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Eis und Heiß (Teil 3)

Ruedipferd

Mitglied
Zu Teil 1


Eine zweite Karriere

Cornelia Enders verdiente sich ihre Brötchen als Deutsch- und Sportlehrerin an der örtlichen Grundschule. Eiskunstlauf betrieb sie von Kindesbeinen an und hatte es zu beachtlichen Leistungen, wie die mehrfache Teilnahme an den deutschen Meisterschaften und einem achten Platz bei den Europameisterschaften gebracht. Nach und nach erwarb sie alle wichtigen Trainerlizenzen. Sie betrachtete lächelnd die beiden Jungs. Toni zeichneten weiche Züge im Gesicht aus und auch Oles Erscheinung erinnerte an einen Knaben. Sie dachte sich nichts Besonderes dabei, sah nach links und rechts, um mit ihrem Schützling die Straße gefahrlos überqueren zu können. Gegenüber der Eishalle hatte vor längerer Zeit ein Eiscafe eröffnet, welches sich bei Sportlern und Besuchern großer Beliebtheit erfreute. Cornelia kannte die derzeitigen Kunstläufer der Meisterklasse. Ihr Training führte sie oft nach Oberstdorf ins Leistungszentrum. Sie hatte überdies eine russische Freundin, die inzwischen in Moskau als Trainerin tätig war. Pubertätsprobleme der jugendlichen Läufer gehörten zu ihrem täglichen Brot.

Jungen brauchten oftmals durch den Sport länger, um sich körperlich zu entwickeln. Bei den Mädchen war das um ein Vielfaches mehr zu beobachten, denn Leistungssport konnte sich auf die Pubertät auswirken. Regelblutung und Brustwachstum verzögerten sich. Die Mädchen beherrschten recht schnell alle Sprünge und brachten im frühen jugendlichen Alter im technischen Bereich hervorragende Leistungen. Setzte dann die Entwicklung ein, kam es nicht selten zu einem Einbruch, weil Wachstum und weibliche Rundungen Körperschwerpunkt und Kräfteverhältnisse auf den Kopf stellten. Als Folge wurden die einst beherrschten Sprünge unsicher. Nicht wenige hoffnungsvolle Mädchen wollten als junge Frauen mit dem Leistungssport wieder aufhören. Jungen blieben etwas weiblicher in ihren Bewegungen. Es kam nicht nur auf Sprünge an, sondern daneben auf den künstlerischen Eindruck. Tanzen sowie Ballett gehörten zur Ausbildung eines Kunstläufers dazu. Die Pubertät brachte die Männer durch das Wachstum zwar durcheinander, konnte aber als positiven Effekt mit dem Muskelaufbau punkten. Sprünge wurden von den Jungs naturgemäß höher und leichter ausgeführt. Der dreifache Axel gehörte bei den Herren seit langem zum Standard und viele Jungen beherrschten vierfache Sprünge. Trotzdem gab es in Europa nur wenige gute Kunstläufer, was teilweise an fehlenden Ausbildungskapazitäten lag, andererseits aber durch „gute“ Freunde begünstigt wurde. Jungs litten unter Mobbing durch Klassenkameraden, die, wenn sie Eishockey spielten, Kunstläufer oft und gerne neckten. Das geschah in Hockeyhochburgen erbarmungslos und trotz guter Trainingsbedingungen blieb der Kunstlauf dort eine Mädchendomäne. Die Beziehung zwischen Toni und Ole war unübersehbar. Cornelia vermutete eine homosexuelle Veranlagung.

Sie lächelte in sich hinein. Das war bei diesem Sport nichts Ungewöhnliches und sogar russische Läufer konnten sich tänzerisch ausleben, wenn sie ihre gleichgeschlechtlichen Freundschaften geheim hielten. Sie bestellte Kaffee, als sich die zwei an einem abseits gelegenen Tisch zusammensetzten. Toni hatte sich auf eine heiße Schokolade gefreut und konnte zwei zusätzlichen Eiskugeln nicht widerstehen. Leise begann er zu erzählen und sah seine Trainerin dabei an. Die Überraschung stand Conny buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Toni und Ole waren also transsexuell. Damit hatte sie nicht gerechnet. Sie atmete aus und lehnte sich sprachlos im Stuhl zurück. Die Verkäuferin hätte mit ihrem Tablett voller Leckereien keinen günstigeren Zeitpunkt wählen können. Der Kaffee kam gerade richtig. Gab es vergleichbare Fälle im Sport?

