Erbschaft

Arcos

Mitglied
Der Bestatter hatte gute Laune.
Das war verdächtig genug.

Die Familie stand geschniegelt nebeneinander
und sah aus wie Menschen,
die plötzlich wieder an Zusammenhalt glauben.

Jemand weinte.
Jemand rechnete.

Der Verstorbene hatte verfügt,
dass alle gemeinsam seine Lieblingsmusik hören sollten.
Niemand wusste, welche das war.
Also stritten sie drei Stunden lang
vor dem geschlossenen Sarg.

Die Nachbarin sagte,
er sei immer ein friedlicher Mensch gewesen.

Das war die erste Lüge des Tages.

Beim Kaffee erzählten alle,
wie viel sie ihm verdankten.
Zwischen den Sätzen
wurden Schubladen im Kopf geöffnet
und Schmuck bereits verteilt.

Am Ende wurde das Testament verlesen.

Er hatte alles
dem Tierheim hinterlassen.

Zum ersten Mal an diesem Tag
herrschte ehrliche Trauer.

Und die Tränen flossen.

Nicht wie ein Fluss,
nicht wie ein Segen.

Sie fielen schwer
auf unerfüllte Erwartungen,
auf gierige Hände,
auf sorgfältig gepflegte Masken.

Der Himmel schwieg.

Und irgendwo
lächelte der Tote zum ersten Mal
seit seiner Beerdigung.
 



 
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