Am Anfang war der Frieden.
Langsam und ruhig trat sie aus dem Tor, ganz in Weiß, und ihr Haar war so schwarz wie der Himmel, in den sie heimkehren wollte. Der Wind trug den Geruch von Rauch und nasser Erde zu ihr herauf. Sie würde heute sterben, und es fiel ihr leicht. Damit teilte sie nur das Wesen aller Dinge und wurde ihrer Vorsehung gerecht.
Es wurde lauter. Unter ihr auf den Feldern hörte sie Männer sterben, dunkle Schemen, die einander in ihrem sinnlosen Tanz den Tod brachten. Die Männer ihres Aotro flohen und wurden auf der Flucht erschlagen. Der Krieg gegen die einfallenden Darnträger war verloren.
Der alte Mann hatte ihr diesen Tag vorausgesagt und ihr versprochen, dass danach Frieden käme. Sie war Vernichtung, das notwendige Leid, die letzte Tat, die ihr Volk vor der Niederlage retten konnte.
Nur seinen Sohn nicht.
Über dem Schlachtfeld hing der volle Mond. Sie blieb stehen und formte ein Siegel mit ihren Fingern.
Noch ein Augenblick, dann war alles vorbei. Ein kurzer Moment tiefer Konzentration.
Sie hüllte ihre Seele in Dunkelheit, denn nur das Dunkel konnte vollbringen, wofür sie gekommen war. Ein tiefer Hass nahm Besitz von der jungen Frau in Weiß und brannte sie von innen aus.
Sie schrie die Worte in die Nacht.
O Luna aeterna,
Die Luft wurde schwerer.
o silentium mundi,
Der Wind wurde stärker.
accipe animam meam et dele omnia viventia in circuitu meo.
Dann verstummte die Welt.
Keine klirrenden Klingen mehr, kein Schrei, kein Hufschlag. Auf den Feldern fielen die Männer, lautlos wie Laub, und keiner stand wieder auf.
Ferdis erwachte an einem fernen Ort. Über ihr stand derselbe schwarze Himmel, doch von hier aus leuchtete das Firmament heller.
Unter ihren Füßen spürte sie warmes, feuchtes Gras, und vor ihr plätscherte Wasser zwischen den Bäumen eines Hains, deren Stämme im Sternenlicht weißgolden schimmerten. Sie wusste, dass sie dort zu ihrem Ende finden würde.
Der Tod hatte sie genommen. Ein geringes Opfer für das Fortbestehen des Hauses Solenn und der Memer. Nun hoffte Ferdis auf Vergebung, auf Erlösung.
Langsam stieg sie in das Wasser. Seine Wärme reichte tief in sie hinein, reinigte sie vom Grauen der Schlacht und tröstete sie über das Leben, das sie zurückgelassen hatte.
Lange Zeit war es still.
Dann hörte sie eine Melodie, sanft und leise, aus der Tiefe des Wassers.
Ferdis erkannte das Lied, und die Wärme in ihr wurde zu Eis.
Panisch versuchte sie, dem Hain zu entfliehen, doch das Wasser holte sie immer wieder zurück. Das Lied wurde unerträglich laut, und das Wasser fing an, sie zu verbrennen.
Die Melodie wurde lauter.
Ferdis schrie.
Zuerst verbrannte ihr Haar. Dann löste sich die Haut vom Fleisch, das Blut kochte. Sie wurde weiter hinabgezogen, das brennende Wasser schlug in harten Wellen gegen ihren Körper, ihre Knochen brachen, und ihre Glieder verdrehten sich.
Sie war nur noch ein Lodern aus Schmerz.
Sie verfluchte alles Leben, allen Geist und zuletzt auch ihren Gott.
Dann schrie sie nach dem Heiligen. Sie sah sein faltiges Gesicht vor sich, das Gesicht des alten Mannes, der ihr Frieden versprochen hatte.
Es war traurig.
Sie verfluchte ihn. Er solle mit ihr brennen.
Dann war es vorbei.
Sie erwachte auf hartem Boden. Blut rann ihr aus der Nase, und ihr war kalt. Die Luft roch verbrannt.
Es war wieder still.
Langsam richtete sich Ferdis auf, und ihr ganzer Körper zitterte, das Herz raste.
Ihre Brust schmerzte.
Ferdis fiel auf die Knie. Sie war am Leben.
Tausende kleine Lichter rauchten auf den Feldern.