Ja, beim Stabhochsprung und der junge Mann hatte ein Buch über sein Leben verfasst. Aber er war als Mann nicht wieder in den Leistungssport zurückgekehrt. Cornelias Gehirn begann fieberhaft zu arbeiten. „Also, als ich dich mit Ole sah, hatte ich etwas Schwules im Sinn. Das ist im Grunde kein Problem und kommt in allen Staaten in unserem Sport vor. Es gibt schwule Einzelläufer und einer der kanadischen Paarläufer outete sich vor einiger Zeit. Er wurde nicht nur zweimal Weltmeister sondern auch Olympiasieger mit dem Team 2018.“ Toni nickte mit dem Kopf. Er kannte die Geschichte und wusste auch von einem Transsexuellen beim Stabhochsprung. „Ich weiß, aber ich wechsle mein Geschlecht und will als Mann weiter laufen. Das ist etwas anderes.“ Cornelia dachte nach. Eine weibliche Sportlerin trat in diesem Fall in den Männerkader über. Ein Mann braucht männliche Hormone, der Dopingvorwurf konnte natürlich keinen Bestand haben. „Umgekehrt wäre es problematischer. Es gibt in Deutschland weibliche Sportler, die ihr Geschlecht anpassten. Allerdings wurden die in der DDR mit Testosteron behandelt und konnten als Frauen nicht mehr weiter leben. Das sind tragische Fälle und bei chinesischen Schwimmerinnen gab es Dopingvorwürfe. Bei dir ist das nicht so. Du bist psychisch ein Mann und dein Körper wird aus gesundheitlichen Gründen vermännlicht. Wir verheimlichen nichts. Ich regle das mit dem Verband. Es wird ohnehin noch dauern, bis du mit Julia National starten kannst. Auf Hausturnieren ist das egal. Du trittst ja in männlicher Rolle auf und nicht als Frau. Ich werde mich sofort schlau machen. Das ziehen wir durch. Du hast ein so großes Potenzial und Talent. Ich will dich mit Julia zusammenbringen. Auf gutes Gelingen, Toni!“

Cornelia hob die Tasse und prostete ihrem Schüler zu. Sie war guter Dinge. „Auf guten Sport, Conny!“ Mit Kakao stieß Toni mit seiner Trainerin an. „Ich muss zuerst zum Psychologen und mir ein Attest für die Hormonbehandlung holen. Danach brauche ich zwei Gutachter für den Antrag auf Vornamens-und Personenstandänderung beim Amtsgericht. Erst, wenn die Gutachten fertig sind, bekomme ich einen Beschluss vom Gericht und darf damit meine Geburtsurkunde ändern lassen und einen Erwachsenenausweis bestellen. Vielleicht schaffen wir alles in einem Jahr und ich darf mir auch die Brust operieren lassen. Ich hab gottlob nicht so viel. Im Dezember bin ich siebzehn Jahre alt. Wenn alles klappt, habe ich im nächsten Jahr mit Achtzehn alles zusammen. Die Altersgrenze für den Paarlauf bei den Junioren liegt für Jungs bei zwanzig Jahre, oder?“ Cornelia nickte. „Ihr müsst die drei Paarlauftechnikklassen 3-1 absolvieren, aber das ist für euch von den Leistungsanforderungen kein Problem. Wahrscheinlich braucht ihr nur 2 und 1. Die Regeln haben sich geändert, ich check das noch. Du warst also in Kürklasse 3 beim Nachwuchs?“ Toni nickte.

„Ich hatte alles bestanden, bis KK3 und hab dann mit 12 Jahren beim Nachwuchs aufgehört.“ „Ich bringe euch die Paarlaufelemente bei, für die Junioren müsst ihr in die Paarlaufklasse 2 und danach, wenn du über 20 bist, geht’s in die Klasse 1. Wir wollen nicht zu weit denken. Die Teilnahme an den Deutsche Meisterschaften wäre großartig. Julia ist eine gute Läuferin und besitzt für ihr Alter immensen Ehrgeiz. Sie wird dich antreiben. In der Technikklasse 2 werden der Twist, der Wurf und der Solosprung doppelt verlangt. Die Hebung, Paarlaufpirouette und Todesspirale sind für euch leicht zu schaffen. Wenn du eine Bescheinigung hast, dass deine Geschlechtsangleichung zum Mann bei Gericht beantragt ist, könnte ich euch schon vor dem rechtskräftigen Bescheid überall anmelden. Ich habe gute Beziehungen zur DEU und zu den Verantwortlichen der ISU. Du startest ja als Mann, umgekehrt wären die Bedenken größer und ich werde meinen Freund Richard bei der ISU anrufen. Er kennt sich aus, verfügt über Einfluss. Im schlimmsten Fall müssen wir vor den EUGH ziehen, aber ich denke, dass wird nicht notwendig sein. Heute Abend sehe ich Julia in Hamburg und werde mit ihr eure Trainingseinheiten besprechen. Es kommen zusätzliche Gymnastik und Trockenübungen auf euch zu. Ihr müsst Hebungen und Griffe erst off-ice sicher beherrschen. Julia will natürlich nicht ständig aufs Eis klatschen. Du musst sie korrekt halten.“

