ein weilchen

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Mondnein

Mitglied
[ 4]ein weilchen


wenn sekunden dich hetzen
[ 4]schwebe durch die stunden
wolln die hunde dich fetzen
[ 4]kreise weite runden

die gestundeten leben
[ 4]wunder wunder leiber
laß in zeitlupe schweben
[ 4]loop den sklaventreiber

hy hyänen laß lachen
[ 4]kaum der falschen tränen
zu erwähnen – der drachen
[ 4]hoch not peinlich stöhnen

solln sie höhnen der schönen
[ 4]bangen weinen wähnen
sich gewöhnen sich dehnen
[ 4]langen weilen gähnen!
 

Ralf Langer

Mitglied
Hallo Mondnein,
das gefällt mir sehr. Die Worte,ihre Bedeutung und das liedhafte des laut gesprochenen Gedichtes schmiegen sich sozusagen “formidabel“ aneinander.
So bekommte das Weilchen klanglich und sinnlich zur Entfaltung.

Besonders gut gelöst in der ersten Strophe wo sich hetzten und fetzen sozusagen klanglich zusammenbeissen und so die beiden anderen Endungen kontrapunktieren.

Daumen hoch
LG
Ralf
 

Mondnein

Mitglied
Dankeschön, Ralf,

für Deinen Kommentar. Du siehst den Wechsel von hinauf-treibenden Anapästen und hinab-fallenden Trochäen. Letztere Verse setzen ihren Endreim schließlich durch.

In meiner Sicht (aber natürlich sind andere möglich) ist die Gegensetzung des Schnellen und Langsamen (fast) wertungsfrei, es ist also nicht notwendigerweise das alte Lied von der Entschleunigung, sondern einfach der Wechsel zwischen beiden Geschwindigkeiten, wo das langsame Tempo ja in gähnender Langeweile auszuatmen scheint und der Satz mit dem Binnenhaufenreim aufgebläht wird - bis zur Auflösung der Syntax.

grusz, hansz
 

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