Flucht über die Nordsee 71. Seenot

ahorn

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71. Seenot

Das Segel fiel, flatterte wie ein Leichensack, der zum Trocknen aufgehängt, im Wind. Den Kopf von einer Bootsseite zur anderen wendeten, griff Toni an das Zugseil des Außenbordes. Mit einem Ruck sprang der Motor an.
Wie oft hatte er mit Nahne das Manöver geübt, nie wäre er davon ausgegangen, es einzusetzen. Nie gelang es ihm, mit Anhieb die Schiffsschraube in Drehung zu versetzten. Es war der Ernstfall eingetreten. Trainiert bei stiller See, bei spiegelglatter Wasserfläche.
Kniend mit aufgerichteten Oberkörper, die Hand an den Augenwülsten, spähte er über die tobenden Wellen. »TAMI«, schrie er mit Leibeskräften. »TAMI«. Die Sophia schwankte, wie ein Stück Treibholz. »TAMI!«

Ein leuchtendroter Punkt tanzte auf den schäumenden Wogen. Toni riss das Ruder herum, trieb das Boot durch die Wellenkämme. Er kam dem Treibgut näher. Eine Rettungsweste schälte sich aus den Wellen. Eine leblose Gestalt in ihrem Fang. Toni löste die Bordleiter, die das Meer schlagend empfing. Er ergriff die Rettungsboje. Das Segel winkte zum Abschied. Die Sophia neigte und er stützte kopfüber in die Fluten. Die See verschluckte ihn, drückte Tonis Körper unter den Rumpf des Schiffes, bis seine Weste ihn mit Macht an die Wasseroberfläche trieb.

Sein Kopf stieß gegen die Boje. Nach Freiheit schnappend umgriff er das Oval, streifte den Riemen über die Schulter und schwamm. Er kraulte, wie um sein eigenes Leben, kam Tami kein deut näher, dafür entfernte sich das rettende Boot umso mehr. Er holte Luft, tauchte durch die Wellen, bis das Seil an seinen Rücken zog - in aufhielt. Mit letzter Kraft warf er den Arm nach vorn, ertastete Stoff, ein kantiges Etwas.

Toni betete, dankte, umschlang ihren Hals, zog an ihrer Rettungsweste, schob, auf dem Rücken liegend, Tamis Kopf auf seine Brust.
Unendlich lange Minuten vergangen, gefühlt Stunden, bis er an der Bootleiter anstieß. Er hievte seinen ermatteten Leib auf die Planken, zog an ihrer Weste. Zentimeter für Zentimeter glitt erst Tamis Oberkörper, dann der restliche Körper aufs Deck.
Toni wandte das Gesicht der im Wind schlagenden Kajütentür zu, öffnetet ihre Rettungsweste und wälzte sie ihr vom Rumpf. Mit zitternden Fingern schob er seine Arme unter ihre Achseln, umfasste seine Ellenbogen und zog sie zum Eingang der Kajüte. Tamis Füße polterten über die Stufen. Hechelnd legte er sie nieder, zog ihr das T-Shirt aus. Den Blick auf ihren wabbelnden Brüste, schlug er ihr ins Gesicht, schüttelte an ihren Schultern. Er öffnete ihre Hose, zog das triefende Beinkleid über ihre Beine, verfluchte die modisch engen Jeans, schmetterte sie auf die Kajütenstufen. Panisch legte er seine rechte Hand zwischen ihre Busen und drückte die Linke, pumpten auf die seinen Handrücken.
Tamis Bauch wölbte sich. Durch ihren Körper ging ein Zucken und Meerwasser rann aus ihren Mund.