Sie hat recht, dachte Toni und seine Gedanken wanderten weit zurück in die Vergangenheit als er noch in München lebte. Er durfte als Kind den Paarläufern und Eistänzern zusehen. Vieles, was er erinnerte, grenzte an Zirkusakrobatik. „Ich spreche mit meinen Eltern und hole mir die Anmeldung zum Krafttraining drüben im Sportstudio. Es ist nur ein Katzensprung zu uns nach Hause. Vielleicht macht mein Vater mit. Dann kann ich mit ihm abends dort trainieren und eine Familienkarte wird billiger. Peter soll uns sobald als möglich besuchen, damit wir den richtigen Weg einschlagen. Ich denke, in ein paar Wochen weiß ich mehr.“ Cornelia lächelte freudig. Es lief gut und die vermeintlichen Hürden werden sie nehmen. Julia und Toni sind ein hervorragendes Paar. Die zwei passen nicht nur von der Körpergröße zueinander, sondern auch von der inneren Einstellung. Julia liebte den Paarlauf. Cornelia hatte ihr versprochen, einen passenden Partner für sie zu suchen. Das war nicht einfach. Trainingsmöglichkeiten, Eislaufnachwuchs, all das gab es in den anderen Bundesländern im Süden und Westen in mehr Fülle, als in der Hansestadt. Mit Toni hatte sie Glück gehabt. Sie nahm ihr Handy. „Schau mich mal an, ich mache ein Foto von dir, damit sich deine Partnerin seelisch auf dich einstellen kann. Ihr werdet ein hübsches Paar werden. Ich fahre gleich nach Hause. Wir sehen uns morgen früh um zehn Uhr. Wenn’s klappt, bringe ich Julia mit.“

Toni lächelte verlegen. Das Fotografieren war ihm unangenehm, aber er mochte nichts sagen. Wie wird Julia auf ihn reagieren? Wird sie ihn mögen? Was ist, wenn sie seine Transsexualität ablehnt? Tonis Hände wurden feucht, ihm war mulmig zu Mute. Was war los? Er wollte doch gar nichts von ihr, schon gar keine Freundin? Er hatte Ole. Auweh, Tonis Gefühle schlugen Purzelbaum. Er schalt sich. Eine geheimnisvolle Unruhe blieb. Cornelia bezahlte und die beiden verließen das Eiscafé. Toni ging zum Fitnessstudio gleich neben der Eishalle. Der junge Mann an der Rezeption drückte ihm einen Prospekt in die Hand. Familienkarten kosteten tatsächlich sehr viel weniger und sogar seine Mutter konnte sich mit Rückengymnastik und Aerobic beteiligen. Es gab eine Sauna und ein kleines Schwimmbad. Alles im Preis inbegriffen. Toni dankte und lief zurück zur Eishalle. Ole fiel ihm ein. Er musste ihn unbedingt treffen.

Wie erwartet tobte sich sein Freund auf der Eisbahn aus, als Toni eintraf. Mit einem großen Satz war Toni die drei Stufen zur Halle hinunter gesprungen und hielt nach dem Freund Ausschau. Oles Hobby war nicht der Kunstlauf, sondern Eishockey. Dementsprechend trug er auch andere Schlittschuhe als Toni. Eishockeykufen waren robuster und schärfer geschliffen als die der Kunstläufer. Beim Hockey kam es darauf an, möglichst schnell vor dem gegnerischen Tor zu sein, um den Puck darin zu versenken und als Torschütze siegreich aus dem Match zu gehen. Kunstläufer sollen elegant aussehen, graziöse Pirouetten drehen und natürlich springen können. Ole trainierte Schnelligkeit und Ausdauer. Manchmal wurde das Ganze zu wild, vor allem, wie just in dem Augenblick als Toni ihn erblickte. Ole lieferte sich ein Rennen mit zwei jüngeren Jungen, was dem Eismeister gar nicht gefiel. Die Halle war voll und es gab neben kleinen Kindern auch ältere Menschen und Anfänger, die vorsichtig darauf bedacht waren, nicht hinzufallen. Da kamen Rowdys weniger gut an. Toni grinste, als er sah, wie sich die Hallenaufsicht die drei jungen Herren zur Brust nahm. Etwas zerknirscht begaben sie sich wieder auf die Eisfläche. Toni ging um die Eisbahn herum und erwartete den Freund in der Ecke. „Na, Männer, gab es ‘ne Strafrunde?“, frotzelte er, als sich die Gruppe ihm näherte. „Ach wo, der wollte uns nur etwas erklären“, wehrte einer der zwei Dreikäsehochs keck ab. Toni schätzte die beiden auf 12 Jahre. „Trainiert weiter, aber passt etwas mehr auf“, gab Ole von sich. „Ich bin jetzt ihr Trainer, die spielen am Wochenende gegen den HSV“, lachte er und ergänzte: „Was haben deine Eltern gesagt?“ Toni schüttelte den Kopf. „Komm vom Eis, wir trinken eine Cola am Kiosk, dann erzähl ich es dir. Ich bin auf deinen Bericht gespannt.“

Ole nickte und fuhr zum Ausgang, während er sich ständig von vorn auf rückwärts und umgekehrt drehte. Er beherrschte seinen Laufstil sicher. Aber das war auch kein Wunder, hatte er doch mit drei Jahren bereits bei den Kleinstschülern angefangen. Damals war es egal, welches Geschlecht man war. Ole spielte sich im Verein durch alle Klassen und fiel bei einer Punktrunde einem Landestrainer auf. Als dieser hörte, dass Ole ein Mädchen sei, wehrte er ab. Natürlich konnte Ole bis zum vollendeten sechzehnten Lebensjahr bei den Jungen weiter spielen, aber danach musste er in eine Damenmannschaft wechseln. Das wollte Ole auf gar keinen Fall. Er weinte sich nächtelang in die Kissen, aber eines Morgens war die Entscheidung für ihn gefallen. Der Verein war Vergangenheit, Ole nahm an den Spielen nicht mehr teil und lief nur noch zum Spaß. Einen Teil seines Schicksals kannte Toni bereits, aber nicht alles. Ole beschloss, dem Freund in der nächsten Zeit sein komplettes Leid zu klagen. Nach dem gestrigen gemeinsamen Treffen in der Selbsthilfegruppe brauchten sie nicht mehr voreinander Versteck zu spielen.

