Ein Königreich für den mutigsten und klügsten Prinzen

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Felssturz

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Ein alter König, dessen Kräfte schwanden, hatte drei Söhne: Hektor, Eckbert und Kunibert. Unentschlossen, wem er sein Reich anvertrauen sollte, fasste er einen Entschluss: „Wer als Erster eine Prinzessin heiratet, dem soll mein Königreich gehören.“

An einem warmen Julimorgen rief der König seine Söhne zu sich.

„Kommt an meine Tafel, ich muss mit euch sprechen“, sprach er mit ernster Stimme.

„Hektor, Eckbert, Kunibert, ihr wisst, dass mein Leben sich dem Ende neigt. Heute gebe ich euch eine Aufgabe: Wer als Erster eine Frau heiratet, erhält das Königreich. Doch die Prinzessin muss singen, tanzen und lachen können. Bringt mir eure Auserwählte ins Schloss, dann werde ich sie prüfen. Macht euch auf den Weg! Wer binnen hundert Tagen ohne Prinzessin zurückkehrt, verliert sein Anrecht auf Titel und Reich“, verkündete der König mit erhobenem Haupt.

Eckbert trat vor, verbeugte sich tief und sagte: „Mein König, ich werde die schönste Prinzessin finden, die singen, lachen und tanzen kann.“

Kunibert, ohne eigene Worte, wiederholte brav Eckberts Versprechen.

Hektor aber stellte sich fest vor den König und sprach: „Ich weiß nicht, ob ich eine Prinzessin finden werde. Doch selbst wenn ich eine finde und sie dir nicht gefällt, werde ich sie heiraten – auch wenn ich dann verstoßen werde. Denn wenn ich sie liebe, kann ich sie nicht verstoßen, nur weil du es befiehlst. Würde ich das tun, wäre meine Liebe nur ein Vorwand, um König zu werden.“

König Herkules erhob sich, seine Augen glänzten vor Stolz und Weisheit: „Meine Söhne, Meine Wahl ist gefallen. Hektor hat gesprochen wie ein wahrer König und liebender Mann. Er zeigte Klugheit, Mut, Charakter, Ehrgefühl und Unabhängigkeit. Hektor, wenn ich diese Welt verlasse, wirst du König. Eckbert und Kunibert zieht hinaus in die Welt, sucht eure Prinzessinnen und kehrt zurück. Dann werde ich eure Wahl segnen – denn ihr habt sie selbst getroffen.“



Und so endete die Geschichte.
 

Anders Tell

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Hallo Felssturz

So funktionieren Märchen nicht. Der Held überwindet in Abenteuern seine Furcht vor den Herausforderungen des Lebens und geht gestärkt aus dieser Erfahrung hervor. Dein Held ist ohne jede Erfahrung weise. Das würde sich kein Kind gerne anhören. Bruno Bettelheim hat in »Kinder brauchen Märchen« ausführlich dargestellt, warum das gute Ende für das Verständnis des Kindes wichtig ist. Aber ohne Gefahren kann es kein gutes Ende geben. Heute ist es in dieser absurden Wokekultur ja angesagt, Märchen als zu grausam zu kennzeichnen. Aus kinderpsychologischer Sicht ist das bullshit.
Anders
 

schreibs

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Hallo, ich finde den Gedanken nicht schlecht, dass Liebe nur ein Vorwand sein kann, um Ziele zu erreichen. Die Geschichte scheint aber bereits beendet zu sein, nachdem sie begann. Für eine Kürzestgeschichte fehlt es an Witz oder einem besonderen Gedanken. Es ist wirklich kein besonderer Gedanke, die Partnerin oder den Partner frei zu wählen. Das ist heutzutage weit verbreitet und zählt zur Normalität in vielen Kulturen.

PS: Hat bei der Texterstellung KI mitgewirkt?
 
Zuletzt bearbeitet:

Felssturz

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Hallo Anders Tell


Ja, die Geschichte ist zwar sehr kurz und stellt nur einen kleinen Ausschnitt dar, doch gerade dieser ist wesentlich.
Vielleicht weckt gerade diese Kürze das Interesse des Kindes, weil es seine eigene Fantasie einbringen kann.
Kinder bekommen Filme und Bücher meist vollständig ausgearbeitet präsentiert. Dabei stellt sich die Frage, ob dies die Entwicklung des Kindes wirklich fördert. Die Möglichkeit, einen anderen Anfang oder ein anderes Ende selbst im Kopf zu gestalten, wird dadurch zumindest erheblich eingeschränkt, wenn nicht ganz verhindert.
Ich weiß nicht, ob dieser Ansatz Kindern gefallen könnte.
Wer weiß, vielleicht fragt sich ein Kind beim Lesen der Geschichte, ob es gut wäre, mit jemandem darüber zu sprechen, weil eben nichts fertig vorgegeben ist.