»Du lebst«, schrie Toni.
Sie Gerettete presste den Unterarm auf ihren Mund, hustete.
»Ich habe dir gesagt, du sollst nicht schwimmen gehen«, schniefte er. »Warum bist du ...«
Tami spuckte. »Kotzen!«, röchelte und stützte den Oberkörper auf ihren Ellenbogen auf.
Toni schnappte zwei Handtücher, die zwar nicht sauber aber trocken, schlang eins um ihren Hals, mit anderen rubbelte er ihren rechten Arm. Ihr Haupt auf die Seite legend umfasste Tami seien Oberkörper und presste diesen an ihren Leib. »Danke!« Sie zog ihren Kopf zurück. »Du bist klatsch nass! Sieh dich aus! Du Erkältetes dich«, zischte sie, eher im Tonfall eine Mutter als den einer vorm ertrinken, erfrieren geretteten.

Toni stand auf, drehte auf den Hacken und beugte sich vor, berührte an ihre Jeans. Lächelnd warf sie ihm ein Badetuch auf den Rücken, frottierte ihr nicht mehr langes Haar und setzte sich auf ihre Koje.
Toni zog das Tuch um seinen Hals, entkleidet sich, schlug das Badelaken um seinen Körper, wandte sich zur Freundin und setzte sich, ihr mit einem Handtuch den Rücken frottieren, an linke Flanke. Er strich über ihre Schulterblätter, über den Hals und ihr Brustbein, das sich Takt des Herzschlages hob und sank. Die Mundwinkel emporgezogen, ergriff sie seine Hand, legte sie auf Busen und senkte ihren Kopf auf Tonis Schulter. Ihr Atem floss an seine Wange, die Finger ihrer Rechten tauchten unter Tonis Badetuch, bis dieses von seinem Oberkörper glitt.

Tami sprang auf, hielt das Frottiertuch schützen vor ihre Brust, starrte Toni an und schrie: »Du bist ja ein ...«


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ahorn

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Seenot
Das Segel fiel, flatterte wie ein Leichensack, der zum Trocknen aufgehängt war, im Wind. Den Kopf von einer Bootsseite zur anderen wendend, griff Toni an das Zugseil des Außenborders, der mit einem Zug ansprang.
Wie oft hatte er mit Nahne das Manöver geübt, nie wäre er davon ausgegangen, es einzusetzen. Nie gelang es ihm, mit Anhieb die Schiffsschraube in Rotation zu versetzten. Es war der Ernstfall eingetreten. Trainiert bei stiller See, bei spiegelglatter Wasserfläche.
Die Knie auf den Planken, den Oberkörper aufgerichtet, die Hand an den Augenwülsten, spähte Toni über die tobenden Wellen. »TAMI«, schrie er mit Leibeskräften. »TAMI«. Die Sophia schwankte, wie ein Stück Treibholz. »TAMI!«

Ein leuchtender roter Punkt tanzte auf den schäumenden Wogen. Toni riss das Ruder herum, trieb das Boot durch die Wellenkämme. Er kam dem Treibgut näher, bis eine Rettungsweste sich aus den Wellen schälte. Eine leblose Gestalt hielt sie in ihrem Fang. Toni löste die Bordleiter, welche das Meer schlagend empfing.
Er ergriff die Rettungsboje. Das Segel winkte zum Abschied. Die Sophia neigte, woraufhin er kopfüber in die Fluten stützte. Die See verschluckte ihn, drückte Tonis Körper unter den Rumpf des Schiffes, bis seine Weste ihn mit Macht an die Wasseroberfläche trieb.

Sein Kopf stieß gegen die Boje. Nach Freiheit schnappend, umgriff er das Oval, streifte den Riemen über die Schulter und schwamm. Er kraulte, wie um sein eigenes Leben, kam Tami kein Deut näher, dafür entfernte sich das rettende Boot umso mehr. Er holte Luft, tauchte durch die Wellen, bis das Seil an seinen Rücken zerrte und ihn aufhielt. Die eisige Nordsee fraß sich in seine Oberschenkel, sodass sich seine Beine bei jedem Schub mehr verkrampften. Die Gicht drang ihm in die Nase, spülte die Schleimhäute hinweg, bis der Schmerz zu immens, woraufhin Toni schließlich nur vermochte durch den Mund zu atmen. Abgesehen davon war die Taubheit verheerender, welche beginneden von den Fingerspitzen den Oberkörper ergriff und, als hätte sie sich mit dem Meer verbunden, Tonis Körper umarmte, um ihn in die Finsternis zu ziehen.
Ein Stoßgebet keuchte über Tonis Lippen, dann, als gebe es eine Gottheit, die ihn erhört hatte, warf er mit letzter Kraft den Arm nach vorn, ertastete Stoff, ein kantiges Etwas.

