Fadenscheinig gestrickt

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Walther

Mitglied
Fadenscheinig gestrickt


Ich greife nach dem Strick, der Hoffnung heißt,
Ins Leere, die jetzt die Fülle ist und gähnt.
Die Brücke, die sich mir für meinen Sturz
Geeignet präsentiert hat, ziert sich jetzt:

Sie schwankt in ihren Sielen, will selbst stürzen.
Der Wind weht schrecklich drüber hin, mein Hut
Fliegt auf, und meine Hutschnur platzt vor Wut
Ganz ohne mich zu fragen. Sterben leichter

Gemacht, weil nicht geplant: Der Hals bleibt dran,
Auch wenn man hängt. Er bricht sich schwerer als
Ein Kragen. Hoffnung machen ist Trapez-

Und Seiltanz, die Balance auf dünnem Eis:
Man folgt dem roten Ariadnefaden,
Den Atem Minotaurs im Nacken spürend.
 

Mondnein

Mitglied
Schwarzpulver

Riskant, die Wortpatronenhülsen so übers Pflaster klirren zu lassen, und es gelingt durch den grimmigen Humor, diese bösen Witze - das verblüfft, verhakt sich in den gegeneinander gespreizten Redensarten, zündet unmittelbar: trocken und kalt.
 

Walther

Mitglied
hallo Mondnein,

das böse in worte zu fassen gelingt am besten über die verzerrung altbekannter bilder, die dann auf einmal so gar nicht mehr bekannt sind. der versuch, solchen textbaustein collagen neue aspekte abzugewinnen, treibt bei mir schon eine weile fröhliche urständ.

danke, daß du das bitterböskalte angefaßt hast. daß ich damit keinen jubel auslöse, nahm ich billigend in kauf. jeder wird mit der münze bezahlt, mit der er das spiel aufnahm bei spiel mit dem leben.

lg w.
 

Mondnein

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Rimbaud: ein Gedicht muß modern sein

Rimbauds dictum, daß ein Gedicht nicht modern dürfe, sondern modern sein solle - z.B. durch das collage-artige Aufreißen der von den Plakatwänden abblätternden Redewendungen - - doch, Du löst Jubel damit aus, in meinen lesenden Augen und hörenden Ohren, ich bin begeistert!
 

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