eine andere spurenlese

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E

Einsprengsel

Gast
Hi Herbert H

gut, dass du das mal aufgeschrieben hast, wie sich das mit den Spuren verhält. Es gibt einen Film: "Spuren im Schnee", da kommt auch ein Schneesturm, aber die andere Spurenlese ist gerade nicht zur Hand. Deshalb verirren sich die Liebenden und kommen nach dreitausend Jahren als Doppel-Ötzi in die New York Times.

Einsprengsel
 

HerbertH

Mitglied
Hi einsprengsel,

danke für die Info zu dem Film, den kannte ich bisher nicht.

Seine Spuren finden zu können, ist oft wichtiger, als man denkt!

Lieber Walther,

danke für den Achter, ich weiß das zu schätzen:)

Liebe Grüße

Herbert
 
E

Einsprengsel

Gast
Hi Herbert H

kleiner Nachtrag: Es war ein ganz, ganz trauriger Film. Eine Frau eine Reihe vor uns fing an zu schluchzen, und meine Frau verstand nicht die Hälfte vom Film, typisch Frau, und sagte, ist doch alles bloß Spinne, was heult die denn? Ich sagte, vielleicht wegen der Spuren auf dem Puder? Als Beweis, dass sie im Kino war? Da wurde meine Frau energisch und sagte, komm du mir bloß raus hier.

Einsprengsel
 

Walther

Mitglied
hi Herbert,

das unvergleichbare vergleichen, das unvergleichliche aus dem erlebten lesen. auch die lettern sind nichts als flüchtige spuren.

es gibt solche, die lesen können, und andere, die sich gerne reden hören und auch so schreiben. es fehlt dann die tiefe und bleibt das gespreitzte.

hier können wir lesen und weiterspinnen. das ist mehr, als wir meist vorgesetzt bekommen. und dafür sollte man danke sagen.

lg w.
 

HerbertH

Mitglied
hi Walther,

es sind die Spuren, die man lesen soll oder will. Die, die hinterlassen werden, die, die bleiben und die, die man wahrnimmt.

Wenn die Spurenlese sogar zum Weiterspinnen verleiten kann, um so besser.

Danke für Deine Gedanken zu diesem Gedicht :)

Liebe Grüße

Herbert
 

Mondnein

Mitglied
deutlich

Das ist meisterhaft.
Ich bin besonders davon angetan, daß Du nicht nur eine der verschiedenen "Eindrucks"-Arten ansprichst, etwa die beliebte der flüchtigen Spuren, denen schon so viele Dichter nachgetrauert haben, sondern einen Vergleich mit anderen geprägten Substanzen ermöglichst. Die Material-Kausalitäten der Spuren werden charakteristisch, werden deutlich, z.B. das "Abbröckeln", und mit dieser Deutlichkeit sprechend.

(Bewertungen im TV-Format des Zehnpunktebalkens gebe ich nie, ich verstehe auch nicht, wie eine Achtpunkte-Wertung zu Sechsen heruntergeschnitten wird, wills auch gar nicht wissen, Benotungen gehen mir usw.
Deine Gedichte, HerbertH, haben immer wieder meine höchste Wertschätzung, auch ohne Benotung.)
 

HerbertH

Mitglied
Lieber mondnein,

danke für das Lob für dieses Gedicht. Spuren sind in der Tat ein nicht wirklich neue Thema. Daher freut mich natürlich, dass dieses Gedicht ein wenig Neues transportieren konnte.

Danke für die virtuelle Benotung :).

Liebe Grüße

Herbert
 
O

orlando

Gast
Lieber Herbert,
noch stehe ich beim Titel auf dem Schläuchelchen:
Die Lese ist ja eigentlich Synonym für das Ernten bestimmter Früchte (beispielsweise: Weinlese).
Dann kenne ich den Ausdruck aus der Jugendsprache, ähnlich der "voll guten Schreibe" - was aber hast du im Sinn?
Das Gedicht selber finde ich - ebenso wie Mondnein - meisterhaft.
Warum? Es wirkt außergewöhnlich auf mich und hebt sich vorteilhaft von geistarmen Naturbeschreibungen ab, zeigt echte Tiefe. Besonders schön:
trügerisch jedoch
bleibt hinterlassenes

denn dürre lässt ränder
unscharf zerbröckeln
Das passt auf vieles, selbst auf ein ganzes Leben.
Wenn du mir also einen kleinen Tipp zum Titel geben würdest, könnte ich das Werk komplett goutieren. Gern sogar. :)
Grüßle
orlando
 

ENachtigall

Mitglied
spurenlese

Hallo Herbert,

mir gefällt der Titel zum Gedicht ausgezeichnet; vereint er doch das KGV von Lesen und Lese. Ich meine, es geht um das Einprägen des Signifikanten und das Vermögen zu differenzieren. Aufnehmen und Verarbeiten.

Grüße von Elke
 

HerbertH

Mitglied
Liebe orlando,

das "spurenlese" changiert zwischen "ich lese spuren", "lese der dauerhaften spuren", "auslesen der gerade noch lesbaren spuren".

Auch Du, liebe Elke hast Recht mit dem "KGV zwischen lese und lesen". Das ist eine gelungene Lesart - danke dafür!

