Eugen van Anders
Mitglied
Falsch Verbunden
In der Frühstücksabteilung, versteckt zwischen Marmeladengläsern und Nuss-Nougat-Aufstrichen, lagen drei Päckchen Plastiksprengstoff. Sie hatten fast zwei Stunden gebraucht, bis sie die Bombe ganz hinten in einem Supermarktregal gefunden hatten. Behutsam nahm er die umliegenden Waren aus dem Regal, um einen freien Blick zu erhalten.
Es handelte sich um eine sehr einfache Konstruktion mit nicht mehr als 6kg Sprengladung, vermutlich PETN. Das war vergleichsweise wenig, aber je nach genauer chemischer Zusammensetzung immer noch genug, um das Gebäude zum Einsturz zu bringen. Oben auf den drei beigefarbenen Paketen war mit reichlich Klebeband ein Mobiltelefon befestigt. Kein Smartphone, sondern ein billiges Tastenhandy, wie es höchstens noch von Senioren benutzt wurde. Er konnte nur ein verdrilltes Leitungspaar entdecken, welches von der Rückseite des Telefons aus zwischen den Päckchen verschwand. Typischerweise wären die zwei Drähte mit den Kontakten des Lautsprechers verbunden, am anderen Ende würde sich der Zünder befinden. Riefe der Bombenleger nun das Handy an, würden die elektrischen Signale des Klingeltons an den Zünder geleitet und die Bombe würde explodieren.
Dieser Mechanismus war leicht zu entschärfen, er musste bloß die Drähte durchtrennen und dann den Zünder herausziehen. Glücklicherweise hatte der Erpresser bereits bei einer fingierten Geldübergabe überwältigt werden können, noch bevor sie überhaupt angefangen hatten, den Laden auf den Kopf zu stellen.
Ruhig nahm er den keramischen Seitenschneider aus der Weste und streckte die Hände ins Regal.
Das Kreuzworträtsel hatte sie schon beim Frühstück erledigt, aber sie könnte mal wieder ihren Enkel anrufen. Sie schaltete den Fernseher stumm und stand auf. Gemächlich schlurfte sie durch das Wohnzimmer, vorbei an Teakholzmöbeln und nikotingelben Tapeten. Ein wenig roch es noch immer nach Tabak. Ein scheußlicher Duft, aber er erinnerte sie an ihren Mann.
Auf einem gefliesten Beistelltisch am anderen Ende des Wohnzimmers stand das Telefon. Ein fast schon historisches Exemplar mit Drehscheibe, wie es nur im Land der Drucker und Faxgeräte noch funktionieren konnte. Daneben das Telefonbuch. Ihr Enkel hatte natürlich mit den Augen gerollt, als Liselotte ihn bat, seine neue Telefonnummer aufzuschreiben, aber in den Telefonapparat seiner Oma hatten sich nun wahrlich keine Personalien speichern lassen.
Sie öffnete das Telefonbuch an der passenden Stelle und begann zu wählen. Ihr Enkel hatte echt eine Sauklaue, sollte das jetzt eine Fünf oder eine Neun sein? Es sah eher aus wie eine Fünf. Das Freizeichen ertönte einmal, bevor es abrupt abbrach und die blecherne Stimme einer freundlichen jungen Dame ihr erklärte, dass die von ihr gewählte Nummer vorrübergehend nicht verfügbar wäre. Also doch eine Neun.
Ganz auf beschäftigt mit der Wählscheibe merkte Liselotte nicht, wie der panische Reporter hinter ihr auf dem Fernsehbildschirm, eingerahmt von Flammen, in einer grauen Staubwolke verschwand.
In der Frühstücksabteilung, versteckt zwischen Marmeladengläsern und Nuss-Nougat-Aufstrichen, lagen drei Päckchen Plastiksprengstoff. Sie hatten fast zwei Stunden gebraucht, bis sie die Bombe ganz hinten in einem Supermarktregal gefunden hatten. Behutsam nahm er die umliegenden Waren aus dem Regal, um einen freien Blick zu erhalten.
Es handelte sich um eine sehr einfache Konstruktion mit nicht mehr als 6kg Sprengladung, vermutlich PETN. Das war vergleichsweise wenig, aber je nach genauer chemischer Zusammensetzung immer noch genug, um das Gebäude zum Einsturz zu bringen. Oben auf den drei beigefarbenen Paketen war mit reichlich Klebeband ein Mobiltelefon befestigt. Kein Smartphone, sondern ein billiges Tastenhandy, wie es höchstens noch von Senioren benutzt wurde. Er konnte nur ein verdrilltes Leitungspaar entdecken, welches von der Rückseite des Telefons aus zwischen den Päckchen verschwand. Typischerweise wären die zwei Drähte mit den Kontakten des Lautsprechers verbunden, am anderen Ende würde sich der Zünder befinden. Riefe der Bombenleger nun das Handy an, würden die elektrischen Signale des Klingeltons an den Zünder geleitet und die Bombe würde explodieren.
Dieser Mechanismus war leicht zu entschärfen, er musste bloß die Drähte durchtrennen und dann den Zünder herausziehen. Glücklicherweise hatte der Erpresser bereits bei einer fingierten Geldübergabe überwältigt werden können, noch bevor sie überhaupt angefangen hatten, den Laden auf den Kopf zu stellen.
Ruhig nahm er den keramischen Seitenschneider aus der Weste und streckte die Hände ins Regal.
***
Im 34 Kilometer entfernten Sörtrup-Brauerlange schüttelte Lieselotte den Kopf. Der Donnerstag-Nachmittag-Krimi im Zweiten war wegen einer Sondersendung über ein sich gerade entwickelndes Bombendrama unterbrochen worden. Zu ihrer Zeit hatte es sowas nicht gegeben. Ihr Tagesplan war damit hinfällig.Das Kreuzworträtsel hatte sie schon beim Frühstück erledigt, aber sie könnte mal wieder ihren Enkel anrufen. Sie schaltete den Fernseher stumm und stand auf. Gemächlich schlurfte sie durch das Wohnzimmer, vorbei an Teakholzmöbeln und nikotingelben Tapeten. Ein wenig roch es noch immer nach Tabak. Ein scheußlicher Duft, aber er erinnerte sie an ihren Mann.
Auf einem gefliesten Beistelltisch am anderen Ende des Wohnzimmers stand das Telefon. Ein fast schon historisches Exemplar mit Drehscheibe, wie es nur im Land der Drucker und Faxgeräte noch funktionieren konnte. Daneben das Telefonbuch. Ihr Enkel hatte natürlich mit den Augen gerollt, als Liselotte ihn bat, seine neue Telefonnummer aufzuschreiben, aber in den Telefonapparat seiner Oma hatten sich nun wahrlich keine Personalien speichern lassen.
Sie öffnete das Telefonbuch an der passenden Stelle und begann zu wählen. Ihr Enkel hatte echt eine Sauklaue, sollte das jetzt eine Fünf oder eine Neun sein? Es sah eher aus wie eine Fünf. Das Freizeichen ertönte einmal, bevor es abrupt abbrach und die blecherne Stimme einer freundlichen jungen Dame ihr erklärte, dass die von ihr gewählte Nummer vorrübergehend nicht verfügbar wäre. Also doch eine Neun.
Ganz auf beschäftigt mit der Wählscheibe merkte Liselotte nicht, wie der panische Reporter hinter ihr auf dem Fernsehbildschirm, eingerahmt von Flammen, in einer grauen Staubwolke verschwand.