Ein neuer Opa

kurt leven

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Ein neuer Opa
Im Frühjahr erst war die junge türkische Familie in das Haus an der Prinz- Emanuell Str. eingezogen. Endlich hatte sich ihr Traum erfüllt, eine große Wohnung zu haben, besonders aber Platz zu haben für den kleinen Sohn der Familie. Ja sogar für ein zweites Kind war noch Platz in der Wohnung..
Die Eigentümer der Wohnung hatten, nachdem die Wohnung frei geworden war, nicht lange suchen müssen. Es hatte sich scheinbar schnell herum gesprochen, dass in der Straße eine Wohnung zu vermieten sei. Die Überlegung der Schneiders, der Wohnungseigentümer, die Wohnung zu verkaufen, war rasch beiseite geschoben worden, da eine verkaufte Wohnung unwiederbringlich verloren war. Die drei Kinder der Schneiders sollten selbst entscheiden, was sie nach dem Tod der Eltern mit der Wohnung anfangen wollten.

Fünf Familien kamen schließlich in die engere Auswahl. Dabei war auch ein Arzt, der ganz unverhohlen heraus stellte, er wolle die Wohnung kaufen, für ihn komme nur Eigentum in Frage. Ein zweiter enger Konkurrent war eben jene türkische Familie. Der Mann war an einer deutsch – türkischen Schule beschäftigt. Die Frau sah entstellt aus, sprach aber ein hervorragendes Deutsch. Sie hatte in Deutschland studiert, war dann krank geworden und konnte dem Tod nur durch den ungemeinen Einsatz der Ärzte entgehen. Der Tumor in ihrem Körper hatte dazu geführt, dass ihr Gesicht entstellt war. Bei einer späteren Gelegenheit zeigten die Türken Bilder von ihrer Hochzeit. Nie zuvor hatten die Schneiders eine hübschere Braut gesehen.

„Gott sei Dank haben wir uns nicht von Äußerlichkeiten leiten lassen, sondern auf das Wesen der Menschen geachtet“, stellten sie fest.
Im Februar zog das türkische Ehepaar ein. Mit dabei war ein kleiner Junge, der gerade einmal 8 Monate alt war, ein richtig süßer Wonneproppen, wie Frau Schneider meinte.
Als er 1 Jahr alt war, kam er in die Krabbelgruppe des Kindergartens.
Es wurde Dezember und Kemal wurde 18 Monate alt.

Jetzt war er schon ein halbes Jahr im Kindergarten. Kurz vor Weihnachten veranstalteten die Erzieherinnen einen Großelternnachmittag. Zutritt für Eltern verboten!
Alle Kinder hatten ihre Omas und Opas in der Nähe wohnen. Bei Kemal war das anders. Seine Großeltern lebten weit weg in Wesel und in Hameln. Sie waren alt und krank. Eine Anreise für nur diesen einen Tag war ihnen nicht zuzumuten.
Aber Kemal wollte doch auch zum Kindergarten mit Oma oder Opa. Seine Mutter hatte eine Idee, die sie ihrem Mann mitteilte. „Wollen wir einmal Herrn Schneider fragen, ob er die Rolle des Opas übernimmt und mit Kemal zum Kindergarten geht?“
Kemals Vater lehnte das rigoros ab: „Das können wir nicht machen, einen fremden Menschen zu fragen“. Mutter ließ nicht locker. „Herr Schneider war doch schon oft hier. Kemal kennt ihn doch schon.“ Und sie setzte sich durch.
Als Herr Schneider wieder einmal im Haus war, um wegen einer undichten Stelle am oberen Rand einer Wand, direkt unter zweier Dachziegelreihen nach zu schauen, ergriff die Mutter des Kleinen die Gelegenheit beim Schopf: „Herr Schneider,“ begann sie, „können Sie sich vorstellen, mit unserem Sohn kurz vor Weihnachten zum Großelternnachmittag in den Kindergarten zu gehen?“
Herr Schneider wusste nicht wie ihm geschah. Er sollte den Opa für den kleinen Jungen abgeben? In seinem Kopf entstanden blitzschnell hintereinander Bilder. Bei seinen Enkeln aus einer nahen Stadt war er nicht beim Großelternnachmittag, sondern seine ehemalige Frau. Und nun sollte er in eine solche Rolle schlüpfen?
Doch es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er zu seiner eigenen Überraschung antwortete: „Ich mache das!“
Was hatte er sich da zugemutet? Ein Kind, welches sich fast noch nicht ausdrücken konnte, noch dazu nur auf türkisch, bis auf wenige deutsche Wörter wie „nein“, „ja“, ein Kind, welches er nur recht flüchtig kannte.
Womit spielte der Kleine am Liebsten?
„Aber ich habe zugesagt, nun muss ich mein Versprechen halten.“ Je näher der Termin kam, umso mehr begann sich bei ihm die Freude zu regen. Welche Freude würde er den Eltern machen, wenn ihr Kind auch zum Großelternnachmittag gehen könnte, wenn auch mit einem falschen Opa. Aber Kemal würde den Unterschied zwischen falsch und richtig noch gar nicht machen können.

