Ein Mann und eine Frau

Sigfrid

Mitglied
Das Blut rann über ihre Hände, ihre schönen weißen Hände.
Schön, wenn man von den durch Nervosität abgebissenen Nägeln absah. Das Blut weitete sich weiter aus, es tropfte von der mittlerweile vollkommen bluterschlossenen Hand in eine große rote Lache roten Lebenssaftes.
Mit dem aus ihrem Körper strömendem Blut, spürte sie auch das Leben fliehen.
Fliehen aus ihrem Körper, der bereitwillig los ließ. Bereit zu gehen. Langsam, Stück für Stück, Körperteil für Körperteil, abzusterben. Nichts mehr zu spüren, nichts mehr zu fühlen und das Wichtigste und Schönste, nichts mehr zu denken und somit auch nichts mehr zu fürchten.
Ihre Knie waren schon lange weggesackt. Sie saß auf den kalten, weißen Granitfließen, während ihr Bewusstsein schwächer und schwächer wurde.
Das Blut war ein warmer, tröstender Ausgleich zu den kalten Bodenplatten.
Wenngleich in ihrem Körper die Kälte weiterkroch um mit ihren gierigen Klauen mehr und mehr nach ihr zu greifen, damit mehr und mehr der Mantel des Vergessens über sie gelegt werden konnte.
Vor Tagen noch oder waren Monate vergangen?
Ist ja auch egal! Was ist schon Zeit?
Relativ. Eben.
Jedenfalls hatte sie da gedacht, die Welt bestehe nur aus Glück und Sonne. Ihm und Ihr.
Endlich war ein zusammenfinden möglich gewesen. Sie hatten es geschafft die
Scheu, mit der sie sich alltäglich begegneten, abzulegen.
Endlich das, was ein jeder von ihnen spürte, dem anderen mitzuteilen.
Denn sie waren extreme Menschen. Die extreme, alles einnehmende Gefühle besaßen.
Diese Gefühle, die vom ganzen Körper Besitz ergreifen, bis er sich in dieses Gefühl verwandelt. In diesem Fall war dieses Gefühl, wie so oft, Liebe. Die alles verzehrende Gier nach dem anderen. Besitzen und besessen werden. Geben, bekommen und genommen werden. Sich selbst opfern um einmal zu bekommen, was im Moment das Wichtigste ist, die Liebe des anderen.
So war es verständlich, dass nun die Zeiten ungetrübten Glücks anbrachen. Denn beide hatten erhalten, wofür sie im Moment existierten, den anderen.
Gemeinsam bekundeten sie, einander umklammernd und umschlingend, ihr Bedauern darüber, dass sie niemals zu einer Person verschmelzen würden. Das es keine Möglichkeit gab, jemals die Grenzen zum anderen zu durchbrechen. Eine Begebenheit, die für eine andere Person unwesentlich sein kann. Aber ich erwähnte bereits, diese Beiden, sollten eher als extrem beschrieben werden, was die Fähigkeit verleiht mit seiner gesamten Kraft zu lieben.
Ja, die Liebe ist eine seltsame Macht. Unbeeinflussbar, unkontrollierbar, immer wieder anders, aber immer selbstständig. Man ist ihr auf Gedeih und Verderb ausgeliefert,
auf ihr Wohlwollen oder aber ihre Zerstörung.
Leider konnten die Beiden nicht der Macht der Liebe genügen und sie nicht schätzen, wie sie geschätzt werden will. Und schnell gerieten sie aus dem Gleichgewicht. Sie wurden von ihr vergiftet, auch wenn es erst den Anschein hatte, sie würden geheilt.
Die Beiden Schwebenden stürzten ab.
Aus Besuchen der Leidenschaft wurden Besuche der Kontrolle. Aus Umarmungen wurden Ketten. In all abendlich gestellten Fragen, die das zärtliche Interesse für den anderen bekunden, schwangen nun misstrauische, zynische und provozierende Andeutungen mit.
Die Gier nach dem Besitzen des anderen, hatte ihre liebevolle auf Vertrauen aufgebaute Zusammengehörigkeit vergiftet.
Es war nun auch nicht mehr möglich einen Schritt von dem alles verzehrenden Schlund zurückzuweichen, und ihrer beider Leben somit wieder zu teilen. Sie konnten jetzt nicht mehr ohne den anderen sein, nicht mehr alleine sein, nicht mehr ohne den anderen existieren, aber auch nicht mit ihm.
Angst, Gier und Egoismus hatten ihre Beziehung zerstört. Denn Angst säht Misstrauen, Gier ist nicht mehr aufzuhalten und Egoismus macht den anderen zur toten Materie.
So existierten diese Beiden also in ihrer leblosen Abhängigkeitsbeziehung, in der kein Platz mehr für schöne Dinge war, weil das Schlechte allen Platz ausfüllte. Nun herrschte noch nicht einmal mehr Angst vor der Explosion, weil sie eine Erlösung wäre, die alles Verkommene zerstört.
Die Vorwürfe wurden also immer schlimmer und der Streit wurde so wichtig zum existieren, wie es vorher die Liebe des anderen gewesen war. Und dann, endlich Ruhe. Es war alles vorbei.
Er hatte das Blut rinnen lassen.
Den Körper des Menschen in den Ruhezustand versetzt. Ja, endlich für Ruhe und Entspannung gesorgt, sich selbst erlöst. Schließlich war ja sie für seine ungelösten Probleme, seine ständige Angst, verantwortlich gewesen.
Sie lag da auf den weißen, kalten Granitfließen. Sie war schön. Er hatte sie erlöst, sie beide. Jetzt waren die Ketten durchbrochen. Er konnte wieder in Ruhe leben und sie in Ruhe sterben, dachte er.
Nur, dass er das sicherlich nicht mehr gedacht hat, als er sich an dem mächtigen dicken Balken im Wohnzimmer aufhing, weil er feststellen mußte, das über ihren Tod hinaus, sich seine Gedanken immer mehr vergifteten. Und er dann einsah, dass er niemals mehr frei sein würde.
Vielleicht hatten sie ja jetzt ein Anrecht auf eine zweite Chance.
 

