Flucht über die Nordsee 91. Tierfracht

ahorn

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Tierfracht

»Meno, mein Genick schmerzt mir noch immer.«
»Ha, ha was soll ich sagen. Werd du in einen Kofferraum gequetscht.«
Fridolin wandte sich kurz um. »Die paar Minuten!«
Tami wies zur Windschutzscheibe. »Hey Macker, pass auf, sonst schiebst uns in Graben.«
»Wo fahren wir überhaupt hin«, fragte Svenja, die rechts neben ihrer Freundin auf der Rückbank saß.
»Eher warum der Chauvi«, erboste sich Tami und trat gegen den Fahrersitz.
Sie warf ihren Kopf zurück, verschränkte die Arme und kippte gegen die Rückenlehne.
»Habe ich euch längst gesagt.« Fridolin klopfte auf das Lenkrad. »Ihr seid direkt in einen Polizeieinsatz gelaufen.«
»Deshalb mopst du Joos Karre«, wetterte Tami.
»Er hatte mich gebeten, seinen Wagen zur Kapelle zu fahren.«
»Kapelle?«, doppelte Tami.
»Mit Alina ist wirklich alles klar«, fragte Svenja nach.
»Ja! Wir treffen uns mit Vale.«
»Wenn?«
Svenja nickte. »Seinem Vater!«
»Ich muss mal. Halt an!«, nörgelte Tami.
»Jetzt nicht!«

Dieses weibische Genörgel und Gezeter ging ihm auf den Nerv. Er hatte andere Probleme. Zumindest hatte er Klara befreit.
Wenn Josephine neben ihm gestanden hätte, als sie ihn anrief, dann hätte er ihr die Augen ausgekratzt. In ein Schließfach hatte sie seine Verlobte gesteckt. Alle Geschwindigkeitsbegrenzungen hatte er missachtet, war zum Bahnhof gerast und fand das Gepäckfach. Aber wie vermochte er, sie unbemerkt herauszuholen, jener Anlage zu entnehmen. Er zermarterte sich den Kopf, stürmte durch das Gebäude und entdeckte, das Schicksal erbarmte sich, einen Schrankkoffer, jener zur Dekoration neben einer in einem Brautkleid steckenden Schaufensterpuppe stand. Die Puppe in ihrer leblosen Art ihm zuzwinkerte, sie ihm bat, sie aus dem Verlies zu befreien, mit ihr die Hochzeitsreise zu begehen.
Sein letztes Bargeld der Boutiquebesitzerin in die Hand gedrückt, war er, den Koffer hinter sich herziehend, zum Schließfach gezockelt. Tippte das Passwort ein und erstarrte. Josephine war der Teufel, der Leibhaftige. Er hätte es sich denken können. Mehrere Kombinationen probierte er. Dem Aufgeben nahe, mit dem Gedanken schwanger sich der Polizei zu stellen, tippte er das Geburtsdatum und zum Auffüllen der letzten vier Stellen das Datum des Tages ein - Klaras angeblicher Todestag.
In einer unbeobachteten Sekunde hievte er den Paketsack in den Koffer, wobei sie ein Röcheln als Lebenszeichen abgab.

Die Fahrt durch Amsterdam zog sich empfunden in die Länge, der Verkehr nicht zum Aushalten. Erst weit außerhalb der Stadt fand er einen einsamen Feldweg. Er befreite sie aus ihrem Gefängnis, löste ihre Fessel und sie, als wäre nichts geschehen, verpasste ihm eine Ohrfeige. Dann küssten sie sich, wie sie sich nie zuvor geküsst hatten. Ihr Plan war gescheitert. Aber sie hellwach im Verstand plante erneut. Denn Josephine hatte es nicht bemerkt. Die winzige Kamera an seinem Revers, die ihre Tat aufgezeichnet hatte.

Er liebte sie. Sein Beistand war nicht gespielt, weil er an ihrem Leidensweg schuldig war. Nein! Seit der letzten Nacht war er nicht mehr zu Gänze verantwortlich. Sein Vater und Franziska waren die Quelle. Hätten sie ihr Liebesnest nicht im Bunker aufgeschlagen, dann hätte er es nie entdeckt, niemals Josephine davon berichtet. Sie nicht auf den Gedanken gebracht, ihre perversen Gelüste auszuleben. Das Buch, welches sie mit Klara verschlungen hatte nach zuspielen.
Er hatte sich verspätete, schlich sich in die Scheune. da sah er sie. Josephine und Klara umschlugen. Beobachtete wie sich leckten, wie sie gegenseitig an ihren Genitalien fummelten, stöhnten, quiekten. Im machte es an. Geilte ihn auf.
Klara bekleidete sich, küsste Josephine auf den Mund, steckte ihre Zunge tief in ihren Rachen. Josephine stand auf und schrie, bölkte das Mädchen an, welches er bereits einmal gesehen hatte, aber nicht wusste, wer es war. Erst in diesem Moment erblickte er sie. Sie hockte unweit der beiden und zog sich ihren Slip über ihr Becken. Josephine amüsierte sich. Dazu kommen hätte sie können, lachte Josephine. Das Mädchen sprang auf die unter ihr zusammenbrechende Treppe. Aufgebracht lief Klara zu ihr, beugte sich über den Abgrund und Josephine schlug ihr mit einem Kantholz gegen den Schädel, sodass Klara zusammensackte und herunterstürzte.
Erst in diesem Moment zog er sich seine Hose hoch, rannte bis zur Kante über das Stroh.
Anton beugte sich über Klara, blickte ihn an, schrie ihn an, was sie hier täten. Josephine kletterte, den übrig geblieben Rest der Treppe herunter und befahl ihm, ihre Klamotten zu holen. Er sammelte ihre verstreuten Sachen ein, dann hangelte er sich herab. Josephine, Klara und Anton waren verschwunden, die Dritte lag mit einer Kopfwunde leblos am Boden. Fessel mich, ich komme schon klar, lauf weg, kommandierte sie ihn. Die Augen fest geschlossen. Er band ihre Fesseln, band ihre Gelenkte und stülpte einen Jutesack über ihr Haupt.