Ole nahm die Schoner, welche ihm Toni freundschaftlich hinhielt und legte seinen Arm um dessen Schulter. Schoner schützen die scharfen Schlittschuhkufen, so dass man unbeschadet außerhalb der Eisbahn gehen kann. „Zwei Cola, bitte“, rief Toni der Verkäuferin im Kiosk zu. Er wandte sich um. Ole stand inzwischen an einem der drei Tische, stützte sich mit beiden Händen darauf. „Willst du auch etwas essen?“, fragte sein Freund. „Eine Currywurst mit Pommes“, kam zurück und Ole nickte, als die nette Frau Meier, die im Kiosk verkaufte, von ihm wissen wollte, ob er auch Mayo benötigte. Die beiden Flaschen Cola standen schnell auf dem Tisch. Toni hatte alles bezahlt. „Du bist nächstes Mal dran, das Essen ist in Arbeit und nun los, erzähl, ich platze gleich“, meinte er. Seine Augen leuchteten. Haltung und Worte verrieten wirklich Neugierde und Aufregung. Toni war gespannt wie ein Flitzebogen, wie Oles Eltern die Botschaft auf genommen hatten. Sein Kumpel ließ sich derweil Zeit. Er setzte umständlich die Flasche an den Mund, atmete tief ein und aus und lächelte vielsagend. „Wenn du nicht gleich redest, werde ich zum Mörder“, zischte Toni und trat vor Ungeduld von einem Bein aufs andere, während seine Finger begannen, auf dem Tisch wahre Trommelsalven aufzuführen. Ole kostete den bedeutungsvollen Moment, in dem er im Mittelpunkt stand, sichtlich aus.
„Japp“, prustete er. „Als ich gestern nach Hause kam, saßen meine alten Herrschaften noch vor dem Fernseher. Ich sagte ihnen, dass ich sie sprechen muss. Es braucht aber nicht mehr gleich zu sein, sondern hat bis morgen Zeit. Es wäre schön, wenn sie sich das Heftchen durchlesen würden.“ „Und?“, fragte Toni mit großen Augen. „Sie sagten erst gar nix und ich hatte etwas Schiss, weil ich so mit der Tür ins Haus gefallen war. Aber dann meinte meine Mutter, ich solle zu ihr kommen und sie nahm mich ganz fest in die Arme, wie sie es nur früher als ich noch klein war, gemacht hatte. Vater sagte, sie hätten sich so etwas schon gedacht. Entweder ich war lesbisch und der männliche Teil oder Trans. Auf diese Weise hätten sie wenigstens Klarheit. Ich hab von der Gruppe und von Peter erzählt und von dir natürlich auch. Sie wollen dich kennenlernen und am besten auch deine Eltern. Vater meinte, unsere Liebe wäre nur der Anfang, das kann sich später noch ändern, wenn wir mit allem durch sind. Wahrscheinlich werden wir irgendwann auf Mädchen stehen.“ Toni hörte mit halb offenen Mund zu. Die letzten Worte gefielen ihm gar nicht, aber dann erinnerte er sich an das komische Gefühl, welches er nicht einordnen konnte, nachdem ihn Cornelia fotografiert hatte um das Bild Julia zu zeigen. „Schon möglich, ich hatte so ein merkwürdiges Empfinden vorhin“. Er erzählte von Conny und der Aussicht wieder Wettkämpfe bestreiten zu können.

Ole schluckte. „Super, ich freu mich für dich. Die Julia schau ich mir gleich morgen an, wenn Conny sie herbringt.“ Er wollte fröhlich klingen und freute sich wirklich und ehrlich für Toni, doch etwas in seiner Stimme verriet Traurigkeit. Toni besaß eine bemerkenswerte Empathie für sein Alter und bemerkte es. Was hatte Ole? Er zögerte nicht und fragte nach. Die Trauer um den Verlust seiner Mannschaft, mit der er sich bis weit nach oben in die Tabelle gekämpft hatte und die Frustration nicht mehr Eishockey spielen zu können, sprudelte aus Ole heraus. In der Zwischenzeit wurden sie kurz unterbrochen, als Frau Meier Currywurst und Pommes für fertig erklärte. Der resoluten Rentnerin entging auf der Eisbahn nichts. Sie kannte ihre Pappenheimer und hatte mit Zufriedenheit bemerkt, wie sich Ole, den sie schon von klein auf kannte, mit dem neuen Jungen, der einen bayerischen Dialekt sprach, angefreundet hatte. Freundschaften waren wichtig. Toni hörte fassungslos zu und ihm stiegen beinahe die Tränen in die Augen. Auch Ole hatte also seinen Lieblingssport aufgeben müssen! Sie waren sich so ähnlich. „Wenn du operiert bist und deinen neuen Ausweis hast, kannst du doch wieder in einer Mannschaft spielen? Wir bekommen Hormone und müssen in die Muckibude. Wenn wir hart trainieren, werden wir genauso kräftig und stark wie die anderen Jungs“, beeilte sich Toni zu sagen und hoffte, den Freund damit aufmuntern zu können. Die Rechnung ging auf.

