Eine Nacht in Amsterdam

Yossarian

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Dieser Text ist so gut wie möglich Wirklichkeitsgetreu wiedergegeben und ich versuche hier einen Backflash auch mit diesen Thema Unvertrauten zu beschreiben.


Eine Nacht in Amsterdam:

Es war damals in Amsterdam. Ich hatte mich mit einem Freund aus Frankreich verabredet, den ich schon Monate nicht gesehen hatte. Er hatte mich gebeten nach Amsterdam zu kommen und einen Tag später war ich dort. Als ich ihn am Bahnhof erwartete erschien er nicht und während die Zeit mit zahlreichen Zigaretten verstrich, lauschte ich einem Bluesgitarrenspieler, von dem ich mir anschließend eine Adresse für einen guten Bluesclub geben ließ. Erst am nächsten Tag traf ich auf Moris und wir schlenderten vergnügt an einen der zahlreichen Kanäle von Amsterdam entlang. Wir hatten einige Pilze gekauft, doch als wir uns nahe des Wassers hinsetzten wurde mein Plastikpäckchen ins Wasser geweht und nur durch eine wahnsinnige Rettungsaktion von Moris konnte es herausgefischt werden, bis heute kann ich nicht begreifen warum er nicht im Wasser gelandet ist. Immerhin sprang er von einem Steg aus auf ein ungefähr einen Meter entferntes glitschiges Holzstück mitten im Wasser, dass kaum fünfzig Zentimeter Durchmesser und zwei Meter Länge hatte. Er rutsche auch wie erwartet darauf aus, aber irgendwie gelang es ihm dennoch nicht ins Wasser zu fallen. Dies sollte nur der Auftakt unzähliger seltsamer Ereignisse werden. Als der Abend dämmerte aßen wir alle Pilze aus unseren Tüten, die eigentlich jeweils für zwei Personen bestimmt waren. >Hast du jemals so viele auf einmal gegessen ?<, fragte Moris mich. Ich verneinte. Wir machten uns auf den Weg in den Rotlichtbezirk und damit war unser Untergang besiegelt. Wir amüsierten uns köstlich und waren ohnehin völlig zugekifft, als wir an den Schaufenstern der Prostituierten vorbeiwanderten und die größten Schönheiten bewundernd betrachteten. >Wir befinden uns in einem Zoo<, meinte Moris. >Aber hier habe ich keine Angst ins Raubtiergehege zu gehen<, antwortete ich. >Wirklich ?<, fragte mein Kumpel ungläubig. Ich grinste süffisant. >Ich habe hier die Adresse eines Bluesclubs. Hat mir ein Straßenmusiker gegeben, können wir ja hingehen. Oder willst du lieber in eine der Bananabars ?<, fragte ich. Moris war wie erwartet für den Bluesclub. >In Thailand holen sich die Mädchen in den Bars die Bananen aus dem Arsch. Was hältst du davon ?<, erkundigte sich Moris neugierig. >Nicht sehr nett<, meinte ich. >Es ist Schmutzig<, stimmte mir mein Freund zu. >Moris ?<, ich blickte mich erschrocken um. Mein Kumpel war noch eben direkt neben mir gelaufen, jetzt stand er knapp zehn Meter hinter mir und sah mich mit hängenden Armen verdutzt an. >Wir sollten nach dieser Bar fragen<, schlug er vor. Wir betraten eine Kneipe und ich zeigte dem Wirt meinen Zettel. „The Last Waterhole“, hatte der Bluesmann daraufgekritzelt. >Das ist direkt hinter der Brücke dort oben Links in einer Seitengasse<, sagte der Wirt und grinste süffisant. Voller bekiffter Fröhlichkeit machten wir uns auf den Weg. Wir hatten große Schwierigkeiten uns zu orientieren, denn die Leute kamen uns laut und erdrückend vor, außerdem schien sich der Pflasterboden immerzu wie Wellen auf und ab zu bewegen. Kleine Erhebungen erschienen uns wie wellige Berge und wir wanderten völlig geistesabwesend durch die nächtliche Stadt. Nach Stunden waren wir noch immer nicht beim Ziel angekommen und hatten den Überblick komplett verloren. Ich sah überall nur noch Lichter und Strassen, ein Labyrinth ohne entkommen. >Wir sind verloren<, sagte Moris und lachte. >Sieh nur !