Vor der Scheune übergab er Josephine ihre Sachen, fragte, was mit der andern geschehe, woraufhin Anton ihm antwortete, dass Gunnar sich um sie kümmere. Er setzte sich in Anton Wagen, auf seinem Schoss Josephine, auf der Rückbank die bewusstlose Klara. Die ganze Fahrt streichelte er Josephines nackte Haut, ihre Brüste, ihre Vulva, sie lächelte Anton an, wobei ihr Korpus bebte.
Anton legte Klaras schlaffen Körper auf den Bunkerboden, Josephine sich auf die Liege. Es war das erste Mal, dass es Sex hatte. Seitdem war er ihr hörig. Er spielte den schwarzen Mann, sodann verließ er die Anlage.
Kein Auge hatte er zugetan in dieser Nacht, dachte fortwährend an das Mädchen in der Scheune. Am Morgen hielt er es nicht mehr aus. Er ritt zur Scheune.

»Ich muss mal«, zeterte Tami und stieß mit dem Fuß gegen die Mauer der Kapelle.
»Warte!«
»Kannst du nicht aufhalten«, flüsterte Svenja.
»Nein!«, zog sie durch die Zähne. »Geht nicht!«
»Wieso?«
»Du weißt doch, wo ich immer meine Sachen verstaue«, murmelte Tami.
»Ja«
»Mein Handy, beim Reiten«
»Wie?«
»Es war im Weg! Wollte?«
»Und!«
»Doofe Frage!«
Svenja verdeckte ihre Lippen und kicherte.
»Das ist nicht witzig!«
»Solange dich niemand anruft.«
»Hatte schon zwei!«
»Hab nichts gehört.«
»Vibrationsalarm«, zischte sie. »Ich muss mal!«, schrie sie Fridolin an.

Ihre Augen waren ihm vertraut, dabei war er in England, um sie auf ihre Rolle vorzubereiten. Er gab sich nicht zu erkennen, hatte nur Angst, denn was sie ihm sagte, erschütterte ihn.
Die Arme, die Beine am Bett gefesselt, den Mund geknebelt, die Augen verbunden misshandelten sie die ganze Nacht zwei oder drei Männer. Im Detail vermochte sie es nicht mehr zu sagen. Durchweg ihr Stöhnen und das dämonische Lachen von Josephine vernahm sie. Bis der Stich einer Nadel sie erlöste, sie einen der Kerle hörte, wie er ihr schöne Träume wünschte. Jener ihr daraufhin versprach, dass sie die Hochgenüsse ab morgen jeden Tag bis zum Ende ihres Lebens genießen werde.
Wie sie den Mistkerlen entronnen ist, hatte sie verdrängt, vergessen. Nur dass sie mit ihrer Mutter nach Südafrika geflohen war, war für sie in jenen Tagen von Belang. Für ihn war sie die stärkste Frau.

Fast zwei Jahre später erfuhr sie, hatte sie ihm erzählt, dass ihre Freundin, ebenfalls im südlichen Afrika lebte. Ein paar Kilometer von ihrer neuen Heimat entfernt. Sie lernte Tanjas Vater kennen. Einen exzellenten Arzt, wie sie ihn beschrieben hatte. Faste den Entschluss, den Beruf der Krankenschwester zu ergreifen. Die Arbeit gefiel ihr, bis sie schwanger wurde. Wie ihre Freundin war sie guter Hoffnung.
Ihr Kind kam früher als berechnet. Sie war dabei ihre Sachen im Schwesternwohnheim zu packen.
Die Geburt verlief ohne Komplikationen, der Schreck folgte ein Tag später. Ihre Freundin, die zwei Wochen zuvor ein Frühchen zur Welt gebracht hatte, schlenderte Arm in Arm mit Josephine in ihr Klaras Krankenzimmer. Josephine überreichte ihr nicht nur ein Strauss Rosen, nachdem die Freundin das Zimmer verlassen hatte, sondern verriet ihr durch die Blume, wer sie im Bunker misshandelt hatte.

»Ich muss mal«, nörgelte Tami.
»Mir ist langweilig«, nölte Svenja und wedeltet mit ihrem Rock. »Außerdem ist mir warm.«
Er sah auf seine Armbanduhr. »Dann lasst uns reingehen.«
»Kann ich vorher …«
»Nein!«, harschte er Tami an.

