nicht blaulastig werden zu lassen, weil er das Wort ‘Blau‘ bereits verwendet hatte und um den Satzrhythmus nicht zu stören, reduzierte er den Namen besagter Volkstanzgruppe nochmals auf ‘Veilchen‘. – Nebenbei bemerkt, ein überaus genialer Kniff der hohen Dichtkunst, welcher Mörike meisterhaft beherrschte.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Und Mörike reduziert weiterhin! An diesem Osterfest“, fuhr ich, mich meiner Recherche erinnernd, fort: „verpennte die Volkstanzgruppe jedoch ihren Auftritt, denn sie war vom Vorglühen schlicht und einfach noch zu besoffen. – Meine Damen und Herren, sowas kam zu Zeiten Eduard Friedrich Mörikes öfter vor als man gemeinhin annimmt. Deshalb wurde es von dem Dichter auch nicht sonderlich erwähnt.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Nun jedoch, meine Damen und Herren entschuldigen Sie die Abschweife und lassen mich fortfahren: Da die Gäste von Gotthold Friedwald Frühlings Gasthaus ungnädig zu werden drohten, ließ er eiligst nach einem Ersatz schicken und dieser ward ehest gefunden: In dem örtlichen ‘Harfenensemble Concordia‘. Dieses erschien in Bälde, und zwar in einem ‘Horch‘! In keinem anderen Automobil der Auto Union. Die Auto Union AG, Chemnitz war, nebenbei bemerkt, der erste deutsche staatliche Automobilkonzern, der aus der Fusion des Kleinwagen- und Motorradproduzenten Zschopauer Motorenwerke J. S. Rasmussen, DKW, mit seiner Tochtergesellschaft Audiwerke AG Zwickau, der Horchwerke AG und dem Automobilwerk Siegmar der Wanderer-Werke in Schönau bei Chemnitz entstand.“
Die Wunderbare Ulrike drehte die Augen gen Himmel und nahm einen Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Nicht in einem Wanderer,“ gab ich meine mühsam recherchierte Details weiterhin zum Besten, „oder einem schlichten DKW, oder gar einem Audi, nein, in einem ‘Horch‘ erschien das ‘Harfenensemble Concordia‘! – ‘Horch‘ war der Markenname des im westsächsischen Zwickau gegründeten Luxusautomobilherstellers, der zuerst unter der Unternehmensbezeichnung August Horch & Cie. Motorwagenwerke AG geführt wurde. Man sieht also, dass das Niveau dieses Harfenensembles außerordentlich hoch war, denn sonst hätte Mörike nicht auf dieses Automobil verwiesen, doch er hat, wie bereits erwähnt, reduziert.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Meine Damen und Herren, bitte verzeihen Sie mir als Oldtimerfan diese neuerliche Abschweife. Aber nur durch diese Abschweife ist dieses grandiose Werk Eduard Friedrich Mörikes richtig zu verstehen, denn Mörike indes weilte bereits in der Gaststube, eines weiteren Glases Maibock harrend, weil er nicht mit ansehen konnte, wie zunächst Schweine durch das Osterfeuer getrieben wurden.