Erinnerungen eines Bischofs

steyrer

Mitglied
Bischof Manfred Scheuer schrieb in der Gratiszeitung Tips den Artikel „Mehr Liebe und Freude in der Welt“. Das Foto darin zeigt ihn diskutierend im Kreise von vier Volksschulkindern. Im Artikel selbst geht es um drei Fragen eines Neunjährigen. Zuerst: „Was tust du den ganzen Tag?“, dann: „Arbeitest du auch etwas?“ Und nach einer Erklärung der bischöflichen Tätigkeit: „Wozu ist das Ganze gut?“
Das klang hart, aber der Bischof analysierte, dass das Kind Arbeit nur als herstellendes, aber nicht darstellendes Handeln betrachte, wie es eben Seelsorge sei. Es war sich sogar unsicher, ob seine Lehrerin arbeitet, die ebenfalls kein Produkt herstellt. Auch viele ältere Erwachsene bezögen ihren Lebenssinn daraus und würden meinen: „Ich bin nicht mehr viel wert, ich bin für nichts mehr gut, ich kann nichts mehr arbeiten.“
Diesen Gedanken sprach er jedoch dem Kind gegenüber nicht aus, sondern behalf sich mit der Antwort, dass er dafür gut sein wolle, mehr Liebe und Freude in die Welt zu bringen und: „Ist es nicht auch gut für dich, wenn deine Eltern dich lieben, deine Freunde dich gern haben und deine Lehrerin dir etwas beibringt?“
Das letzte ist eine rhetorische Frage, zu der einem Neunjährigen nichts mehr einfällt.
Vielleicht klappt es mit der Liebe und Freude, nötig hätte es die Welt. Die Beschreibung unter dem eingangs erwähnten Foto lässt von diesen Schwierigkeiten übrigens nichts ahnen: „Bischof Manfred Scheuer erinnert sich gerne an Gespräche und den Austausch mit Kindern.“

Zitate nach: Manfred Scheuer: Mehr Liebe und Freude in der Welt. In: Tips Kirchdorf, 24. Juni 2026, KW 26, S. 20
 



 
Oben Unten