Elektronisk Merkmaskin ;)

Elektronisk Merkmaskin

Ich habe eigentlich nichts gegen Beschriftungen. Ein Leben ohne Drangeschriebenes ist wie ein Gang auf die Toilette, ohne vorher zu wissen ob dort Klopapier liegt. Stellen sich mal vor ab morgen würden nun keine Schilder mehr angebracht werden. Oh Gott, welches Chaos würde das ergeben. Die französische Nonne z.B., die mich nach dem Weg gefragt hat und nach links, rechts, rechts, gerade aus am Schlachter vorbei, völlig falsch und unwissend mit angstgeweiteten Augen in Rosies Nachtbar landet. Das wäre doch eine Katastrophe, nicht wahr? Nein, nein, Dranschreiben, da macht uns keiner was vor, ist vollkommen sinnvoll.
Aber es gibt da so Menschen, die können das einfach nicht lassen, die müssen ständig übertreiben. Mein Nachbar Karl-Heinz Ewald z.B. Wenn ich dort vor dem Haus stehe, weiß ich gar nicht, was ich machen soll. Da sind so viele Schilder angebracht, daß man gleich wieder abhaut. „Hier wohnen Karl-Heinz, Brigitte, Jonas, Mathias und Marie Ewald”, „Unser Hund beisst nur in die Eier” und so weiter. An jeder Hausecke sind Schilder angebracht „Da geht's zum Garten”, „Da geht's zum Eingang”, „Da geht's zur Garage”, als wenn das den Postboten interessieren würde. Karl-Heinz sagt immer nur, das ist wichtig, von wegen der Sicherheit. Ja K-H, sage ich dann, weil ich weiß, daß er es bei der Berufsgenossenschaft schwer hat.

Haben Sie schon mal was von „Greenwrite” gehört? Da bin ich schon seit längerem aktives Mitglied. Greenwrite hat sich organisiert um überdimensioniertes Drangeschreibe und wahnsinniges oder auch großflächiges Beschildern mit friedlichen Mitteln einzudämmen. Jäh, sagt unser Vorstandsvorsitzende immer, jäh, „Peace for ever” and „Save the white wall”. Und dann streckt er immer die Faust in Luft, weil er meint, daß so was gut ankommt.
Erst letzten Monat hatten wir wieder eine Aktion zum Schutz einer weißen Mauer. Da hatte sich ein Aktivistenkollege vom asiatischen Austauschprogramm in Brandenburg an eine weiße Mauer dran gekettet, mit einem „Safe the white wall” Transparent in der Hand. Ich war ziviler Beobachter.
Doch die meisten Passanten hatten wohl ein wenig Probleme mit der englischen Sprache und da die Deutschen schon immer ein wenig dummschädellig waren, glaubten sie das Greenpeace sich unbenannt hat. Es dauerte nicht lange und eine Menschenmenge fand sich ein, weil die Deutschen nicht nur kein Englisch können und dummschädelig sind, sondern auch noch oberneugierig dazu. Die standen also vor diesem kleinen Aktivisten, der sich an der Mauer festgekettet hatte. Die in der ersten Reihe versuchten krampfhaft, das Transparent zu entziffern. „Saaaaffffeeee theeee wiiiiiteeeeee waaaaaalllll” lassen sie langsam und plötzlich rief ein erster vermeintlich Schlauer aus: „Das ist Plattdütsch, das heißt „Seife den weißen Wal”. Da tobte die Menge, schmiss ihre Hütte in die Luft, die Glatzen schimmerten in der Sonne und es freute sich ein Jeder. Ja, die Freude war wirklich groß und mein Aktivistenkollege in seinem Grünmann freute sich auch, weil der aus Japan kam und gar kein Deutsch konnte. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, denn als die Brandenburgianer gar keinen weißen Wal nicht fanden, wurden sie ganz schön sauer und fühlten sich verarscht. Von wegen einen nicht vorhandenen weißen Wal seifen, wo gar keiner zu finden ist. Das fanden die in Brandenburg gar nicht lustig. Und als dann so ein blöder Depp, der gar keine Glatze hatte, über irgend einen Stock am Boden stolperte, fühlte sich die Menge leicht angemacht und „plügelte fulchtbal“ auf ihn ein, auf den armen „Gleenwlite-Austausch-Aktivisten“, der sich ja nicht „wehlen“ konnte, weil er immer noch an der „Mauel“ mit „Fischel Mauelhalken verankelt wal“ und ich nur ziviler Beobachter sein durfte. Später war der „Glennwlitel“ im „Glünmann“ dann tot und in der Bildzeitung stand wieder was von Glatzengewalt in den neuen Bundesländern.
Das alles nur, weil wir in Brandenburg gegen das Beschriften und für eine bessere Zukunft demonstriert hatten.