Langsam und ruhig trat sie aus dem Tor, ganz in Weiß, und ihr Haar war so schwarz wie der Himmel, in den sie heimkehren wollte. Der Wind trug den Geruch von Rauch und nasser Erde zu ihr herauf. Sie würde heute sterben, und es fiel ihr leicht. Damit teilte sie nur das Wesen aller Dinge und wurde ihrer Vorsehung gerecht.
Es wurde lauter. Unter ihr auf den Feldern hörte sie Männer sterben, dunkle Schemen, die einander in ihrem sinnlosen Tanz den Tod brachten. Die Männer ihres Aotro flohen und wurden auf der Flucht erschlagen. Der Krieg gegen die einfallenden Darnträger war verloren.
Der alte Mann hatte ihr diesen Tag vorausgesagt und ihr versprochen, dass danach Frieden käme. Sie war Vernichtung, das notwendige Leid, die letzte Tat, die ihr Volk vor der Niederlage retten konnte.
Nur seinen Sohn nicht.
Über dem Schlachtfeld hing der volle Mond. Sie blieb stehen und formte ein Siegel mit ihren Fingern.
Noch ein Augenblick, dann war alles vorbei. Ein kurzer Moment tiefer Konzentration.
Sie hüllte ihre Seele in Dunkelheit, denn nur das Dunkel konnte vollbringen, wofür sie gekommen war. Ein tiefer Hass nahm Besitz von der jungen Frau in Weiß und brannte sie von innen aus.
Sie schrie die Worte in die Nacht.
O Luna aeterna,
Die Luft wurde schwerer.
o silentium mundi,
Der Wind wurde stärker.
accipe animam meam et dele omnia viventia in circuitu meo.
Dann verstummte die Welt.
Keine klirrenden Klingen mehr, kein Schrei, kein Hufschlag. Auf den Feldern fielen die Männer, lautlos wie Laub, und keiner stand wieder auf.
Ferdis erwachte an einem fernen Ort. Über ihr stand derselbe schwarze Himmel, doch von hier aus leuchtete das Firmament heller.
Unter ihren Füßen spürte sie warmes, feuchtes Gras, und vor ihr plätscherte Wasser zwischen den Bäumen eines Hains, deren Stämme im Sternenlicht weißgolden schimmerten. Sie wusste, dass sie dort zu ihrem Ende finden würde.
Der Tod hatte sie genommen. Ein geringes Opfer für das Fortbestehen des Hauses Solenn und der Memer. Nun hoffte Ferdis auf Vergebung, auf Erlösung.
Langsam stieg sie in das Wasser. Seine Wärme reichte tief in sie hinein, reinigte sie vom Grauen der Schlacht und tröstete sie über das Leben, das sie zurückgelassen hatte.
Lange Zeit war es still.
Dann hörte sie eine Melodie, sanft und leise, aus der Tiefe des Wassers.
Ferdis erkannte das Lied, und die Wärme in ihr wurde zu Eis.
Panisch versuchte sie, dem Hain zu entfliehen, doch das Wasser holte sie immer wieder zurück. Das Lied wurde unerträglich laut, und das Wasser fing an, sie zu verbrennen.
Die Melodie wurde lauter.
Ferdis schrie.
Zuerst verbrannte ihr Haar. Dann löste sich die Haut vom Fleisch, das Blut kochte. Sie wurde weiter hinabgezogen, das brennende Wasser schlug in harten Wellen gegen ihren Körper, ihre Knochen brachen, und ihre Glieder verdrehten sich.
Sie war nur noch ein Lodern aus Schmerz.
Sie verfluchte alles Leben, allen Geist und zuletzt auch ihren Gott.
Dann schrie sie nach dem Heiligen. Sie sah sein faltiges Gesicht vor sich, das Gesicht des alten Mannes, der ihr Frieden versprochen hatte.
Es war traurig.
Sie verfluchte ihn. Er solle mit ihr brennen.
Dann war es vorbei.
Sie erwachte auf hartem Boden. Blut rann ihr aus der Nase, und ihr war kalt. Die Luft roch verbrannt.
Es war wieder still.
Langsam richtete sich Ferdis auf, und ihr ganzer Körper zitterte, das Herz raste.
Ihre Brust schmerzte.
Ferdis fiel auf die Knie. Sie war am Leben.
Tausende kleine Lichter rauchten auf den Feldern.