Einsichten - Petrarcasonett

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HerbertH

Mitglied
Einsichten

Wo Tiger, Elefanten, Spinnen wohnen,
wer kann da froh Gesinnung retten,
die früh, am Kindbett schon, die Eltern lohnen,
die sich dem Hirn verwunden, in Sonetten
nach Sinnen sucht, nach Denkerstirnen, Kronen
auf Häuptern von Geblüt, nach Schlanken, Fetten,
nach Alten, Teens, sogar Studenten, Thronen
der Weisheit, Träumen unter den Baretten

von Macht und Ruhm und Geld, von Liebe, Ehre?
Der Biss der Arachniden lohnt, das Neue,
ja Freiheit findest Du bei fernen Palmen.
Für Viele ist das Strafe, Bess'ren Lehre,
ein Aufbruch aus der Trübsal. Nie bereue,
genieß die Einfalt bei den Hirsehalmen!
 

Walther

Mitglied
Lb. Herbert,

spannend gereimt - ich ahne, was Du schreiben willst. Allerdings, ehrlich gesagt, habe ich es nicht verstanden, der Grammatik halber und der Weglassungen wegen, allesamt reimgeschuldet. Das mußt Du entflechten, da beißt die Maus keinen Faden ab, auch wenn das heißt: Rückruf in die Werkstatt, wenigstens die ersten acht Verse.

LG W.
 

HerbertH

Mitglied
Einsichten

Wo Tiger, Elefanten, Spinnen wohnen,
wer kann da froh Gesinnung retten?
Die, die die Eltern früh, am Kindbett lohnen.
Die sich, dem Hirn entwunden, in Sonetten
nach Zielen sucht: Nach Denkerstirnen, Kronen
auf Häuptern von Geblüt, den Schlanken, Fetten,
bei Alten, Teens, Studenten gar? Nach Thronen
der Weisheit, Träumen unter den Baretten

von Macht und Ruhm und Geld, von Liebe, Ehre?
Der Biss der Arachniden lohnt, das Neue,
ja Freiheit findest Du bei fernen Palmen.
Für Viele ist das Strafe, Bess'ren Lehre,
ein Aufbruch aus der Trübsal. Nie bereue,
genieß die Einfalt bei den Hirsehalmen!
 

HerbertH

Mitglied
Lieber Walther,

Du hast recht: Die erste Version schrie nach Ent(band)wurmung.
Diese habe ich jetzt - hoffentlich - in einer neuen Fassung durchgefuehrt.

Danke fuer den Hinweis

Liebe Gruesse

Herbert
 

HerbertH

Mitglied
Einsichten

Wo Tiger, Elefanten, Spinnen wohnen,
wer kann da froh Gesinnung retten?
Die, die die Eltern früh, am Kindbett lohnen.
Die, kaum dem Hirn entwunden, in Sonetten
nach Zielen sucht: Nach Denkerstirnen, Kronen
auf Häuptern von Geblüt, bei Schlanken, Fetten,
bei Alten, Teens, Studenten gar? Nach Thronen
der Weisheit, Träumen unter den Baretten

von Macht und Ruhm und Geld, von Liebe, Ehre?
Der Biss der Arachniden lohnt, das Neue,
ja Freiheit findest Du bei fernen Palmen.
Für Viele ist das Strafe, Bess'ren Lehre,
ein Aufbruch aus der Trübsal. Nie bereue,
genieß die Einfalt bei den Hirsehalmen!
 
G

gitano

Gast
Hallo HerbertH!
Auch ich finde keinen inhaltlichen Zugang...trotz all meiner Lese- und Schreiberfahrungen.
Kann es sein, daß die Metaphorik ungenau fokussiert was Du eigentlich sagen willst? denn wie sonst sind Sätze wie:

(Langzeilen):

Wo Tiger, Elefanten, Spinnen wohnen, wer kann da froh Gesinnung retten?

Die, die die Eltern früh, am Kindbett lohnen.

Die, kaum dem Hirn entwunden, in Sonetten nach Zielen sucht:

Nach Denkerstirnen, Kronen auf Häuptern von Geblüt, bei Schlanken, Fetten, bei Alten, Teens, Studenten gar?

Nach Thronen der Weisheit, Träumen unter den Baretten

zu verstehen?


Jeder einzelne dieser Sätze kann ALLES und NIX sein.
Wo ist die Klarheit?
Wo ist der innere Diput/Reflexion, wo die aufbauende, schlüssige und logische Argumentation?

Positiv bemerken möchte ich die grafische Darstellung (wird dich kaum trösten...finde ich aber auch wichtig), als zweiteiliges Gedicht. Die ist nach meiner Kenntnis sehr viel näher am inneren Wesen des Sonetts als eine grafische Aufhackung in vier Abschnitte...selbst enbloc wär ein Sonett immer noch ein Sonett.

