Fingerübung 1 : Die Tatwaffe

Liebe Krimifreunde,

in der Diskussion "Krimi-Forum" in der Plauderecke wurde ja als möglicher Grund für die mangelnde Resonanz im Krimiforum die Schwierigkeit eines Krimis genannt. Daher versuche ich mal ein paar kleine Fingerübungen einzustellen, die vielleicht dem ein oder anderen hilfreich sind.

Fingerübung 1 ist die Tatwaffe :
Bekanntlich morden Frauen sanfter und verwenden meist ein Gift. Doch welches? Ist es nachweisbar und wie wirkt es? Wie kann man es beschaffen.
Der echte Mann nutzt einen altmodischen lauten Revolver. Doch welches Kaliber? Wie stellt er sicher, dass die Waffe im richtigen Moment funktioniert? Und nimmt er einen Lappen oder einen Schalldämpfer um den lauten Knall zu vermindern?
Den Südländern sagt man den geschickten Umgang mit Messern nach, doch welches ist das richtige?

Ein Krimi dreht sich ja um ein Verbrechen. Nicht immer ist es Mord. Doch eine "Tatwaffe" gibt es immer. Welche Tatwaffe wählt ihr? Beschreibt Sie genau und beachtet alles. Schreibt diesen Text als Antwort auf diesen Beitrag. Und für alle, die ein Sachtext zu langweilig ist, baut dies in einer Szene ein, die ihr eventuell später in eurem Krimi verwenden könnt.

Und nur Mut. Der erste Mord ist immer der Schwerste!

Michele Pistolero
 

Renee Hawk

Mitglied
Meine Tatwaffe wäre eine Voodoopuppe.
Die Ballistik wäre nicht gefragt, die Forensiker stünden einem natürlichen Tode gegenüber und die Puppe wäre leicht anzufertigen.
Herzinfakt - ist nicht wirklich sanft, aber kaum nachweisbar auf Fremdeinwirkung.
Selbstverständlich würde ich diese Methode nur in westlichen Ländern anwenden, wegen des Schwierigkeitgrades der Ermittlungen.
In den "schwarzen" Ländern, in denen Voodoo als Volksreligion gilt, ist der Kriminalist schon zu sehr sensibilisiert - da würde ich eine andere Methode anwenden.
Aber auf gar keinen Fall Gift, das ist nachweisbar.
 
M

Mara K.

Gast
Tatwaffe.........

ich habe im Moment überhaupt keine Ahnung, welche Waffe, welche Methode ich wählen würde, da ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, jemanden umzubringen.
Aber wenn, dann könnte ich mir nur Gift vorstellen, sicher ist es nachweisbar, aber auch schnellwirksam und ruckzuck
wäre es erledigt, denke ich so bei mir.
Mit einer Voodoopuppe, das wär auch eine Lösung, aber kann man da ganz sicher gehen, dass der Zauber auch ganz gelingt und nach dem Infarkt nicht vielleicht etwas zurück bleibt, so dass der Mensch, welcher eigentlich getötet werden sollte dann ein Pflegefall wird !?
Vielleicht wäre es ja ein Lösung, man lädt den zu Tötenden
zu einer Ballonfahrt ein und schmeißt ihn dann locker über den Korbrand, ...
Nun ja, töten ist nicht unbedingt ein Hobby von mir.
*smile* Mara K.
 
Hallo Mara,
vielleicht hast du unabsichtlich ein sehr interessantes Thema angeschnitten:

Was passiert eigentlich, wenn ein Mordversuch schief läuft?

Mir fällt da spontan die Geschichte von der Frau ein, die versucht, ihren Mann umzubringen und schließlich allein da steht -
mit ihrem Mann, im Rollstuhl, völlig aphatisch, hilflos, von Verwandten umgeben, die garnicht mehr aufhören wollen, sich um ihren Cousin zu kümmern.
Dann, die Mörderin, die einfach nur fürchtet, daß ihr Gatte irgendwann aufwachen könnte, um zu verraten, daß sie die Schuldige an seiner unseeligen Situation ist.
Wie könnte sie versuchen, eine "Bewegungslosen" zu töten -
und besser noch: Wie könnte sich der Bewegungslose wehren?

Gruselig, nicht wahr?

Schöne Grüsse

PS: Gift ist so eine Sache, richtig?
 
M

Mara K.

