Elias

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anemone

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Es war der erste schöne Sonnentag meiner Ferien und ich begab mich zu der nächsten freien Bank am Strand-Kinderspielplatz, um dort mein Buch auszupacken und wie gewöhnlich zeitweise über seinen Rand hinweg das bunte Treiben zu beobachten. Neben mir saß eine junge Frau in einem langen schwarzen Nylonrock und dunkengrünem T-Shirt. Ihr dunkelbraunes Haar war in einem lockeren Zopf zusammengebunden. Sie schob einen Doppelkinderwagen vor und zurück, um das darin liegende Kind in den Schlaf zu wiegen. Ihr Dreijähriger stellte sich vor Sie hin und wollte auf die Toilette. Diese befand sich allerdings etwas weiter weg und ich bot ihr meine Hilfe an. "Ich könnte mit ihm in die Richtung gehen, wenn er es denn alleine kann!" "Er kennt Sie nicht!" sagte sie zu mir und lief ein paar Schritte, bis zum Anfang des Sandstrandes. Janus musste sich noch etwas gedulden.
Eine Bekannte bekam von ihr den Auftrag, sich solange zu dem Kinderwagen zu setzen, während sie mit Janus davonging.
Nach ihrer Rückkehr ließ die Frau, auch eine junge Mutter, uns wieder allein und sie klärte mich auf: "Wir machen hier eine Mutter-Kind-Kur!", und während der Zeit lernte ich auch noch ihr drittes Kind kennen. Es war etwa vier bis fünf Jahre alt. "Zu Hause habe ich noch ein Kind, doch dieses ist schulpflichtig."

Janus wollte nicht auf den Spielplatz. Er blieb in der Nähe der Mutter und schob vor der Bank den spärlichen Sand mit einem Schüppchen hin und her. Auch ihr größeres Kind hatte einen recht christlichen Namen und ich sprach sie daraufhin an.
"Ja, " sagte sie, "das ist auch unsere Einstellung, ich komme aus Russland, zu Hause waren wir mit 12 Geschwistern.
und ich hätte gerne noch mehr Kinder gehabt, doch leider ist das nicht mehr möglich." Sie versorgte mit großer Ruhe und Geduld Elias, welcher nach langem Schlaf aufgewacht war. Ich holte uns bei dem schönen Wetter einen großen Topf Eis und für die Kinder eins nach Wunsch. Die Kinder und ich hatten gleich Gelegenheit, dieses Eis zu verspeisen. Bis ihre Mutter soweit war, dauerte es eine Ewigkeit, denn für sie gab es immer etwas zu tun. Als ich den Strand verließ, sah ich sie wieder auf der Bank sitzen und in Ruhe das Eis verspeisen. Ob es nicht inzwischen flüssig war?
 

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