Liebe Ubertas,
diese überarbeitete Version gefällt mir wesentlich besser.
Ich lese das Gedicht als einen stillen Moment zwischen zwei Menschen, die beieinander sind, während Wärme und Nähe unsicher bleiben. Vieles wird nur angedeutet – gerade dadurch bekommen die kleinen Wahrnehmungen Gewicht.
Schon der Anfang stellt eine gemeinsame Blickrichtung her: „wir sehen aus diesem fenster“. Doch die „übergroßen mäntel“ lassen die beiden schutzbedürftig erscheinen, beinahe verloren in ihren Hüllen. Besonders schön und befremdlich ist, dass sie Wärme dort draußen vermuten. Gewöhnlich verspricht das Innere Geborgenheit. Hier liegt die Hoffnung jenseits des Fensters, und „vermuten“ lässt offen, ob sie sich erfüllen könnte.
Mit „einen glockenschlag“ kommt Zeit ins Gedicht: vielleicht eine bestimmte Stunde, vielleicht ein Übergang. Das erhobene Glas könnte zu einem Anstoßen gehören. Allerdings sehen wir nur dein Glas – eine Erwiderung bleibt ungesagt. Aus dem anfänglichen „wir“ tritt ein beobachtetes „du“ hervor.
Der „abdruck deiner lippen“ macht Nähe als Spur sichtbar. Die Lippen berühren das Glas; der Blick des anderen bleibt daran hängen. Das kann zärtlich wirken, aber auch eine leise Distanz enthalten: Wahrgenommen wird der zurückbleibende Abdruck einer Berührung.
Dann dringt mit dem Windhauch die Außenwelt in den Raum. Die Bewegung führt vom Fenster über Glas und Lippen bis zum Docht, wird also immer kleiner und genauer. Zugleich gerät das wenige Wärmende ins Flackern.
„zwei tropfen kühler“ ist für mich die entscheidende Verdichtung. Tropfen werden hier zu einem ungewöhnlichen Maß für Abkühlung. Sie könnten zum Getränk gehören, an Tränen erinnern oder durch ihre Zweizahl auf die beiden Menschen zurückweisen. Keine dieser Lesarten ist eindeutig. Spürbar wird vor allem: Etwas ist am Ende ein wenig kälter geworden.
So könnte man das Gedicht als Moment einer leisen Entfremdung lesen. Ebenso möglich ist eine zärtlichere Deutung: Zwei Menschen teilen eine kühle, ungewisse Welt, und ihre Nähe besteht gerade darin, gemeinsam am Fenster zu stehen. Das Gedicht lässt beides nebeneinander bestehen – das „wir“ und die Kälte.
Da ist dir wieder ein wunderbares Gedicht gelungen, das ich unglaublich gern gelesen habe.
Herzliche Grüße
Chandrika
diese überarbeitete Version gefällt mir wesentlich besser.
Ich lese das Gedicht als einen stillen Moment zwischen zwei Menschen, die beieinander sind, während Wärme und Nähe unsicher bleiben. Vieles wird nur angedeutet – gerade dadurch bekommen die kleinen Wahrnehmungen Gewicht.
Schon der Anfang stellt eine gemeinsame Blickrichtung her: „wir sehen aus diesem fenster“. Doch die „übergroßen mäntel“ lassen die beiden schutzbedürftig erscheinen, beinahe verloren in ihren Hüllen. Besonders schön und befremdlich ist, dass sie Wärme dort draußen vermuten. Gewöhnlich verspricht das Innere Geborgenheit. Hier liegt die Hoffnung jenseits des Fensters, und „vermuten“ lässt offen, ob sie sich erfüllen könnte.
Mit „einen glockenschlag“ kommt Zeit ins Gedicht: vielleicht eine bestimmte Stunde, vielleicht ein Übergang. Das erhobene Glas könnte zu einem Anstoßen gehören. Allerdings sehen wir nur dein Glas – eine Erwiderung bleibt ungesagt. Aus dem anfänglichen „wir“ tritt ein beobachtetes „du“ hervor.
Der „abdruck deiner lippen“ macht Nähe als Spur sichtbar. Die Lippen berühren das Glas; der Blick des anderen bleibt daran hängen. Das kann zärtlich wirken, aber auch eine leise Distanz enthalten: Wahrgenommen wird der zurückbleibende Abdruck einer Berührung.
Dann dringt mit dem Windhauch die Außenwelt in den Raum. Die Bewegung führt vom Fenster über Glas und Lippen bis zum Docht, wird also immer kleiner und genauer. Zugleich gerät das wenige Wärmende ins Flackern.
„zwei tropfen kühler“ ist für mich die entscheidende Verdichtung. Tropfen werden hier zu einem ungewöhnlichen Maß für Abkühlung. Sie könnten zum Getränk gehören, an Tränen erinnern oder durch ihre Zweizahl auf die beiden Menschen zurückweisen. Keine dieser Lesarten ist eindeutig. Spürbar wird vor allem: Etwas ist am Ende ein wenig kälter geworden.
So könnte man das Gedicht als Moment einer leisen Entfremdung lesen. Ebenso möglich ist eine zärtlichere Deutung: Zwei Menschen teilen eine kühle, ungewisse Welt, und ihre Nähe besteht gerade darin, gemeinsam am Fenster zu stehen. Das Gedicht lässt beides nebeneinander bestehen – das „wir“ und die Kälte.
Da ist dir wieder ein wunderbares Gedicht gelungen, das ich unglaublich gern gelesen habe.
Herzliche Grüße
Chandrika