Gast
Hallo Marcus Richter,

oha, da habe ich ja einen Stein ins kullern gebracht. Ja, aber nicht unabsichtlich, nein, denn es beschäftigt mich schon, was - wäre - wenn usw. es nicht glatt geht !?
Dein Beispiel ist allerdings echt gruselig, rein von der Vorstellung her. Ich mein, die Gattin will den wehrlosen Gatten umbringen, das ist schon makaber oder ?
Ich hatte eigentlich mehr an einen Schwiegermuttermord gedacht *smile*, nicht an die Tötung des Lebensgefährten.
In diesem Falle wäre Gift eine gute Lösung, bei einem Besuch in einer Käsesahnetorte überreicht, obwohl, vielleicht wäre es ja besser eine Flasche Mandellikör zu schenken, in welche man das Gift vor dem Verschenken gegeben hat, man weiß ja, das Schwiegermutter nur ab und an trinkt. Und eines Tages ist es dann geschehen.
So in der Richtung ging mein Denken, wenn ich denn schon morden soll ;).
Herzliche Grüße mit einem Lächeln von Mara K.
 

sekers

Mitglied
Die Waffe? Ein neumodisches Jagdgewehr.

Am Abend des 4.5. ereignete sich an der Wiener Staatsoper ein Mord.

Es geschah während der Aufführung des Mozart-Singspiels 'Die Entführung aus dem Serail'. Der neue Star des Hauses, Norbert G., sang gerade aus der Arie Nr. 4 "O wie ängstlich, o wie feurig", als ein Knall das Orchester übertönte, G. seine Hände zur Brust riss, zu Boden stürzte und tot auf der Bühne liegen blieb.

Fast zur selben Zeit riss auch Helmuth H., Chefdramaturg am Haus, seine Hände zur Brust. Er hatte den Vorgang auf dem Computermonitor beobachtet und dabei wie wild auf sein Keyboard eingehackt. Nun zitterte er am ganzen Körper. War es die Anspannung? War es der Schreck? War es das Wissen, zum Mörder geworden zu sein? Jedenfalls, er hatte einen lang ausgetüftelten Plan in die Tat umgesetzt.

H. war seit Kindheitstagen ein Bastler. Für dieses, sein Counter-Tenor-Projekt, wie er es später nennen sollte, hatte H. zunächst eine Halterung für eines seiner Jagdgewehre gebaut. Die Halterung konnte mit einem Schrittmotor waagrecht und senkrecht bewegt werden. Weiters erlaubte eine schier geniale Hebelkonstruktion, den Abzug der Waffe ebenfalls mit dem Schrittmotor zu betätigen. Die Steuerung des Schrittmotors erfolgte drahtlos über ein Computer-Interface.

H. hatte dann eine Webkamera auf den Lauf montiert, die ihm Bilder von Zielen, auf die der Lauf gerichtet war, auf den Computer übertrug. Zusätzlich hatte H. noch ein kleines Softwareprogramm geschrieben, das ihm ein Fadenkreuz ins Bild der Webkamera projizierte. Die Eichung des Fadenkreuzes hatte er auf einem Schießstand im Wald vorgenommen.

Diese Arbeiten gingen problemlos vor sich, innerhalb von vier Wochen hatte H. eine vom Computer kontrollierte Mordmaschine gebastelt.

Überraschend einfach war es, das Gewehr samt Haltevorrichtung und Schrittmotor seitlich der Bühne auf einem Mauervorsprung in ca. 4 m Höhe zu befestigen. Durch den Mauervorsprung und ein darüber gebautes Gestell war die Waffe ideal verborgen. Helmut H. kannte die Gebräuche des Hauses nur zu genau, und wußte, wann er in aller Ruhe mit Leiter und Werkzeug ausgerüstet, seine Befestigungsarbeiten durchführen konnte. Auch konnte er sicher sein, dass das Gestell keinen Argwohn auslösen würde. Im Rahmen der Restaurierung waren schließlich ständig Handwerker unterwegs, die alle möglichen Umbauten vornahmen.

Und der drahtlose Anschluss der Webkamera und des Schrittmotors ans Intranet, das war sehr elegant programmiert, und er konnte nun alles von seinem Computer aus erledigen.

Schwieriger, ungleich schwieriger als angenommen war es, tatsächlich vor seinem Computerschirm zu sitzen, zu zielen, und im rechten Moment den Schussbefehl zu tippen. H. hatte sinnigerweise den Tastenanschlag 'Control-S' dafür vorgesehen. ...
 