Ein hoffnungsvolles Lächeln huschte über Oles Gesicht. „Jetzt du“, meinte er. Toni besann sich. Nein, Ole hatte ihn schmoren lassen, jetzt wollte er den Spies umdrehen. Genüsslich tauchte er eine Fritte in die Currysoße, führte sie an den Mund und begann an dem Kartoffelstück zu lecken. Das war für Ole zu viel des Guten. Er hielt dem Kumpel die Faust unter die Nase. „Diese Faust, dein Friedhof!“, meinte er ernst und sah Toni scharf an. Aber der ließ sich nicht stören. Erst, als er sich auch noch ein Stück Wurst in den Mund schieben wollte, hielt er kurz inne. Oles Hand hatte nach der Gabel gegriffen und war kurz davor, ihm die Currywurst zu klauen. Schnell biss Toni zu. Er begann zu erzählen, nachdem er das Essen heruntergeschluckt hatte. Ole stützte sich auf den Arm und hielt die Hand vor seinen Kopf. „Oh, was waren wir blöd! Wir hätten schon viel früher mit unseren Eltern sprechen sollen.“ Toni dachte dasselbe. Er wollte gleich eine Mail an Peter schreiben. „Du, ich frage meine Eltern, ob wir Peter einladen wollen und deine alten Herrschaften dazu bitten. Er braucht nicht alles zweimal erklären und wir können gemeinsam überlegen, was wir machen. Da ist wohl zunächst die Psychologin dran, bei der wir uns Termine holen müssen.“

Während sein Freund sprach, bemerkte Ole als erster, dass das Essen inzwischen kalt wurde. Er nickte und schaufelte die lauwarmen Pommes in sich hinein. Toni tat es ihm gleich und konnte, als er fertig war, einen Rülpser nicht unterdrücken. „ÖÖps.“ Am Nachbartisch stand eine ältere Frau im weißen Schneepullover und trank einen Kaffee. Sie zog die Nase hoch. „Ferkel“, kam es wie aus der Pistole geschossen aus ihrem Mund. Toni freute sich, als ob das Wort das höchstmögliche Lob der Welt darstellte.
Ole grinste. Das ungebührliche Verhalten war typisch für Jungen und steckte allem Anschein nach an.
Zwei jüngere Burschen rülpsten laut auf, was die Frau sichtlich ärgerte. Sie nahm ihren Kaffee und suchte sich einen anderen Tisch. „Aber, aber, schon Martin Luther meinte trefflich: „Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?“, ergänzte Ole altklug und zog damit die neugierigen Augen der beiden elfjährigen Jungs auf sich.

Sie wollten weitermachen, als sie von Frau Meier jäh gestoppt wurden. „So, meine Herren, benehmt euch, sonst fliegt ihr raus. Und das gilt für die älteren Semester auch!“ Ihr Tonfall duldete kein Aufbegehren. Toni hatte sich in seine Mails gewählt und schrieb eifrig an Peter. Er bat ihn, einen Termin zu finden und ihm mitzuteilen. Er wollte mit seinen Eltern und Oles Familie ein Treffen organisieren. „Geschafft, Peter wird sich melden“, verkündete er zufrieden. „Gut, ich zieh mich aus und schlage den Heimweg an“, meinte Ole. „Kannst ja schreiben, wenn du Nachricht von Peter hast. Ich bereite meine alten Herrschaften vor.“ Der Tag neigte sich dem Ende zu. Etwas zerknirscht empfing Tonis Mutter wenig später ihren Sohn an der Tür. Sie hatte ihrem Bruder Bernd in München von der Sache erzählt und dessen Reaktion ließ nicht auf sich warten. Ob sie verrückt wären, so etwas Perverses zuzulassen? Das Mädchen braucht einen anständigen Freund, der ihm beibringt, was es ist. Bernd war außer sich. Klaus hatte das Gespräch mitbekommen und schaltete sich ein. Er beschimpfte den Schwager als intoleranten, widerlichen Nazi und verbot ihm den Umgang mit Anneliese, wenn er sich nicht auf der Stelle mäßige. Beide Männer stritten noch eine Weile, bis Klaus entnervt den Hörer auflegte. Toni kam gerade richtig, als sich seine Eltern über die schrecklichen Ansichten des Onkels ausließen. „Du rufst da bitte nicht wieder an. Der soll bleiben, wo der Pfeffer wächst. Mit so einem Menschen will ich nichts zu tun haben. Es ist dein Bruder, Anneliese, aber du musst selbst zugeben, dass er nicht zu uns und auch nicht in unser Gesellschaftsbild passt.“

