Dionysos von Enno
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Empfohlener Beitrag
- #1
Sie trägt noch immer jenes blaue Kleid.
Im Hintergrund verdunkeln sich die Bäume.
Der Maler gab ihr einen Mund aus unbezahlter Zeit
und um die Schultern unbewohnte Räume.
Als wäre jemand längst
Vergessenes heimgekehrt,
liegt auf den Lippen dieses tiefe Beben.
So hat sie einst auf deinen Schritt gehört,
bevor er unterging in all dem
deinen
ungelebten Leben.
Du hast ihr Zimmer fortgegeben.
Langsam zuerst:
den Schrank. Das Bett. Zuletzt
den Reif, der ihr im Leben
das lange Haar gehalten hat.
Und abends kam ein
Nachtigallenpaar
und starb.
Du wurdest groß.
Dann älter als die Hände,
die doch so vieles von dir nahmen.
Und manchmal gingst du nachts durch fremde Wände
im Traum zu ihr.
Sie ruft dich immer noch,
als seist du Kind
und habest keinen
Namen.
Nun stehst du wieder da. Auf ihren Knien
ruht eine Hand, als müsse sie dich halten,
wie damals, als du gingst,
ihr zu entfliehen und
deine Flügel zu entfalten
– und gingst doch bloß, um
furchtbar lang
und schwer zu altern.
Nun trittst du hin
zu ihrem Stein
ins Licht.
Etwas beginnt zu steigen:
dein Angesicht. Vom langen Leben blind
darfst du dich endlich wieder hin zu ihren vielen Armen neigen.
Sie wartet auf ihr Kind.
Und du bist alt genug.
youtu.be
Im Hintergrund verdunkeln sich die Bäume.
Der Maler gab ihr einen Mund aus unbezahlter Zeit
und um die Schultern unbewohnte Räume.
Als wäre jemand längst
Vergessenes heimgekehrt,
liegt auf den Lippen dieses tiefe Beben.
So hat sie einst auf deinen Schritt gehört,
bevor er unterging in all dem
deinen
ungelebten Leben.
Du hast ihr Zimmer fortgegeben.
Langsam zuerst:
den Schrank. Das Bett. Zuletzt
den Reif, der ihr im Leben
das lange Haar gehalten hat.
Und abends kam ein
Nachtigallenpaar
und starb.
Du wurdest groß.
Dann älter als die Hände,
die doch so vieles von dir nahmen.
Und manchmal gingst du nachts durch fremde Wände
im Traum zu ihr.
Sie ruft dich immer noch,
als seist du Kind
und habest keinen
Namen.
Nun stehst du wieder da. Auf ihren Knien
ruht eine Hand, als müsse sie dich halten,
wie damals, als du gingst,
ihr zu entfliehen und
deine Flügel zu entfalten
– und gingst doch bloß, um
furchtbar lang
und schwer zu altern.
Nun trittst du hin
zu ihrem Stein
ins Licht.
Etwas beginnt zu steigen:
dein Angesicht. Vom langen Leben blind
darfst du dich endlich wieder hin zu ihren vielen Armen neigen.
Sie wartet auf ihr Kind.
Und du bist alt genug.
Effigie
Sie trägt noch immer jenes blaue Kleid.Im Hintergrund verdunkeln sich die Bäume.Der Maler gab ihr einen Mund aus unbezahlter Zeitund um die Schultern unbewoh...