Hätte er damals bereits gewusst, wer ihre Freundin in Südafrika gewesen war. Hätte er dann anders gehandelt? Nein! Dafür liebte er sie zu sehr. Wie leicht hätten sie von vornherein gemeinsam geplant, sich nicht gegenseitig behindert.
Egal! Vergangenheit bleibt Vergangenheit und jede Weggabelung verlangt nach neuen Entschlüssen.
Auf eine gewisse Weise liebte er gleichfalls Tanja. Keine Liebe ihrer Körper verflochte sie. Sie verbannt mehr. Es waren die Stunden in denen es kein gestern, kein heute existierte, keine Familie, keine Verwandte, keine Freunde. Nur sie zwei vereint im Gespräch, in der Freude, im Vergnügen. Jeder konnte sein, wie er war, ohne Konventionen. Obwohl er manchmal den Eindruck vernahm, sie suche seine körperliche Nähe.
Einmal hatte sie ihm einen Fingerzeig gegeben, dass sie einen Bruder oder etwas Ähnliches hätte. Klar! Wer hat keine Eltern, Anverwandte oder Geschwister, nichts Außergewöhnliches, obgleich diese in manchen Situation eher ein Ballast waren. Und wenn? Was ging ihm ein Bruder an, welcher ein paar Jahre jünger als Tanja, unter Umständen selbst eine Familie hatte. Aber ihren Bruder als Tochter auszugeben, wie sein Vater behauptete ein anderes Ding. Obschon es in ihren Plan passte.
Dabei sah er es Antonia nicht an. Für ihn war er in seiner Grazilität ein Mädchen. Anderes das Girl an seiner Seite. Einzig und allein ihre enge Reiterhose, die Kurven an ihrem Oberkörper verriet, dass sie weiblich. Ansonsten wäre sie als Junge durchgegangen.
Die Szene bei der Party von Josephine hätte ihm ein nächstes Warnzeichen sein sollen.

Klara und er gingen vorher essen. Sie verzaubernd herausgeputzt. Er stolz an ihrer Seite zu sein. Denn er sah ihren wahren Liebreiz. Sie kamen in ihr Hotel. Klara wollte sich als Stephen fertigmachen. Da saßen sie in der Lobby, die ganzen Schnepfen, kichernd, ein Glas Prosecco in der Hand.
Es wäre Zeit gewesen. Sekunden danach betrat Tanja in den Armen von Aishe die Halle. Er machte sich keine Gedanken, ob sie sich kannten oder nicht. Aishe hatte er seit dem Abitur nicht mehr gesehen und Josephine rief lauthals Stephen. Klara zischte ihm ein Knappes ‚Ich schaff das schon‘ , dann schnappte er sich Aishe und verschwand.
Am nächsten Morgen berichtete Klara ihm, dass alles nach Plan gelaufen sei. Tanja der Ansicht, sie sei Stephen. Tanja wusste, wen sie traf. Er hatte ihr den Deal angeboten. Verrückt genug dafür war sie.

Es lief alles wie am Schnürchen. Josephine berichtet ihm, dass Klara angebissen hatte. Verständlicherweise verwundert, erboste ihm dieses, immerhin war er mit Klara zusammen. Bei dem Gedanken, wie sich beide umschlangen, sich küssten, sich streichelten, überkam ihm ein Brechreiz. Er schloss seine Augen. Sie sich im Intimbereich berührten, verknotete sich sein Magen. Josephine hatte nie ihren Namen genante. Aber außer seiner Klara kam keine weitere Frau infrage. Obgleich Klara eine körperliche Nähe zu Josephine bestritt, berichtete jene ihm ausführlich über jedes amouröses Abenteuer. Seine Klara war einzig bedacht darauf ihn zu schützen.
Klara hatte ihm erzählt, dass die Dritte von damals verschollen. Daher musste Josephine sich zwei Doubles suchen, um dann von außen das Spiel zu lenken.

An diesem Abend ändert sich alles. Er baute die Küche auf und Klara schnatterte wie immer pausenlos. Sie kam auf die Idee Antonias Zimmer rosa zu streichen. Sie zwinkerte. Er dachte, das Blinzeln von ihr wäre eine Bestätigung seiner damaligen Annahme, dass jenes Mädchen an Tanjas Seite eine Nichte von ihr sei und damit den Grund der Hochzeit unterstrich. Klara zog ihr mausgraues Kostüm an, sagte ihm, sie hätte etwas zu erledigen und sie wäre vorm Morgengrauen nicht zurück. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihrem angeborenen Geschlecht angemessen gekleidet das Haus oder ihr Hotelzimmer verließ.
Sofern sie zu zweit schritten, waren sie ein normales Paar. War sie allein unterwegs, machte er sich Sorgen.
Er fuhr zum Hof, nicht mit seinem Wagen, sondern mit Josephines Porsche. Sein BMW stand beim Vater, der ihn am Nachmittag mit nach Passau genommen hatte.
Den Farbeimer in der Hand entschied er sich, mit seinem Wagen zurückzufahren. Er zielte nicht darauf ab, Josephines Liebling zu bekleckern.
Er beeilte sich, denn er hatte sich am Vormittag mit Tanja verabredet, um gemeinsam einen heimeligen Abend zu verbringen.
Im Bad epilierte er sich die Beine, duschte sich, steckte die Nase in ihren Kleiderschrank und inhalierte ihr Parfüm.
Die Kerzen angezündet, eine Flasche Wein, zwei Gläser erwartete er ihre Ankunft.
Er musste eingeschlafen sein. Die Kerzen halb abgebrannt, stand Klara vor ihm, aufgewühlt als hätte sie den Leibhaftigen gesehen. Ihm fiel fast das Herz ins Höschen. Ihr schien er vollkommen egal. Sie stürzte sich auf ihn, umschlang ihn, küsste ihn, als könne sie damit alles Geschehene von sich abspülen. Sie hatten das erste Mal Sex miteinander.