Toni dankte, umschlang Tamis Hals, zerrte an ihrer Rettungsweste, schob, auf dem Rücken liegend, ihren Kopf auf seine Brust.
Er legte die Rettungsboje auf Tamis Oberkörper, befestigte - so gut es ihm möglich war - das Seil an ihrer Weste. Denn, obwohl die Sophia nicht mehr an ihm zerrte, waren sie beizeiten nicht aus der Gefahr. Der Rückweg war faktisch leichter. Obendrein schenkte die Freude, Tami in seinen Armen zu wissen, ihm neue Kraft. Gleichwohl war es Toni bewusst, dass der schwerste Teil der Rettung noch vor ihm Stand. Allein zurückzukehren, war wahrlich nicht die Rettung. Denn erst wenn sie wieder an Bord waren, konnten sie sich in Sicherheit wiegen.

Toni faste das Rettungsseil und zog, eine Hand vor die andere legend, an ihm. Mit seinen Beinen zu schieben, die Zeit zu verkürzen, hätte das Gegenteil bewirkt. Denn nicht nur von Nahne hatte erfahren, dass der Tod eher eintrat, wenn Schiffbrüchige sich bewegten, die Logik, die Anatomie des Menschen verlangte es. Muskeln benötigen Sauerstoff, der durch das Blut in die Muskelzellen der Beine befördert. Die Beine sind ausgekühlt, das frostige Blut strömt zurück in den Oberkörper, bis es das Gehirn erreicht und der in Seenot geratene ins Koma sank.
Er dachte nach. Wielange hielt es ein Mensch aus. Sie waren auf offener See. Der Sturm hatte die Nordsee aufgewühlt. Die Wassertemperatur lag damit knapp über zehn Grad. Eine Stunde gab er sich zuerst, revidierte die Annahme, da er sich bereits überanstrengt hatte auf eine halbe Stunde plus X. Das Rettungsseil maß einhundert Fuß. Ein Griff pro Sekunde schaffte Toni. Somit kam er auf etwa zwanzig Minuten. Welche Zeit er für den hinweg gebraucht hatte, wusste er nicht.
»Es geht gut. Denk an etwas Schönes«, murmelte Toni und schloss die Augen.

Das Peitschen des Windes, das Schlagen der Gicht verwandelte sich in Tonis Ohr zu Klängen. Symphonische Klängen der Harmonie komponiert von Tschaikowski.
Toni stellte seine Füße in Grundstellung, glitt mit den Fingerspitzen über das pechschwarze Tutu, entlang des seidigen gleichfarbigen Stoffes des Kostüms, bis an seine Wangen. Dann spreizte er die Arme ab, hob die Hände, bis seine Arme über dem schwarzen Federdiadem einen Kreis bildeten.
Beim ersten Laut der Trompete ging Toni auf Spitze, schleifte seine rechte Fußsohle über den Unterschenkel bis ans Knie, um dann den gestreckten Fuß, wie eine sich entspannende Feder zur Seite zu katapultieren. Nach einem ersten leichten Sprung tanzte Toni, eingehüllten von den Klängen der Trompete, auf Spitze. Je mehr sich das Tempo der Musik erhöhte, desto schnelleren Schrittes tanzte Odile, bis sie Pirouetten drehend ins Fouetté wechselte. Wie ein Wirbelsturm, welcher übers Land jagte und auf seinem Weg die von ihm aufgesaugten Gegenstände wie Geschosse verteilte, so flogen ihre schwarzen Federn in die Ewigkeit. Erst der Griff von Prinz Siegfried an ihre Taille, an ihren weißen Flaum, bremste ihre Rotation. Dann verlor Odette den Bodenkontakt, schwebte getrieben durch Siegfrieds Macht an seinem Körper entlang, spreizte die Beine flügelgleich zum Spagat und verließ als schneeweißer Schwan die Welt.

