Dichter Erdling
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Im ehemaligen Bachbett ist nichts Flüssiges mehr. Nichts, was blauschimmernd oder kühl wäre.
Bloß noch weißstaubender Kies. Wie ein zusätzlicher Spazierweg, der sich urplötzlich aufgetan hat.
Der Einstieg gelingt am besten an jener Stelle, an der man normalerweise die Füße ins Wasser hängen lässt. Folgt man dem Weg, führt er einen die Uferböschung entlang, die links und rechts steil aufragt und die man sonst nur von oben kennt. Pflanzen wuchern an den Seiten und manchmal auch mittendrin im blanken Bachbett. Man findet keine freigelegten Schätze, nur einen Plastikbehälter, dem der Deckel verloren gegangen ist. Man hebt ihn auf, um ihn fachgerecht zu entsorgen. Und man geht weiter, auch wenn man sich stellenweise durch Gestrüpp kämpfen muss.
Man ist überrascht, dass es auf einmal doch eine wassergefüllte Stelle gibt. Eine letzte Pfütze, mehrere Meter lang und nur wenige Zentimeter breit. In der Pfütze ist Leben, noch.
Die Fische, große, kleine, schwimmen verzweifelt das verbliebene Biotop ab. Quirlige Striche im braunen Wasser, die sich hoffnungslos hin und her bewegen. Totes Getier am Rand der Pfütze unter dem Brennglas der nimmermüden Sonne. Es riecht ringsum nach Dörrfisch.
Man sieht dem Wasser beim Verdunsten zu, eine Weile.
Dann geht man nach Hause.
Man holt einen Plastikzuber und ein Küchensieb, weil was anderes hat man nicht. Man hat keinen Kescher und kein Fischerzeug, denn fischen ist man nie gewesen. Man hat keine Erfahrung, aber man schafft es, die zappelnden Tiere einzufangen. Es ist keine Kunst. Sie können ja nirgendwo hin in ihrer mickrigen Pfütze, die schon widernatürlich warm ist. Sind große Exemplare dabei. Manche mächtig wie ein Arm, andere so klein wie ein Finger - und kleiner.
Mit dem Küchensieb fischt man die Todgeweihten aus dem schlammigen Wasser heraus und lässt sie ins klare Nass gleiten, das man im Zuber hergeschleppt hat. Auf dem Weg vom Wasser ins Sieb kann man die Geschuppten schon mal berühren. Man spürt das pralle Leben unter der glatten kühlen Haut und findet es gar nicht eklig.
Dann schleppt man den Zuber fort. Man schleppt ihn hin zu diesem Fluss, der noch nicht ausgetrocknet ist. Über den Behälter muss man ein Handtuch legen, damit die Fische unterwegs nicht rausspringen und um die Tiere zu beruhigen. Man redet ihnen gut zu, auch wenn man weiß, dass das Blödsinn ist. Die Fische verstehen nicht, was los ist und dass man ihnen nur Gutes will.
Am Flussufer steigt man mit dem Bottich wadentief in die Donau und lässt die Unterwassertiere langsam in ihr neues Leben gleiten. So ein weitläufiges Gewässer, so starke Strömungen kennen sie vermutlich noch nicht, aber sie werden sich rasch eingewöhnen. Man sieht zu, wie sie vom Ufer wegschwimmen. Die Großen zuerst. Man kann gut beobachten, wie sich die Lebewesen nach und nach in die neue Freiheit wagen.
Man entschließt sich, gleich nochmal loszugehen mit Frischwasser und immer so weiter, bis diese Pfütze bestmöglich leergefischt ist. Man weiß, man muss es tun, sonst hätte man ständig im Kopf, wie gleich nebenan gestorben wird. Grausam. Man rettet dreißig Leben oder fünfzig oder mehr. Die winzigen Fische kann man am Ende gar nicht mehr alle zählen.
In der Nacht schläft man ausgesprochen gut.