Klara verkleidet sich zu Stephen, denn sie musste zur Bahn, wie sie ihm erklärte. Sie hatte Franziska gesagt, sie hätte einen Gerichtstermin in München. Kaum hatte sie die Wohnung verlassen, stürmte Tanja hinein und entschuldigte sich für ihr Verspäten. Sie hätte eine alte Freundin getroffen, jene benötigte für ein paar Tage einen fahrbaren Untersatz. Stephen hätte ihr erlaubt dafür Josephines Sportwagen zu nehmen. Es war das erste Mal, dass der Name Josephine über Tanjas Lippen floss. Gut! Sie kannte sie von der Party, aber wie sie es sagte, klang vertraut, bedenkenlos, als wüsste sie von ihrer Freundschaft.

Seine Gedanken schwirrten. Er bedauerte, Josephines Wagen sei auf dem Hof. Sie zerrte ihn vom Sofa. Der Klopfer schmetterte ihm sodann dort entgegen. Sie hatte ihn gebeten, den Flitzer zu einer Pension zu überführen und dort den Schlüssel dem Nachtportier zu übergeben. Sie erklärte ihm, in ihrer überzeugenden Art - er konnte ihr nie irgendetwas ausschlagen - einen anderen Termin wahrnehmen zu müssen. So wie in dieser Nacht hatte er sich nie in seinem Leben geschämt.

»Boa ey, ist das geil«, staunte Svenja. »Die vielen Segelschiffe an der Decke. Eine richtige Piratenkapelle.«
Tami schritt an die rechte Kapellenmauer, strich über den Putz. »Überall Bilder von Booten.« Sie wandte sich zu Svenja um. »Schau hier! Das Schiff sieht aus wie das auf deiner Fensterbank.« Sie kicherte. »Es heiß sogar wie dein Großvater, Nahne Tütken.«
Svenja rannte zu ihr. »Das gibt’s doch nicht!«
Tami stellte sich auf ein Bein, umschloss ihren Kopf mit den Armen und deutete eine Pirouette an. »Nur das die Ballerina vorn fehlt. Die so aussieht, wie von einer Spieluhr.«

Er dachte an den Polterabend. Erst in dieser Nacht verbündeten sie sich. Zwei Down-Quarks und ein Up-Quark verschmolzen zu einem Neutrum, welches unbeeinflusst vom Magnetfeld der Mitmenschen sich seinen Weg bahnte.
Josephine hatte ihn angerufen, ihn zur Lola bestellt, obwohl sie Schwulen- und Lesbenbars hasste, obgleich sie zumindest mit einer Frau schlief. Sie tat alles, um ihren Erfolg zu erreichen.
Sie waren auf dem Weg zu ihrem Hotel, da offerierte sie ihm, Tanja sei Klara, sowie ihren Plan. Alina wollte sie verkaufen. Sie hatte herausbekommen, inwiefern das Kind adoptiert und ihre unzweifelhafte Familie aus dem Mafiamilieu, wie sie andeutete, eine Menge Geld zahle. Das Spiel mit der Entführung in den Bunker ideal. Eine besser Ablenkung gab es nicht.

Unter einen Vorwand verabschiede er sich, fuhr zu Tanjas Wohnung. Klara lag im Bett und schlief. Er weckte sie und erzählte, was er von Josephine erfahren hatte. Sie beruhigte ihn. Immerhin würden sie und er wachen, dabei schalte ihr Lachen durchs Schlafzimmer, Josephine hätte gar nicht die Chance, ihren Streben in die Tat umzusetzen. Denn sie würde längst gefesselt im Bunker liegen. Angsterfüllt. Mehr hatten sie nicht vor. Ihr kein Haar krümmen. Ihren Geist brechen Rache genug. Klara küsste ihn und er drang in sie ein.

In voller Ekstase verschmolzen, begrüßte Tanja sie mit den Worten, sie sollten sich nicht stören lassen und schritt zu ihrem Kleiderschrank. Klara sprang vor dem Vollzug von seinem Laib, berichtete, dass von ihm Erfahrende und kleidete sich wie Tanja an. Die beiden Frauen zwinkerten ihn unisone an, forderte ihn auf mitzukommen.

Das Fahrgeräusch eines Lieferwagens drang in die Kapelle.
»Oh! Da kommt wer!«, murmelte Svenja und rannte aus der Kapelle.

Fridolin strich mit den Fingern über die Nahne Tütken. Gab es da nicht die Geschichte von den Rohdiamanten, die dieser Tütken versteckt hielt. Es wäre Zufall, aber verlockend. Auf der Farm, die er von Josephine als sein Anteil bekommen hatte. Dem zukünftigen Hort des Friedens auf dem Klara und er eine Familie gründen wollte. Auf diesem Gut lag eine stillgelegte Mine.

Ein Lieferwagen mit der Aufschrift »Internationale Tiertransporte« war vorgefahren. Der Fahrer stieg aus, ging zu einem Busch und stellt sich breitbeinig vor das Grün.
»Männer«, zürnte Svenja und drehte ihren Gürtel zurecht. Worauf ein Briefumschlag zu Boden segelte, zudem sie sich bückte. Sie riss ihn auf und zog ein Foto heraus. Die Augenbrauen zusammen gezogen, zupfte sie an ihrem Ohrläppchen. Ein Mann, eine Frau Arm in Arm vor fernöstlicher Kulisse. Svenja verdeckte ihre Lippen und wandte das Fotos. »Ich habe geheiratet. Liebe Grüße Lisselotte«, flüsterte sie, dann legte sich eine behaarte Hand auf ihren Mund, drückte ein Tuch auf ihre Nase.
Der Fahrer des Lieferwagens zog Svenjas schlaffen Körper zum Fahrzeug, öffnete die rechte, hintere Ladetür, warf sie hinein, kletterte hinterher und schloss sodann die Klappe.