Ein Schlag an Tonis Schädeldecke brachte ihn wieder in die Realität. Er schlug die Augen auf und erspähte die Bootleiter.
Toni hievte seinen ermatteten Leib auf die Planken, zerrte an ihrer Weste. Zentimeter für Zentimeter glitt erst Tamis Oberkörper, dann der restliche Körper aufs Deck.
Toni wandte das Gesicht der im Wind schlagenden Kajütentür zu, öffnetet ihre Rettungsweste und wälzte diese ihr vom Rumpf. Dann schob er mit zitternden Fingern seine Arme unter ihre Achseln, umfasste seine Ellenbogen und schleifte sie zum Eingang der Kajüte.

Tamis Füße polterten über die Stufen, bis sie vollends auf dem Boden der Kajüte lag. Toni schnappte nach Luft, hechelte und legte sie nieder, zerrte ihr das T-Shirt vom Laib. Den Blick auf ihren wabbelnden Brüsten, schlug er ihr ins Gesicht, schüttelte an ihren Schultern. Er öffnete ihre Hose, streifte das triefende Beinkleid über ihre Beine, verfluchte die modisch engen Jeans und schmetterte die Hose auf die Kajütenstufen. Panisch legte er seine rechte Hand zwischen ihre Busen und drückte die Linke, pumpten auf seinen Handrücken.
Tamis Bauch wölbte sich. Durch ihren Körper ging ein Zucken, worauf Meerwasser aus ihren Mund rann.

»Du lebst«, schrie Toni.
Tami presste den Unterarm auf ihren Mund, hustete, erbrach.
»Ich habe dir gesagt, du sollst nicht schwimmen gehen.« Er schniefte. »Warum bist du ...«
Sie spuckte. »Kotzen!«, röchelte sie und stützte den Oberkörper auf ihren Ellenbogen auf. »Ich musste«. Anstatt des Wortes spie sie abermals ihren Mageninhalt auf den Boden aus.

Toni schnappte zwei Handtücher, welche zwar nicht sauber aber trocken waren, schlang eins um ihren Hals, mit anderen rubbelte er ihren rechten Arm.
Ihren Kopf auf die Seite legend, umfasste Tami seinen Oberkörper und presste diesen an ihren Leib. »Danke!« Sie zog ihren Kopf zurück. »Du bist klatschnass! Sieh dich aus! Du Erkältetes dich«, zischte sie, eher im Tonfall einer Mutter als den einer vorm Ertrinken, Erfrieren geretteten.

Toni stand auf, drehte auf den Hacken und beugte sich vor, berührte ihre Jeans. Den Mund zu einem Lächeln verzogen, warf sie ihm ein Badetuch auf den Rücken, frottierte ihr kurz geschorenes Haar und setzte sich auf ihre Koje.
Toni hing das Tuch um seine Schulter, entkleidet sich, schlug das Badelaken um seinen Körper, wandte sich zur Freundin und setzte sich zu ihr. Erleichtert darüber sie wohlbehalten an seiner rechten Seite zu wissen, frottierte er ihren Rücken. Er strich über ihre Schulterblätter, über den Hals, sowie ihr Brustbein, das sich Takt des Herzschlages hob und sank. Die Mundwinkel emporgezogen, ergriff sie seine Hand, legte sie auf ihren Busen und senkte ihren Kopf auf Tonis Schulter. Ihr Atem floss an seine Wange, die Finger ihrer Rechten tauchten unter Tonis Badetuch, bis dieses von seinem Oberkörper glitt.

Tami sprang auf, hielt das Frottiertuch schützen vor ihre Brust, starrte Toni an und schrie: »Du bist ein ...«


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