Ein unvergleichliches Spektakel auf dem Bauernhof

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Felssturz

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Ein unvergleichliches Spektakel auf dem Bauernhof

Der stolze Hahn steht auf dem Misthaufen und kräht laut: „Kikeriki, kikeriki!“ Sein Ruf hallt kräftig durch den frühen Morgen. Die Hennen versammeln sich um ihn, denn sie sehen ihn als den unangefochtenen Gockel weit und breit. Der Hund wacht auf, schlüpft mürrisch aus seiner Hütte und bellt: „Wuff, wuff!“ Die Katze zuckt zusammen, faucht verärgert und flüchtet in die Scheune. Sie schaut durch ein Loch in der Bretterwand hinaus. „Lässt du dich wirklich jeden Tag von diesem aufgeblasenen Gockel wecken?“, ruft sie dem Hund spöttisch zu. Sie beschließt, lieber in Sicherheit zu bleiben und das kommende Spektakel als Zuschauerin zu beobachten. Die kleine Maus piepst leise, läuft über ein wackeliges Brett und verschwindet flink in ihrem Loch. So ein Lärm, jetzt sind alle wach!
Der Hund überlegt, warum er sich das überhaupt gefallen lässt. Jeden Tag reißt ihn dieser Gockel aus dem Schlaf. Er hat einen Plan, um den Hahn zu verjagen: „Ich schleiche mich an ihn heran und erschrecke ihn. Dann lässt er mich endlich in Ruhe“, hofft der aufgebrachte Hund. Doch als er in seine Futterschüssel blickt, entdeckt er, dass sie völlig leer ist. Auch die kleine Maus ärgert sich über den Hahn, der sie jeden Morgen mit seinem Krähen weckt. „Heute spiele ich ihm einen Streich, vielleicht hört er dann auf“, sagt sie entschlossen und läuft zu ihrem Freund, dem Hund, um mit ihm zusammenzuarbeiten.
Der Hund freut sich über ihren Besuch und wedelt aufgeregt mit dem Schwanz. Die Maus versucht fleißig, es ihm gleichzutun, und so wackeln beide Schwänze lustig hin und her. „Liebe Maus, ich werde diesen krächzenden Hahn jetzt vom Misthaufen verjagen!“, sagt der Hund selbstbewusst und läuft entschlossen los. Der Hahn steht weiterhin auf dem Misthaufen und kräht aus voller Brust. Der Hund schleicht sich langsam an und versteckt sich hinter dem Mist, ohne dass der Hahn ihn bemerkt. Die Maus klettert auf die Hundehütte und sieht gespannt zu. Auch die Katze liegt auf der Lauer, weil sie weiß: Gleich wird es einen wilden Wirbel geben.
Plötzlich bricht ein lautes Bellen die morgendliche Stille: „Wuff, wuff, wuff!“ Der Hahn erschrickt so sehr, dass er wild aufflattert, das Gleichgewicht verliert und kopfüber in die Gülle fällt. Jetzt stinkt er wie ein Stinktier und ist klatschnass. Mühsam rappelt er sich wieder auf und sieht den Hund, der schadenfroh über ihn lacht. Der Hahn stößt ein wütendes Krächzen aus, das allen Tieren auf dem Hof durch Mark und Bein geht.
Sixtus, der kleine Sohn des Bauern, kommt durch den Tumult aufgeschreckt herbei. Barfuß läuft er in seinem Pyjama über den Hof. „Ihr macht so einen Krach, jetzt bin ich wach!“, ruft er verärgert. Der Junge nimmt einen Stein vom Boden und wirft ihn nach dem Hund. Der Hund bellt wütend, und der Hahn kräht erbost dagegen an. So entsteht ein ohrenbetäubender Lärm.
Die flinke kleine Maus huscht zu Sixtus, schlüpft schnell in sein Hosenbein, klettert flink hinauf und schaut am Hosenbund wieder heraus. „Pieps, pieps!“, macht sie und kitzelt den Jungen am Bauch so sehr, dass er laut auflachen muss. Durch das Zappeln des Jungen springt der Hund herbei und beißt sich spielerisch, aber fest in Sixtus’ Hosenbein. Von ihrem sicheren Platz am Bund sieht die Maus erschrocken auf ihn hinab.
Im selben Moment erhebt sich der nasse Hahn, stürzt sich auf den Hund, klammert sich an seinem Rücken fest und hackt mit seinem spitzen Schnabel in sein Fell. Der Hund heult auf und bellt gequält: „Wuff, wuff!“ Sixtus versucht vergeblich, mit den Armen rudernd den aufgebrachten Hahn vom Hund zu verscheuchen.
Die Maus nutzt die Gelegenheit, springt auf Sixtus’ Arm, klettert flink den Ärmel hinauf und hüpft direkt auf den Kopf des Hahns. Sie zögert nicht und beißt ihm kräftig in den roten Kamm. Der Hahn kräht schrill vor Schmerz: „Kikeriki, kikeriki!“ Er flattert wild vom Rücken des Hundes herunter. Die kleine Maus kann sich auf dem glitschigen Hahnenkopf nicht mehr festhalten, verliert den Halt und fällt im hohen Bogen ebenfalls direkt in die Gülle.