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»Meno, mein Genick schmerzt mir noch immer.«
»Ha, ha was soll ich sagen. Werd du in einen Kofferraum gequetscht.«
Fridolin wandte sich kurz um. »Die paar Minuten!«
Tami wies zur Windschutzscheibe. »Hey Macker, pass auf, sonst schiebst uns in Graben.«
»Wo fahren wir überhaupt hin«, fragte Svenja, die rechts neben ihrer Freundin auf der Rückbank saß.
»Eher warum der Chauvi«, erboste sich Tami und trat gegen den Fahrersitz.
Sie warf ihren Kopf zurück, verschränkte die Arme und kippte gegen die Rückenlehne.
»Habe ich euch längst gesagt.« Fridolin klopfte auf das Lenkrad. »Ihr seid direkt in einen Polizeieinsatz gelaufen.«
»Deshalb mopst du Joos Karre«, wetterte Tami.
»Er hatte mich gebeten, seinen Wagen zur Kapelle zu fahren.«
»Kapelle?«, doppelte Tami.
»Mit Alina ist wirklich alles klar«, fragte Svenja nach.
»Ja! Wir treffen uns mit Vale.«
»Wenn?«
Svenja nickte. »Seinem Vater!«
»Ich muss mal. Halt an!«, nörgelte Tami.
»Jetzt nicht!«

Dieses weibische Genörgel und Gezeter ging ihm auf den Nerv. Er hatte andere Probleme. Zumindest hatte er Klara befreit.
Wenn Josephine neben ihm gestanden hätte, als sie ihn anrief, dann hätte er ihr die Augen ausgekratzt. In ein Schließfach hatte sie seine Verlobte gesteckt. Alle Geschwindigkeitsbegrenzungen hatte er missachtet, war zum Bahnhof gerast und fand das Gepäckfach. Aber wie vermochte er, sie unbemerkt herauszuholen, jener Anlage zu entnehmen. Er zermarterte sich den Kopf, stürmte durch das Gebäude und entdeckte, das Schicksal erbarmte sich, einen Schrankkoffer, jener zur Dekoration neben einer in einem Brautkleid steckenden Schaufensterpuppe stand. Die Puppe in ihrer leblosen Art ihm zuzwinkerte, sie ihm bat, sie aus dem Verlies zu befreien, mit ihr die Hochzeitsreise zu begehen.
Sein letztes Bargeld der Boutiquebesitzerin in die Hand gedrückt, war er, den Koffer hinter sich herziehend, zum Schließfach gezockelt. Tippte das Passwort ein und erstarrte. Josephine war der Teufel, der Leibhaftige. Er hätte es sich denken können. Mehrere Kombinationen probierte er. Dem Aufgeben nahe, mit dem Gedanken schwanger sich der Polizei zu stellen, tippte er das Geburtsdatum und zum Auffüllen der letzten vier Stellen das Datum des Tages ein - Klaras angeblicher Todestag.
In einer unbeobachteten Sekunde hievte er den Paketsack in den Koffer, wobei sie ein Röcheln als Lebenszeichen abgab.

Die Fahrt durch Amsterdam zog sich empfunden in die Länge, der Verkehr nicht zum Aushalten. Erst weit außerhalb der Stadt fand er einen einsamen Feldweg. Er befreite sie aus ihrem Gefängnis, löste ihre Fessel und sie, als wäre nichts geschehen, verpasste ihm eine Ohrfeige. Dann küssten sie sich, wie sie sich nie zuvor geküsst hatten. Ihr Plan war gescheitert. Aber sie hellwach im Verstand plante erneut. Denn Josephine hatte es nicht bemerkt. Die winzige Kamera an seinem Revers, die ihre Tat aufgezeichnet hatte.

Er liebte sie. Sein Beistand war nicht gespielt, weil er an ihrem Leidensweg schuldig war. Nein! Seit der letzten Nacht war er nicht mehr zu Gänze verantwortlich. Sein Vater und Franziska waren die Quelle. Hätten sie ihr Liebesnest nicht im Bunker aufgeschlagen, dann hätte er es nie entdeckt, niemals Josephine davon berichtet. Sie nicht auf den Gedanken gebracht, ihre perversen Gelüste auszuleben. Das Buch, welches sie mit Klara verschlungen hatte nach zuspielen.
Er hatte sich verspätete, schlich sich in die Scheune. da sah er sie. Josephine und Klara umschlugen. Beobachtete wie sich leckten, wie sie gegenseitig an ihren Genitalien fummelten, stöhnten, quiekten. Im machte es an. Geilte ihn auf.
Klara bekleidete sich, küsste Josephine auf den Mund, steckte ihre Zunge tief in ihren Rachen. Josephine stand auf und schrie, bölkte das Mädchen an, welches er bereits einmal gesehen hatte, aber nicht wusste, wer es war. Erst in diesem Moment erblickte er sie. Sie hockte unweit der beiden und zog sich ihren Slip über ihr Becken. Josephine amüsierte sich. Dazu kommen hätte sie können, lachte Josephine. Das Mädchen sprang auf die unter ihr zusammenbrechende Treppe. Aufgebracht lief Klara zu ihr, beugte sich über den Abgrund und Josephine schlug ihr mit einem Kantholz gegen den Schädel, sodass Klara zusammensackte und herunterstürzte.
Erst in diesem Moment zog er sich seine Hose hoch, rannte bis zur Kante über das Stroh.
Anton beugte sich über Klara, blickte ihn an, schrie ihn an, was sie hier täten. Josephine kletterte, den übrig geblieben Rest der Treppe herunter und befahl ihm, ihre Klamotten zu holen. Er sammelte ihre verstreuten Sachen ein, dann hangelte er sich herab. Josephine, Klara und Anton waren verschwunden, die Dritte lag mit einer Kopfwunde leblos am Boden. Fessel mich, ich komme schon klar, lauf weg, kommandierte sie ihn. Die Augen fest geschlossen. Er band ihre Fesseln, band ihre Gelenkte und stülpte einen Jutesack über ihr Haupt.

