Ein kleines Tröpfchen Staunen

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Dimpfelmoser

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Ein kleines Tröpfchen Staunen

Ein kleines Tröpfchen Staunen senkt sich sanft ins Kerzenlicht.
Es hört das Singen heller Stimmen durch die Scheibe nicht,
noch ahnt es von den Worten, die der Prediger dort spricht.
Sacht streichelt es das Spiegeln auf dem gläsernen Gesicht
und schreibt mit seiner Seidenspur für Dich dieses Gedicht.

Das kleine Tröpfchen Staunen spricht die Sprache, die entsteht,
wenn eines langen Tages Leuchten schwach wird und vergeht.
Es braucht den Ton nicht, keinen Spruch, kein Kreuz und kein Gebet,
nur Achtsamkeit benötigt es. Denn sie ist’s, die versteht:
Im Unscheinbaren wird der Welt Beschaffenheit konkret.

Siehst Du ein kleines Tröpfchen Staunen, schau genauer hin.
Auch wenn es wesenlos erscheint, steckt so viel für Dich drin.
Sein Dasein ist ein flüchtiges, und dennoch ein Gewinn:
In seinem steten Schwinden schenkt sein Schimmern Dir den Sinn
für jedes Tages oder jedes Jahres Neubeginn.
 



 
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