Ein irischer Sommer - Von dem, was wächst

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Liebe Community,
mein neues Buch Ein irischer Sommer ist erschienen. Vielleicht hat ja der eine oder die andere Lust, einen Blick hineinzuwerfen.


Irische Westküste, 1973. Ein rätselhaftes Flugobjekt versinkt im Moor. Kurz darauf taucht ein Fremder auf dem Hof der Harrows mit einem unmöglichen Ziel auf: Wiedergutmachung. Jahre zuvor verschwand ihr Sohn unter ungeklärten Umständen. Das Wesen, das nun unter ihnen lebt, versucht zu verstehen, was Menschsein bedeutet und beginnt, in ihr Leben einzugreifen. Die Farm blüht auf, Krankheiten verschwinden, das Dorf erlebt einen unerklärlichen Aufschwung. Doch jede Einmischung hat Folgen. Und das Wesen erkennt zu spät, dass es in eine Welt eingreift, die sich nicht regulieren lässt. Ein irischer Sommer ist ein leiser, zunehmend verstörender Roman über Nähe und Fremdheit, über Verwandlung und die Grenzen dessen, was sich verdrängen lässt.

Hier findet ihr die ersten zwanzig Seiten als Leseprobe:



Im Gespräch mit Michael Fallik – Über den Rausch des Schreibens und das Schreiben ohne Netz

Frage: Michael, wer deine Bücher liest, merkt schnell: Das ist kein gewöhnliches Handwerk. In Evolution 2.0 entwirfst du eine Zukunft, in der die Entwicklung der Erde plötzlich in einem völlig neuen Licht erscheint, in Die Symbioten eine komplexe und zugleich provozierende Fantasywelt und nun Ein irischer Sommer. Was treibt dich beim Schreiben an?

Michael Fallik:
Ich habe nie versucht, Schreiben wie ein Handwerk zu betreiben. Für mich ist es eher ein Zustand. Wenn ich an einem Text sitze, versuche ich nicht, besonders klug zu sein oder eine perfekte Struktur zu bauen. Ich kippe eher einen Farbeimer über das Blatt und schaue, was passiert.
Ich schreibe schnell, oft intuitiv. Die Geschichte muss sich bewegen. Wenn ich anfange, jeden Satz zu zerpflücken, verliert er etwas von diesem ersten Impuls. Das interessiert mich mehr als Perfektion. Ich will sehen, wohin mich die Figuren ziehen, wenn ich ihnen nicht ständig im Weg stehe.

Frage: Du hast es offen kommuniziert: Deine Bücher erscheinen unlektoriert. Das ist in der heutigen Verlagslandschaft fast schon ein radikales Statement. Warum dieses Risiko?

Michael Fallik:
Ich sehe das gar nicht als Risiko. Für mich ist es eher eine Entscheidung.
Viele Texte werden im Lektorat so lange geglättet, bis sie perfekt funktionieren – und gleichzeitig ein bisschen von ihrer Eigenart verlieren. Ich verstehe natürlich, warum das gemacht wird. Aber ich wollte einmal ausprobieren, was passiert, wenn man diesen Prozess nicht durchläuft.
Wenn ich an einem Satz zu lange herumschraube, wird er oft sauberer, aber auch lebloser. Mich interessiert dieser erste Moment, in dem ein Gedanke noch roh ist. Vielleicht stolpert er ein wenig, vielleicht ist er nicht perfekt ausgeleuchtet. Aber er hat Energie. Ich glaube, ein Buch darf auch ein bisschen so sein wie ein Kirmesbesuch. Laut, schräg, manchmal chaotisch. Aber eben eine echte Erfahrung.

Frage: Wir leben in einer Zeit, in der KI-Tools innerhalb von Sekunden Romane „generieren“ können. Wie stehst du als Autor, der so stark auf den spontanen menschlichen Impuls setzt, zu dieser Entwicklung?

Michael Fallik:
Ich finde KI faszinierend. Wirklich. Aber sie funktioniert anders als ein Mensch.Sie ist unglaublich gut darin, bewährte Muster zu erkennen und sie generisch weiterzuführen. Sie kann sehr überzeugend das schreiben, was bereits existiert. Das ist beeindruckend und zugleich billig. Ich würde so etwas nicht lesen wollen.
Gute Literatur entsteht oft genau dort, wo ein Muster plötzlich bricht. Wo jemand etwas schreibt, das eigentlich nicht logisch ist oder nicht in die Erwartung passt.Ich glaube nicht, dass wir in Zukunft effizientere Bücher brauchen. Wir brauchen eher Bücher, bei denen man merkt: Da sitzt ein Mensch dahinter, der gerade versucht, etwas herauszufinden.

Frage: Dein neues Buch Ein irischer Sommer wirkt deutlich ruhiger und atmosphärischer als deine bisherigen Romane. Wohin führt dich deine Reise als Autor als Nächstes?

Michael Fallik:
Ich plane meine Bücher selten lange im Voraus. Ich fange an und schaue, wohin mich die Geschichte trägt.
Im Moment arbeite ich tatsächlich wieder stärker in Richtung Science-Fiction. Mein nächster Roman – Trappist Seven – beschäftigt sich erneut mit Maschinen. Aber nicht im klassischen Sinne von „Roboter gegen Menschen“.
Mich interessiert eher die Frage, was passiert, wenn Maschinen anfangen, mehr als das zu sein. Wenn die Grenze zwischen Mensch und Technik langsam verschwimmt. Den Fokus lege ich auf die Vermischung von Wahrnehmungen. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber es ist ein völlig neuer Ansatz, diese Dinge zu betrachten.
Das wird kein lautes Buch. Es gibt andere, die das viel besser können und uns beeindruckende Unterhaltung liefern. Eher ein ruhiger, philosophischer Roman. Aber genau solche Geschichten ziehen mich an.
 



 
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