erkennende anschau

Mondnein

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[ 4]erkennende anschau


erinnerungs bild das zerscherbte: geometrie
vom spiegel splitter christ baum kugel planeten
wie kaugummi blasen zerplatzt bom dia bolie
nein – gut zischt sie ab hüpper bolisch auf meiner rakete

heiszt dir: dass du siehst im gewebe im muster vom netz
die bilder geschnitten vom echo identischer bilder
in mandalen blühn die mandorla madonnen versetzt
die warhols star war holittle marilyn schilder

siehst du also hier polygon die tapeten machandel
baum muster im lilien feld linient magnetiten
wo schwarz zu weisz schnell wechselt im wahrheiten wandel
existen zu nixen die jetzt deine lüste – erlitten?

und glaubst die gesetze zu sehn mit der logik vom gegen
anwinkel identitel rechtel gegäng gegähn linkel?
die dreiecke liegen der sonnen gestrahl fächer wegen
schlicht dicht aneinander zwei rechte summiern drei ecks winkel
 

Andri Vento

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Hallo Hansz,
es lässt sich recht interessant puzzeln wie deine Wohnung gebrochen und vervielfältigt im nicht euklidischen Raum der inneren Kugeloberfläche erscheint. Hängt Warhols Marilyn in der Wohnung, oder Madonnen die sich vervielfältigen? Und was hast du nur für eine Tapete?
Ja es lohnt der Blick in solch verzerrtes Bild, denn lehrt es doch zwischen Logik und Denkgewohnheit zu unterscheiden. Euklid ist halt nicht zwingend.
Die Sprache so zerlegt, in der Oberflächenkrümmung verzerrt und neu gefügt ist freilich mühsam zu lesen. Ich pick mir drum beim Lesen einfach Teilbildchen raus und bring es nicht auf den gemeinsamen Punkt, denn dann wär es ja para bolisch.
Liebe Grüße,
Andri
 

blackout

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Tut mir leid, Mondnein, ich lese diesen Text, den ich nicht als Gedicht bezeichnen würde, so, als sollte ich Suaheli rückwärts ins Deutsche übersetzen. Dekadenz zur Potenz.

blackout
 

Mondnein

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erkennende anschau

Tut mir leid, Mondnein, ich lese diesen Text, den ich nicht als Gedicht bezeichnen würde, so, als sollte ich Suaheli rückwärts ins Deutsche übersetzen. Dekadenz zur Potenz.

blackout
Ich verstehe nicht, blackout,

warum eine bedeutende afrikanische Sprache als Beispiel für Übersetzungsschwierigkeiten herhalten muß. Ich will Dir nun keinen Rassismus vorwerfen, aber eine nicht leicht verzeihliche Ignoranz gegenüber der Sprachenvielfalt der Kulturräume: Die sind ja nicht durch undurchlässige Plastikbahnen voneinander abgeschirmt, sondern durch osmotische Häute. Ich weiß nicht, ob man tatsächlich einen Menschen durch einen Goldüberzug ermorden kann, wie in einem James-Bond-Film (ich glaube, es war "Goldfinger"), aber in der Tat sind Häute Sinnesorgane, zugleich auch Ausscheidungsorgane, sie sind zugleich Schutz und Tor zur haptisch erfahrbaren Dingwelt.

Und so, eine Art Haut, sind die Sprachdifferenzen, die durch Übersetzung zu öffnen sind.

Hamann, ein hermetischer Philosoph in Königsberg, Zeitgenosse von Kant, gewitzter Gegenspieler dieses Philosophen, hat einen Aphorismus formuliert: "Reden ist Übersetzen - aus einer Engelsprache in eine Menschensprache, das heist, Gedanken in Worte, - Sachen in Namen, Bilder in Zeichen; ..." (Aesthetica in nuce).

Zu meinem Gedicht: Laß los, gib das Verstehenwollen auf, dann kommt das Verstehen von alleine. Es ist ja kein Kanttext, nicht einmal ein Hamann-Aphorismus, sondern ein Lied. Das Bestimmende ist hier nicht eine logische Argumentation, sondern die Musik der losen Bilderreihen.

Warum Du Dich verkrampfst und zu zittern anfängst, weiß ich nicht, ich hoffe, der Anfall geht bald vorüber.
Turn off your mind relax and float down stream
(Tomorrow never knows, John Lennon)

grusz, hansz
 

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