Hm, wenn der Auslöser akkustisch wäre und einen Zusammenhang zur Arie hätte, wäre es für meinen Geschmack perfekt, aber die Idee gefällt mir auch so.
 
Simples Messer

Ich weiß, dass ich da wohl kaum mithalten kann. Aber ich würde ganz simpel und schlicht zum Messer greifen. Das Opfer würde ich in meine Küche locken; dort steht ein schöner großer Messerblock, wo ich garantiert das Passende finde. Rausnehmen, zustechen - und dann ab mit der Mordwaffe in den Geschirrspüler, das beseitigt die Spuren auf der Waffe.
 

Yoanna

Mitglied
Wenn die beste Freundin Gift verordnet...

Ihre Freundschaft währt bereits knapp zwei Jahrzehnte, aber unter der vermeintlichen Harmonie brodelt schon lange unbemerkt die Eifersucht. Die Ältere der beiden Freundinnen besitzt ein Mittel, dem unerträglich gewordenen Zustand der Rivalität ein Ende zu bereiten: Sie ist Ärztin und verschreibt der durch persönliche Lebensumstände psychisch stark angeschlagenen Freundin allerlei Medikamente, die in Kombination ein höchst giftiges Gemisch ergeben. Der Organismus der Jüngeren wird über mehrere Wochen hinweg aufs Stärkste beansprucht. Der regelmäßige Alkoholgenuss der Jüngeren, von dem die Ältere weiß und den sie zudem fördert, tut ein Übriges. Freunde und Bekannte bemerken das veränderte Verhalten der jungen, hübschen Frau, die an ihren Lebensproblemen zu zerbrechen droht und sich, scheinbar aus Verzweiflung, den verschiedensten Exzessen hingibt. So wundert sich am Ende niemand, als sie eines Morgens aus ihrem total verkohlten Wagen auf der Ringautobahn geborgen wird. Ihre Leiche ist kaum wiederzuerkennen.
Dieser Plot entspricht einer wahren Begebenheit. Vielleicht schreibe ich ihn demnächst mal aus.
 

EmmiRothner

Mitglied
Weihnachtsgift

Es war Heiligabend und plötzlich klingelte es an seiner Tür. Verschlafen öffnete Max Weyrauch. Er hatte in den letzten Tagen in seinem Geschäft für Weihnachtsdeko hart gearbeitet und sich eigentlich auf einen ruhigen Abend gefreut.

Vor der Tür stand aber seine Exfrau.
"Ich habe mich so alleine gefühlt und sehnte mich nach dir", säuselte sie sanft.
Begeistert war er zwar nicht, sagte aber: "Gut, komm rein."
Wie konnte er auch eine Frau heiraten, die mit Mädchennamen Myrrhe hieß, auch wenn das zu seinem Namen passte.

In ihrer Hand hielt sie eine Flasche seines Lieblingsweines empor. Wencke, sie war tatsächlich nach dieser Schlagersängerin benannt worden, hatte es stets verstanden, ihn um den kleinen Finger zu wickeln. Da Heiligabend war, beschloss er, mit ihr die Flasche Wein zu leeren.

Sie plauderten eine Weile über Dieses und Jenes. Nachdem Max zwei Gläser geleert hatte, wurde ihm auf einmal ganz übel und er war blass im Gesicht.

"Was hast du denn? Soll ich dir einen Notarzt rufen," fragte Wencke besorgt.
Max konnte nur noch stumm nicken.

Wencke zückte ihr Handy und kurze Zeit später traf auch der Notarzt ein. In der Zwischenzeit hatte sie ihn auf das Sofa gelagert, wohlwissend dass der Notarzt nicht mehr würde viel bei Max ausrichten können.

"Hoffentlich denkt er, das Max nur zuviel getrunken hat und bemerkt nicht, dass ich ihm meine Antidepressiva in einem unbemerkten Moment unter den Wein gemischt habe. Falls das bei der Obduktion herauskommen sollte, kann ich immer noch behaupten, dass sich Max mir gegenüber mit Selbstmordgedanken getragen hat."

Befriedigt schloss Wencke die Wohnungstür hinter sich, nachdem der Notarzt den Bestatter gerufen hatte. Nun hatte sie es Max heimgezahlt, dass er sich exakt am Heiligabend vor 4 Jahren in eine Affäre mit seiner besten Mitarbeiterin gestürzt hatte. Sie hatte ihn in Flagranti erwischt.
 


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