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Wunderbare Ulrike, meine Damen und Herren, Sie werden nun wiederum mit Fug und Recht, zumindest aber mit Fug, fragen was das denn schon wieder soll. – Ein, auf die Göttin Ostra sich beziehender Brauch: Ein Brand von dem dieser Göttin geheiligten Osterfeuer verhütete, so wie er dem Misswuchs vorbeugte, namentlich auch die Krankheiten des Viehes; insbesondere war dieses mit den Schweinen der Fall, die jeglichem Übel enthoben wurden, wenn man sie durch ein der Göttin zu Ehren angezündetes Feuer jagte. Davon hat man noch heutiges Tages den Gebrauch, wenn man kranke Schweine hat, zu Ostern ein sogenanntes ‘Notfeuer‘ zu machen! Dies geschieht auf folgende besondere Weise: Vor Aufgang der Sonne, und ohne dass ein Wort gesprochen werden darf, werden zwei Pfähle von trockenem Holze in die Erde gegraben, so dass die oberen Enden hervorragen. Um diese Enden werden zu späterer Stunde hanfene Stricke so lange hin-und hergezogen, bis das Holz sich entzündet und die Pfähle in Brand geraten. Durch dieses Feuer nun werden die kranken Schweine hindurch getrieben.“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„So ging man auch dieses Mal vor, aber als nach dem durchs Feuer treiben der Schweine beim Ausladen der Instrumente eine Harfe umkippte, erscholl ‘von fern ein leiser Harfenton!‘ – Äußerst poetisch bringt der Dichter Eduard Friedrich Mörike auch diesen Laut, welcher sich in das fröhliche Pfeifen eines nahen Zügleins mischte, um dem Bremser im vierten Wagen das verabredete Dampfpfeifensignal die Bremsen anzuziehen, zu Papier.
Schluck ‘Orange Blossom Special‘.
„Bemerkenswert wie Mörike den leisen Harfenton und das fröhliche Dampfpfeifensignal des Zügleins zu unterscheiden wusste. Ohne Umschweife auf ein Frühlingsgedicht, wie zum Beispiel das von Ludwig Uhlands Frühlingsfeier:
Süßer, goldner Frühlingstag!
Inniges Entzücken!
Wenn mir je ein Lied gelang,
Sollt es heut` nicht glücken?
Doch warum in dieser Zeit
An die Arbeit treten?
Frühling ist ein hohes Fest.
Lasst mich ruhn und beten!‘,​
kommt Mörike ohne Umschweife auf den Punkt! Er verzichtet in seiner knappen, präzisen Art auf unnötige Umschreibungen, denn als der Wirt die Gaststube betrat und sich lautstark nach weiteren Bestellungen erkundigte, rief Mörike frohen Herzens aus: „Frühling, ja du bist's! Dich hab' ich vernommen!“
Schluck ‘Orange Blossom Special‘, den letzten.
„Wunderbare Ulrike, meine Damen und Herren, ich kann verstehen, dass Sie nun betreten schweigen. Sie haben Recht! Nach Eduard Friedrich Mörike, einem Dichter der alten Schule, der in der letzten Zeit zu Unrecht zunehmend ignoriert wurde, muss man sogar schweigen! Das werde ich jetzt auch tun.“
Die Wunderbare Ulrike schwieg in der Tat etwas betreten.
„Wenn das man gut geht“, murmelte sie. „Bedenke, dass die Leute aus meiner Tanzgruppe keinen Humor haben!“
Leider war keine Zeit mehr, die ‘Hommage an Eduard Friedrich Mörike‘ tanzgruppengerecht umzuschreiben. Mein Vortrag endete, wie es die Wunderbare Ulrike vorausgesagt hatte, etwas desaströs, aber sie konnte es während des folgenden hochkulturellen Gesprächs wieder wettmachen.
Sie ist eben eine wunderbare Frau.

