El Nevado Ojos del Salado

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Mimi

Mitglied
Am liebsten würde ich sie hinunterschubsen. Einfach so. Hier und jetzt.
Sie trägt sogar diesen hässlichen Wanderrucksack mit Anmut, so als wäre er nicht zentnerschwer, sondern ein modisches Accessories.
Wir sind das Schlusslicht der Gruppe. Oder besser gesagt, ich bin das Schlusslicht. Die anderen Wanderer sind bereits ein gutes Stück weitergelaufen.
Bestimmt beschwert sich dieser widerliche Typ schon wieder über mich. Als wenn ich mich nicht anstrengen würde. Und wie ich mich verdammt noch einmal anstrenge.
Im Moment strenge ich mich an meine Hände unter Kontrolle zu behalten.
Hoffentlich wird der Kerl von einer Lanzenotter gebissen. Oder von einer Bananenspinne.
Eigentlich wären sie alle ohne mich viel schneller. Es war eine bescheuerte Idee, diese ganze Tour auf dem Ojos del Salado ist eine einzige Katastrophe.
Überall liegt Vulkanasche, sogar in meiner Nase sammelt sie sich.
Meine Lunge brennt. In den Seiten spüre ich Stiche wie spitze Dolche aufflammen. Die Blase am Fuß macht mir zu schaffen und die Kopfschmerzen werden immer schlimmer, je höher wir steigen.
Trotzdem habe ich das starke Verlangen nach einer Zigarette. Mir fällt ein, dass ich die letzte Kippe, die ich in der Bodentasche meines Rucksacks finden konnte, bereits heute Morgen im Base Camp geraucht hatte.
Heute Morgen, nach dieser Szene, die sie mir vor der ganzen Mannschaft gemacht hat.
Warum geht sie dann nicht einfach zu den anderen, anstatt bei mir zu bleiben? Bestimmt ist der Scheißtyp enttäuscht und fragt sich, wieso eine so hübsche Frau wie sie, mit einer wie mir abhängt. Und warum mischt sich dieser Kerl überhaupt ein? In meinem Kopf hallt seine arrogante Stimme die ganze Zeit nach.
Andáte a la concha de tu madre. Zorra loca.
Hoffentlich schmerzt ihn sein Kiefer immer noch, nach diesem Kinnhaken, den er mehr als verdient hat.
Ich schaue auf ihre langen Haare, die wie Weizenfelder kurz vor der Erntezeit glänzen.
Sie ist makellos. Ich bin das Gegenteil. Eine geschundene Seele, wie sie mir vor der ganzen Gruppe sagte. Un alma maltratada.
Ihr gottverdammtes Lächeln, das sie aussehen ließ wie ein unschuldiger Engel. Und dann dieser Idiot, der sich breitbeinig an ihre Seite stellte, als müsse er sie vor mir beschützen.
Ich beiße die Zähne zusammen, spüre das Blut in meinen Ohren rauschen.
Mein Puls wird zu einer Buschtrommel. Das Hemd klebt unangenehm feucht unter der Jacke an meiner Brust.
Der Wind weht feinen Vulkansand in meine Augen.
Sie ist kein Engel. Nein. Sie weiß genau, was sie mir antut.
Meine Hände beginnen zu kribbeln, beginnen ihr Eigenleben. Es ist wie ein unterirdisches Brodeln, das sich bis in die Fingerspitzen überträgt.
Ich bin genauso wie dieser verdammte Vulkan. Dann nehme ich Anlauf und fülle meine Lunge mit der seltsamen, schwefelhaltigen Luft.
Mit aller Kraft renne ich ihr in den Rücken, die Hände wie große Schaufeln erhoben und fühle mich dabei unendlich gut.
 
Zuletzt bearbeitet:

onivido

Mitglied
Hola Mimi,
habe nachgeschaut. 6893m. Grausig. Da kann man schon verstehen, dass das Gehirn nicht genuegend Sauerstoff erhaelt.
Mir gefaellt die Sprache.
Gruesse///Onivido
 

Mimi

Mitglied
Hola Onivido,
En primer lugar, gracias por tu comentario!

Pues... es que el ser humano tiene una inclinación natural a buscar el abismo...

Tal vez somos detalles, pura psicología, mente sobre cuerpo...todas las acciones humanas.

Un saludo
Mimi
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hm...
Ist jetzt nicht so spannend für den Rest, wenn Posts auf Spanisch erfolgen!

Liebe Grüße
Manfred
 

Mimi

Mitglied
Hallo Manfred,
Du hast recht... der Post gehört auf Deutsch.
Natürlich sollten alle ihn verstehen.
Sorry, dafür.

Ich schrieb, dass der Mensch immer schon eine natürliche Neigung zum Abrund hat.
( es ging mir vordergründig in der Prosa um menschliche Abgründe )

Vielmehr sind wir Mensch, im Detail betrachtet, reine Psychologie, Geist über Körper.

Liebe Grüße
Mimi
 


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