Vor der Scheune übergab er Josephine ihre Sachen, fragte, was mit der andern geschehe, woraufhin Anton ihm antwortete, dass Gunnar sich um sie kümmere. Er setzte sich in Anton Wagen, auf seinem Schoss Josephine, auf der Rückbank die bewusstlose Klara. Die ganze Fahrt streichelte er Josephines nackte Haut, ihre Brüste, ihre Vulva, sie lächelte Anton an, wobei ihr Korpus bebte.
Anton legte Klaras schlaffen Körper auf den Bunkerboden, Josephine sich auf die Liege. Es war das erste Mal, dass es Sex hatte. Seitdem war er ihr hörig. Er spielte den schwarzen Mann, sodann verließ er die Anlage.
Kein Auge hatte er zugetan in dieser Nacht, dachte fortwährend an das Mädchen in der Scheune. Am Morgen hielt er es nicht mehr aus. Er ritt zur Scheune.

»Ich muss mal«, zeterte Tami und stieß mit dem Fuß gegen die Mauer der Kapelle.
»Warte!«
»Kannst du nicht aufhalten«, flüsterte Svenja.
»Nein!«, zog sie durch die Zähne. »Geht nicht!«
»Wieso?«
»Du weißt doch, wo ich immer meine Sachen verstaue«, murmelte Tami.
»Ja«
»Mein Handy, beim Reiten«
»Wie?«
»Es war im Weg! Wollte?«
»Und!«
»Doofe Frage!«
Svenja verdeckte ihre Lippen und kicherte.
»Das ist nicht witzig!«
»Solange dich niemand anruft.«
»Hatte schon zwei!«
»Hab nichts gehört.«
»Vibrationsalarm«, zischte sie. »Ich muss mal!«, schrie sie Fridolin an.

Ihre Augen waren ihm vertraut, dabei war er in England, um sie auf ihre Rolle vorzubereiten. Er gab sich nicht zu erkennen, hatte nur Angst, denn was sie ihm sagte, erschütterte ihn.
Die Arme, die Beine am Bett gefesselt, den Mund geknebelt, die Augen verbunden misshandelten sie die ganze Nacht zwei oder drei Männer. Im Detail vermochte sie es nicht mehr zu sagen. Durchweg ihr Stöhnen und das dämonische Lachen von Josephine vernahm sie. Bis der Stich einer Nadel sie erlöste, sie einen der Kerle hörte, wie er ihr schöne Träume wünschte. Jener ihr daraufhin versprach, dass sie die Hochgenüsse ab morgen jeden Tag bis zum Ende ihres Lebens genießen werde.
Wie sie den Mistkerlen entronnen ist, hatte sie verdrängt, vergessen. Nur dass sie mit ihrer Mutter nach Südafrika geflohen war, war für sie in jenen Tagen von Belang. Für ihn war sie die stärkste Frau.

Fast zwei Jahre später erfuhr sie, hatte sie ihm erzählt, dass ihre Freundin, ebenfalls im südlichen Afrika lebte. Ein paar Kilometer von ihrer neuen Heimat entfernt. Sie lernte Tanjas Vater kennen. Einen exzellenten Arzt, wie sie ihn beschrieben hatte. Faste den Entschluss, den Beruf der Krankenschwester zu ergreifen. Die Arbeit gefiel ihr, bis sie schwanger wurde. Wie ihre Freundin war sie guter Hoffnung.
Ihr Kind kam früher als berechnet. Sie war dabei ihre Sachen im Schwesternwohnheim zu packen.
Die Geburt verlief ohne Komplikationen, der Schreck folgte ein Tag später. Ihre Freundin, die zwei Wochen zuvor ein Frühchen zur Welt gebracht hatte, schlenderte Arm in Arm mit Josephine in ihr Klaras Krankenzimmer. Josephine überreichte ihr nicht nur ein Strauss Rosen, nachdem die Freundin das Zimmer verlassen hatte, sondern verriet ihr durch die Blume, wer sie im Bunker misshandelt hatte.

»Ich muss mal«, nörgelte Tami.
»Mir ist langweilig«, nölte Svenja und wedeltet mit ihrem Rock. »Außerdem ist mir warm.«
Er sah auf seine Armbanduhr. »Dann lasst uns reingehen.«
»Kann ich vorher …«
»Nein!«, harschte er Tami an.