<, rief ich plötzlich entgeistert und lenkte den Blick meines Kumpels auf jene Bar von der wir gestartet waren. >Wir sind immerzu im Kreis gelaufen<. >Nein<, rief Moris fassungslos. Ich blickte die Strasse nach oben und unten entlang, wusste aber nicht welche Richtung mir der Wirt eben noch genannt hatte, also fragte ich ihn erneut nach dem Bluesclub. Wir hätten uns beinahe wider verlaufen, fanden nach erneuten Nachfragen in einer Kneipe dreißig Meter weiter schließlich doch die richtige Gasse. The Last Waterhole war eine wirklich seltsame Blueskneipe, was ich zunächst aber nicht bemerkte. Wir bestellten uns große Bierhumpen und suchten uns einen Tisch. Es gab nur Zweierstehtische, vor denen Barhocker standen. Neben uns lag eine schlafende Katze und auf der Bühne spielte eine Gruppe sanfte Popballaden, so hatte ich mir eine Blueskneipe nicht vorgestellt und auch vom Bluesspieler, der hier eigentlich heute spielen wollte war nichts zu sehen. Wir unterhielten uns eine Weile bis Moris sagte das diese Bar perfekt dafür wäre. >Wofür ?<, wollte ich wissen. >Für alles<, meinte er ausweichend. >Findest du diese Kneipe nicht ein wenig seltsam ?<, fragte ich erstaunt. Er blickte mich erwartungsvoll an. >Ich wollte in einen Bluesclub, aber hier spielt Niemand Blues, überhaupt sieht nichts hier wie so ein Club aus. Sieh nur die Formen der Kerzen<. Die Kerzen waren rund und liefen nach oben Spitz zu, dort wurden sie wieder ein Stückchen dicker. >Mir gefällt es hier<, erwiderte Moris. >Es ist gut für den Effekt der Pilze<. Das war es wirklich. Ich hatte mir längst eingeredet, dass wir uns in einer Kneipe für Schwule befanden und versuchte verzweifelt darauf zu kommen, warum der Bluesspieler mir diese Adresse gegeben hatte. Ich hatte mit einem mal Panik, dass mein Kumpel alles falsch verstehen könnte. >Wo ist der Bluesspieler ?<, rief ich verärgert. >Es ist immer nur ein Spiel<, sagte Moris und grinste. >Glaubst du etwa ich will etwas von dir ?<, platzte ich meinen Mut zusammennehmend heraus. Mein Freund blickte mich verdutzt an. >Die Pilze. Komm runter, es sind die Pilze<, sagte er. >Sieh dich doch um, hier ist keine einzige Frau und eben als ich an der Bar stand hat mich so ein Kerl ganz komisch angekuckt. Er war geschminkt<. >Ich hab ihn nicht gesehen<, versuchte mich Moris zu beschwichtigen. Er deutete auf eine schöne Frau, die in der Mitte des Raumes ganz allein saß und am Lesen war und das in einer Kneipe am Sonntagabend. Niemand nahm Notiz von ihr, sie schien wie ein Geist. >Meinst du sie ist eine Prostituierte ?<, fragte Moris völlig am Thema vorbei. Wir philosophierten eine Weile darüber. >Ich würde sie gerne fragen gehen<, meinte mein Kumpel schließlich. An diesem Abend hatte bisher ich alles bezahlt und ich konnte mich nicht entsinnen, dass er auch nur einen Gulden dabei hatte. Mein Geld begann plötzlich irgendwie in meinem Hemd davonlaufen zu wollen. Ich versuchte es mit meinen Händen festzuhalten, aber es entwischte mir immer wieder. Es bewegte sich und Moris blickte erstaunt zu wie ich versuchte es zu greifen. >Was hast du ?<, fragte er amüsiert. >Ich weiß nicht, es bewegt sich<. Wir brachen in Gelächter aus. In meine Gedanken schlich sich urplötzlich der Verdacht, dass Moris mit meinem Geld zur Nutte gehen wollte. >Ich finde das Blöd, immerhin bist du jetzt mit mir hier und es wäre irgendwie Scheiße, wenn du mich wegen dieser Frau hier sitzen lässt<, beklagte ich mich. >Es ist eine einmalige Gelegenheit, sie ist schön und hat Ausstrahlung. Lass uns ein neues Bier bestellen und zu ihr herübergehen<. Nach langem hin und her willigte ich ein. Als ich die Gläser auffüllen ließ, fragte ich an der Theke nach dem Bluesmann. Niemand wusste wovon ich