Ich stelle das unter das Motto „vielleicht“.

Gruß

Felssturz
 

Felssturz

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Hallo schreibs

Ich schreibe meine Geschichten mit Duden-Mentor und nutze dabei die Funktion „Lektorieren“.

Die Geschichte spielt in einer Vergangenheit, die nicht genau zu bestimmen ist, jedoch weit hinter unserer heutigen modernen Welt liegt.
So wie Hass dazu benutzt wird, Liebe zu zerstören, kann Liebe auch dazu dienen, etwas aufzubauen.
Vieles geschieht unter dem Vorwand, nur das Beste für jemanden zu wollen. Man handelt angeblich aus Liebe, doch der enge Käfig ist bereits errichtet.
Die Wirklichkeit zeigt jedoch, dass Liebe so vergänglich ist wie ein Windhauch.
Sobald die Liebe aus dem Käfig entkommt, verschwindet sie ins Nichts.

Wenn die Liebe den eigenen Interessen entgegensteht, offenbart sich der wahre Charakter.

Gruß

Felssturz
 

Aniella

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Hallo @Felssturz,

ich mag die kleine Geschichte. Für mich hat sie allerdings noch einige kleine Schwächen.

a) Der König erscheint mir zu wenig reflektiert mit seiner "Aufgabe" an seine Kinder. Für ihn zählt hier lediglich seine eigene Auswahl. Es wird gar nicht begründet, warum er sich die Prinzessin genau so wünscht (welchen Vorteil hätte es für die Menschen in seinem Reich?).

b) Was mir ebenso fehlt sind die eigenen Gedanken der einzelnen Söhne. Es werden auch deren Beweggründe nicht berücksichtigt. Die ersten beiden beugen sich lediglich dem Anliegen, suggeriert also, dass sie im Grunde nur an der Macht interessiert sind. Vielleicht aber steckt auch Angst dem König gegenüber und fordert Gehorsam. Man weiß es nicht, sie bleiben (zu) blass.

c) Allein Hektor nimmt eine aktive Rolle ein. Er lässt seine Wahl offen, will seine Liebe als Entscheidungskriterium nehmen und verzichtet damit (zur Not) auch auf Reich und Macht. Aber auch hier fehlen mir die Gedanken dazu, wie er zu dieser Entscheidung kommt. Dass er damit schon gewonnen hat, spricht jetzt wieder für den König, aber dessen wahren Wünsche bleiben mir zu lange im Nebel.

Dennoch gefallen mir die Gedankengänge, die zu dieser Geschichte geführt haben. Vielleicht magst Du ja noch etwas ergänzen, damit alles ein wenig klarer wird.

LG Aniella
 

Felssturz

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Hallo Aniella,


es freut mich sehr, dass dir die Geschichte gefällt!

Im Kern geht es darum, dass der König den letzten Schritt macht und seinen Söhnen eine Aufgabe stellt, die weder zu leicht noch zu schwer ist. Sein Ziel ist es, die zuvor getroffene Entscheidung zu bestätigen, Hektor als seinen Nachfolger zu wählen. Aufgrund seiner umfangreichen Erfahrungen mit seinen Söhnen wusste er genau, wie sie reagieren würden.

Ohne diese Prüfung hätte er den beiden ungeeigneten Kandidaten nicht zeigen können, dass sie nicht fähig sind, König zu sein. Er wollte, dass sie selbst erkennen, dass sie ihrem Bruder nicht gewachsen sind und dass es deshalb besser für das Königreich ist, ihm den Thron zu überlassen.

Das war die Absicht des Königs.

Um die Kriterien „Singen, Tanzen und Lachen“ in die Geschichte einzubringen, wusste der König, dass Hektor dem einfachen Volk nicht so distanziert gegenüberstand.

Das bedeutet, dass der Fortbestand der Dynastie durch einen fähigen König nicht gefährdet ist. Der König war sich sicher, dass, sollten die beiden anderen Söhne wider Erwarten eine Prinzessin finden, die den Kriterien „Singen, Tanzen und Lachen“ entspricht, sie schnell in der Lage wären, ihre Unbeschwertheit zu zerstören.

Deshalb führte der König sie genau dorthin, wo er sie haben wollte: zu der Erkenntnis, dass der Sohn eines Königs nicht unbedingt auch als König geeignet ist.

Das ist die Essenz der Geschichte.

Wenn ein Kind die Geschichte liest, wird die Interpretation eine ganz andere sein – und das ist auch gut so. Der Fantasie und der individuellen Deutung von Geschichten sollten keine Grenzen gesetzt sein.


Herzliche Grüße

Felssturz
 



 
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