Walther hat den nochmaligen Werkstattbesuch empfohlen...
Ich kann dies kaum tun, da ich den Text inhaltlich ganz und gar nicht verstehe und mich nicht in Spekulationen ergehen möchte, die eigentlich für Sonette - wegen ihrer inneren Klarheit- ansonsten unnötig waren. Erklärungen zum Inhalt -in einer "Werkstattrunde" gerne...aber nicht zum Bestandsschutz der jetzigen Fassung.
Metrik- und Reimschulden kann ich von daher auch nicht konkret benennen.

von daher kann meine Empfehlung nur lauten:
konkretisieren

Grüße aus dem Taunus
gitano
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Herbert,

eine meiner ehemaligen Schülerinnen war für drei Monate kürzlich in Afrika und sie hat mir von dort berichtet, was wir ja alle eigentlich wissen, nämlich, dass die Menschen dort in der Einfachheit ihres Lebens viel, viel fröhlicher sind, als das bei Menschen in Europa der Fall ist. (Es handelte sich natürlich nicht um ein Gebiet mit Hunger, Kinderarbeit usw.)

Ich denke das ist auch die Grundaussage Deines Textes.

Die ersten zwei Zeilen allerdings stehen dem entgegen. Ich denke mir , dass Du eigentlich sagen möchtest, dass gerade dort "froh Gesinnung" gedeiht und nicht gerettet werden muss.

Alles, was danach kommt bezieht sich auf Europa mit seinem Ehrgeiz und seinen unmäßigen Wünschen, die höchsten Ziele zu erreichen sowie seinen verheimlichten Klassenunterschieden, die mit schönen Worten eingefärbt werden, so als gäbe es sie eigentlich gar nicht.

Ab "Der Biss der Archaniden" kommst Du nun auf das zu sprechen, was der Titel verheißt.

Der Biss der Archaniden steht für mich, dass man, egal wohin man sich begibt immer auch damit rechnen muss, dass die Lebensumstände, die man dort vorfindet nicht immer rosarot sind.

Aber hier, so sagt Dein Text,sollte man sich allem aussetzen, denn diese Erfahrung wirkt bereichernd und verwandelnd auf den Einzelnen, je nachdem wie intensiv er sich ihr stellt. Die Einfachheit ist auch aus meiner Sicht das Größte und Bedeutendste, weil sie es uns leicht macht, in die eigene Tiefe zu gehen, wo ja unsere wahren Schätze liegen.

Ich freue mich über diesen Text mit Ausnahme der ersten beiden Zeilen. Vielleicht kannst Du meiner Irritation an dieser Stelle abhelfen.

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Vera-Lena,

ich habe noch mal ueber die ersten beiden Zeilen nachgedacht:

Wo Tiger, Elefanten, Spinnen wohnen,
wer kann da froh Gesinnung retten?
Das Goethe-Zitat

Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind.
passt meines Erachtens dazu. Denn Goethe sagt doch, dass man unter Palmen wandelnd, seine Gesinnungen aendern muss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind.

Derjenige, der das trotzdem versucht, wird nicht froh werden, denke ich. Und das sollen meine beiden Zeilen ausdruecken. Der Rest der ersten Strophe illustriert das. "Die" ist dabei stets die Gesinnung. Und diese Gesinnung, die sich selbst erhalten will, sucht sich Ziele. (@gitano: Der Satzbau ist ungwoehnlich, aber verstaendlich, denke ich. Den "Bandwurm" der ersten Fassung habe ich entfernt :)).

Die letzten fuenf Zeilen zeichnen dann das Gegenbild, was auch wieder zum Goethe-Zitat passt: Man gewinnt, wenn man die urspruengliche Gesinnung aendert. Ausgeloest wird das durch den Biss der Arachniden, der Spinnen also, der erst schmerzlich ist, letztlich aber doch nur zum Wohl gereicht.

Liebe Gruesse

Herbert
 

Vera-Lena

Mitglied
Lieber Herbert,

jetzt habe ich das verstanden.

Auch das "Die" konnte ich mir nicht wirklich erklären.

Es geht also darum, nicht an etwas Altem festzuhalten, wenn einem das Neue begegnet.

Die Sache mit der Einfachheit und der Fröhlichkeit passt dann ja dazu bzw. kann sich das ja jeder für sich selbst interpretieren.

Danke für die Erklärung!

Liebe Grüße
Vera-Lena

PS.: Ich weiß aber nicht, ob Du dem Leser zu viel abverlangst, wenn Du das Goethezitat nicht irgendwie wortwörtlich unter oder über den Text schreibst.
 
F

Fettauge

Gast
Hallo Herbert H.

ich finde das Thema einfach nicht. Du redest sehr viel von allem und jedem, wogegen ja eigentlich wenig einzuwenden wäre, wenn du irgendwann mal auf den Punkt kommen würdest.
Ich denke, du solltest dir die Sache noch einmal ansehen.