spreche. Die Frau war natürlich keine Professionelle und wir kehrten nach einem blamablen Auftritt, geistesumnachtet wie wir waren zu unserem Tisch zurück. >Weißt du was ich glaube, wir sind in einer Bar für Schwule<, flüsterte ich verschwörerisch. >Wo ist der Bluesmann und warum sitzt diese Frau dort ganz allein wenn sie keine Prostituierte ist. Wieso ist das Licht so rötlich, von diese Kerzen und der sanften Musik ganz zu schweigen<. Zumindest dachte ich zu flüstern, denn Moris blickte sich gehetzt um und hielt den Zeigefinger an die Lippen. Mir fiel plötzlich auf, dass doch nicht alle Leute Männer waren und auch meistens eine Frau und ein Mann an den Tischen saßen, obwohl alle auf mich sehr unglücklich wirkten. >Das hier ist eine traurige Kneipe. Wir sollten hier verschwinden und zwar sofort<. >Wieso es ist doch ganz nett hier<, wand Moris ein. >Diese Kneipe ist sehr seltsam. Wir müssen hier raus<, rief ich panisch. >Du willst gehen ? OK wir trinken noch unser Glas aus und verschwinden<. Ich leerte meines in einem Zug, hatte schon Jacke angezogen und wartete stehend ungeduldig darauf, dass Moris fertig sein würde. Ich hatte jedes Zeit und Orientierungsgefühl verloren als wir beide hinaus auf die verregnete Strasse traten. Wir irrten eine Weile durchs nächtliche Amsterdam und ich verlor jede Hoffnung hier je wieder heraus zu kommen. In mir tauchten Erinnerungen auf über die Geschichten in den dunklen Ecken des Rotlichtviertels von Amsterdam. Die Lichter um mich verschwanden und überall sah ich nur noch Schwarze. Sie blickten mich vernichtend und bedrohlich an. >Wir haben einen verdammten Backflash<, rief ich nervös und Moris schien erstaunt, dass mir diese Tatsache erst jetzt aufgefallen war. Wir gingen einfach nur noch ziellos durch die Gassen und wollten aus diesen Irrgarten der Lichter entkommen. Ständig wechselten Licht und Schatten. Ich wusste nicht ob ich mich im dunklen und gefährlichen Teil der Stadt, oder dem grellen, belebten Viertel befand. Ich sah immer genau dass, woran ich gerade stärker glaubte. In meinen Kopf tauchten wilde Spekulationen auf. War mein Freund am Ende Schwul. Er wollte, das ich nach Amsterdam komme, ausgerechnet diese Stadt der sexuellen Freiheit, er war genau an dem Tag nicht erschienen als ich den Bluesmann getroffen hatte, er redete davon wie in Thailand Asiatinnen Bananen aus ihrem Arsch holten. Alles ergab mir mit einem mal einen Sinn. Ich begann zunehmend die Kontrolle zu verlieren und ich war schrecklich unsicher. Waren es unterdrückte Wünsche von mir die ich sah, von Moris oder doch nur die Pilze. Ab dieser Stelle treten teils gravierende Zeitlücken auf und ich weiß nur, dass wir es irgendwie schafften zur großen Brücke in der Nähe des Bahnhofs zu kommen. Moris liebte mich wurde mir schlagartig klar und ich hatte Angst, dass er sich meinetwegen umbringen wollte. Das dunkle Wasser der Kanäle wirkte auf mich schrecklich furchteinflössend. Die Strasse bedrohlich. Ich versuchte ihn immer davon abzuhalten vor die Straßenbahn zu laufen oder ins Wasser zu springen und umso mehr ich es versuchte, desto aggressiver wurde mein Freund. Er wollte mich zum Essen bringen um den schlechten Trip zu beenden, aber ich war davon überzeugt, dass er den schlechten Trip hatte. Ich glaubte mich wieder in einem dunklen Teil der Stadt zu befinden, schwarze Männer mit Messer kreisten uns ein. Ich hatte den Überblick zwischen Realität und Illusion völlig verloren. Es gab keine Realität mehr, alles war möglich. >Wir müssen hier verschwinden<, brüllte ich panisch. Ich rannte vor den Schwarzen mit Messern davon, aber Moris wollte nicht kommen und ich fragte mich ob ich ihn zurücklassen konnte um mein eigenes