Tags darauf, wenn man erneut zur Pfütze gehen mag, findet man nur noch dunklen Schlamm und staubbedeckte Schuppen.
Bloß noch weißstaubender Kies. Wie ein zusätzlicher Spazierweg, der sich urplötzlich aufgetan hat.
Der Einstieg gelingt am besten an jener Stelle, an der man normalerweise die Füße ins Wasser hängen lässt. Folgt man dem Weg, führt er einen die Uferböschung entlang, die links und rechts steil aufragt und die man sonst nur von oben kennt. Pflanzen wuchern an den Seiten und manchmal auch mittendrin im blanken Bachbett. Man findet keine freigelegten Schätze, nur einen Plastikbehälter, dem der Deckel verloren gegangen ist. Man hebt ihn auf, um ihn fachgerecht zu entsorgen. Und man geht weiter, auch wenn man sich stellenweise durch Gestrüpp kämpfen muss.
Man ist überrascht, dass es auf einmal doch eine wassergefüllte Stelle gibt. Eine letzte Pfütze, mehrere Meter lang und nur wenige Zentimeter breit. In der Pfütze ist Leben, noch.
Die Fische, große, kleine, schwimmen verzweifelt das verbliebene Biotop ab. Quirlige Striche im braunen Wasser, die sich hoffnungslos hin und her bewegen. Totes Getier am Rand der Pfütze unter dem Brennglas der nimmermüden Sonne. Es riecht ringsum nach Dörrfisch.
Man sieht dem Wasser beim Verdunsten zu, eine Weile.
Dann geht man nach Hause.
Man holt einen Plastikzuber und ein Küchensieb, weil was anderes hat man nicht. Man hat keinen Kescher und kein Fischerzeug, denn fischen ist man nie gewesen. Man hat keine Erfahrung, aber man schafft es, die zappelnden Tiere einzufangen. Es ist keine Kunst. Sie können ja nirgendwo hin in ihrer mickrigen Pfütze, die schon widernatürlich warm ist. Sind große Exemplare dabei. Manche mächtig wie ein Arm, andere so klein wie ein Finger - und kleiner.
Mit dem Küchensieb fischt man die Todgeweihten aus dem schlammigen Wasser heraus und lässt sie ins klare Nass gleiten, das man im Zuber hergeschleppt hat. Auf dem Weg vom Wasser ins Sieb kann man die Geschuppten schon mal berühren. Man spürt das pralle Leben unter der glatten kühlen Haut und findet es gar nicht eklig.
Dann schleppt man den Zuber fort. Man schleppt ihn hin zu diesem Fluss, der noch nicht ausgetrocknet ist. Über den Behälter muss man ein Handtuch legen, damit die Fische unterwegs nicht rausspringen und um die Tiere zu beruhigen. Man redet ihnen gut zu, auch wenn man weiß, dass das Blödsinn ist. Die Fische verstehen nicht, was los ist und dass man ihnen nur Gutes will.
Am Flussufer steigt man mit dem Bottich wadentief in die Donau und lässt die Unterwassertiere langsam in ihr neues Leben gleiten. So ein weitläufiges Gewässer, so starke Strömungen kennen sie vermutlich noch nicht, aber sie werden sich rasch eingewöhnen. Man sieht zu, wie sie vom Ufer wegschwimmen. Die Großen zuerst. Man kann gut beobachten, wie sich die Lebewesen nach und nach in die neue Freiheit wagen.
Man entschließt sich, gleich nochmal loszugehen mit Frischwasser und immer so weiter, bis diese Pfütze bestmöglich leergefischt ist. Man weiß, man muss es tun, sonst hätte man ständig im Kopf, wie gleich nebenan gestorben wird. Grausam. Man rettet dreißig Leben oder fünfzig oder mehr. Die winzigen Fische kann man am Ende gar nicht mehr alle zählen.
In der Nacht schläft man ausgesprochen gut.
Tags darauf, wenn man erneut zur Pfütze gehen mag, findet man nur noch dunklen Schlamm und staubbedeckte Schuppen.
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