Es ist ... - Sonnet

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Walther

Mitglied
Es ist…

…. der Wald, der sich nicht auf die Felder traute.
Ach was! Es ist der Hund, der einen Haufen schiss.
Es ist der Mensch, der seine Städte baute
Und all das Land zerteilte und zerriss.

In die Natur trat er, der Unbefugte,
Und machte sich, was frei war, untertan.
Er schoss das Kitz, das aus der Lichtung lugte,
Hielt sich für Gott in seinem Herrscherwahn.

Nun steht er da und zählt per Hand die Bienen,
Die auf dem Weinstock sitzen sollten für
Die Frucht: Als Bestäuber sollst du dienen! –
Du wiesest uns, Mensch, lange schon die Tür!

Der Wald? Ist kaum mehr: Strünke säumen,
Wo einst das kleine Kitz stand, statt den Bäumen.
 

Tula

Mitglied
Hallo Walther
Fairerweise muss man eingestehen, dass in Europa die Wälder wieder wachsen. Natürlich nicht in ihrer ursprünglichen Form, aber immerhin, im Vergleich zu anderswo ...

Nun steht er da und zählt per Hand die Bienen

Ja, leider, so ist es ..

LG
Tula
 
…. der Wald, der sich nicht auf die Felder traute.
Ach was! Es ist der Hund, der einen Haufen schiss.
Es ist der Mensch, der seine Städte baute
Und all das Land zerteilte und zerriss.
Grüße.

Wenn du : der Wald, der sich nicht auf die Felder traut
und: Es ist der Mensch, der seine Städte baut

hast du in der ersten Zeile, fast noch einen Binnenreim Wald/traut
 

Walther

Mitglied
Hallo Walther
Fairerweise muss man eingestehen, dass in Europa die Wälder wieder wachsen. Natürlich nicht in ihrer ursprünglichen Form, aber immerhin, im Vergleich zu anderswo ...

Nun steht er da und zählt per Hand die Bienen

Ja, leider, so ist es ..

LG
Tula
Hi Tula,
danke fürs lesen und empfehlen. ob das mit dem waldwachstum im augenblick noch stimmt, wage ich zu bezweifeln. der wald wird gerade ausgeräumt, weil zu viele bäume gekaputt sind. und dann haben wir die kriminellen abholzer in Bulgarien und Rumänien, die nicht einmal vor naturschutzgebieten zurückschrecken.
ja, die bienen ... aber sie alleine sind es ja nicht, sie stehen für das insektensterben allgemein.
lg W.
Grüße.

Wenn du : der Wald, der sich nicht auf die Felder traut
und: Es ist der Mensch, der seine Städte baut

hast du in der ersten Zeile, fast noch einen Binnenreim Wald/traut
Hi Horst,
danke fürs lesen und deine vorschläge. der text ist sauber austariert. daher muss die weibliche kadenz bleiben. einfach den text nochmals anschauen, dann wird es klar, was ich meine.
lg W.
 

Didi Costaire

Mitglied
Hallo Walther,

das Wort "Unbefugte" hat der Mensch zwar selbst erfunden, begriffen hat er es aber nicht so ganz.

Ein kluges und gut formuliertes Sonett, gerne gelesen.

Beste Grüße,
Dirk
 

Walther

Mitglied
Hallo Walther,

das Wort "Unbefugte" hat der Mensch zwar selbst erfunden, begriffen hat er es aber nicht so ganz.

Ein kluges und gut formuliertes Sonett, gerne gelesen.

Beste Grüße,
Dirk
Hallo Dirk,
danke fürs lesen und zum lesen empfehlen. ja, das mit dem befugen. es bot sich an, dieses wunderbare verb zu benutzen. in der tat formuliert das Deuterium 1, Vers 28.:
Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, was auf Erden kriecht!
der moderne mensch übersieht, dass "herrschen" hier "hüten" heißt. der mensch als hirte, das bild des schäfers, ist der schlüssel zum verständnis. ja, die sprache und das verstehen. schwierig, sehr schwierig. der fehlende schutz der schöpfung rührt genau daher, dass man das hebräische wort damals nicht ganz richtig übertragen hat. heute weiß man das besser. ein schäfer, ein hirte, ist niemals gierig. er weiß, dass es einen ausgleich zwischen hirte und herde geben muss.
lg W.
 
G

Gelöschtes Mitglied 22727

Gast
Guten Morgen Walther,

mutig und richtig Dein Werk! Und auch rechtzeitig, da wir uns allmählich wieder auf der richtigen Seite fühlen - wegen unserer 'erfolgreichen' Aufforstungsprogramme ...

Mit dem Kitz hast Du wohl ein wenig Kitsch provoziert, wäre zeittypisch, also gar nicht verkehrt.

Du wiesest uns, Mensch, lange schon die Tür! Das ist mir zu lasch! Ein bisschen mehr Biss, wie oben der Schiss, hätte ich erwartet.

Ein tolles Sonett!

Alles Gute
dmity
 

Franke

Foren-Redakteur
Teammitglied
Hallo Walther,

ist die Schreibweise "Sonnet" beabsichtigt? Wenn nicht, bessere ich es gerne aus.

Ansonsten wieder ein sehr gelungenes Beispiel für eine Gedichtform, an die ich mich nicht heranwage.

Liebe Grüße
Manfred
 

Walther

Mitglied
Guten Morgen Walther,

mutig und richtig Dein Werk! Und auch rechtzeitig, da wir uns allmählich wieder auf der richtigen Seite fühlen - wegen unserer 'erfolgreichen' Aufforstungsprogramme ...

Mit dem Kitz hast Du wohl ein wenig Kitsch provoziert, wäre zeittypisch, also gar nicht verkehrt.

Du wiesest uns, Mensch, lange schon die Tür! Das ist mir zu lasch! Ein bisschen mehr Biss, wie oben der Schiss, hätte ich erwartet.

Ein tolles Sonett!

Alles Gute
dmity
lb @dmity,
der dichter darf durchtrieben sein. eigentlich muss er das sogar. also zieht er alle register. kitsch und scheiße - das passt zusammen. und immer: ironie.
wie es sich für die collagetechnik gehört, wurde wie wild geschnippselt und geklebt.
dass daraus eiin sonnet wurde, ist die kunst. vielleicht.
lg W.
Hallo Walther,

ist die Schreibweise "Sonnet" beabsichtigt? Wenn nicht, bessere ich es gerne aus.

Ansonsten wieder ein sehr gelungenes Beispiel für eine Gedichtform, an die ich mich nicht heranwage.

Liebe Grüße
Manfred
@Franke,
kollege @dmity löst die frage auf. das ist die englische form des sonetts, die man dort auch sonnet nennt. Shakespeare ist ihr bekanntester vertreter - aber nicht der einzige. danke fürs aufgreifen!
lg W.
Hallo Franke,
bin gerade im thread und darf mich kurz vordrängeln, sorry.

Nimmt Bezug auf Shakespeare, ein englisches Sonett.

Alles Gute
dmity
in der tat, @dmity, so ist es. lg W.

ps: der dichter dankt @Tula, @Didi Costaire, @dmity und @Franke fürs freundliche lese-empfehlen!
 

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