Zum Titel: Der Petrarca liegt vor mir, und ich habe nur ein einziges Sonett von ihm gefunden, das von der Form abweicht, die er sonst benutzt und die uns auch bekannt ist. Dieses Sonett unterscheidet sich aber sehr von deinem, sowohl von der äußeren Stropheneinteilung als auch im Reimschema. Ich weiß nicht, ob du deshalb so kühn behauptest, ein Petrarca-Sonett geschrieben zu haben, weil du weibliche Reimenden benutzt? Oder was ist der Anlass für den Begriff Petrarca-Sonett?

Gruß, Fettauge
 

HerbertH

Mitglied
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Wo Tiger, Elefanten, Spinnen wohnen,
wer kann da froh Gesinnung retten?
Die, die die Eltern früh, am Kindbett lohnen.
Die, kaum dem Hirn entwunden, in Sonetten
nach Zielen sucht: Nach Denkerstirnen, Kronen
auf Häuptern von Geblüt, bei Schlanken, Fetten,
bei Alten, Teens, Studenten gar? Nach Thronen
der Weisheit, Träumen unter den Baretten

von Macht und Ruhm und Geld, von Liebe, Ehre?
Der Biss der Arachniden lohnt, das Neue,
ja Freiheit findest Du bei fernen Palmen.
Für Viele ist das Strafe, Bess'ren Lehre,
ein Aufbruch aus der Trübsal. Nie bereue,
genieß die Einfalt bei den Hirsehalmen!

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Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind. (Goethe, Wahlverwandtschaften)
 

HerbertH

Mitglied
Liebe Vera-Lena,

ich bin Deinem Rat gefolgt und habe das Goethe-Zitat unter den Text gesetzt.

Danke fuer die ausfuehrliche Beschaeftigung mit dem Gedicht :)

Liebe Gruesse

Herbert
 

Vera-Lena

Mitglied
Ja, lieber Herbert,

jetzt hat man einen Anhaltspunkt, in welche Richtung Deine Gedanken gingen bei dem Erschaffen dieses Textes.

Vielleicht gelingt Dir noch einmal eine weniger weitschweifige Version. Das würde mich sehr freuen, irgendwann, wenn Du diesen Text hier schon wieder vergessen hast. Das passiert einem ja manchmal....

Liebe Grüße
Vera-Lena
 

Walther

Mitglied
Sorry,

lb. Herbert,

mit S1V3 habe ich immer noch ein Problem. Das will nicht recht fließen, ist auch nicht stimmig in Verbindung mit den beiden Folgeversen. Erst Mehrzahl und dann Einzahl? Das will nicht überein!

LG W.
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Wer kann ... Gesinnung retten? Noch ist es unklar. Die, die belohnt wird ... - das erklärt es näher. Es beschreibt die Prägung. Es beschreibt Vorurteile. Manche sind von Vorteil, andere schlimm. Das Wort allein erscheint schon schlimm heute.
 

Janosch

Mitglied
hallo herbert,
weiß nicht, obs schon jemand erwähnt hat, aber "Die, die die" geht aus meiner sicht einfach gar nicht - einen artikel 3 mal nacheinander zu schreiben entzieht sich jedweder ästhetik, auch wenns inhaltlich natürlich sinn macht, aber da würde ich solange suchen, bis ich den 3er umgehen kann.
ansonsten fällt es mir schwer, zugang zu deinem gedicht zu finden. da hast du sicher besseres geschrieben.
gruß janosch
 

HerbertH

Mitglied
Einsichten

Wo Tiger, Elefanten, Spinnen wohnen,
wer kann da froh Gesinnung retten?
Sie, die, am Kindbett schon, die Eltern lohnen.
Sie, die, seit Anbeginn, selbst in Sonetten
nach Zielen sucht: Nach Hirnen unter Kronen
auf Häuptern von Geblüt, bei Schlank-Adretten,
bei Firmenbossen, Gauklern gar? Nach Thronen
der Weisheit, Träumen unter den Baretten

von Macht und Ruhm und Geld, von Liebe, Ehre?
Der Biss der Arachniden lohnt, das Neue,
ja Freiheit findest Du bei fernen Palmen.
Für Viele ist das Strafe, Bess'ren Lehre,
ein Aufbruch aus der Trübsal. Nie bereue,
genieß die Einfalt bei den Hirsehalmen!

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Es wandelt niemand ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiss in einem Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind. (Goethe, Wahlverwandtschaften)
 

HerbertH

Mitglied
Hallo Janosch,

wer hat das nicht - schon mal Besseres geschrieben :). Ich habe Deinen Einwand wegen "Die, die die" zum Anlass einer Überarbeitung genommen. Vielleicht kommt ja so der Inhalt besser zum Tragen.

Liebe Grüße

Herbert
 

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