Schneiders hatten die türkische Familie zum Kaffeetrinken eingeladen. Nur noch zwei Tage bis zum „Nachmittag“. Herr Schneider hatte sich auf den Boden gekniet und baute mit dem Kind Türme und Häuser. Der Junge hatte Spaß am Bauen. Auch das Autofahren mit einem Spielzeugauto gefiel ihm gut.
Herr Schneider fing an, sich mit seiner Rolle zu identifizieren Noch einen Tag.
Am Vormittag des 18.12. erledigte Herr Schneider noch einige Aufgaben und dann kam der Nachmittag.

Rechtzeitig fuhr er von zu Hause los, um ja pünktlich am Kindergarten zu sein. Leise Zweifel regten sich: „Was soll ich machen, wenn Kemal zu Weinen beginnt, weil er seine Eltern vermisst? Hat er überhaupt schon einmal die Situation erlebt, ohne seine Eltern zu sein?“ Aber er schob die Zweifel sofort wieder beiseite, weil er wusste, dass die Erzieherinnen da waren, die Kemal ja schon kannte. Was also könnte noch passieren? Er beschloss in diesem Augenblick: „Es kann gar nichts schief gehen!“
So erreichte er letztlich ganz gelassen den Kindergarten.
Er betrat den Eingangsbereich und wurde sogleich von einer Erzieherin begrüßt. „Von welchem Kind sind Sie der Großvater?“ „Ich bin nur ein Ersatzopa, nur für heute Nachmittag. Ich möchte die Zeit hier mit Kemal verbringen.“
„Ach so, Kemals Mutter hat mir schon berichtet, dass Sie der Opa für Kemal sind. Ich finde das ganz toll, dass Sie diese Rolle übernehmen.“
Kemal wurde von seiner Mutter gebracht. Nachdem der Anorak ausgezogen war, lief Kemal sofort in seinen Gruppenraum. Herr Schneider folgte ihm. Er war erstaunt, wie es den Erzieherinnen gelungen war, in dem Raum viele Spielecken gleichzeitig ein zu richten. Links neben der Tür stand eine Küche mit Herd und Spüle, dazu natürlich ein Schrank mit Küchenutensilien und einer mit Lebensmitteln.