Hätte er damals bereits gewusst, wer ihre Freundin in Südafrika gewesen war. Hätte er dann anders gehandelt? Nein! Dafür liebte er sie zu sehr. Wie leicht hätten sie von vornherein gemeinsam geplant, sich nicht gegenseitig behindert.
Egal! Vergangenheit bleibt Vergangenheit und jede Weggabelung verlangt nach neuen Entschlüssen.
Auf eine gewisse Weise liebte er gleichfalls Tanja. Keine Liebe ihrer Körper verflochte sie. Sie verbannt mehr. Es waren die Stunden in denen es kein gestern, kein heute existierte, keine Familie, keine Verwandte, keine Freunde. Nur sie zwei vereint im Gespräch, in der Freude, im Vergnügen. Jeder konnte sein, wie er war, ohne Konventionen. Obwohl er manchmal den Eindruck vernahm, sie suche seine körperliche Nähe.
Einmal hatte sie ihm einen Fingerzeig gegeben, dass sie einen Bruder oder etwas Ähnliches hätte. Klar! Wer hat keine Eltern, Anverwandte oder Geschwister, nichts Außergewöhnliches, obgleich diese in manchen Situation eher ein Ballast waren. Und wenn? Was ging ihm ein Bruder an, welcher ein paar Jahre jünger als Tanja, unter Umständen selbst eine Familie hatte. Aber ihren Bruder als Tochter auszugeben, wie sein Vater behauptete ein anderes Ding. Obschon es in ihren Plan passte.
Dabei sah er es Antonia nicht an. Für ihn war er in seiner Grazilität ein Mädchen. Anderes das Girl an seiner Seite. Einzig und allein ihre enge Reiterhose, die Kurven an ihrem Oberkörper verriet, dass sie weiblich. Ansonsten wäre sie als Junge durchgegangen.
Die Szene bei der Party von Josephine hätte ihm ein nächstes Warnzeichen sein sollen.

Klara und er gingen vorher essen. Sie verzaubernd herausgeputzt. Er stolz an ihrer Seite zu sein. Denn er sah ihren wahren Liebreiz. Sie kamen in ihr Hotel. Klara wollte sich als Stephen fertigmachen. Da saßen sie in der Lobby, die ganzen Schnepfen, kichernd, ein Glas Prosecco in der Hand.
Es wäre Zeit gewesen. Sekunden danach betrat Tanja in den Armen von Aishe die Halle. Er machte sich keine Gedanken, ob sie sich kannten oder nicht. Aishe hatte er seit dem Abitur nicht mehr gesehen und Josephine rief lauthals Stephen. Klara zischte ihm ein Knappes ‚Ich schaff das schon‘ , dann schnappte er sich Aishe und verschwand.
Am nächsten Morgen berichtete Klara ihm, dass alles nach Plan gelaufen sei. Tanja der Ansicht, sie sei Stephen. Tanja wusste, wen sie traf. Er hatte ihr den Deal angeboten. Verrückt genug dafür war sie.

Es lief alles wie am Schnürchen. Josephine berichtet ihm, dass Klara angebissen hatte. Verständlicherweise verwundert, erboste ihm dieses, immerhin war er mit Klara zusammen. Bei dem Gedanken, wie sich beide umschlangen, sich küssten, sich streichelten, überkam ihm ein Brechreiz. Er schloss seine Augen. Sie sich im Intimbereich berührten, verknotete sich sein Magen. Josephine hatte nie ihren Namen genante. Aber außer seiner Klara kam keine weitere Frau infrage. Obgleich Klara eine körperliche Nähe zu Josephine bestritt, berichtete jene ihm ausführlich über jedes amouröses Abenteuer. Seine Klara war einzig bedacht darauf ihn zu schützen.
Klara hatte ihm erzählt, dass die Dritte von damals verschollen. Daher musste Josephine sich zwei Doubles suchen, um dann von außen das Spiel zu lenken.

An diesem Abend ändert sich alles. Er baute die Küche auf und Klara schnatterte wie immer pausenlos. Sie kam auf die Idee Antonias Zimmer rosa zu streichen. Sie zwinkerte. Er dachte, das Blinzeln von ihr wäre eine Bestätigung seiner damaligen Annahme, dass jenes Mädchen an Tanjas Seite eine Nichte von ihr sei und damit den Grund der Hochzeit unterstrich. Klara zog ihr mausgraues Kostüm an, sagte ihm, sie hätte etwas zu erledigen und sie wäre vorm Morgengrauen nicht zurück. Es war nicht das erste Mal, dass sie ihrem angeborenen Geschlecht angemessen gekleidet das Haus oder ihr Hotelzimmer verließ.
Sofern sie zu zweit schritten, waren sie ein normales Paar. War sie allein unterwegs, machte er sich Sorgen.
Er fuhr zum Hof, nicht mit seinem Wagen, sondern mit Josephines Porsche. Sein BMW stand beim Vater, der ihn am Nachmittag mit nach Passau genommen hatte.
Den Farbeimer in der Hand entschied er sich, mit seinem Wagen zurückzufahren. Er zielte nicht darauf ab, Josephines Liebling zu bekleckern.
Er beeilte sich, denn er hatte sich am Vormittag mit Tanja verabredet, um gemeinsam einen heimeligen Abend zu verbringen.
Im Bad epilierte er sich die Beine, duschte sich, steckte die Nase in ihren Kleiderschrank und inhalierte ihr Parfüm.
Die Kerzen angezündet, eine Flasche Wein, zwei Gläser erwartete er ihre Ankunft.
Er musste eingeschlafen sein. Die Kerzen halb abgebrannt, stand Klara vor ihm, aufgewühlt als hätte sie den Leibhaftigen gesehen. Ihm fiel fast das Herz ins Höschen. Ihr schien er vollkommen egal. Sie stürzte sich auf ihn, umschlang ihn, küsste ihn, als könne sie damit alles Geschehene von sich abspülen. Sie hatten das erste Mal Sex miteinander.