Leben zu retten. Ich eilte zurück und zog Moris mit mir, aber er löste sich wütend aus meinem Griff wodurch ich stolperte und hinfiel. Mein Kumpel stand über mir, Groß und Bedrohlich. Wir waren wider an der Brücke zum Bahnhof und ich erinnerte mich, dass Moris mir erst heute sein neues Messer gezeigt hatte. Er würde mich umbringen, wenn ich ihn zu hindern versuchte sich selbst umzubringen, durchfuhr es mich schlagartig. >Ich habe alles versucht<, murmelte ich traurig und ging von dannen. Moris blieb zurück und ich wurde mir plötzlich klar, dass er Tod sein musste. Er hatte sich irgendwo einen Mann gesucht um sich mit ihm gegen Geld zu vergnügen und dieser Mann hatte ihn umgebracht, so musste es gewesen sein. Dann war plötzlich ich selbst es, der mit diesen Mann gegangen war. Ich befand mich in irgendeinem dunklen Gemäuer und der Mann beugte sich zu mir herab um mir die Gurgel durchzuschneiden. Ich sah plötzlich wieder Moris, er unterhielt sich mit einer Gruppe Straßenmusikern und deutete dabei immer wieder auf mich. Er wollte mit einem Musiker weggehen. Nein er fragte für mich. Einer von ihnen sollte es mir besorgen. Nein er sollte es Moris besorgen, mit meinem Geld. >Bleib dort stehen. Ich geh was zu Essen holen<, rief mir mein Freund hektisch zu. >Wird er sterben ?<, fragte ich die Musiker sorgenvoll. Sie verneinten lächelnd und begannen zu spielen. Ich rannte Moris nach und beharrte darauf bei ihm zu bleiben. Ich willigte ein etwas zu Essen, aber nur wenn er auch aß, aber er wollte nicht. Er wollte mich zum Essen bringen und ich wollte das Gleiche bei ihm. Keiner wusste wer wirklich den Backflash hatte. Wieder wollte Moris auf die Strasse laufen, ich hielt ihm davon ab und wir gingen zurück zu den Musikern. Ich spürte unterdessen wie mir ein Mann langsam die Gurgel durchschnitt. Ich spürte einen seltsamen Schmerz und es schien mir als würde die Welt um mich dunkler werden, als ich neben den Musikern auf dem nassen Boden saß. Ich nahm mein Geld aus der Tasche und legte einige hundert Gulden vor den Musikern hin. >Alles dreht sich immer nur ums Geld<, brüllte ich. Mir ist Geld egal. Moris machte mir scheinbar Vorwürfe, dass er arm und ich reich sei. Er sammelte mein Geld wieder ein und ich wusste, dass er sich dafür nun einen Callboy suchen würde. Er fragte vorbeigehende Leute nach irgendetwas und ich war mir sicher zu wissen wonach. Dann war ich es wieder für den er fragte und überall liefen erneut nur Männer herum. Glatzköpfig waren sie mit Lederkleidung. Ich glaubte mit Jemanden mitzugehen, Moris war schon wieder fort, ich spürte wie mir einer geblasen wurde, dann war ich wieder am Platz der Musiker, die aber inzwischen verschwunden waren, es war überall sehr ruhig. Ich sah meinen Freund neben mir sitzend einen Joint rauchen und er reichte mir ihn. Nach einen weiteren Joint musste ich dringend pinkeln und anschließend verschwanden alle Illusionen. Die ersten Sonnenstrahlen gingen bereits über Amsterdam auf. Die Strassen waren verschmutzt und verlassen. >Was glaubst du wie viel heute Nacht nur Illusion war ?<, fragte ich ihn nachdenklich. >Alles<, antwortete Moris erschöpft. >Was ich noch immer nicht verstanden habe, wie zum Teufel sind wir nur in diese seltsame Bar gekommen<, überlegte ich verwirrt. Moris antwortete nicht. >Wir sollten uns aufs Ohr hauen<, meinte er. >Das ist vermutlich eine gute Idee<, antwortete ich und nahm einen weiteren Zug vom Joint.

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Es sei zu bemerken, dass solch starke Wirkungen normalerweise nicht auftreten, sondern einfach an unserer viel zu heftigen eingenommenen Menge lagen.
 

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