An der Wand gegenüber standen Regale mit Bilderbüchern. Direkt daneben standen Kisten mit Autos und Legomaterial. In der Mitte des Raumes befand sich ein Raumteiler, auf dem Schminkutensilien aufgebaut waren. Hier konnten die Kinder auch ihre großformatigen Puzzleteile entnehmen. Für den Ersatzopa bot sich eine perfekte Kinderwelt dar.
Kemal steuerte sogleich auf die Kiste mit Legosteinen zu. Herr Schneider setzte sich auf einem kleinen Stühlchen dazu. Sollte er nun nur zuschauen oder durfte er auch mitbauen? Ganz sicher war er sich nicht, entschied sich dann aber für aktives Gestalten. Er baute einen Turm.
Jetzt war es an Kemal, ihm zu zu schauen. Als der Turm fertig war, eine ansehnliche Höhe erreicht hatte, sah Kemal ihn an und stieß den Turm um, wobei er sich sichtlich über die Tatsache des Zerstörens genauso freute wie über das Geschepper der Steine auf dem Fußboden und den erstaunten Blick des Opas. Der hatte so etwas erwartet, tat aber so, als sei er von Kemals Tat völlig überrascht und schüttelte den Kopf.
Das brachte Kemal erst richtig zum Lachen. Opa baute noch einmal. Diesmal wartete Kemal aber gar nicht so lange, sondern stieß den Turm um, bevor er fertig war. Das Spiel wiederholte sich noch einmal.
Dann wechselte Kemal zur Küche. Hier aber stand ein älteres, dominantes Mädchen und ließ es nicht zu, dass der Kleine an den Ofen kam. Sie stieß ihn einfach um und er landete auf dem Hosenboden. Erstaunlicherweise steckte er diese Niederlage aber weg, ohne etwas zu unternehmen. Es war für ihn scheinbar so, dass der oder die Ältere das Sagen hatten. Sie waren die Platzhirsche. Kemal rappelte sich auf und wechselte zu einer anderen Spielmöglichkeit, die gerade nicht benutzt wurde. Er war in seinem Element und Herr Schneider auf dem Weg dorthin.
Es ertönte eine Glocke und die Kinder wechselten in die Sporthalle. Hier waren Tische und Stühle aufgebaut, um Kaffee und Kakao trinken zu können. Auch Kuchen stand auf dem Tisch.
Und dann geschah etwas, womit Herr Schneider überhaupt nicht gerechnet hatte. Der kleine türkische Junge setzte sich bei Herrn Schneider auf den Schoß, zeigte auf ein Stück Kuchen und ließ sich von „Opa“ unproblematisch ein Stück nach dem anderen in den Mund schieben.
Nachdem die Kinder einige Weihnachtslieder gesungen hatten, klang der Nachmittag aus.
Für Herrn Schneider war es ein ganz tolles neues Erlebnis. Er urteilte über den Nachmittag: „Das ist mein ultimatives Weihnachtsfest. Jetzt beginnen für mich die Festtage“.
Ein neuer Opa
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

Ji Rina

Mitglied
Hallo Kurt,
Endlich habe ich es geschafft, auch mal etwas von Dir zu lesen. Eine nette, liebevolle Geschichte, wie ich finde.
Ein neuer Opa muss her, wird schnell gefunden und von dem kleinen Kemal auch akzeptiert.
Eine witzige Idee!
Was mir aufgefallen ist, dass Du im ersten Absatz achtmal “Wohnung” stehen hast und ich dieses Wort während des Lesens ständig im Kopf hatte…
Meiner Meinung nach, gibst Du auch ein paar Informationen, die Du allesamt in einen Satz packen könntest, um Wiederholungen zu vermeiden. Und was die drei Kinder der Vermieter irgendwann mal in ihrem späteren Leben mit der Wohnung vorhaben ist , glaube ich, unwichtig für die Geschichte, als Einstieg.
So gesehen, könnte der erste Absatz (oder die ersten zwei Absätze) so klingen:

"""Im Frühjahr erst war die junge türkische Familie in das Haus an der Prinz-Emanuel Str. eingezogen. Endlich hatte sich ihr Traum erfüllt, eine Wohnung zu beziehen, die sogar groß genug war, um ihrem acht (Zahlen immer ausschreiben) Monate alten Sohn Kemal in naher Zukunft ein eigenes Zimmer zu bieten.Die Eigentümer der Wohnung hatten nicht lange nach neuen Mietern suchen müssen. Scheinbar hatte es sich schnell herumgesprochen, dass in der Straße etwas zu vermieten sei. Die Überlegung der Schneiders, die Wohnung zu verkaufen, war rasch beiseite geschoben worden, da verkaufte Immobilien unwiederbringlich verloren waren.
Im Februar zog das türkische Ehepaar also ein. Der kleine Kemal war, nach Meinung der Frau Schneider, ein richtig süßer Wonneproppen...."""