Wissen sie, früher habe ich über diese Dinge gelacht. Doch eines Tages, ich war gerade auf ein Bier bei meinem Nachbarn Karl-Heinz, da wendete sich das Blatt. Da ich gerne ein wenig neugierig bin, war ich ins Schlafzimmer gegangen und hatte mal so ganz zufällig in seinen Wäscheschrank geschaut. Da traf mich der Schlag. Ich war wirklich sprachlos. Nicht daß sie denken, ich hätte einen Vibrator und Penisator oder gar gebrauchte Kondome gefunden. Nein, viel, viel schlimmer noch. Er hatte mit kleinen goldenen Schildern definiert, wo z.B. seine Liebestöter hingehören und wo die Fallobstfänger von seiner Frau und natürlich wo sein Penisator oder auch Liebeskugeln zu liegen haben. Das war für mich zu viel, glaube ich. Dieses Übergenaue passt einfach nicht mehr in die heutige schnelllebige Zeit, wo ein Furz schon altersschwach ist, wenn man ihn gerade fahren lassen hat. Seit diesem Tage drehe ich durch, wenn jemand eine Stelle mit Dangeschriebenem verschandelt.

Doch gebe ich allerdings zu, daß diese neumodischen Beschriftungsgeräte geradewegs zum unkontrollierten Dranschreiben verführen. Haben sie so ein elektronisches Dymadingens schon mal in der Hand gehabt? Da muss doch ein Technikfreak ausflippen und wie auf Pille durch die Wohnung laufen und alles „belabeln“. Die sind nicht mehr wie früher, als die noch „typo-clic” und „Typograph hießen, wo sie über Mordsgewalt rot- und blaufarbene Glanzplastikstreifchen mit einem kleinen labbrigen „Kunststoff-drück-mich-nicht-zu-doll-sonst-ich-geh-kaputt-Gerät” prägten. Damals ähnelten die in Form und Farbe irgendwie den „Fasern“ von Raumschiff Entenscheiss. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb sie immer kaputt waren, wenn man sie dann mal brauchte.
Nun gut, diese Zeiten sind leider vorbei und ein neues Zeitalter hat schon lange begonnen. Heute gibt es keine „Faser” mehr, sondern nur noch überdimensionierte elektronische Labelmaker. Als ich das erste mal so ein Hightekgerät erblickte, erinnerte es mich stark an das in die Jahre gekommene Kofferradio, das mein Dad mal aus Dänemark importiert hatte. Das war genauso hässlich unförmig und nicht zu gebrauchen.

Wussten sie eigentlich, dass elektronisches Beschriftungsgerät auf dänisch „elektronisk Märkmaskin” heißt. Was ich übrigens für sehr gelungen halte und frei übersetzt, glaube ich, elektronische Merkmaschine heißt, oder so. Die Dänen nehmen das ja nicht so genau, die waren schon immer ziemlich locker. Vor kurzem erst haben sie es wieder bewiesen. Da lachten sie alle, machten komische Grimassen und sagten „Nei nei, den Euro ... neiiiii, den woll’n wir nicht.” Die ganze Welt war wieder mal sprachlos, bloß die Dänen nicht. Die haben gleich ein Fass aufgemacht und ne große Party geschmissen. Die Dänen sind schon immer grass gewesen. Sie kennen doch diese Würstchen mit Brot drum herum und Gurke oben drauf. Genau, „heiße Hunde” oder „Hot Dog” heißen die überall auf der Welt. Aber nicht in Dänemark, da werden die „Pölser“ genannt. Nicht daß die damit bewiesen hätten, daß sie anders sind, nein sie haben die armen Würstchen auch noch coloriert und zwar knallrot. Drauf tun sie süße Gurken, als wäre das mit dem feuerlöscherroten Würsten noch nicht genug.

Erst neulich war ich wieder in dem eurofreien Land, wo auf den Autos Aufkleber angebracht sind wie: „Wi stopper ikke för Euros” was soviel wie „Wir bremsen nicht für Euros” heißt. Das war gleich an Grenze wieder ein Schlag in die Fresse. Aber alles nach kurzer Zeit verziehen und vergessen. Doch wie ich in eine Pölserbude gehe, ich will mich vergewissern, wissen sie, trifft mich der Schlag. Ich erwische den Besitzer mit der „Boschni - elektonisk Märkmaskin”, wie er wahrscheinlich gerade einen Pölser beschrifteten will. Da drehe ich vollkommen durch. Ich schreie fanatisch-ideologisch-europäischen Blödsinn, sage dem Pölserbudenbesitzer, daß er sich den Euro in den Arsch stecken kann und frage ihn, warum der arme Japaner sterben musste. Dann nehme ich die Boschni und haue sie ihm um Ohren. Fassungslos und völlig verängstigt blickt mich der Pölserbudenbesitzer an. Er macht höchst wahrscheinlich seine Kasse auf und hebt die Arme. Aber das sehe ich nicht mehr, weil ich mit großem Zorn im Höschen abziehe. Und als ich am dänischen Grenzposten vorbeifahre zeige ich ihm den Stinkefinger und weiß, daß ich niemals wieder ins Boschni - Märkmaskinen Land fahren werde.
So war das neulich. Und heute musste ich für meinen Chef die dänischen Kekse mit dem „eletronic Labelmaker” beschriften, obwohl ich nicht wollte. Das war nicht schön.



.... ich hoffe ich habe zu Erheiterung beigetragen .... ;)



grüsse aus Worpswede
Euer
Freund JanLeo°
 

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