Eisengallustinte für poetische Texte

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Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Ich war lange fast nur digital am Werke.
Das erweckte in mir Unbehagen.
So wollte ich wieder mal handschriftlich arbeiten.
Und: alte Techniken erproben.
Und: das Ganze sicher gegen darüberlaufendes Wasser machen.

Dafür gibt es einen Prozess, der ca. 2000 Jahre alt ist, und von dem es heute noch Tinte gibt: Eisengallustinte.
Nach dem Trocknen ist sie wasserfest.

Ich wollte sie aber selber machen.

Man braucht:

Galläpfel, Eisensulfat, Gummiarabicum und Wasser.
Die getrockneten Galläpfel werden zerstampft und zerkocht, wobei Gallussäure (aus Tannin) entsteht. Hinzu wird das Eisensulfat und das Gummi arabicum gegeben.

Also im Prinzip Gallsäure (Gerbstoff) und Eisen, sowie gegebenenfalls Gummiarabicum, um die Konsistenz einzustellen.

Eine vereinfachte Formel ist:

Schwarzer oder grüner Tee oder Eichenrindentee, wenn man keine Galläpfel hat. Auch Babanenschalen sind geeignet, sie enthaten relativ viel Gallsäure.

Rostige Nägle (als Ersatz für Eisensulfat.)

Man füllt ein kleines Glas mit dem "Tee" und gibt die Nägel - noch besser Feilspäne hinein und lässt es stehen.

Nach etwa einem Tag oder auch nach mehreren Tagen hat sich die Tinte entwickelt.

Für Füller ist die vereinfachte Form wenig geeignet, weil diese verstopfen können.

Gut gehen Holzstäbchen, Pinsel, Rohrfedern, Gänsekiele, Metallfedern an Federhaltern.

Nach dem Trocknen ist die braune bis dunkelbraun-violette Tinte wasserfest. (Im Gegensatz zu Schultinte.)

Man kann damit sehr gut Gedichte aufschreiben und illustrieren.

Ich habe hier https://hutschi.wordpress.com/2021/06/18/eisengallustinte-herstellung/ Beispiele dargestellt zur Herstellung und Farbe.

Gut geeignet ist die Tinte für Kalligrafie und zum Schreiben von Haiku.
 
Hallo Bernd,

Schöne Idee, vielleicht probiere ich es einmal aus! Habe noch viele Gänsekiele. Wäre doch schön, einmal einige handgeschriebene Gedichte mit dieser Tinte hier zu lesen ... oder einen Aufruf hierzu zu initiieren, wäre interessant, die Handschriften der Autoren zu lesen.

Grüße aus Osnabrück,
Artbeck
 
Hallo Bernd,

Vielen Dank für deine Antwort und die Bildbeispiele! Mal sehen ob ich Eichengalläpfel finden kann, ansonsten hast du ja Alternativen aufgeführt.

Gruß,
Artbeck
 

Bernd

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo, Artbeck,
hier ist noch eine Literaturstelle: Seilnacht


Und hier für Bananenschalentinte:

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Bei meinem letzten Versuch habe ich Feilspäne aus einem Markt für Künstler genommen. Das geht auch ganz gut. Die benötigte Menge muss ich noch optimieren.
Eigenartigerweise schäumen sie nach einigen Stunden.
 
Zuletzt bearbeitet:

Bernd

Foren-Redakteur
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Das müsste gehen. Am besten, wenn sie schon verrostet ist.
Viele Grüße
Bernd
 


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