Oder ähnlich…. Jedenfalls kommt hier das Wort “Wohnung” statt acht nur noch dreimal vor.
Der von Dir geschriebene Satz: “Die Frau sah entstellt aus, sprach aber ein hervorragendes Deutsch”, klingt in meinen Ohren sehr seltsam….
Ein bisschen so, als wolle man sagen: “Sie war entstellt, aber wenigstens sprach sie Deutsch…”;)

Den Satz würde ich ganz streichen, da Du ja später in einem neuen Satz sehr gut erklärst: “Der Tumor in ihrem Körper hatte dafür gesorgt…….etc”
Vielleicht kannst Du mit irgendeinem meiner Vorschläge etwas anfangen. Entschuldige bitte meine fehlenden SZ etc…und andere evtl. Fehler. (Habe keine deutsche PC Tastatur.)
Ansonsten, gern gelesen!
Mit Gruss,
Ji
 

kurt leven

Mitglied
Hallo Ji Rina,
es ist wirklich so: Man kann einen Text 5x lesen und übersieht die einfachsten Dinge. Ich gebe Dir Recht und habe sofort korrigiert. Jetzt steht nur noch zweimal "Wohnung " im Text. Kann man den o.a. Text löschen und neu eingeben? Danke für die Hinweise.

Die überarbeitete Geschichte:
Ein neuer Opa
Im Frühjahr erst war die junge türkische Familie in das Haus an der Prinz- Emanuell Str. eingezogen. Endlich hatte sich ihr Traum erfüllt, eine große Wohnung zu haben, besonders aber Platz zu haben für den kleinen Sohn der Familie. Ja sogar für ein zweites Kind war noch Platz genug.
Die Eigentümer hatten nicht lange suchen müssen. Es hatte sich schnell herum gesprochen, dass in der Straße eine Wohnung zu vermieten sei.
Fünf Familien kamen schließlich als Kandidaten in die engere Auswahl. Dabei war auch ein Arzt, der ganz unverhohlen heraus stellte, er wolle das Haus kaufen, für ihn komme nur Eigentum in Frage. Ein zweiter enger Konkurrent war eben jene türkische Familie. Der Mann war an einer deutsch – türkischen Schule beschäftigt. Die Frau sprach ebenso wie ihr Mann ein hervorragendes Deutsch. Sie hatte in Deutschland studiert, war dann krank geworden und konnte dem Tod nur durch den ungemeinen Einsatz der Ärzte entgehen. Der Tumor in ihrem Körper hatte dazu geführt, dass ihr Gesicht leicht entstellt war. Bei einer späteren Gelegenheit zeigten die Türken Bilder von ihrer Hochzeit. Nie zuvor hatten die Schneiders eine hübschere Braut gesehen.
„Gott sei Dank haben wir uns nicht von Äußerlichkeiten leiten lassen, sondern auf das Wesen der Menschen geachtet“, stellten sie fest.
Im Februar zog das türkische Ehepaar ein. Mit dabei war ein kleiner Junge, der gerade einmal acht Monate alt war, ein richtig süßer Wonneproppen, wie Frau Schneider meinte.
Als er ein Jahr alt war, kam er in die Krabbelgruppe des Kindergartens.
Es wurde Dezember und Kemal wurde 18 Monate alt.
Jetzt war er schon ein halbes Jahr im Kindergarten. Kurz vor Weihnachten veranstalteten die Erzieherinnen einen Großelternnachmittag. Zutritt für Eltern verboten!
Alle Kinder hatten ihre Omas und Opas in der Nähe wohnen. Bei Kemal war das anders. Seine Großeltern lebten weit weg in Wesel und in Hameln. Sie waren alt und krank. Eine Anreise für nur diesen einen Tag war ihnen nicht zuzumuten.
Aber Kemal wollte doch auch zum Kindergarten mit Oma oder Opa. Seine Mutter hatte eine Idee, die sie ihrem Mann mitteilte. „Wollen wir einmal Herrn Schneider fragen, ob er die Rolle des Opas übernimmt und mit Kemal zum Kindergarten geht?“
Kemals Vater lehnte das rigoros ab: „Das können wir nicht machen, einen fremden Menschen zu fragen“. Mutter ließ nicht locker. „Herr Schneider war doch schon oft hier. Kemal kennt ihn doch schon.“ Und sie setzte sich durch. Als Herr Schneider wieder einmal im Haus war, um wegen einer undichten Stelle am oberen Rand einer Wand, direkt unter zweier Dachziegelreihen nach zu schauen, ergriff die Mutter des Kleinen die Gelegenheit beim Schopf: „Herr Schneider,“ begann sie, „können Sie sich vorstellen, mit unserem Sohn kurz vor Weihnachten zum Großelternnachmittag in den Kindergarten zu gehen?“
Herr Schneider wusste nicht wie ihm geschah. Er sollte den Opa für den kleinen Jungen abgeben? In seinem Kopf entstanden blitzschnell hintereinander Bilder. Bei seinen Enkeln aus einer nahen Stadt war er im Wechsel mit seiner Frau beim Großelternnachmittag. Und nun sollte er in eine solche Rolle schlüpfen?
Doch es dauerte nur wenige Augenblicke, bis er zu seiner eigenen Überraschung antwortete: „Ich mache das!“
Was hatte er sich da zugemutet? Ein Kind, welches sich fast noch nicht ausdrücken konnte, noch dazu nur türkisch, bis auf wenige deutsche Wörter wie „nein“, „ja“, ein Kind, welches er nur recht flüchtig kannte.
Womit spielte der Kleine am Liebsten?
„Aber ich habe zugesagt, nun muss ich mein Versprechen halten.“ Je näher der Termin kam, umso mehr begann sich bei ihm die Freude zu regen. Welche Freude würde es den Eltern machen, wenn ihr Kind auch zum Großelternnachmittag dabei wäre, wenn auch mit einem falschen Opa. Aber Kemal würde den Unterschied zwischen falsch und richtig noch gar nicht machen können.