Jetzt sind der Hund, der Hahn und die Maus komplett mit Schlamm bedeckt und stinken alle wie die Stinktiere. Während Sixtus noch immer verzweifelt versucht, sein Hosenbein aus den Fängen des Hundes zu befreien, beobachtet die Katze das bunte Treiben weiterhin mit amüsiertem Blick. Sie weiß genau, dass das Trio wieder einmal großen Unsinn macht. „Mal sehen, was heute für mich dabei herausspringt“, denkt sie schadenfroh und spitzt die Ohren.
Vom lauten Tumult angelockt, taucht plötzlich Hermes auf – der stärkste Stier des ganzen Hofes. „Muh, muh!“, brüllt er mit tiefer Stimme. Erschrocken von diesem Gebrüll flüchten die streitenden Tiere sofort in verschiedene Richtungen. Auch der Hund lässt endlich das Hosenbein los. Sixtus packt die nackte Angst, flieht ins Haus und schlägt die schwere Tür hinter sich zu.
Gleichzeitig öffnet die Mutter das Schlafzimmerfenster und ruft zornig hinaus: „Ruhe da draußen, sonst könnt ihr was erleben!“ Unbeeindruckt von dem Gebrüll trottet der riesige Stier weiter und murmelt: „Die werden auch immer verrückter.“ Dabei tritt er unbeabsichtigt auf Sixtus’ vergessenen Ball, der mit einem lauten Knall zerplatzt. Durch diesen plötzlichen Knall schrickt der Hengst auf der benachbarten Koppel auf. Mit einem gewaltigen Satz springt er über den Zaun und galoppiert an Hermes vorbei auf die offene Wiese.
Die Katze sieht ihre Chance und schlüpft flink durch das Loch in der Scheunenwand. Sie huscht dem Hengst hinterher. Der Stier lässt sich die Gelegenheit zur Jagd nicht entgehen und stürmt schnaubend hinter dem Pferd her. Der ängstliche Hengst galoppiert wild über die saftige Wiese und blickt immer wieder panisch zurück auf den gewaltigen Stier, der dicht hinter ihm ist.
Vor lauter Angst übersieht er jedoch den alten Birnenbaum am Wegesrand. Plötzlich stößt er mit einem dumpfen Knall gegen den Baumstamm. Die reifen Birnen am Baum wackeln heftig, und die ersten Früchte fallen zu Boden. Die Hornissen, die gerade genüsslich an den heruntergefallenen Früchten knabbern, werden durch den Aufprall erschreckt. Wütend fliegen sie auf und stechen den unglücklichen Hengst.
Die schlaue Katze huscht sofort zum Teich und sucht Schutz hinter der dichten Hecke – genau dort, wo auch die Schnecke ihren Lieblingsplatz hat. Der Stier erkennt die Gefahr sofort, denn das wütende Summen der Hornissen kennt er gut. Geistesgegenwärtig läuft er einen großen Bogen um den Birnenbaum herum und entkommt im schnellen Galopp dem gefährlichen Ort.
Der Hengst bäumt sich schmerzerfüllt auf, wiehert laut, schlägt wild um sich und galoppiert in seiner Not ebenfalls zum Teich. Mit einem kräftigen Satz springt er hinein und landet mit einem großen Platschen im kühlen Wasser. Einige der aufgereihten Hornissen fallen mit ins Wasser. Während der Hengst abtaucht, wittern die hungrigen Forellen im Teich ihre Chance. Sie schnappen gierig nach den ins Wasser gefallenen Insekten, ohne zu wissen, wie schmerzhaft diese stechen können.
Schon im nächsten Moment springt eine Forelle wild aus dem Wasser und windet sich schmerzerfüllt an der Oberfläche. Die Katze beobachtet das Geschehen aus ihrem Versteck aufmerksam und spitzt die Ohren. Im perfekten Moment springt sie hervor und schnappt sich die erschöpfte Forelle, die nun keine Chance mehr hat.
„Was für ein Glück“, denkt die Katze zufrieden, „dass ich bei diesem wilden Spektakel am Ende die Einzige bin, die ein köstliches Festmahl bekommt.“



Ende.​
 
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Felssturz

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Hallo Wirena!

Auch ich konnte mir das Lachen nicht verkneifen, als ich erstmals die fertige Geschichte selbst gelesen habe.
Ich freue mich sehr, dass sie dir gefällt.

Mit bestem Gruße

Felssturz
 



 
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