Für den geneigte Leser, der sich das Originalgedicht Eduard Friedrich Mörikes nochmal ohne Unterbrechung zu Gemüte führen möchte:

∼ Er ist's ∼
Frühling lässt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!​
Eduard Friedrich Mörike​



Für den geneigten Leser, die an dem niveauvollen Cocktail interessiert ist, der in dieser wahren Geschichte vorkommt:
Der ‘Orange Blossom Special‘ besteht aus:
  • 9 cl Orangensaft
  • 2 cl Rum
  • 4 cl Cointreau
  • 6 cl Wermut
  • auffüllen mit Sekt
  • Eis
  • Deco Orangenscheibe
 
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rainer Genuss

Mitglied
Hochverehrter Hagen
Wieder ein excelenter Schlag in`s Kontor der Verbissenen, der Anonymen Alkoholiker, der Grantler und mürrischübellaunigen Nörgelseffs.
Für mich ein Kaleidoskop an Recherche, Ironie und süffisantem Humor in bunten Cocktailfarben.
Besser breit grinsen als schmal denken
denkt und grüßt
Rainer
 

Hagen

Mitglied
nicht minder hochverehrter rainer
Danke für die Beschäftigung mit meinem Text, das Lob dafür und den Sternenregen.
Sollte es Dich mal nach Haselünne verschlagen, bist Du herzlich auf einen Cocktail an der ScheinBAR und die eine oder andere Runde Billard an einem 7-Fuß Tisch eingeladen.
(Dass wir eine selbstgebaute Bar haben, besagt nicht, das wir jeden Abend Hackevoll sind; - man ist nämlich erst betrunken, wenn man am Boden liegt und sich festhalten muss!)
Ja, ja, mit der Recherche ist das so eine Sache, sie ist wie ein guter Butler; - sie fällt erst auf, wenn sie nicht da ist.
Ich finde es immer doof, wenn z.B. ein Schiff im Hafen 'ankert' e.t.c.
So schrieb eimal ein angeblicher 'Bestsellerautor' dass ein paar Typen in meiner Heimatstadt Bremen aus dem Zug stiegen und sofort an Bord eines Auswandererschiffs gingen, welches von der 'Schlachte in Bremen' umgehend nach Amerika lossegelte. Wo waren da die Gesundheitstests, warum haben die Typen keinen Proviant gakauft? u.s.w.
Oder wenn in einem Film, der im Weltkrieg II spielt, die Landser in Autos Baujahr 1955 rumfahren? u.s.w.
Goethe ist auch so ein Kandidat, nicht nur dass er zu blöde war Aktion zu beschreiben; - von ordentlicher Recherche hat er noch nie was gehört!
Oder Jules Verne, der zugunsten einer angeblich guten Story sogar die Nuturgesetze vergewaltigte ...
Ich bin der Ansicht, dass wenn die Recherche nicht stimmt, der Rest nur Wortmüll sein kann!
Mach Dir bitte mal die Mühe 'Eddis zerbrochener Traum' zu lesen (Liegt bei Erzählungen).
Kurz und Schlecht; - Du musst erstmal wissen, dass es 'Sowas' gibt, (die Sache mit dem 'Halbwissen') und kann dieses dann z.B. mit Tante Googel vertiefen und in eine Story einbringen. - Die hohe Schule der Recherche ist, diese so einzubringen, dass der geneigte Leser es nicht merkt.
Trotzdem macht mir die Recherche Spaß und eröffnet unzählige Möglichteiten für weitere Stories ...
In diesem Sinne,
wir lesen uns weiterhin!
Herzlichst
yours Hagen

P.S. Bleib' schön gesund!
und denk' dran: Nichts endet wie geplant!
 

rainer Genuss

Mitglied
:cool:Hochgeschätzter Hagen
Hoch lebe Haselüne! Nichts würde mir mehr gefallen als mich dort, in Begleitung deiner Wenigkeit, den Erdgravitationskräften auszusetzen.
Eddis zerbrochener Traum - ist als Nachtgenuß für den nächsten Nachtdienstverdruß abgespeichert.
Aber Bitte, bitte keine prophetischen P,S. Kommentare mehr, die in meinem Leben Realität werden.
Ich vermute, wir sind durch ein Irrsinnswurmloch miteinander verbunden.
Dein letzter weiser P.S. Hinweis: "auf jede gute Tat folgt die Strafe auf den Fuß" bereitet mir jetzt noch Ärger.
Mein Post Scriptum ; " ein guter Zaun schafft einen guten Nachbarn" oder "Klappe zu - Affe tot" ist noch nicht mit Erfolg gekrönt.
Schön dass Du da bist
Herzlichst Rainer

"Nichts endet wie geplant" - ich halte Dich auf dem Laufenden:mad::mad:
 

Hagen

Mitglied
Verehrter rainer,
herzlichen Dank für das Halten; - sozusagen auf dem Laufenden:rolleyes:
aber denke dran - und dies soll keine selbsterfüllende Prophezeiung sein,
denn wenn Du ein 'Licht am Ende des Tunnels' siehst und diesem zustrebst, wirst Du - nachdem eine Rückkehr unmöglich ist - feststellen,
dass es sich um den Scheinwerfer eines nahenden D-Zuges handelt.

Merke: In Eisenbahntunnels sind selten Notfallbuchten vorgesehen!

In diesem Sinne,
wir lesen uns!
Herzlichst
yours Hagen

P.S. Bleib' schön gesund!
;)
 

Hagen

Mitglied
sorry Verehrter rainer,
aber ich habe mich geirrt!
Die Story, die ich Dir empfohlen habe heisst nicht 'Eddies zerbrochener Traum', sondern
DER TOD AUS DER LUFT
Ich hatte vor etlichen Jahren mal einen Roman angefangen, bin aber in den Recherchen steckengeblieben.
Ich bitte mein Versehen zu entschuldigen.
wir lesen uns!
Herzlichst
yours Hagen

P.S. Bleib' schön gesund!
 

rainer Genuss

Mitglied
Lieber Forenredakteur
die hier gesendeten Gedanken fallen allesamt in die Rubrik : Humoreskes und Gefühlvolles und sind keine persönlichen Nachrichten
Sie dienen
 

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