Schneiders hatten die türkische Familie zum Kaffeetrinken eingeladen. Nur noch zwei Tage bis zum „Nachmittag“. Herr Schneider hatte sich auf den Boden gekniet und baute mit dem Kind Türme und Häuser. Der Junge hatte Spaß am Bauen. Auch das Autofahren mit einem Spielzeugauto gefiel ihm gut.
Herr Schneider fing an, sich mit seiner Rolle zu identifizieren Noch einen Tag.
Am Vormittag des 18.12. erledigte Herr Schneider noch einige Aufgaben und dann kam der Nachmittag.
Rechtzeitig fuhr er von zu Hause los, um ja pünktlich am Kindergarten zu sein. Leise Zweifel regten sich: „Was soll ich machen, wenn Kemal zu Weinen beginnt, weil er seine Eltern vermisst? Hat er überhaupt schon einmal die Situation erlebt, ohne seine Eltern zu sein?“ Aber er schob die Zweifel sofort wieder beiseite, weil er wusste, dass die Erzieherinnen da waren, die Kemal ja schon kannte. Was also könnte noch passieren? Er beschloss in diesem Augenblick: „Es kann gar nichts schief gehen!“
So erreichte er letztlich ganz gelassen den Kindergarten.
Er betrat den Eingangsbereich und wurde sogleich von einer Erzieherin begrüßt. „Von welchem Kind sind Sie der Großvater?“ „Ich bin nur ein Ersatzopa, nur für heute Nachmittag. Ich möchte die Zeit hier mit Kemal verbringen.“
„Ach so, Kemals Mutter hat mir schon berichtet, dass Sie der Opa für Kemal sind. Ich finde das ganz toll, dass Sie diese Rolle übernehmen.“
Kemal wurde von seiner Mutter gebracht. Nachdem der Anorak ausgezogen war, lief Kemal sofort in seinen Gruppenraum. Herr Schneider folgte ihm. Er war erstaunt, wie es den Erzieherinnen gelungen war, in dem Raum viele Spielecken gleichzeitig ein zu richten. Links neben der Tür stand eine Küche mit Herd und Spüle, dazu natürlich ein Schrank mit Küchenutensilien und einer mit Lebensmitteln.