Anneliese hatte sich einen Tee aufgebrüht. Sie saß niedergeschlagen auf dem Stuhl in der Küche. „Ja, ich hatte mir nichts dabei gedacht. Aber, es ist vielleicht gut so. Damit sind die Fronten geklärt und ich stimme dir zu. Vielleicht ist es wirklich besser, diesen Kontakt abzubrechen. Ich weiß nicht, was Bernd reitet, Petra ist auch ratlos. Sie weiß manchmal nicht, ob sie bei ihm bleiben soll. Er ist ein lausiger Ehemann, tobt ständig herum und verpestet die Atmosphäre mit seinen rechten Ansichten. Sie haben kaum noch echte Freunde.“ Toni legte liebevoll den Arm um seine Mutter und setzte sich zu den Eltern. „Danke, dass ihr zu mir haltet. München und Onkel Bernd sind weit weg. Dad, hier ist ein Prospekt vom Sportstudio für deine Kondition. Ich muss meine Kraft trainieren. Eine Familienkarte wird günstiger. Mum kann ihre Rückengymnastik weiterführen. Vielleicht trifft sie andere Frauen und findet Freundinnen. Cornelia will mich im Paarlauf trainieren. Ich bekomme eine dreizehnjährige Partnerin, die ich bei den Wurfsprüngen und Hebungen halten muss. Sie sagt, wenn meine Geschlechtsangleichung läuft und ich bereits eine Bescheinigung vom Arzt darüber habe, kann sie das Problem mit dem Verband regeln. Ich muss in den Verein in Hamburg eintreten und sie wird sonst alle Kosten privat bezahlen und niedrig halten. Geld will sie vorerst von euch nicht. Vielleicht werden wir von der Union gefördert, wenn wir gut sind und Erfolge aufweisen können.“

Die Eltern beruhigten sich. Anneliese goss auch ihrem Mann einen Tee ein. Toni nahm sich eine Cola und erzählte. „Ole hat ebenfalls mit seinen Eltern gesprochen und wir dachten, wir treffen uns hier zusammen mit Peter. Er kann euch alles erklären und wir schmieden Pläne.“ Klaus fand die Idee großartig. Das hörte sich sehr gut an. Die Elternpaare sollten sich wirklich schnellstens kennenlernen. Er dachte genauso. Anneliese und Klaus waren sich bereits einig darüber geworden, ihren Sohn in drei Wochen zum nächsten Gruppentreffen zu begleiten. Schnell war ein Termin ausgemacht, zu dem man Oles Eltern einladen wollte. Toni rief den Freund gleich an. Der stellte sein Handy laut. „Du, wir sitzen grad in der Küche. Meine Eltern sind einverstanden, sie freuen sich. Vielleicht klappt es mit Peter ebenfalls.“ „Er hat sich noch nicht gemeldet, aber das ist nicht ungewöhnlich. Er hatte mir erzählt, dass er abends oft als Streetworker auf dem Kiez unterwegs ist. Also, am Dienstagabend um 19 Uhr bei uns. Ich muss morgen um 10 Uhr aufs Eis. Halb zehn?“ Toni war guter Dinge und ging davon aus, dass sich Ole Julia nicht entgehen lassen wird. „Alles klar, schlaf gut. Wehe du fängst etwas mit Julia an!“, lachte Ole. Er dachte an die Worte seines Vaters. Gedanken an Mädchen gehörten sich für ihn nicht. Er war schließlich nicht lesbisch. Aber als Junge? Geheimnisvolle Gefühle wühlten Ole auf.

Toni sah den Freund schon von weitem vor der Eishalle warten. Es war erst kurz nach neun Uhr, aber seine Aufregung Julia zu treffen beflügelte ihn und er hatte das Haus früher verlassen. Die beiden schlugen die Hände aneinander und machten sich schweigend für das Training fertig. Toni vertiefte sich in seine Übungen auf dem Eis. Er bemerkte das junge Mädchen, das ihn aufmerksam am Rand der Eishalle beobachtete, zunächst nicht. Julia fuhr mit ihrer rechten Hand sinnlich über ihre dunklen langen Haare, während sie jede Bewegung Tonis verfolgte. Ihr Mund öffnete sich und ihre Zunge benetzte die mit rotem Lipgloss geschminkten Lippen. „Komm, wärm dich auf, Liebes. Du darfst gleich zu ihm aufs Eis. Gefällt er dir?“, fragte Cornelia schmunzelnd. „Mal sehen, du sagtest, er ist noch kein richtiger Junge? Aber er sieht aus wie einer. Das ist schon ein Pluspunkt.“ Julia hatte ihren warmen Anorak ausgezogen und schlüpfte in eine rote Sportanzugjacke. Zarte Finger, deren saubere glatte Nägel mit rosa glitzerndem Nagellack überzogen im fahlen Licht der Eishalle funkelten, schickten sich an, den ebenfalls rosa farbenden Eislaufkoffer zu öffnen. Julia griff zielstrebig nach einer Haarklemme. Geschickt legte sie ihr Haar zusammen und befestigte es mit einem zusätzlichen Band am Hinterkopf. Sie begann mit beiden Beinen zu hüpfen und lief danach die Treppe zu den Tribünenplätzen rauf und runter. Nach fünf Minuten ließ sie ihre Arme kreisen, setzte sich in die Hocke und begann danach Dreiersprünge und Sprünge mit einer Umdrehung auf dem Vorplatz zum Kiosk zu üben. Toni, der sie noch immer nicht gesehen hatte, versuchte sich an einem doppelten Toeloop, welcher zu seiner Freude hervorragend glückte. Ein doppelter Flip und ein doppelter Lutz bescherten ihm ein enormes Plus an Selbstwertgefühl. Euphorisch setzte er zum Axel an und… fand sich mit dem Hintern auf dem Boden der Tatsachen, also auf dem kalten Eis, wieder. Da fehlte eine halbe Umdrehung und seine Arme hatten viel zu früh aufgemacht. Er sah sich peinlich berührt um.

