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Erdbebengrenze

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anemone

Mitglied
Heiß war es. Die Luft stickig und schwül, als wir den Trampelpfad der Klamm entlang nahmen. Die hohen Felswände ließen die Sicht hinauf nur durch einen schmalen Spalt den blauen Himmel erkennen, der sich jedoch plötzlich verfinsterte.
Unheimlich das Grollen aus der Luft, welches auf ein Gewitter schließen ließ. "Wir müssen uns beeilen!" Kai begann zu drängeln, doch es war nicht möglich. Der Weg war zu schmal und die Leute vor ihm setzten Fuß vor Fuß, ängstlich darauf bedacht, weder nach oben, noch hinunter zu sehen. Ihre spitzen Schreie ließen darauf schließen, dass kein Denken daran war,
hier aus dieser Klamm jemals schneller als geplant heraus zu kommen.
Die ersten Tropfen fielen. Der Fels über uns hielt sie davon ab unseren Kopf zu treffen. Wir sahen sie niederfallen, tief hinunter in den Bach, der so laut rauschte. "Erdbebengrenze!" hatte Jürgen uns zu dieser Klamm mitgeteilt und ich hielt mich vorsichtig am Geländer fest, welches aus Stahlrohr diesen Steg in schwindelnder Höhe begrenzte. <Nur das nicht!>, dachte ich.
<Bitte nicht jetzt!>, <Jederzeit, doch nicht, wenn ausgerechnet wir die Klamm besichtigen wollen!>. Es war ein Flehen, ein Bitten an den da oben, der den Himmel über uns zu verfinstern schien. Wollte er uns nur einen Schrecken einjagen? Oder wollte er uns zeigen: "Ihr seid nur winzig kleine Ameisen für mich!". Das Wetter kannte keine Gnade. Der Regen rann die Felswände entlang. Versuchte man sie anzufassen packte man an eine kalte glitschige Innenwand, die einen lehrte, das Vertrauen auf die andere Seite des Weges zu legen. Fest das Stahlgeländer zu umklammern. <Nur nicht ausrutschen und nur kein Erdbeben jetzt! Ausgerechnet jetzt!>, dachte ich und sagte laut: "Mensch, bin ich froh, wenn wir hier heraus sind!"
Die Antwort von Kai war nur kurz und doch bemerkte ich, dass auch er Angst hatte: "Das kannst du laut sagen!".
Jürgens Stimme klang beruhigend als er sagte: "Des ischt net so schlimm, des ischt immer, wann's rägnet!"
Er sollte Recht behalten. Es war wirklich nicht so schlimm. Doch zu einer Klamm, zieht mich wirklich nichts mehr hin.
 

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