An der Wand gegenüber standen Regale mit Bilderbüchern. Direkt daneben standen Kisten mit Autos und Legomaterial. In der Mitte des Raumes befand sich ein Raumteiler, auf dem Schminkutensilien aufgebaut waren. Hier konnten die Kinder auch ihre großformatigen Puzzleteile entnehmen. Für den Ersatzopa bot sich eine perfekte Kinderwelt dar.
Kemal steuerte sogleich auf die Kiste mit Legosteinen zu. Herr Schneider setzte sich auf einem kleinen Stühlchen dazu. Sollte er nun nur zuschauen oder durfte er auch mitbauen? Ganz sicher war er sich nicht, entschied sich dann aber für aktives Gestalten. Er kniete sich auf den Teppich und baute einen Turm.
Jetzt war es an Kemal, ihm zu zu schauen. Als der Turm fertig war, eine ansehnliche Höhe erreicht hatte, sah Kemal ihn an und stieß den Turm um, wobei er sich sichtlich über die Tatsache des Zerstörens genauso freute wie über das Geschepper der Steine auf dem Fußboden und den erstaunten Blick des Opas. Der hatte so etwas erwartet, tat aber so, als sei er von Kemals Tat völlig überrascht und schüttelte den Kopf.
Das brachte Kemal erst richtig zum Lachen. Opa baute noch einmal. Diesmal wartete Kemal aber gar nicht so lange, sondern stieß den Turm um, bevor er fertig war. Das Spiel wiederholte sich noch einmal.
Dann wechselte Kemal zur Küche. Hier aber stand ein älteres, dominantes Mädchen und ließ es nicht zu, dass der Kleine an den Ofen kam. Sie stieß ihn einfach um und er landete auf dem Hosenboden. Erstaunlicherweise steckte er diese Niederlage aber weg, ohne etwas zu unternehmen. Es war für ihn scheinbar so, dass der oder die Ältere das Sagen hatten. Sie waren die Platzhirsche. Kemal rappelte sich auf und wechselte zu einer anderen Spielmöglichkeit, die gerade nicht benutzt wurde. Er war in seinem Element und Herr Schneider auf dem Weg dorthin.
Es ertönte eine Glocke und die Kinder wechselten in die Sporthalle. Hier waren Tische und Stühle aufgebaut, um Kaffee und Kakao trinken zu können. Auch Kuchen stand auf dem Tisch.
Und dann geschah etwas, womit Herr Schneider überhaupt nicht gerechnet hatte. Der kleine türkische Junge setzte sich bei Herrn Schneider auf den Schoß, zeigte auf ein Stück Kuchen und ließ sich von „Opa“ unproblematisch ein Stück nach dem anderen in den Mund schieben.
Nachdem die älteren Kinder einige Weihnachtslieder gesungen hatten, klang der Nachmittag aus.
Für Herrn Schneider war es ein ganz tolles neues Erlebnis. Er urteilte über den Nachmittag: „Das ist mein ultimatives Weihnachtsfest. Jetzt beginnen für mich die Festtage“.
 

Ji Rina

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Hallo Kurt!
Ich hab Deine Korrektur gesehen! Zwar hast Du jetzt 2 X haben nebeneinander...aber naja.. ;)
eine große Wohnung zu haben, besonders aber Platz zu haben
Leider kenne ich nur die frühere Version del LL und bin erst seit kurzem wieder hier. Ich meine aber irgendwo gelesen zu haben, dass man kein Text löschen kann. Um genaues zu erfahren, könntest Du aber im Forum nachschauen oder Doc kontaktieren.
Mit Gruss!
Ji
 

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