Conny besaß eine außergewöhnlich starke Persönlichkeit. Ihre Erscheinung war nicht zu übersehen. Neben ihr lief ein junges Mädchen. Deren Schönheit raubte Toni den Atem. Das muss Julia sein! Hoffentlich hat sie mein Missgeschick von eben nicht gesehen, dachte er spontan, stand auf und lief an den Rand der Eisbahn. „Alles Gut, du weißt selbst, was du falsch gemacht hast. Den Axel darfst du gleich noch einmal üben. Aber erst begrüßt du deine neue Partnerin. Julia, das ist Toni. Toni, deine Julia!“ Cornelia schaute stolz auf ihr frisch gebackenes Paarlauf Team. Vielleicht werden die zwei in ein bis zwei Jahren als Geheimtipp auf der Liste der deutschen Traumpaare stehen. Sie schalt sich. Vor den Erfolg hatte der liebe Gott die Arbeit gesetzt. Sie sollten sich einlaufen und danach üben, sich während der Schrittfolgen an die Hände zu fassen. Nicht jeder Eisläufer konnte etwas mit einem Partner auf dem Eis anfangen. Am Nachmittag wollte Conny mit den beiden in die Schulsporthalle nebenan gehen und ihnen die ersten einfachen Hebungen zeigen. Julia spürte Tonis Verlegenheit. „Das war gar nicht schlecht. Ich fall auch oft beim Axel. Du darfst nicht zu früh aufmachen. Bei den anderen Sprüngen kann man mogeln, beim Axel ist das tödlich.“

Sie lächelte gewinnend und löste bei Toni genau das Gegenteil von dem aus, was sie mit ihrer lockeren Aussage eigentlich bewirken wollte. Er sollte sich entspannen. Toni bekam jedoch keinen vernünftigen Ton zustande, meinte nur: „Okay“ und schwieg. Cornelia übernahm das Training und auch das Wort. Er brauchte sich nicht mehr anzustrengen und atmete erleichtert aus. Julia war ein bezauberndes Mädchen und trotz ihres Alters schon sehr fraulich anzusehen. Sie wirkte erwachsener als er. Fasziniert und irritiert reichte er ihr die Hand, als sie ihre Schlittschuhe angezogen hatte und half ihr aufs Eis. Conny registrierte die Situation mit Wohlwollen. Toni war als Mädchen sozialisiert worden und würde Julia immer mit Achtung und Respekt begegnen. Rüdes Verhalten musste sie beim ihm nicht erwarten. Jetzt kam es darauf an, wie schnell er seine Rolle als Mann lernte. Sie sagte nichts und nickte den beiden zu.

Julia begann sich einzulaufen und kurze Zeit später reichte sie Toni die rechte Hand. Das gemeinsame Rückwärtsübersetzen und die Schrittfolgen als Paar ließen Connys Herz Purzelbäume schlagen. Da hatten sich zwei gefunden, die zusammengehörten. Neben ihr stand Ole und starrte Julia an. Alle inneren Verbote lösten sich auf. Ole fühlte sich als Mann und betrachtete seinen besten Freund augenblicklich als Konkurrenten in der Gunst um das schönste Mädchen der Welt, wie es ihm schien. „Vergiss es und beweg dich, damit du nicht kalt wirst“, schmunzelte Conny. „Ich hab noch mehr Mädels in meiner Hamburger Gruppe. Für dich werden wir schon etwas Passendes finden. Die zwei dort werden eines Tages für ihr Land starten.“ Sie ließ Ole stehen und klatschte in die Hände. Die beiden Eisläufer verstanden, liefen sofort zu ihrer Trainerin an die Bande. Um zwölf Uhr endete die erste gemeinsame Trainingseinheit. Am Nachmittag sollten sie sich in der Sporthalle der nahegelegenen Schule treffen. Cornelia hatte sich Schlüssel und Erlaubnis vom Schulleiter geholt, damit sie in der Turnhalle off-ice Training durchführen konnte. Ihr Traumpaar wird dort nicht alleine sein. Fünf andere Mädchen aus ihrer Gruppe sollten gemeinsam Eisgymnastik betreiben. Ole und Toni blickten Julia und ihrer Trainerin hinterher, als diese ins Auto stiegen. „Krasse Braut“, meinte Ole anerkennend. „Hey, bist du eifersüchtig?“, neckte ihn Toni. Sein Handy summte. Peter hatte ihm eine SMS gesandt. „Die ist von Peter. Mit Dienstagabend geht alles klar. Er freut sich für uns.“ Ole lächelte. „Conny sagte, Julia ist tabu für mich. Aber sie wird mir etwas Nettes aus ihrer Gruppe besorgen. Ich werde heute Nachmittag zur Turnhalle kommen. Ein wenig Bewegung kann nicht schaden.“ „Dann wollen wir das Beste für dich hoffen“, zwinkerte Toni. „Ich glaube, die sind alle noch unter zehn Jahre und das willst du doch sicher nicht, oder?“ „Ha, ha, ha. Bis nachher. Und sei dir bei Julia nicht so sicher. Eislaufpartnerin kann sie ja sein, aber vielleicht liebt sie mich anstatt dich.“ Sie drückten einander. „Bis später, mein Freund“, lachte Toni. Sein Herz machte Freudensprünge, als er nach Hause lief.