Wichtig ist für mich auch das "andere" im Titel. Es wird im Text entwickelt zwischen "den im Schnee verwehten Spuren" der ersten Zeilen und "den dauerhafteren, aber letztlich doch auch dem Wind anheimgegebenen Spuren" der späteren Zeilen.

Es geht auch um das, was hinterlassen wird an Spuren.

Danke für die überaus freundlichen Kommentare zu diesem Gedicht.

Liebe Grüße

Herbert
 
O

orlando

Gast
Lieber Herbert,
das leuchtet mir ins Köpfchen.
So hinterlasse ich dir eine Spur, die jedoch selbst dann untilgbar bleiben wird, wenn ich mal nicht mehr (hier) bin. ;):D

Ein gutes Gedicht!

orlando
 

Label

Mitglied
Lieber Herbert

dein Gedicht hat mich hinterrücks und heimtückisch nicht mehr losgelassen: ;)

Ein Schneesturm verdeckt die Zeichen der Orientierung,
im getrockneten Schlamm, können Millionen Jahre alte Spuren wie die vom Turkana-See (Louis Leaky) eine Neu-Sortierung der Menschheits(entstehungs)geschichte bewirken.

Da ich mich nicht mehr ganz genau an die Turkana-Spuren erinnerte, habe ich mich auf die Suche gemacht und das http://de.wikipedia.org/wiki/Palichnologie#Belege_zur_Stammesgeschichte_des_Menschen gefunden. Passt gut zum Text, meine ich.

Die Spurenlese (ein präzisierendes punktgenau gesetztes Wort) deiner Worte mag auch trügerisch sein, denn die Erkenntnis aus der Spurenlese hängt vom Vorwissen ab, manchmal auch von der Zielsetzung.
Die Dürre - etwas lebensfeindliches, verunklart wohlerprobte Wegspuren von den Irrwegen.
Denn nicht alles was hinterlassen wurde, ist gut für Mensch oder Planet.

Ein Gedicht mit Weitwinkelblick, finde ich, in dem beim zweiten, dritten und vierten Blick immer noch mehr zu finden ist.
Das gefällt mir, gefällt mir sehr gut.

lieber Gruß
Label
 

Walther

Mitglied
moin,

ich empfinde es als perfide, einen gut bewerteten eintrag als nachdopplung runterzuziehen, ohne diese wertung zu begründen. das ist in diesem forum jetzt schon das vierte oder fünfte mal hintereinander geschehen. es liegt nahe, daß sich ein user nicht estimiert genug sieht und daher seinerseits bestimmte eintragungen entsprechend herabwürdigt.

das ist kein guter stil, aber leider eben durch die möglichkeit, anonym zu werten, geschützt. wäre das nicht erlaubt, würde es diese wertungen mit sicherheit nicht geben.

schade, daß man so etwas immer wieder erleben muß.

lg w.
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Label,

ein sehr interessanter Link. Es gibt eine ganze Welt voller Spuren. Und es ist spannend, sie zu finden und auszuloten. Sicherlich bringt das viele neue Einsichten, so will ich doch hoffen. Und es ist phantastisch, dass es Spuren gibt, die man noch nach Jahrmillionen Jahren finden und lesen (oder auslesen :)) kann. Vielleicht bleibt doch etwas fast Unzerstörbares als geschichtliche Hinterlassenschaft.

Danke, dass Du die Weitwinkelbrille aufgesetzt hast, das weitet unser aller Horizont.

Liebe Grüße

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walther,

Du hast recht, schön ist das nicht. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels: Wenn es genügend Werter gibt, fallen solche "Ausnahme-Wertungen" meist soweit vom Mittel entfernt, dass sie gestrichen werden.

Man kann also nur aufrufen dazu, viel zu werten. Denn die meisten Wertungen sind fair.

Liebe Grüße

Herbert
 

Mondnein

Mitglied
Lieber HerbertH, wenn die meisten Wertungen fair sind, schreibe ich offensichtlich ausgesprochen miserable Gedichte, und dann darf ich noch froh sein, hier seit einem Jahr als "One-Hit-wonder-Autor" geführt zu werden. In der Tat sind einige Lieder, über die ich besonders glücklich war, von keinem kommentiert worden. Oder die Chefin schaut rein und bemängelt meine Eszet-Schreibung der Subjunktion "daß" (so beim Osterlied "Umstülpung"), ohne auf den Inhalt einzugehen.

Nein, seit Fettauge selig mich in Grund und Boden gewertet hat, und einige andere gleich hinterher, werte ich nicht mehr, jedenfalls nicht per "gefällt mir" oder 10-Punkte-Benotung.

Ich wünsche mir nur Leser und lese gern Originelles, gebe auch meinen Senf dazu ab (und werde gelegentlich dafür geprügelt). Zur Zeit beklagt sich ein Mitdichter, den ich (als einziger) kommentiert habe, darüber, daß ich Kant zitiert habe. Manchmal denke ich, die meisten sind ein bißchen verrückt, vor allem völlig, völlig, absolutissimest humorlos.

Bitte entschuldige diese Zwischenanmerkung, ich lasse sie als "Textassoziation" hier stehen, wenns recht ist.

Vielleicht werde ich eines Tages doch wieder werten, wenns gewünscht wird, oder wenns hebt und erhebt.
 

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