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Ein Traumsommer

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Walther

Mitglied
Ein Traumsommer


Der Himmel will in seinem Blau ertrinken,
Die Sonne ringt um Fassung und Verstand.
Am Horizont die Alb ein Blaues Band:
Darunter liegt ein Land voll Durst. Das Trinken

Erforderte den Regen. Der bleibt unerkannt
Im hellen Blau verborgen. Vögel winken
Sich mit den Flügeln zu, als Fenster blinken.
Die Hitze wringt mich aus, ist penetrant.

Sie lässt den Schweiß zu weißem Salz gerinnen,
verziert mein Hemd mit vielen großen Ringen.
Was gäbe ich, um Petrus zu gewinnen,

Dass Regentropfen auf den Dächern singen.
Ich traue keinem, auch nicht meinen Sinnen,
Die mich aus schönen Sommerträumen zwingen.
 
F

Fettauge

Gast
Hallo Walther,

ein Sonett, was sonst. Der Himmel, der wollte in seinem Blau ertrinken, die Sonne dagegen rang um "Fassung und Verstand".
Ich weiß nicht, ob die Sonne Fassung und vor allem Verstand braucht, um zu scheinen, ich denke, das tut sie völlig ohne. Aber ich kann mich natürlich irren.

Im 2. Quartett wird mir etwas beigebracht: "Das Trinken erforderte den Regen". Frag mal die Schnapsdrosseln in deinem Ort, ob sie den Regen unbedingt zum Trinken für erforderlich halten. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, ob ich selbst Regen ohne was drin trinken würde. Bemerkenswert unlyrisch das "erforderte". Aber als Schreibtischdichter hat man die Bürokratie nun mal so drauf.

Und die Vögel winkten mit den Flügeln, als die Fensterscheiben blinkten. Hier würde ich von Zwangsreimung sprechen, denn Sinn ergibt das Ganze nur, weil der Autor sich das so gedacht hatte.

Terzett 1: "Dass Regentropfen auf den Dächern singen". Was willst du damit sagen? Regentropfen pladdern, stürzen, fallen etc. - aber singen? Nie gehört, das muss Lyrik sein. Aber man gewöhnt sich an alles, wenn es um den Reim geht. Aber wie geht der Satz weiter?

Terzett 2: Das machst du richtig: Traue keinem, noch nicht mal dir selbst und deinen Sinnen. Die wollen dich bloß aus deinen schönen Sommerträumen "zwingen". Auch in diesem Fall lässt es sich bedauerlicherweise nicht verhindern, von Zwangsreimung zu sprechen.

Naja, ein Sonett. Was sonst.

Gruß, Fettauge
 

Walther

Mitglied
wer kein gefühl für die komik hat,

lb. fettauge,

bemerkt nicht, daß dieser sommer die satire eines sommers ist. und der kann auch nicht erkennen, daß dieses sonett eine satire ist.

die übertreibungen in den metaphern hätten dem, der sinn für einen derben spaß hat, die augen öffnen können. wem seine vernagelung blind macht, dem kann kein auge geöffnet werden.

vulgo: wer denkt, der andere sei blöd, ist selbst oft der dümmste.

lg w.
 
F

Fettauge

Gast
Hallo Walther,

Satire? Na, darunter verstehe ich was anderes. Muss wohl daran liegen, dass ich genügend Mutterwitz mitgekriegt habe, dass mir die Satire in diesem auffällig mühsam formulierten Text entgangen ist. Mea culpa. Aber davon werden deine etwas ungeschickten Verse nun nicht entscheidend besser, sag ich mal so.

Gruß, Fettauge
 

Walther

Mitglied
lb Fettauge,

du redest so, als verstündest du etwas von lyrik und von satire. ich darf dir glaubhaft versichern, daß du in benden fällen einer frommen täuschung erliegst.

lg w.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
In der deutschen Sprache gibt es Synonyme, Homonyme, Homophone, Metaphern und andere Erscheinungsformen, die Kontext erfordern.

Wenn mich mein Arzt fragt, ob ich regelmäßig trinke, frage ich meist, was er damit meint.
Im hier gegebenen Kontext ist es klar, es geht um Wasser.
Und selbst, wenn Alkohol gemeint wäre, erforderte dieser ebenfalls Wasser.

"Frag mal die Schnapsdrosseln in deinem Ort, ob sie den Regen unbedingt zum Trinken für erforderlich halten."
wenn sie Regen nicht für erforderlich halten, haben sie in der Schule nicht aufgepasst. Schnaps kann man nicht ohne Wasser erzeugen. (Theoretisch könnte man Wasser zur Beregnung auch aus Meerwasser gewinnen. Praktisch scheidert das an den erforderlichen Mengen an Wasser und Energie.)

Ich sehe in diesem Sonett keinerlei Unklarheiten zum Inhalt.

Dass "Trinken" mehrdeutig sein kann, macht es eher besser.


PS: Nicht der Text ist Satire, sondern der Sommer diesed Jahr. Das ist eine Metapher: "Ich bin etwas anderes, als ich sage. Ich bin der Fährmann, der die Wörter ans andere Ufer bringt."
 

Walther

Mitglied
hi Bernd,

in der tat ist das gedicht "verständlich", wenn man die übertreibungen als hinweis darauf versteht, daß vielleicht das gegenteil von dem gemeint sein könnte, was man liest. die beiden schlußverse sollten das erschließbar machen können.

vielmals danke für deinen eintrag und die wertung.

lg w.
 

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