Klara verkleidet sich zu Stephen, denn sie musste zur Bahn, wie sie ihm erklärte. Sie hatte Franziska gesagt, sie hätte einen Gerichtstermin in München. Kaum hatte sie die Wohnung verlassen, stürmte Tanja hinein und entschuldigte sich für ihr Verspäten. Sie hätte eine alte Freundin getroffen, jene benötigte für ein paar Tage einen fahrbaren Untersatz. Stephen hätte ihr erlaubt dafür Josephines Sportwagen zu nehmen. Es war das erste Mal, dass der Name Josephine über Tanjas Lippen floss. Gut! Sie kannte sie von der Party, aber wie sie es sagte, klang vertraut, bedenkenlos, als wüsste sie von ihrer Freundschaft.

Seine Gedanken schwirrten. Er bedauerte, Josephines Wagen sei auf dem Hof. Sie zerrte ihn vom Sofa. Der Klopfer schmetterte ihm sodann dort entgegen. Sie hatte ihn gebeten, den Flitzer zu einer Pension zu überführen und dort den Schlüssel dem Nachtportier zu übergeben. Sie erklärte ihm, in ihrer überzeugenden Art - er konnte ihr nie irgendetwas ausschlagen - einen anderen Termin wahrnehmen zu müssen. So wie in dieser Nacht hatte er sich nie in seinem Leben geschämt.

»Boa ey, ist das geil«, staunte Svenja. »Die vielen Segelschiffe an der Decke. Eine richtige Piratenkapelle.«
Tami schritt an die rechte Kapellenmauer, strich über den Putz. »Überall Bilder von Booten.« Sie wandte sich zu Svenja um. »Schau hier! Das Schiff sieht aus wie das auf deiner Fensterbank.« Sie kicherte. »Es heiß sogar wie dein Großvater, Nahne Tütken.«
Svenja rannte zu ihr. »Das gibt’s doch nicht!«
Tami stellte sich auf ein Bein, umschloss ihren Kopf mit den Armen und deutete eine Pirouette an. »Nur das die Ballerina vorn fehlt. Die so aussieht, wie von einer Spieluhr.«

Er dachte an den Polterabend. Erst in dieser Nacht verbündeten sie sich. Zwei Down-Quarks und ein Up-Quark verschmolzen zu einem Neutrum, welches unbeeinflusst vom Magnetfeld der Mitmenschen sich seinen Weg bahnte.
Josephine hatte ihn angerufen, ihn zur Lola bestellt, obwohl sie Schwulen- und Lesbenbars hasste, obgleich sie zumindest mit einer Frau schlief. Sie tat alles, um ihren Erfolg zu erreichen.
Sie waren auf dem Weg zu ihrem Hotel, da offerierte sie ihm, Tanja sei Klara, sowie ihren Plan. Alina wollte sie verkaufen. Sie hatte herausbekommen, inwiefern das Kind adoptiert und ihre unzweifelhafte Familie aus dem Mafiamilieu, wie sie andeutete, eine Menge Geld zahle. Das Spiel mit der Entführung in den Bunker ideal. Eine besser Ablenkung gab es nicht.

Unter einen Vorwand verabschiede er sich, fuhr zu Tanjas Wohnung. Klara lag im Bett und schlief. Er weckte sie und erzählte, was er von Josephine erfahren hatte. Sie beruhigte ihn. Immerhin würden sie und er wachen, dabei schalte ihr Lachen durchs Schlafzimmer, Josephine hätte gar nicht die Chance, ihren Streben in die Tat umzusetzen. Denn sie würde längst gefesselt im Bunker liegen. Angsterfüllt. Mehr hatten sie nicht vor. Ihr kein Haar krümmen. Ihren Geist brechen Rache genug. Klara küsste ihn und er drang in sie ein.

In voller Ekstase verschmolzen, begrüßte Tanja sie mit den Worten, sie sollten sich nicht stören lassen und schritt zu ihrem Kleiderschrank. Klara sprang vor dem Vollzug von seinem Laib, berichtete, dass von ihm Erfahrende und kleidete sich wie Tanja an. Die beiden Frauen zwinkerten ihn unisone an, forderte ihn auf mitzukommen.

Das Fahrgeräusch eines Lieferwagens drang in die Kapelle.
»Oh! Da kommt wer!«, murmelte Svenja und rannte aus der Kapelle.

Fridolin strich mit den Fingern über die Nahne Tütken. Gab es da nicht die Geschichte von den Rohdiamanten, die dieser Tütken versteckt hielt. Es wäre Zufall, aber verlockend. Auf der Farm, die er von Josephine als sein Anteil bekommen hatte. Dem zukünftigen Hort des Friedens auf dem Klara und er eine Familie gründen wollte. Auf diesem Gut lag eine stillgelegte Mine.

Ein Lieferwagen mit der Aufschrift »Internationale Tiertransporte« war vorgefahren. Der Fahrer stieg aus, ging zu einem Busch und stellt sich breitbeinig vor das Grün.
»Männer«, zürnte Svenja und drehte ihren Gürtel zurecht. Worauf ein Briefumschlag zu Boden segelte, zudem sie sich bückte. Sie riss ihn auf und zog ein Foto heraus. Die Augenbrauen zusammen gezogen, zupfte sie an ihrem Ohrläppchen. Ein Mann, eine Frau Arm in Arm vor fernöstlicher Kulisse. Svenja verdeckte ihre Lippen und wandte das Fotos. »Ich habe geheiratet. Liebe Grüße Lisselotte«, flüsterte sie, dann legte sich eine behaarte Hand auf ihren Mund, drückte ein Tuch auf ihre Nase.
Der Fahrer des Lieferwagens zog Svenjas schlaffen Körper zum Fahrzeug, öffnete die rechte, hintere Ladetür, warf sie hinein, kletterte hinterher und schloss sodann die Klappe.


weiterzum nächsten Teil 92. Atemlos
 

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