flammarion

Foren-Redakteur
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zu

erst einmal herzlich willkommen auf der lupe. deine geschichte ist grauslig schön. die muß man sich erstmal auf der zunge zergehen lassen. dein stil gefällt und deine philosophie ist ergreifend, nur die fehler müssen ausgemerzt werden. ganz lieb grüßt
 

Sigfrid

Mitglied
Vielen Dank Flammarion!
Ich habe mich sehr über Deine Kritik gefreut und bin gerade noch einmal mit einem Rechtschreibprogramm über meine Geschichte gegangen.

Gruß Sigfrid
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
oh,

bravo. kennst du dich gut aus mit dem programm? mir sind da ein paar dinge widerfahren . . . hilft es vielleicht auch bei der interpunktion? das würde mich mal stark interessieren. man liest sich!
 

Sigfrid

Mitglied
Bei diesem Programm kannst Du unter dem Button "Extras" einstellen, ob Du Deine Geschichte auf Grammatik oder Rechtschreibung überprüfen möchtest.
Kannst Du ja mal ausprobieren.

Gruß Sigfrid
 

flammarion

Foren-Redakteur
Teammitglied
mann,

hast du das gut! ich kauf mir jetzt bald einen neuen compi, hoffentlich hat der auch so ein intelligentes programm. man liest sich.
 

Sigfrid

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:) Hallo flammarion!
Kauf Dir einfach das Rechtschreibeprogramm, dann kannst Du es Dir auf jedem beliebigen Computer installieren.
Mich würde interessieren, wie Du meine Geschichte interpretierst?
Auch über Antworten von anderen Lesern, auf meine Geschichte, würde ich mich sehr freuen!

Gruß Sigfrid
 

flammarion

Foren-Redakteur
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wie

ich deine geschichte finde sagte ich schon. hast ziemlich überzogen den alltag gewisser leute geschildert. es gibt sie, aber gottseidank machen sie den letzten schritt nicht, den das ende deiner geschichte schildert. man liest sich
 

Breimann

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möchte ich mich dem Kommentar von flammarion. Ich freue mich über jeden guten Geschichtenschreiber, der den Weg zur LL findet. Lass dir Mut machen und hoffe und vertraue auf sachliche, ehrliche, aber auch kritische Kommentare. Hinweise auf fehler muss man immer dankbar annehmen; flammarion weiß, wovon ich spreche.

An flammarion: Ein neuer PC wird dir wenig helfen, wenn du die alten Programme einsetzt. Ich arbeite ausschließlich mit WORD2000 und bin sehr zufrieden. Die (wahlweise) Einschaltung der Rechtschreib- und der Grammatik-Prüfung macht dich sicherer. Du kannst dabei die alte und die neue Deutsche Rechtschreibung wählen.
PS: Ich habe keinen Vertrag mit Microsoft; es war meine persönliche Einschätzung nach langjähriger Erfahrung.

Liebe Grüße
eduard
 

Breimann

Mitglied
Leider nicht,

liebe flammarion.
Im Prinzip musst du dir die Software extra kaufen. Es gibt allerdings so Pakete aus Hard- und Software. Da musst du aber aufpassen, dass du die aktuellste, und auch beste Software bekommst.
Brauchst du Unterstützung, dann maile mich mal an.
Liebe Grüße
eduard
 

flammarion

Foren-Redakteur
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aha.

vielen dank für die freundliche unterstützung. ick hab n schlauen sohn, der richtet mir das alles. ganz lieb grüßt
 

Naciye

Mitglied
Antwort

Hallo Sigfrid,
ich finde die Geschichte auch ganz Klasse, sie zeigt den Wahn, der dann als Liebe bezeichnet wird. Ich persönlich sehe mich auch oft dieses Muster leben und immer wieder stelle ich schmerzlich fest, daß es eben keinen Garant für die Gefühle des anderen gibt. Glücklicherweise suche ich mir keine Männer, die dann los gehen um Rasierklingen zu kaufen.
Was mir persönlich - und das ist sicherlich kein allgemeines Urteil - nicht gefällt, ist die Perspektive aus der Du schreibst. Ich glaube aus der Sicht des Mannes könnte es viel spannender rüber kommen. Vielleicht der psychlogische Aufbau, das der Leser erst Sympatie für den Mann empfindet und dieses Gefühl schlägt dann im Laufe der Geschichte um.

Aber weiter so, es war schön für mich die Geschichte zu lesen, weil sie viel Wahrheit beinhaltet.
Beste Grüße
Naciye
 

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