Familienchronik

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LuMen

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Familienchronik

Um Ahnenforschung sich bemühen
bringt wundersames Kraut zum Blühen!
Das gilt für alle Menschenrassen
einschließlich ihrer Standesklassen,
Stammbäume gibt´s bei Hottentotten
genauso wie bei Hugenotten.

Zum Glück lag meiner in Europa,
und ihn erforschte schon mein Opa.
Dahinter stand, ich sag´s posthum,
nicht alter Nazis Ariertum!
Europa im Zusammenklang
beflügelte den Wissensdrang,
zumal der Name – das war klar –
vom Ursprung her französisch war.

Anfänglich nicht, doch mit der Zeit
fand auch Verwandtschaft sich bereit,
die Wiege unsrer Großfamilie
zu suchen unter Frankreichs Lilie,
und unter diesem Wappenzeichen
begann man, Bücher zu vergleichen
in Ämtern und Registraturen -
und nicht zuletzt auf Frankreich-Touren!

Denn eine wirklich heiße Spur
verwies auf die Region um Tours
und Poitiers, wovon nicht fern -
die Ahnenforscher hörten´s gern –
liegt die bekannte Stadt Cognac,
die manch´ Gourmet begeistern mag.
Von unsrem Namen gab´s nicht viele,
darunter aber die Destille! –
und in der Tat, es stand bald fest:
Dort fand sich das Familiennest!

Zu Hauf fuhr´n da die deutsch benannten
zu den französischen Verwandten.
Zum rauschenden Familienfest
stieß nun selbst der Verwandtschaft Rest!
Die Medien schickten auch Vertreter,
voll Lobes war das Echo später!
Der <<Maire>>* erschien gleich anfangs schon
und grüßte durch das Mikrofon:
Die Bande wollt´ man weiter pflegen
der Freundschaft und Familie wegen.

Und literweis´ hat man genossen
Den guten Cognac unverdrossen.
Dann aber kam, was öfters kommt:
Der große Knall zum Abschluss prompt!
Als Deutschland nahm die Schicksalswende,
war das nicht nur der Mauer Ende.
Archive öffneten die Türen,
die oft zu neuem Durchblick führen.
In Kirchenbüchern aus dem Land
in Ost ein Forscher Neues fand!

Die Ahnenliste stimmte nicht,
der letzte Fund hat mehr Gewicht:
Es schienen unsre Ur-Ur-Eltern
im Süden ihren Wein zu keltern!
Und schon ruft der Familien-Gong
zur Sternfahrt auf mit Ziel Lyon!
Zu Ferienglück und Sommerfesten
serviert Südfrankreich nur vom Besten!

(Ein guter Cognac steht noch heute
in meiner Bar – Familienbeute!)

________
* Bürgermeister
 

LuMen

Mitglied
Stolperer?

Hallo Henrik,

vielen Dank für deine Kritik!

Mir ist bloß noch nicht ganz klar, wo der "Stolperstein"
liegen soll. Die beiden von Dir bezeichneten Zeilen bewegen sich im gleichen Jambus-Rhythmus wie das ganze übrige Gedicht. Oder meinst Du den Syntax, die "Umstellung" von Subjekt und Prädikat bei "..dass dort lag das Familiennest!"? Das ist aber bei Gedichten allgemein zulässig. Vielleicht kann man es trotzdem besser machen.
Gib mir mal ein Beispiel!

Eine mögliche "Verbeserung" wäre:
"Und in der Tat, es stand bald fest:
Sie führte zum Familiennest!"

Herzlichen Gruß

LuMen
 

Herr Müller

Mitglied
Weicher

Nun genau Lutz,

das klingt weicher und geschmeidiger.

"dass dort lag das" schnell hintereinander gesprochen, dann klatscht immer das das auf das dass :)

"hier fand ich das Familiennest", "dies führte zum Familiennest" oder eben dein Vorschlag klingt besser

Henrik
 

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