Ein erhebender Moment (Pantun)

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Sidgrani

Mitglied
Allein mit dir in wolkenklarer Nacht,
die Luft ist lau, nicht eine Wolke trübt die Sicht.
Der Himmel hat ein Feuerwerk entfacht,
mit tausend Diamanten grüßt das Sternenlicht.

Die Luft ist lau, nicht eine Wolke trübt die Sicht,
ein Lichtermeer erstrahlt am Firmament.
Mit tausend Diamanten grüßt das Sternenlicht,
welch wunderbar erhabener Moment.

Ein Lichtermeer erstrahlt am Firmament,
des Alls Unendlichkeit ist uns ganz nah,
welch wunderbar erhabener Moment,
bedauernswert, wer das noch niemals sah.

Des Alls Unendlichkeit ist uns ganz nah,
der Himmel hat ein Feuerwerk entfacht,
bedauernswert, wer das noch niemals sah.
Allein mit dir in wolkenklarer Nacht.
 
T

Trainee

Gast
Oh, ein Pantun!

Diese Form gibt Struktur und die Möglichkeit, dem Schreiben von Anfang an eine bestimmte Richtung zu geben. Und bleibt doch ein mystisches Ding, ein tänzelndes Gebaren.
Letzteres ist dir hier aus meiner Sicht gut gelungen.
Etwas fehlt mir jedoch: ein Kontrastvers, ein Sprengsel Melancholie in all dieser Erhabenheit.
Sicherlich gibt es solche makellosen Momente im Leben (wohl dem, der sie öfter zu inhalieren vermag :)), doch zeigt auch das Schönste des Schönen Schattenseiten, die gleichsam in ihm angelegt sind.
Insofern hätte ich einen Vers inhaltlich aus dem Kontext herausgehoben. Ist aber vielleicht Geschmackssache - denn Schönheit zeitigt eine eigene Ästhetik, die nicht zwingend infrage gestellt werden muss.

Liebe Grüße
Trainee
 

Sidgrani

Mitglied
Genau, das Pantun spricht mich sehr an, denn es gilt zu knobeln und zu modellieren, bis „das Werk in Form gebrannt“ ist. Erst dann kann der Leser durch die Zeilen tänzeln.

Den Hauch Melancholie empfinde ich allein schon in der Vorstellung, dass zwei sich liebende Menschlein, zwei Mosaiksteinchen, vor dem großen Ganzen stehen und spüren, wie winzig sie im Grunde sind.

Ich freue mich über dein Interesse und nehme deine Auslegung des Schönsten interessiert zur Kenntnis. :)

Liebe Grüße
Sidgrani
 

Sidgrani

Mitglied
Hallo Bernd,

ich danke dir fürs Reinschauen. Ich glaube, es lässt sich jedes Thema in einem Pantun verarbeiten.

LG Sidgrani
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Im Pantum machen die Wiederholungen der Verse den Ton eindringlicher und geben ihm eine Art poetischer Magie. Zwar lässt sich jedes Thema im Pantun verarbeiten, entscheidend ist aber, wie es erfolgte. Und hier haben wir eine art klassisches Thema, ein kosmisches Thema.
Als Kind schon blickte ich in die kosmischen Fernen, soweit meine Augen es vermochten.

Der Himmel hat ein Feuerwerk entfacht - hat mindestens zwei Dimensionen. Zum einen: Meteoridenschwärme, zum anderen der Urknall und was danach kam, der Himmel quasi selbst als Feuerwerk (nur noch durch die Schwärze der Nacht und die Sterne und Planeten sichtbar, eben das All).
Dazu können auch noch die Nordlichter kommen und andere Effekte (z.B. Kometen).

"Mit dir in sternenklarer Nacht." - Hier ist in der Wiederholung das "dir" nicht wirklich klar. Wer ist gemeint? Man selbst oder eine andere Person?
In der ersten Strophe ist es klar. In der letzten Strophe wird mit "Wer" eine neue Person eingeführt, auf die sich "dir" nunmehr bezieht, ich denke, hier müsste es "sich" heißen, was aber weniger poetisch klingt.
"Dir" ist hier ein Kompromiss.
 

Sidgrani

Mitglied
"Mit dir in sternenklarer Nacht." - Hier ist in der Wiederholung das "dir" nicht wirklich klar. Wer ist gemeint? Man selbst oder eine andere Person?
Das LyrIch befindet sich mit einer zweiten Person draußen. Am Anfang und am Ende. Mit "Wer das noch niemals sah" sind alle Menschen gemeint.

Danke, dass du dich so intensiv mit dem Pantun beschäftigt hast.

LG Sidgrani
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Danke für die Erklärung. Ich habe es gelesen als "Ich bin mit mir allein in sternenklarer Nacht." bzw. Du bist mit dir allein ..."
(wegen allein)
Es sind aber dann tatsächlich zwei Personen. Dann ist es völlig korrekt. "Allein" ist ja nicht eindeutig, "wir beide sind allein" funktioniert.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Genau. Habe ich ja jetzt geschrieben. "Wir beide sind allein." Oder zumindest habe ich es gemeint. Der Satz ist ja kontextabhängig.
 


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