Kurz vor vier Uhr stand er vor dem Eingang zur Schulsporthalle. Drei kleine Mädchen in Turnanzügen warteten ebenfalls. Ole kam mit seinem Fahrrad und bemerkte die Bescherung schon von weitem. Die waren wirklich noch zu jung. Aber man soll die Flinte nicht gleich ins Korn werfen. Er umarmte den Freund zur Begrüßung. „Seid ihr alle bei Conny?“, begann er ein Gespräch mit den Kleinen. „Ja, sie kommt gleich mit Julia und Amelie. Die sind schon groß. Julia hat jetzt einen Partner, sie soll Paarlaufen üben“, erzählten die Kinder. Aha. Ole atmete aus. Es gab noch Hoffnung für ihn und die hieß womöglich Amelie. Seine Überraschung konnte nicht größer sein, als Connys Auto auf dem Parkplatz anhielt. Julia stieg aus, nahm grazil ihre Sporttasche aus dem Kofferraum und ging lächelnd auf Toni zu. Sie trug einen zu engen pinkfarbenen Pullover unter ihrem weißen Anorak, den sie wohlweislich offen ließ, damit sich ihre kleinen festen Brüste deutlich darunter abzeichnen konnten. Ein weiteres Mädchen verließ den Wagen. Sie schüttelte ihre hellblonden Haare aus, legte den Kopf zur Seite und tat so, als wenn die beiden Jungen an der Tür gar nicht vorhanden waren. Amelie war mit ihren vierzehn Jahren nicht weniger kokett als ihre Freundin Julia. Und sie konnte ihr beileibe äußerlich das Wasser reichen. Sie wollte sich Ole ansehen.

Cornelia hatte ihr von Tonis Freund berichtet und starke Zweifel an der angeblich schwulen Ausrichtung der beiden Jungen geäußert. Sie meinte, es müsse nur das richtige Mädel kommen, dann würden die zwei Herren sicherlich aufhören, sich füreinander zu interessieren. Amelie wollte gerne mitspielen. Die Jungen in ihrer Schule gefielen ihr nicht besonders. Die meisten erinnerten an Machos und sie liebte Romantik und Gefühle. Liebesromane standen derzeit hoch im Kurs bei ihr. Selbstbewusst sah sie auf, strich ihre Haare aus dem Gesicht und begann mit Ole zu flirten. Der erhielt einen derben Schubs von seinem Freund. Er verstand den Wink sofort. Eilte auf Amelie zu und nahm ihr charmant lächelnd die Sporttasche aus der Hand. Julia nutzte den Augenblick für sich und schwubsdiwubs trug Ole auch ihre Tasche.

Sie hakte sich mit einem fröhlichen „Hallo“ bei Toni unter, betrat ohne Ole eines Blickes zu würdigen die Sporthalle. Cornelia lachte in sich hinein. Sie kannte ihre Mädchen. Ole besaß nur noch Augen für Amelie, die ihre Chance gleich nutzte. Handynummern und Mailadressen wurden nach dem Training ausgetauscht und als Toni den Vorschlag machte, noch einen Moment im Eiscafe zusammenzusitzen war das Eis endgültig gebrochen. Cornelia erlaubte ihnen den Besuch unter der Voraussetzung, dass die Jungen die Mädchen um spätestens 18 Uhr zur Bushaltestelle bringen und die Mädchen ihre Eltern benachrichtigen, wann sie zu Hause sein werden. Toni und Ole fühlten sich wie Ritter aus längst vergangener Zeit. Natürlich kann sich Conny auf sie verlassen, versprachen sie. Ein paar Minuten später wurde die gerade erst begonnene homosexuelle Beziehung zwischen Toni und Ole erweitert. Ihre Entwicklung hatte sie dank der Mädchen bereits überholt. Beide fieberten dem Dienstagabend entgegen. Sie wollten so schnell wie möglich ihre männliche körperliche Entwicklung vorantreiben.

Fortsetzung folgt
 
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